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Kulturgeschichte - Barock


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Johann Sebastian Bach
Der Thomaskantor 1723
erstellt von © Martin Schlu - Stand: September 2002 (Rev. Juni 2006)

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Johann Sebastian BachVorgänger als Thomaskantoren:
Seth Calvisius
(geb. 1556, Kantor seit 1594)
Johann Hermann Schein (1586 - 1630)
 
 
Dienstpflichten und die ersten Jahre
Leipzig ist damals die Messestadt schlechthin in Deutschland, noch vor Frankfurt und Nürnberg. 30.000 Einwohner machen sie zum kulturellen Zentrum und die Kirchenmusikstelle, die Bach antritt, ist nur mit dem Domkapellmeister in Köln oder dem Maestro di Capella in Venedig zu vergleichen. Bachs Dienstpflichten sind daher nicht nur die eines Kantors etwa einer heutigen A-Stelle, sondern gehen mehr in den Bereich eines Generalmusikdirektors für Kirche, Stadt und Universität zusammen. Im Einzelnen handelt es sich um folgende Aufgaben:
 
Organisation und Durchführung der Kirchenmusik an den vier Hauptkirchen Leipzigs, hauptsächlich der Thomaskirche und Nikolaikirche, außerdem an der Neuen Kirche und der Peterskirche;
Kirchenmusik an der zur Universität gehörenden Paulinerkirche; 
Kompositionen von Passionen und Oratorien für die Hauptgottesdienste Weihnachten, Karfreitag, Ostern;
Musikalische Ausgestaltung etwa von Hochzeiten, Begräbnissen, städtischen Festlichkeiten, Geburtstag, Beerdigung etc. von Honoratioren von Kirche, Stadt und Universität;
Unterrichtsverpflichtung an der Thomasschule in Gesang, Musiktheorie, Instrumentalspiel, Latein, Katechismus
(für Nicht-Evangelische: Bibelkunde und Auslegung nach lutherischer Auffassung);
Bereitstellung von Kantaten, damit an jedem Sonntag textlich/musikalisch passend ausgestaltet werden kan
(Damit werden die fünf Kantatenjahrgänge begründet, ca. 300 komponierte Kantaten, von denen ca. 200 erhalten sind);
außerdem Abnahme von Orgeln der Umgebung, Prüfung von Schülern, Stadtpfeifern, Organisten und die Verwaltung des Instrumentariums der Stadt. - Seitenanfang
 
 

Thomaskirche in Leipzig

Innenansicht der Nikolaikirche

Thomaskirche in Leipzig

Innenansicht der Nikolaikirche


Die Thomasschule ist eine Art Stiftsschule, deren Schüler meist Kinder armer Eltern sind, die jedoch im Normalfall musikalisch
überdurchschnittlich begabt sind, so daß man mit Ihnen eigentlich auf einem hohen Niveau arbeiten könnte (vgl. Wiener Sängerknaben, Regensburger Domspatzen, Kölner Domsingschule etc.). Tatsächlich herrscht hier aber Kinderarbeit übelster Sorte: der Stadtrat kommt so billig an die Kirchenmusik und die Eltern wehren sich natürlich nicht, weil sie sonst einen Esser mehr im Haus hätten. Üblich sind mehrere Stunden Sängerpflicht pro Tag in der Kirche (allein der Sonntagsgottesdienst dauert vier Stunden), regelmäßiges Kurrendesingen, um Spenden für die Gemeinde zu erbetteln und das "Leichensingen" , bei dem die Schüler mit Dreispitz uind schwarzem Umhang die Verstorbenen singend zum Grab geleiten und die musikalische Ausgestaltung der Totenmesse übernehmen müssen. Damit spielen die Thomasschüler für die Kirchenleitung wieder etwas Geld wieder ein und tragen zu ihrem Unterhalt bei. Etwas Vergleichbares gibt es bis heute in der Betheler Posaunenmission, wo jede Beerdigung geblasen wird, allerdings können die Bläser das Beerdigungsgeld für sich behalten (Ich kenne bis heute einige Bläser, die sich ihr erstes eigenes Instrument so verdient haben). Übrigens muß auch bei Hinrichtungen der Chor mit dem Kantor den Kandidaten zum Richtplatz begleiten, denn Hinrichtungen sind spektakulär und außer dem geistlichen Beistand für den Delinquenten wird dabei auch wieder Reklame für die Thomasschule gemacht. - Seitenanfang
 
Darüberhinaus ist ein Schulpensum zu absolvieren, das im sprachlichen und theologisch/philosophischen Bereich weit über dem heutigen gymnasialen Level liegt. Daß die Schüler dabei gewisse Disziplinprobleme haben, liegt heute auf der Hand und hat Bach sicherlich eine Menge Streß bereitet.
 
Die Kantatenjahrgänge
Bach und die Vorgesetzten
Die Lebenskrise 1729/30
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Quellen:
Alfred Baumgartner: J.S.Bach in : Das große Handbuch der Musik, Kiesel 1989
Martin Geck: Johann Sebastian Bach. rororo-Monographien Bd. 80, Reinbek bei Hamburg 1993
Malte Korff: Johann Sebastian Bach. dtv-Portrait, München 2000
Martin Schlu: Ergänzungen zur Matthäuspassion, Manuskript, 1992/2000
Maarten t'Haart: Bach und ich. Piper, München 2000/TB Piper 3296, München 2002