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Johann
Sebastian Bach
erstellt von © Martin Schlu - Stand:
September 2002 (Rev. Juni 2004)
- Die
Kunst der Fuge 1742-1750

-
- Ab 1738 hat
sich Bach mit seinem Leben eingerichtet: durch
die Anerkennung des Kurfürsten bleiben die
Reibereien mit den Vorgersetzten aus, die
älteren Kinder sind erwachsen und haben als
Musiker ihr Auskommen, der Großteil der
Werke ist längst geschrieben und muß
nur noch aufgeführt werden und seine
Hilfsdirigenten, die Präfekten, nehmen Bach
eine Menge Arbeit ab. Er kann sich nun anderen
Dingen widmen: Reisen als Orgelvirtuose,
Orgelabnahmen, Bekanntschaft mit dem Orgelbauer
Silbermann etc. Aufgrund Bachs
Wertschätzung werden oft die Rechnungen
für Unterkunft und Verpflegung
übernommen, seine Nachfrage als Lehrer
steigt und er könnte eigentlich in Ruhe
sein Lebensende abwarten.
In Matthesons Standardwerk vom "Vollkomenen
Capellmeister" von 1739 wird er zwar als
"großer Fugenmeister" gelobt,
jedoch bemängelt Mattheson, daß von
ihm noch nicht genug Fugen veröffentlicht
sind, die Schülern als Lehrstücke
dienen könnten. Obwohl Bach in seinen
"Clavierübungen" genug Beispiele der
Formen- und Kompositionslehre geschrieben hat,
plant er einen fünften Band. Seine Erben
geben nach seinem Tod diese Sammlung als "Kunst
der Fuge " heraus.
Diese "Kunst der Fuge" entsteht in
Grundzügen also schon ab 1742 und wird nie
fertig werden, weil die Ziele, die sich Bach
gesetzt hat, so hoch sind, daß auch er
nicht die Zeit findet, sie adäquat zu
lösen. Im Wesentlichen geht es um
Modellkompositionen: Fugen mit bis zu vier
Themen, Fugen, deren Themen spiegelbildlich
gleich sind (Spiegelfuge), Fugen als Kanon etc.
Bach gibt dabei auch nie eine Instrumentierung
an, weil es hier um Kompositions- und
Theoriemodelle geht. Der Nachsatz des Sohnes
Carl Philipp Emmanuell .."über diese
Fuge, wo der Nahme BACH im Contrasubject
(Gegenthema)
angebracht worden, ißt der Verfaßer
gestorben" dürfte beschönigende
Geschichtsfälschung sein; Korff
(a.a.O.
131) ist
sogar der Meinung, daß die Komposition
seit 1749 unfertig herumlag, weil Bach
Wichtigeres zu schreiben hatte, die
h-moll-Messe, seine letzte fertige Komposition.
Sie existiert nur als Partitur und dürfte
zu Bachs Lebzeiten nicht aufgeführt worden
sein. Vielleicht ist sie auch eher modellhaft
und Musik fürs Auge gewesen. Daß Bach
sie angefangen hatte, um sich beim katholischen
Kurfürsten anzudienen, gilt als gesicherte
Erkenntnis.
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Quellen:
Alfred
Baumgartner: J.S.Bach in : Das große
Handbuch der Musik, Kiesel 1989
Martin Geck: Johann Sebastian Bach.
rororo-Monographien Bd. 80, Reinbek bei Hamburg
1993
Malte Korff: Johann Sebastian Bach.
dtv-Portrait, München 2000
Martin Schlu: Ergänzungen zur
Matthäuspassion, Manuskript, 1992/2000
Maarten t'Haart: Bach und ich. Piper,
München 2000/TB Piper 3296, München
2002
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