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Kulturgeschichte - Barock


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Johann Sebastian Bach 1685 - 1750
Am Hof in Weimar 1708 - 1717
erstellt von © Martin Schlu - Stand: September 2002 (Rev. Juni 2004)

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Johann Sebastian Bach 
"Aber schon ein Jahr darauf (1708) ging er nach Weimar zurück, um die Stelle eines Hoforganisten und Kammermusikers zu übernehmen. Als er bei der Neubesetzung der Hofkapellmeisterstelle übergangen wurde, verlangte er vom Herzog seine Enthebung. Er wurde festgenommen, vier Wochen in Haft gehalten und sodann mit allen Zeichen der Ungnade entlassen. Durch dieses Vorgehen hatte der Herzog seinem Namen einen Platz in der Musikgeschichte gesichert."
(Alfred Baumgartner: J.S.Bach in: Das große Handbuch der Musik, Kiesel 1989)
 
Der Weimarer Hof hat als Folge des 30jährigen Krieges seit 1629 eine Doppelherrschaft: Herzog Wilhelm Ernst, der in der Wilhelmsburg residiert, ist eher Theologe, Lutheraner und möchte seine Frömmigkeit auf den Hof übertragen. Er gründet Prediger- und Priesterseminare und unterhält ein Kirchenorchester. Der Neffe Ernst August dagegen residiert im Roten Schloß als zweiter Herrscher, ist eher Künstler als Theologe und kann sich mit seinem Onkel nie einigen, wer über die Dienstboten (und damit über die Hofkapelle) zu entscheiden hat. Als extremes Beispiel sei ein Hornist angeführt, der jedesmal, wenn er um seine Entlassung bat, zu Schlägen und Kerker verurteilt wurde und, als er heimlich flüchtete, für vogelfrei erklärt und gehenkt wurde.
 
1708
Bach sitzt hier zwischen den Stühlen, hält es aber immerhin neun Jahre in Weimar aus. Finanziell verdient er gut, die meisten Kinder werden geboren: Catherina Dorothea (1708-1774), Wilhelm Friedemann (1710-1784), Carl Philipp Emmanuel (1714-1788) oder sie sterben kurz nach der Geburt wie die Zwillinge (1713) oder Leopold August (1718-1719). Bachs Sorgenkind, Johann Gottfried Bernhard, (1715-1739) muß ein Problemkind gewesen sein, es gibt einige Briefe Bachs, in denen er dessen Schicksal beklagt und sein Tod 1739 in Jena ist ungeklärt.
 
Bach festigt seinen Namen als Starorganist, Sachverständiger und Orgellehrer mit ca. achtzig Schülern. Um 1711 erhöht sich sein Gehalt auf 200 Gulden, 1714 auf 250, weil er noch den Konzertmeisterposten erhält. Dies geschieht als Ausgleich, weil Bach in Halle an der Liebfrauenkirche eine Stelle angeboten bekam und in Weimar bleiben sollte. Als Kapellmeister wachsen Bachs Aufgaben, so hat er für das Orchester monatlich eine Kantate zu schreiben und aufzuführen und zwischen 1714 und 1716 entstehen deshalb 20 weitere Kantaten. Als 1715 der Neffe Ernst August stirbt und Wilhelm Ernst Alleinherrscher wird, hört das Gezerre um die Hofkapelle zwar auf, aber als am 1. Dezember der Kapellmeister stirbt und Bach bei der Besetzung der Stelle übergangen wird, hört er auf zu schreiben und schaut sich anderweitig um. Im Januar 1716 lernt er den Fürsten Leopold von Anhalt-Köthen kennen, schließt mit ihm im August einen Vertrag über 400 Taler jährlich und bittet danach den Herzog um seine Entlassung. Im Herbst 1717 kommt es zum berühmten Wettstreit mit dem Orgelvirtuosen Louis Marchand, den Bach kampflos gewinnt, weil Marchand abreist, als er erfährt, gegen wen er antreten soll.
 
Am 6. November versucht Bach seine Entlassung durchzusetzen und wird vom Herzog deshalb ins Gefängnis geworfen, allerdings nach vier Wochen, am 2.12. 1717, auf Drängen Leopolds wieder freigelassen. Selbst ein Herzog Wilhelm Ernst kann sich einen Krieg wegen eines Musikers nicht leisten und Bach zieht eine Woche später nach Köthen.
 
Orgelwerke aus dieser Zeit:
Orgelbüchlein. 46 Choralvorspiele für Orgel, nach dem Kirchenjahr geordnet,
Toccata und Fuge d-moll BWV 537
Fantasie und Fuge g-moll BWV 542
Passacaglia c-moll BWV 582

Orchestermusik aus dieser Zeit:
Orchestersuite Nr. 1 C-Dur BWV 1066, Nr.2 h-moll BWV 1067
 
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Quellen:
Alfred Baumgartner: J.S.Bach in : Das große Handbuch der Musik, Kiesel 1989
Martin Geck: Johann Sebastian Bach. rororo-Monographien Bd. 80, Reinbek bei Hamburg 1993
Malte Korff: Johann Sebastian Bach. dtv-Portrait, München 2000
Martin Schlu: Ergänzungen zur Matthäuspassion, Manuskript, 1992/2000
Maarten t'Haart: Bach und ich. Piper, München 2000/TB Piper 3296, München 2002