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Vorfahren 1619
Kindheit
in Eisenach 1685
Beim
Bruder in Ohrdruf 1695
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Lüneburg1700
Arnstadt
und Weimar 1703-1708
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in Weimar 1708-1717
Hof
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1724
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Johann
Sebastian Bach 1685 - 1750
Von Arnstadt bis Weimar 1703 - 1708
erstellt von © Martin Schlu - Stand: 12.
Oktober 2008
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1705
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- 1703
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Seitenanfang
- Im Juli 1703 ist es
soweit: Bach führt die Orgelinspektion der neuen
Orgel von Johann Friedrich Wender in Arnstadt
durch (21 Register, zwei Manuale), kombiniert sie gleich
mit einer Solovorstellung vor dem Stadtrat und der ist so
beeindruckt, daß die Stelle erst gar nicht weiter
ausgeschrieben wird, auch keine anderen Bewerber
eingeladen werden und Bach zum 9. August 1703 seinen
Dienst als Organist antritt. Jährlich bekommt er
insgesamt 84 Gulden, mehr, als sein Großonkel in
fünfzig Jahren in Arnstadt je verdient hat und auch
mehr, als sein älterer Bruder in Ohrdruf. Sein
Arbeitsumfang entspricht etwa einer heutigen C-Stelle und
Bach hat ausgiebig Zeit zum Üben, Improvisieren und
Komponieren. Mit zwanzig Jahren hat er bereits eine
Lebenstelle erreicht, lernt seine Cousine Maria Barbara
näher kennen und verliebt sich in sie. Man
könnte heiraten, aber Bach
möchte sich gerne noch weiterbilden und Dietrich
Buxtehude
in Lübeck
kennenlernen, der als legendärer Organist seit 1657,
also seit 44 Jahren, an der Marienkirche angestellt ist
und die Lübecker Abendmusiken konzipiert - ein
kulturelles Muß für Bach. Da diese Konzerte
immer im November und Dezember stattfinden, würde es
sich lohnen, zwei Monate dort zu bleiben und in der
Zwischenzeit bei Buxtehude zu lernen.
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- Das Innere der
Marienkirche, ein lichtdurchfluteter
Bau. Foto©
Martin Schlu, 2006
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- 1705
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Seitenanfang
- Das Presbyterium
genehmigt Bach im Herbst auch vier Wochen Urlaub, das
bedeutet gerade 500 km Weg hin und zurück mit ein
paar Tagen Aufenthalt. Bach hält sich jedoch nicht
an die Absprache, spielt Buxtehude vor, wird als
Schüler akzeptiert und lernt und studiert bei ihm.
Buxtehude ist von Bach ganz angetan und bietet ihm seine
Nachfolge an, wenn er dessen dickliche
dreißigjährige Tochter Anna Margareta heiraten
würde. Auch er selbst selbst hat ja1668 als
Nachfolger Franz Tunders dessen Tochter geheiratet um die
Stelle zu bekommen, ein damals allgemein üblicher
Vorgang. Da Georg Friedrich Händel und Johann
Mattheson erst 1703 nach langer Bedenkzeit das Angebot
ausgeschlagen haben, muß Buxtehude seine Tochter
versorgt wissen und Bach wäre ihm ein willkommener
Schwiegesohn (die Tochter wird vermutlich kaum gefragt
worden sein).
-
- Maria Barbara ist aber
hübscher und musikalischer als Buxtehudes Tochter
und so kommt dessen Nachfolge in Lübeck nicht
zustande. Nachfolger und Ehemann Anna Margaretas wird
drei Jahre später ein gewisser Johann Christian
Schieferdecker, als Buxtehude 1707 stirbt.
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- Kompositionen aus
dieser Zeit:
- Orgelchoral:
Wie schön leuchtet der Morgenstern BWV 739 (um
1705)
- Kantate: "Nach
dir, Herr, verlanget mich" BWV 150 (evtl. für
Maria Barabara geschrieben, ca. 1705)
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- 1706
-
Seitenanfang
- Erst Im Februar 1706
trifft Bach mit drei Monaten Verspätung wieder in
Arnstadt ein. Die harmonischen Fortschritte durch
Buxtehudes Unterricht werden bei der Choralbegleitung und
den Improvisationen hörbar und kritisch beurteilt.
Es kommt zum ersten Ärger mit dem
Presbyterium
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- "Actum,den
21. Februar 1706
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- Wird
der organist .. vernommen, wo er unlängst so
lange geweßen, und bey wem er deßen
verlaub genommen?
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- Ille:<jener>
Er sey zu Lübeck geweßen umb daselbst ein
und anderes in seiner Kunst zu begreiffen, habe aber
zu vorher von dem Herren Superintendanten vm
erlaubnüß gebethen.
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- Superindentant:
Er habe nur auf 4. Wochen solche gebethen, sey aber
wohl 4.mahl so lange
außengeblieben.
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- Ille:<jener>
Hoffe das orgelschlagen würde unterdeßen
von deme, welchen er hiezu bestellet, dergestalt seyn
versehen worden, daß deßwegen keine Klage
geführet werden können.
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- Nos:<Wir>:
halten ihm vor daß er bißher in dem
Chorale viele wunderliche variationes gemachet, viele
frembde Thone <harmoniefremde
Töne> mit
eingemischet, daß die Gemeinde drüber
confundiret <verwirrt>
worden. Er habe ins künfftige wann er ja einen
tonum peregrinum <einen
Ton einer entfernten
Tonart>
mit einbringen wolte, selbigen auch
außzuhalten........ habe bißhero etwas gar
zu lang gespiehlet, .... währe......gleich auf
das andere extremum gefallen und hätte es zu
kurtz gemachet..."
(zit. nach
"Geck 1", S24f, "Geck 2", S. 60f)
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- Hinzu kommen weitere
Vorwürfe, er habe eine "frembde Jungfer" auf
die Empore geführt (wahrscheinlich hat er mit Maria
Barbara eine Gesangspartie ausprobiert, die der Chor
nicht singen konnte, weil er zu schlecht war), würde
zu wenig eigene Kompositionen mit dem Chor
aufführen, hätte Disziplinprobleme mit dem
Chor..., es wird erkennbar, daß Bach in Arnstadt
nicht glücklich ist und die Arnstädter nicht
glücklich mit ihm. Es zeigt sich, daß Bach
Musiker durch und durch ist, der es nicht ertragen kann,
wenn Amateure falsche Töne produzieren und die
Arnstädter wiederum möchten eher einen (modern
ausgedrückt) Musikpädagogen, weil Ihnen das
Hochprofessionelle nicht so wichtig ist. Beide Seiten
erwarten voneinander Unmögliches.
-
- In diesem Zusammenhang
sei auf die Episode mit dem "Zippelfagottisten"
Geyersbach hingewiesen
(t'Haart, ebd. 22-39),
die sich am 4. August 1705 ereignet hat: Maarten t'Hart
zeigt sehr detailliert auf, wieviele Versionen dieser
Episode in Umlauf sind und nimmt dies Beleg dafür,
daß Bach als Person nur erscheint, wenn es
irgendeine Beschwerde über ihn gegeben hat
(s.
o). Nach seiner
Ansicht wissen wir im Vergleich bsp. zu Mozart über
Bach so gut wie nichts.
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- 1707
-
Seitenanfang
- Eine Perspektive bietet
die Stadt Mühlhausen, wo der Organist Johann Georg
Ahle im Dezember 1706 gestorben ist. Da Maria Barbara mit
einem Mühlhausener Ratsherren verwandt ist, werden
die Vorbereitungen zu einem Stellenwechsel eingeleitet,
ein Cousin Bachs wird die Arnstädter Stelle
übernehmen, und im Herbst 1707 wechselt Johann
Sebastian nach Mühlhausen, nachdem vorher, am 17.
Oktober, die Hochzeit mit Maria Barbara stattgefunden
hat. Finanziell ist es eine Verbesserung, vom
Arbeitsklima her ebenfalls und Bach kann sich musikalisch
austoben, komponiert viel und kopiert eifrig alles an
Werken, was er in der Bibliothek findet und was er
verwenden könnte.
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- Offensichtlich
wußten die Mühlhausener aber, was sie an Bach
hatten, weil im Februar 1708 zum Ratswechsel die Kantate
BWV 71 "Gott ist mein König" gedruckt wird, für
Bach die erste Veröffentlichung überhaupt und
lange Zeit die einzige. Aber auch hier reicht Bach seinen
Abschied ein, als ihm klar wird, daß man in
Mühlhausen über provinzielle Qualität
nicht herauskommen wird, so nett die Mühlhausener
auch sind. Grund dafür mag der pietistische Ansatz
des Pastors von St. Blasii sein, der Kirchenmusik nur als
Mittel zum Zweck der Andacht und der Verkündigung
sieht. Der Pastor der Nachbarkirche St. Marien ist
dagegen lutherisch-orthodox und braucht Bachs Musik. Es
kommt zu einer lockeren Zusammenarbeit: Georg Christian
Eilmar schreibt die Texte, Bach die Musik (Kantate "Aus
der Tiefe" BWV 131, möglicherweise auch BWV 71
s.o.).
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- 1708
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- Im Frühjahr
erfährt Bach, daß die Weimarer Hofkapelle
einen neuen Organisten braucht, da der alte in Pension
gehen will. Er legt ein Probespiel ab, wird sofort
verpflichtet und bekommt jährlich 150 Gulden,
doppelt soviel wie vorher. Er geht in Freundschaft von
den Mühlhausenern, gibt ihnen noch einen Vorschlag
für den Umbau der Orgel und bleibt dem Pastor Eilmar
sein Leben lang eng verbunden.
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- Kompositionen aus
dieser Zeit:
Kantate Gott ist mein König BWV 71
(1708)
- Kantate: Aus der
Tiefe rufe ich BWV 131 (1708)
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- Zum Hören
empfehle ich möglichst die Rilling-Einspielungen,
doch am besten lernt man Bachkantaten kennen, wenn man
sie einmal mitgesungen hat. Die Kantoren der
größeren Ev. Gemeinden bieten das immer
wieder an.
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