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Kulturgeschichte - Venedig - Reiseempfehlung


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Venedig für Anfänger - eine Reiseempfehlung
von Martin Schlu (Text und Fotos) 2006, aktualisiert am 23. september 2013

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Allgemein - Reisezeit - Unterkunft - Gepäck - Ankunft  - Essen gehen - Einkaufen - Sightseeing - Konzerte - Kunst - Friedhof San Michele - Venedig für Fortgeschrittene - weitere ReiseberichteLiteratur


Venedig von San Giorgio aus: links die Zollstation (Dogana) mit der Einfahrt in den Canal Grande, in der Mitte der Stadtteil San Marco,  rechts der Campanile von San Marco (Dez 2010)

Allgemein - Seitenanfang
"In München steht das Hofbräuhaus und dicht dahinter liegt Venedig" - ein legendärer Spruch des Zeichners und Cartoonisten Manfred Schmidt aus den 60er Jahren (aus: Schmidt, Manfred: Mit Frau Meier in die Wüste, vergriffen, evtl. antiquarisch). Der Satz stimmt heute immer noch, denn gerade am Wochende kommen sie, die Bayern, die Österreicher, Engländer, Franzosen und viele andere, die gerne mal ein paar Tage in Venedig verbringen - wie ich auch. Hinzu kommen die Tagestouristen von den großen Schiffen, die am Vormittag in großen Horden in die Gegend zwischen Arsenale und San Marco einfallen, aber zum Glück ab dem späten Nachmittag wieder weg sind, so daß man dann wieder so viel Platz hat wie im Supermarkt Samstag vormittag. Man plant für einen Besuch nach Möglichkeit eine Woche ein. Zur Einstimmung empfehlen sich ein paar Donna Léon/Brunetti-Krimis, diverse Venedig-Filme und etwas Lesezeit.

Venedig besteht aus mehrereren Stadtteilen: San Polo im nördlichen Zentrum, San Marco im südlichen Zentrum, Dorsoduro und die Isola dell Giudecca im Süden, San Croce im Nordwesten, Canaregio im Norden und Arsenale und Castello im Osten. Außerdem gibt es die Friedhofsinsel San Michele , den Lido, die Glasbläserinsel Murano und einige Außenbezirke wie Burano oder Torcello, Man muß nicht alle kennen und nicht alle gesehen haben, es sei denn, man will da für längere Zeit wohnen, und dann braucht man sowieso ein Boot. Die Wohngegenden sind eher Canaregio, Dorsoduro, Castello und San Croce, die Touristenzentren liegen eher um San Polo und San Marco - Überschneidungen zwischen Tourismusbetrieb und normalem Geschäft sind normal.
Reisezeit - Seitenanfang
Venedig hat zwar immer Hochsaison, aber dennoch gibt es bessere und schlechtere Zeiten. Im Winter ist es feuchtkalt und schön, man hat eher Hochwasser (acqua alta) und braucht Gummistiefel. Im Sommer ist es feuchtheiß und schön und der Kanal stinkt manchmal und im Frühjahr und Herbst stinkt es nicht, noch ist es zu feucht, zu kalt oder zu heiß und es ist eigentlich die beste Reisezeit. Die besten Zeiten sind der Mai und Oktober/November, weil da die normalen Ferientouristen ausfallen. Hartgesottene fahren auch zwischen Weihnachten und Neujahr, wenn sie sich auskennen. Gute Zeiten sind außerdem Karneval, die Woche vor und nach Ostern und die Zeit um die Jahreswende, vielleicht nicht gerade samstags zwischen 11:00 und 14:00 Uhr, weil dann auch noch die Wochenends-Tagestouristen einfallen und es zwischen Rialto und San Marco zugeht wie Rosenmontags in der Kölner Innenstadt.


Sonntagnachmittag -  links: Gasse bei Canaregio im Touristenstrom,  rechts Gasse in Canaregio im Wohngebiet.
Die Bürgersteige werden im Normalfall abends ab 22.00 Uhr hochgeklappt und man kann durch die Straßen/Gassen gehen ohne sich totzutrampeln und manchmal sind sie  sogar leer. Allerdings, wer nicht gut zu Fuß ist, sollte besser nicht nach Venedig fahren, weil es ohne Laufen nicht geht und für Rollstuhlfahrer geht Venedig überhaupt nicht, auch wenn es nun (2011) ein paar Rampen gibt und die eine oder andere Brücke flachere Stufen bekommen hat. Auch von breiten Kinderwagen kann man nur abraten, denn durch viele Gassen kommt man nicht durch, weil sie weniger als einen Meter breit sind. Wer kleine Kinder hat, trägt sie am besten im Gestell auf dem Rücken, größere läßt man laufen. Ich habe zwei Male in Venedig einen breiten Zwillingswagen gesehen - mit genervten und gestreßten Eltern. Zur Nachahmung nicht empfohlen.
Unterkunft - Seitenanfang
Man hat sich im Idealsfall ein halbes Jahr vorher eine Wohnung besorgt. Die gibt es in allen Größen ab etwa EUR 120.-/Tag bei 2- 4 Personen. Denkbar ist auch die Jugendherberge auf der Giudeccha oder eine Wohnung in Mestre oder in Jesolo, von wo man aus täglich mit der Bahn in die Stadt fährt. Die meisten Venezianer machen das so, weil die Mieten und Wohnungspreise in Venedig für sie schon lange nicht mehr zu bezahlen sind und aus dieser Stadt  fast schon ein Freilichtmuseum geworden ist mit vielen Läden für Masken und Souveniers. Doch es gibt auch noch normale Wohngebiete, Geschäfte, Supermärkte und Schulen - ca. 60.000 Menschen leben immerhin noch in der Altstadt und die kennen meistens auch jemanden, der für das nächste Mal bezahlbar vermietet. Übrigens kostet eine Drei-Zimmer-Wohnung in einer halbwegs zentralen Lage soviel wie woanders ein ganzes Haus - unter EUR 300.000.- braucht man erst gar nicht zum Makler gehen. Für diesen Betrag kann man im Prinzip aber auch sein Leben lang für die Venedig-Kurzbesuche eine Wohnung mieten oder mietet immer wieder etwas für ein paar Monate. Dann muß aber auch ein Italienisch-Kurs drin sein.

Wer sich nicht auch noch im Urlaub selbst versorgen möchte und eher Hotelurlauber ist, geht früh genug auf die Hotelsuche.  Aber ein Hotel ist immer mindestens doppelt so teuer wie eine Ferienwohnung und für die paar Stunden Schlaf oder Ausruhen muss man nicht unbedingt die Hochzeitssuite im Danieli haben. Eine Vaporetto - Anlegestelle ist sowieso meist in erreichbarer Nähe (eine Art Busboot, das auf festen Linien alle paar Minuten abfährt).
Gepäck - Seitenanfang
Alles andere als ein Rollkoffer (Trolley) ist Quatsch. Venedig hat Hunderte von Brücken, über die ein Koffer getragen werden muß und bei ca. 15 kg ist einfach Schluß. Wenigstens über die Gassen und Plätze sollte man das Teil  ziehen können. Da fast überall Pflaster liegt, sollten es große Rollen sein, möglichst mit Gummi, das schont die Ohren der Anwohner und verhindert ein Abbrechen der Rollen. Mir tun immer die Mädel leid, die im Sommer zwei dicke Koffer und einen Bergsteigerrucksack mit sich herumschleppen, weil sie glauben, sich für abends aufbrezeln müssen. Ist gar nicht nötig - die netten "ragazzi" flirten mit allen Mädchen und für die nötigsten Klamotten und das Schminkzeug reicht auch ein kleiner Koffer. Die aufgebrezelten amerikanischen Kreuzfahrermädchen sind abends auch keine Konkurrenz mehr, denn dann sind die Schiffe schon wieder fort. Übrigens gibt es Tausende von Studenten und Studentinnen, die in Venedig richtig arbeiten und wenn man nach achtzehn Uhr einen jungen Menschen mit amerikanischem Akzent hört, ist es kein Tourist, sondern vermutlich ein/e Kunststudent/in. Über Weihnachten und Neujahr sind die meisten davon bei ihren Eltern und dann gibt es nur noch Einwohner und Insider.
Ankunft - Seitenanfang
Nach der Landung am Flughafen Marco Polo oder Treviso löst man entweder das Wochenticket für EUR 50,00 oder das Dreitage-Ticket der ACTV für EUR 33,00.- (Einzelticket: 6,50.- ; 36 Stunden: 23,00.-, drei Tage: 33,00.-, Wochenticket: 50,00.-,  Kinder die Hälfte) und nimmt den Bus Nr. 5 bzw. 5D zur Piezzale di Roma (PR) Auf jeden Fall sollte man das größte mögliche ACTV-Ticket lösen, es ist wesentlich billiger als das Einzelticket und das Gepäck (sonst pro Koffer EUR 3,50.-) ist auch inbegriffen. Wenn Streik sein sollte, kann man für EUR 13,00.- das Boot der "Alilaguna" (weil privates Unternehmen) zur oder nach Zattere, S. Zaccharia , Nähe San Marco,  nehmen und ist schon mal mitten drin. Mit dem Vaporetto  geht es normalerweise überallhin weiter. Zum Kennenlernen fährt man am besten  mit der Linie 1 oder 2 vom Piezzale bis etwa Arsenale und zurück. Das dauert etwa eine bis anderthalb Stunden. Wenn man sich etwas auskennt, läuft man. Langsamer ist man so auch nicht und man sieht mehr. Ich habe es mit der Linie 1, 2, 3, 42 und einem griffbereiten Stadtplan ausprobiert und viele Venezianer nehmen das Vaporetto nur zum Einkaufen - zu erkennen an den Einkaufswägelchen, die hier sehr sinnvoll sind.

Wer wirklich mit dem Zug am Bahnhof Santa Lucia ("Ferrovia") ankommt - es gibt immerhin täglich eine Verbindung nach München - , kann gleich da ins Boot umsteigen. Mehr Verbindungen gibt es ab Mestre oder ab Padua.

Autofahrer stellen ihr Gefährt ins Parkhaus am Piezzale oder ins neue Parkhaus "Tronchetto" ab (ca EUR 25.-/Tag, je nach Saison) und fahren mit der Linie 1 oder 2 weiter.

Wenn man keine Zeit, aber Geld hat, kann man auch ein Taxi(boot) nehmen, doch da läuft unter 50.- nicht viel. Dafür fährt einen das Taxi bis vor oder hinter das Haus. Der übliche Preis vom oder zum Flughafen liegt bei ca. EUR 95.- pro Boot, in der Hochsaison mehr, im Winter weniger - wenn man die italienischen Zahlen nicht kann, könnte der Skipper sonst noch versuchen, das Datum auf den Rechnungsbetrag zu addieren. Also aufpassen!

Essen gehen- Seitenanfang
Essen gehen ist teuer. In Italien sowieso, in Venedig noch mehr. Üblich sind ca. EUR 1,60 bis 2,50.- pro Person nur fürs Gedeck, 12% Zuschlag für Service und im Prinzip EUR 50,00.- pro Person (Mittelklasse). Man zahlt bereits ein Drittel mehr, sobald man sich hinsetzt. Also macht man Pause am besten nur im Café und ißt etwas auf die Hand. Die obligatorischen Pizze sind dagegen nicht zu empfehlen, sie sind so überteuert, daß man auch gleich ein "Menu touristico" nehmen und sich über Ohr hauen lassen kann. Es gibt in Venedig aber als Alternative mittlerweile Kebab- und Dönerbuden (gerade im Univiertel zwischen Accademia und Dorsoduro) und das Fleisch dafür kommt aus Deutschland und unterliegt hiesigen Kontrollen. Sollte man nach 21:00 Uhr eintreffen, ist das oft die einzige Möglichkeit, denn ab zehn Uhr ist alles dicht. Die Insider gehen tagsüber zur Rusticceria (bei Rialto aussteigen und am Goldoni-Denkmal rechts rein) und kriegen dort für fünf Euro oder mehr etwas auf die Hand. Die Alternative sind Supermärkte und das "panne" auf die Hand. (s. "Einkaufen")

Wenn man sich aber auf venezianische Küche einläßt (z.B. "fritto misto con polenta", frittierte Meeresfrüchte mit einer Art gegrilltem Grießpudding), kann man für etwa EUR 20.- mit einem Getränk gut essen. Günstig sind auch die vielen Osteria oder Trattoria. Am besten sollte man da essen, wo nur italienisch gesprochen wird, da hat man auch die normalen Preise. Mc Donalds gibt es  natürlich auch (Canaregio, Einkaufsmeile), aber es ist teurer - wie zuhause. An der Zattere gibt es viele Restaurants, in denen auch Studenten und Einheimische essen - wo nur italienisch gesprochen wird, ist es meistens billiger.


Typisch italienische Küche der venezianischen Jugend (Feb 2009)

Einkaufen  - Seitenanfang
Man findet  (außer um die Piazza di San Marco) durchaus normale Geschäfte und Supermärkte, insbesondere in Dorsoduro und Canaregio, wo auch normale Venezianer leben. Sinnvoll ist der Billa an der Haltestelle San Basilio (Dorsoduro), der Discount auf der Giudecca (Haltestelle Redentore) oder der große coop-Supermarkt  am Piezzale Roma an der Anlegestation der Linie 1. Dann kann man größere Einkäufe direkt zum Boot tragen und entsprechend umsteigen.  Es gibt aber auch in den Gassen viele kleine Supermärkte, die eine bezahlbare Alternative sind.

Rund um die Plätze, die meist nach den Kirchen benannt sind, gibt es in den Wohngebieten durchweg normale Geschäfte, so zum Beispiel in Dorsudoro, Castello, Canaregio und Arsenale eine Unzahl kleiner Läden und Betriebe, in denen auch die Einheimischen kaufen. Wir haben schon im Supermarkt Punto in Dorsoduro eine Flasche Wein für einen Euro gefunden, der gut schmeckte und solche Preise sind kein Einzelfall. In Cannaregio und Castello ist die Situatution ähnlich, San Marco und San Polo sind allerdings touristisch und daher deutlich teurer. In Dorsoduro (Campo San Barnaba) und Castello gibt es auch ein Gemüseboot,  wo man gut einkaufen kann. Auf dem Festland am Campingplatz gibt es natürlich Lidl und Co, doch wenn man eine Unterkunft in einer Wohngegend hat, kauft man bitte auch da ein, sonst gibt es die Läden in ein paar Jahren nicht mehr und sie sind zu Ferienwohnungen geworden.
Was man möglichst unterläßt, ist, von einem der fliegenden Schwarzhändler eine gefälschte Prada- oder Gucci-Handtasche zu kaufen. Sie sind nicht nur absolut überteuert, sondern furchtbar schlechte chinesische Kopien und man riskiert ein Bußgeld, wenn die carabinieri das mitbekommen. Nur einmal habe ich keinen Verkäufer gesehen, an dem Tag war eine internationale Konferenz und alle paar Meter stand ein Trüppchen carabinieri und soldati in Bereitschaft.  Am nächsten Tag war die Konferenz vorbei und  die Verkäufer waren alle wieder da - sie informieren sich üblicherweise mit dem Handy, wo die Polizei gerade ist und packen im Bedarfsfalle in zehn Sekunden  aus und ein - ich habe es mal gestoppt. Natürlich gibt es auch Gründe, die Taschen trotzdem zu kaufen - die meisten Verkäufer sind Kriegs- oder Wirtschaftsflüchtlinge aus Afrika, die unter lebengefährlichen Umständen in Bari angelandet und dann nach Venedig angekommen sind und ums Überleben kämpfen und der Verkauf ist ihre einzige Einnahmequelle.


Fliegender Händler in Canaregio (Feb 2007)

Sightseeing  - Seitenanfang
Zur Orientierung ist ein Stadtplan und eine Kamera Pflicht. Mit der Kamera kann man wichtige Brücken und Plätze so fotografieren, daß man anhand der Bilder auch die Schreibweisen auf der Karte wiederfindet. Mit der Karte kann man in irgendeinen Laden gehen und sich den Weg einzeichnen lassen. Nach drei Tagen braucht man im Normalfall die Karte nicht mehr, sollte sie aber vorsichtshalber dabei haben. Wenn man weiß, wo man wohnen wird, kann man sich vorher von Google Maps den entsprechenden Ort anzeigen und ausdrucken lassen und hat ein Stück Papier zur Orientierung oder zum Fragen - Englisch verstehen alle, ein paar Brocken Italienisch sind zumindest hilfreich.

Am besten macht man folgende Reihenfolge: Rundreise mit Linie 1 (hält an jeder Station am Canal Grande) und 2  (hält jede dritte Station) zwecks Übersicht, danach schafft man vielleicht die Besichtigung von San Marco, Campanile, Palazzo Duccale - je nach Länge der Schlange. Dann sind knapp vier Stunden herum und man macht am besten Pause - vielleicht nicht an einem Café am Marcusplatz, es sei denn man will/kann für den Kaffee acht Euro bezahlen. Nach der Pause fährt man mit dem Boot zur Rialtobrücke (mit verschlossenen Taschen und wenig Geld), von da aus geht man zu Fuß zur Accademia und kann sich ein bißchen durch die Gassen treiben lassen. Wer sich verläuft, nimmt irgendein Boot zur Accademia oder zum Piezzale Roma oder nach San Marco und macht einen Neustart.

Canal Grande am Abend vom Achterdeck der Linie 1 aus (Okt 2009)
Am zweiten Tag kann man Kultur machen: Das Guggenheim Museum in Dorsoduro (Haltestelle Zattere, Adresse: Dorsoduro 901) , Ca' Rezzonicco und ein paar Palazzi, die einem vom Boot aus aufgefallen sind (Palazzo Grassi, Ca' Doro, S. Tomo etc.). 

Markt und Fischmarkt  in der Markthalle oder in Dorsoduro auf dem Campa San Margerita muß man bis 14.00 Uhr geschafft haben, danach wird abgebaut. Dann kennt man sich wahrscheinlich schon soweit aus, daß man auch im Dunkeln von Dorsoduro nach San Marco oder zum Piezzale findet. Weitere Ziele für die nächsten Tage könnten die Inseln San Michele, Murano, Burano oder Torcello sein (Linie 62, 41, 61 oder LN). Dies dauert etwa zwei Stunden inclusive Umsteigen in Murano und Burano, weil die Verbindungen nicht so gut sind. Man kann mit der Linie 1 auch  zum Lido fahren und auch dort kann man ganz normal einkaufen. Danach schaut man, was die Reiseführer noch hergeben. Realistisch sind eine Vormttags- oder Mittags-Tour, danach ist eine Pause angesagt und am Abend kann man noch mal raus, sonst wird es keine Erholung mehr.

Wenn man Glück hat, stimmt das Wetter und das Licht. San Marco, San Giorgio und die typischen Motive macht man besser am späten Nachmittag bis zum Abend, weil das Licht dann perfekt steht. Wenn man Glück hat, erwischt man einen Tag, an dem der Wind das Wasser bei Flut noch etwas höher drückt und dann hat man "acqua alta", Hochwasser, und versteht, warum überall Stege griffbereit herumliegen und weiß auch, warum echte Venezianer immer zwei Müllsäcke dabei haben (für die Füße). Nach ein paar Stunden, wenn die Flut vorbei ist, ist der ganze Zauber wieder weg.


"Aqua alta" am Vormittag bei Regen (Okt 2009)

Konzerte  - Seitenanfang
In der Musik sieht es schlecht aus. Es gibt zwar regelmäßig Konzerte in der Altstadt, aber die spielt ein professionelles Ensemble ("Interpereti Veneziani"), das gleiche Set jeden Abend in der gleichen Kirche und es läßt die Plakate so gestalten , daß es so aussieht, als seien sie nur dreimal da. (Beispiel: das rote Plakat annonciert den 12., 14. und 16. Oktober, das grüne Plakat mit dem gleichen Foto bewirbt den 21., 23. und 25. Oktober und so geht es weiter.). Für einen musikalisch durchschnittlich gebildeten Touristen mag das angehen, doch die Zusammenstellung des Programms ist ein Best Of der "klassischen Musik" (was immer das sein soll): "Kleine Nachtmusik"" , "Schwanensee" ,  "Vier Jahreszeiten" und/oder irgendein Vivaldi-Konzert. Der Kenner kauft sich lieber eine Anthologie bei Wohlthat oder Zweitausendeins oder geht in Köln oder Bonn oder sonstwo ins Konzert oder geht auf den Markusplatz zu den Cafés (unten mehr).

Manchmal kommen Gastensembles (z.B. "Concerto Köln"), doch eine kontinuierliche Kirchen- oder Orchestermusik, wie man sie von den großen Kirchen und Konzertsälen in Köln, Bonn, München oder Hamburg kennt, gibt es hier nicht mehr, Kirchenchöre oder -orchester schon gar nicht. Um die Kirchenmusik in San Marco ist es heute wesentlich schlechter bestellt als vor 400 Jahren und jede Dorfkirche im Rheinland macht momentan mehr. Als Musiker kriegt man das kalte Grausen, wenn man in der Erwartung hierhin kommt, man würde sozusagen "authentische" venezianische Musik hören, denn die Bläsermusik des 16./17. Jht. wird längst nicht mehr in Venedig gespielt, sondern in London, Köln/Bonn oder anderen Städten. Zwar gibt es um Karneval durchaus regelmäßig Musik, doch das sind Rockkonzerte auf der Piazza di San Marco oder auf dem Campo Santa Margareta bis tief in die Nacht. Ein Musikleben findet in Venedig eigentlich nicht mehr statt, doch die meisten Touristen merken es nicht und den anderen ist es wohl egal.

Die meisten wichtigen alten Musiker sind sowieso vergessen: Gabrielis Grab fand ich erst beim zweiten Besuch (Dorsoduro, Campo Santa Stefano, gleichnamige Kirche, links vom Eingang, Eintritt frei), Monteverdis Grab habe ich erst beim dritten Besuch gefunden und nur, weil ein Stadtplanverkäufer mir einzeichnen konnte, wo ich suchen mußte (Stadtteil San Polo, Kirche „Santa Maria Gloriosa dei Frari“, dort in der „Capella Dei Milanesi“, Eintritt drei Euro) und Vivaldis Grab findet man überhaupt nicht in Venedig, sondern es liegt in Wien. Man hat es dort aber schon vor hundertfünfzig Jahren platt gemacht weil man den Platz für die Naturwissenschaft der Universtät brauchte - so ähnlich ist heute auch das venezianische Musikleben - im Friseurjargon nennt man das "Totalrasur".

Wer wirklich gute Musiker hören will, muß zum Markusplatz gehen, mindestens acht Euro für einen Kaffee oder Anderes  investieren und kann den Cafékapellen zuhören. Die können alles auf Zuruf spielen, haben Stimmbücher, die für sechs bis zehn Stunden Programm gut sind, sind alle hochprofessionell und machen die Vivaldi-Orchester dreimal naß. Es ist eine echte Alternative zu dem Vivaldi-Gedudel, das überall zu hören ist und als Kombination von Konzert und Getränk ist es billiger und besser. Ein Lichtblick ist auch der „Jazzclub Venice“ an der Ponte di Pugni am Campo San Barnaba in Dorsoduro, aber die internationalen Musiker spielen da auch nicht - es ist halt ziemlich aufwendig, die Tontechnik und große Instrumente immer ins Boot zu kriegen und Schlagzeuger oder Kontrabassist möchte man in Venedig lieber nicht sein.

Kunst - Seitenanfang
Man kann nicht alles aufzählen, noch nicht einmal erwähnen. Man kann zigtausende Bilder des 17. und 18. Jahrhunderts in den -zig Kirchen und Palästen sehen, meistens vom Kerzenruß und dem damit damit verbundenen Rauch geschwärzt und verdunkelt. Es gibt dabei natürlich viel Außergewöhnliches und wer Kunstgeschichte studiert hat, für den ist Venedig eine Offenbarung. Für die anderen sind es mehrheitlich alte Schinken, die man sich irgendwann übersieht und  wenn man satt ist, geht man nicht mehr in die Speisekammer. Nach dem soundsovielten Tintoretto in der soundsovielten Kirche stellten sich auch bei mir gewisse Ermüdungserscheinungen ein, und daher verweise ich auf die üblichen Kunst- und Reiseführer. Meistens darf man nicht fotographieren, manchmal kann man sich dafür eine Lizenz kaufen. Abzeichnen ist aber immer erlaubt.

Generell gilt: Venedig ist eine künstlerische Metzgerei mit viel Schinken (geschätzte 95 %,) und ein paar Filetstücken, wenigen außergewöhnliche Werke, die nicht in San Marco hängen, sondern eher in den kleinen Stadtteilkirchen. Man stolpert in diesen kleinen Kirchen oft über wirklich Grandioses, doch wenn man etwas Bestimmtes sucht, wird es schwierig und die Reiseführer helfen hier nicht weiter, dann muß man sich durchfragen - ohne rudimentäre Grundkenntnisse in Italienisch läuft bei den Einheimischen aber nichts.
Kirchen - Seitenanfang
Die wirklich wichtigen Kirchen sind folgende drei;

Basilica San Marco an der Piazza de San Marco, eigentlich die venezianische Kirche überhaupt. Der Eintritt ist frei, Fotografieren darf man nicht, was aber keinen abhält und meine Bilder stammen sowieso aus der Zeit vor dem Verbot. Kirchenmusik außerhalb des Orgelspieles in der Messe gibt es nicht, Konzerte schon gar nicht - die Basilica ist mittlerweile nur noch eine Schaukirche mit bis zu einer Stunde Schlange stehen, wenn Hochsaison ist, obwohl ich im Winter wiederholt direkt reingekommen bin. In dem Geschiebe kann man normalerweise auch nicht stehenbleiben und sich Details ausgiebig ansehen. Wer das will, besorge sich etwas aus der Kunstgeschichte oder lese nach: Link


Noch kein Hochbetrieb, eher Nebensaison - etwa im September

Die nächsten beiden Kirchen sind Wallfahrtskirchen, die nach einer Pestepidemie gebaut wurden: Die Redentore auf der Giudecca wurde nach der Pestepidemie von 1571 mit ca. 50.000 Opfern gebaut. Sie sieht von außen besser als von innen aus und aufgrund des Pestgelübdes gibt es bis heute am dritten Samstag im Juli eine Prozession, bei der aus Booten eine Behelfsbrücke über den Giudecca-Kanal zur Zattere gebaut wird. Im Inneren hängen diverse Tintorettos und Zeitgenossen, Eintritt: 3.-, allerdings herrscht Fotografierverbot.

Die Santa Maria della salute, allgemein nur "Salute" genannt, ist ebenfalls eine Pestkirche, die ab 1630 gebaut wurde, nachdem etwa 70.000 Menschen an der Seuche gestorben waren. Weil sie eine Wallfahrtskirche ist, gibt es im riesigen Innenraum keine Bänke, lediglich im unmittelbaren Altarbereich und an den Rändern gibt es Sitzgelegenheiten. Der Eintritt ist frei, Fotografieren ohne Blitz ist erlaubt. Täglich gibt es zwar eine Orgelstunde, doch die ist nicht mit den Orgelkonzerten an deutschen Kirchen vergleichbar und eher eine einstündige Abendmahlsimprovisation. Gute Organsten habe ich in Venedig noch nicht gehört, aber durch Bonn und Köln bin ich auch verwöhnt....
Friedhof San Michele - Seitenanfang
Auf dem Friedhof San Michele (Linie 42, "Cimiterio") liegen interessante Personen: das Ehepaar Strawinsky, Ezra Pound, Joseph Brodsky, internationale Diplomaten, Komponisten und Politiker des 19. Jahrhunderts und natürlich auch normale Venezianer, die sich entsprechend früh dort eingekauft haben. Besonders bemerkenswert fand ich das Grab des Strawinsky-Choreographen Sergej Diaghilew, der  bei meinem vorletzten Besuch ein signiertes Programmheft der John Neumeier-Company als Reverenz auf dem Grabstein liegen hatte und regelmäßig Ballettschuhe aufs Grab gelegt bekommt. Ein Jahr später war es dann etwas Schokolade und ein paar Briefe. Das Ehepaar Igor und Vera
Strawinsky liegt etwas weiter, zwei weiße Marmorplatten mit dem Namen, das wars. Wer da war, möge bitte in jüdischer Tradition einen Stein auf die Grabplatte legen, als Zeichen, daß man an den Toten gedacht hat.


Diaghilews Grab ist gut ausgeschildert, die beiden Strawinskys liegen an der gleichen Mauer etwa 50 m weiter rechts.
Wenn Sie das erste Mal ein paar Tage da gewesen sind, werden Sie vermutlich feststellen: der Schlu hat gar nicht übertrieben - es ist ja alles noch viel schlimmer. Dann schreiben Sie mir.

Venedig für Fortgeschrittene - Venedig im Sommer (ca. ab September 2013)


Literatur
Die Venedig-Literatur ist unüberschaubar. Daher wird nur einführende Literatur für erstes Stöbern angegeben:

Antonella Grignola (Hrsg): Die Dogen von Venedig.
Reihe: Atlas der Geschichte, Demetra, Colognola ai Colli 1999, ISBN 88-440-1412-9

Susanna Heimgartner: Venedig... selbst entdecken.
Reihe: Regenbogen Reiseführer, Zürich 1999, ISBN 3-85862-036-X

GEO-spezial, Nr. 1 Feb/März 2004 "Venedig", G+J, Hamburg 2004,

außerdem von meinem geschätzten Kollgen und seiner Frau ein literarischer Reiseführer über Venedig:
Doris und Arnold E. Maurer: Literarische Spaziergänge: Venedig. Insel Taschenbuch it 1413, Frankfurt 1993


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Fotos: © Martin Schlu, 2006 - 2011