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Kulturgeschichte - Barock


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Johann Sebastian Bach
Am Hof in Köthen 1717-1723
erstellt von © Martin Schlu - Stand: September 2002 (Rev. Juni 2006)

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"... ging als Hofkapellmeister 1717 nach Köthen, (Prinz Leopold zu Anhalt-Köthen) wo es allerdings keine Kirchenmusik gab, weil der Hof calvinistisch war. Im Sommer 1720 mußte er seinen Dienstgeber, Fürst Leopold von Anhalt (1676-1747), mit einigen Orchestermitgliedern nach Karlsbad begleiten. Während seiner Abwesenheit starb 1720 seine Frau. Er heiratete am 3. 12. 1721 zum zweiten Mal, und zwar Anna Magdalena Wilken (Wülken, 1701-60),Tochter eines Hoftrompeters. Inzwischen waren auch die Zustände in Köthen unhaltbar geworden. Der Fürst heiratete eine Frau, die der Musik andere Vergnügungen vorzog. Dadurch engte sich das Betätigungsfeld des Hofkapellmeisters sehr ein.
(Alfred Baumgartner: J.S.Bach in: Das große Handbuch der Musik, Kiesel 1989)
 
1717
Grundsätzlich anders als in Weimar ist Bachs Arbeitsumgebung: Nicht nur, daß er sein Gehalt bereits ab August 1717 erhält
(zu diesem Zeitpunkt muß er noch den ungeliebten Dienst bei Wilhelm Ernst ableisten, der ihn im November ihn Haft nimmt, als sein Entlassungsgesuch zu lästig wird), er ist von Anfang an Kapellmeister und Direktor der Kammermusik und musikalisch freie Hand. Köthen wird für Bach sicherlich das angenehmste Arbeitsverhältnis seines Lebens. Sein Arbeitgeber, Fürst Leopold von Anhalt-Köthen, ist Musikliebhaber durch und durch, besoldet Bach mit 400 Talern (genausoviel wie der Hofmarschall), das sind 150 Taler mehr, als es in Weimar gab. Köthen ist calvinistisch, das bedeutet, daß Bach nicht mehr kirchenmusikalisch schreibt, sondern nur noch im weiteren Sinne Unterhaltungsmusik , wie die Violinkonzerte BWV 1041-1043 und jede Menge Musik für Soloinstrumente mit B.C. - Seitenanfang
 
1720
Als der Brandenburger Kurfürst bei Leopold am Hofe ist, wird Bach beauftragt, eine Repräsentationsmusik zu schreiben: die Brandenburgischen Konzerte. Leider zahlt der Auftraggeber niemals, selbst auf den Unkosten für Stich und Ledereinband bleibt Bach sitzen. Dabei hätte der Kurfürst mit Leichtigkeit die paar Taler zahlen können - immerhin hatte seine Kasse noch für den Ankauf größerer Gebiete des Territoriums gereicht und den Krieg gegen die Schweden hat er auch gewonnen. (nach Preußen)
 
"Nachdem er <Bach> mit dieser seiner ersten Ehegattin 13. Jahre eine vergnügte Ehe geführet hatte, wiederfuhr ihm in Cöthen, im Jahre 1720. der empfindliche Schmerz, dieselbe, bey seiner Rückkunft von einer Reise, mit seinem Fürsten nach dem Carlsbade, todt und begraben zu finden; ohngeachtet er sie bey der Abreise gesund und frisch verlassen hatte. Die erste Nachricht, daß sie krank gewesen und gestorben wäre, erhielt er beym Eintritte in sein Hauß"
(aus dem Nekrolog Carl Philipp Emmnuel Bachs, zit. nach 't Hart, S. 42)
 
 
Der Tod seiner Frau Maria Barbara im Juli ist zwar schlimm, wirft ihn aber nicht um, so etwas passiert halt und es ist nötig, schnell eine neue Mutter und eine tüchtige Hausfrau für gegenwärtig vier Kinder zu finden. Ein halbes Jahr später wird die Tochter des Hoftrompeters Wülken, Anna Magdalena, geheiratet, eine Sängerin, die er zwei Monate vorher erstmals an den Hof engagiert hat. Die Hochzeit muß recht lustig gewesen sein: eine Weinrechnung von immerhin 27 Talern ist vorhanden.
 
Auch Leopold heiratet eine Woche später. Dummerweise hat seine Frau keinen Sinn für Musik und ihr ist die Freundschaft ihres Mannes zu dem Hofkapellmeister äußerst suspekt. Es zeichnet sich ab, daß Bach in Köthen musikalisch nicht weiterkommen wird und so bewirbt er sich in Hamburg an Sankt Jacobi. Das Probespiel klappt gut, aber als Bach gefragt wird, wieviel er denn bezahlen könne um die Stelle zu erhalten reist er entgeistert wieder ab, obwohl ihn das Konsistorium vermutlich eingestellt hätte und er die Zahlung vermutlich durch Nebendienste schnell wiedfer herausgehabt hätte. Später schreibt man ihm ein gewisser Heitmann habe 4000 Mark bezahlt und daher diese Stelle bekommen.
< Diese Episode ist in dem DEFA-Film der Bach-Biographie aus den Siebziger Jahren (DDR) ganz gut getroffen.>
 
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 Überdies wollte der Komponist seine heranwachsenden Kinder in keine calvinistische Schule geben. Er bewarb sich um die durch den Tod Johann Kuhnaus freigewordene Stelle des Thomaskantors in Leipzig. Bach bekam die Stelle als Lückenbüßer, weil die Leipziger Georg Philipp Telemann, Johann Friedrich Fasch (1688 bis 1758) oder Christoph Graupner, die als Vertreter des neuen galanten Stils vorgezogen worden wären, abgelehnt hatten ( 5.5.1723).Trotz des Abstieges vom Hofkapellmeister zum Kantor, trotz der Verpflichtung, Lateinunterricht zu geben, trotz der vielen sinnfremden Vorschriften, die ihm seine Vorgesetzten machten, übernahm er das Amt, weil es für seine Familie eine sichere, wenn auch knappe Einnahmequelle und für ihn selbst die Möglichkeit brachte, als Kirchenmusiker und Kirchenkomponist den künstlerischen Auftrag, den er in sich fühlte, zu erfüllen. Bach wollte Musik und Musizieren in den Mittelpunkt der Erziehung und des Unterrichts stellen, aber das aufkommende neuhumanistische Bildungsziel mit seinen aufklärerischen Methoden ließ der Musik in der Schule wenig Raum."
(Alfred Baumgartner: J.S.Bach in: Das große Handbuch der Musik, Kiesel 1989)
 
 
1721 1722
Ein Jahr später erfährt Bach, daß der Thomaskantor in Leipzig, Johann Kuhnau verstorben ist und Georg Philipp Telemann sein Nachfolger wurde. Jedoch wirft dieser nach einiger Zeit die Brocken hin, es gibt mehrere neue Anwärter und Bach beschließt am 22.12 1722 sich in Leipzig zu bewerben. Es wäre zwar ein sozialer Abstieg und er hätte mehrere Vorgesetzte, aber in Köthen sieht er für seine Kinder keine Zukunft mehr und er möchte sie eben nicht calvinistisch, sondern liberal erziehen lassen. Leopold erweist ihm einen letzten Freundschaftsdienst und schreibt Bach ein Zeugnis, das alles enthält, was man sich nur wünschen kann:
 
Von Gottes Gnaden Wir Leopold Fürst zu Anhalt etc. etc. fügen hiermit männiglich zu wißen, wasgestalt Wir den Ehrenverten und Wohlgelahrten Johan Sebastian Bachen seit den 5. Augusti 1717. alß Capelmeistern und Directoren unserer Cammer Music in Diensten gehabt, da Wir dan mit deßen Verrichtungen jeder Zeit wohl zufrieden gewesen: Wan aber derselbe anderweit seine Fortun vor itzo zu suchen willens, und Unß deshalb um gnädigste dimission unterthänigst angelanget: Alß haben Wir ihm dieselbe hier durch in gnaden ertheilen, und zu anderweiten Diensten bestens recommendiren wollen. Uhrkundlich haben Wir diesen Abschied unter Unserer eigenhändigen Unterschrifft ausgestellet und mit Unserem Fürstlichen Insiegel bedrucken laßen.
So geschehen Cöthen den 13. Aprilis 1723.
 
Bach wird nach Leipzig geladen, führt eine Probekantate auf, die begeistert (Jesus nahm zu sich die Zwölfe) und muß sich sagen lassen, "...da man die besten nicht bekommen könne, müsse man mittlere nehmen..."
Am 5. Mai unterschreibt er den Arbeitsvertrag unter der Bedingung, noch eine Prüfung in Theologie ablegen zu müssen. Einige Tage später zieht er nach Leipzig. - Seitenanfang
 
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Quellen:
Alfred Baumgartner: J.S.Bach in : Das große Handbuch der Musik, Kiesel 1989
Martin Geck: Johann Sebastian Bach. rororo-Monographien Bd. 80, Reinbek bei Hamburg 1993
Malte Korff: Johann Sebastian Bach. dtv-Portrait, München 2000
Martin Schlu: Ergänzungen zur Matthäuspassion, Manuskript, 1992/2000
Maarten t'Haart: Bach und ich. Piper, München 2000/TB Piper 3296, München 2002