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Instrumentale Praxis in der Schule - Erfahrungen


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Beginn 1998


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2010

Stand der Orchesterarbeit Sommer 2008
von Martin Schlu, Herbst 2008

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Konzept -  Instrumente - Ausbildung - Noten - Probenräume - Ensembles
 
 
Das Konzept - Seitenanfang
Die Gesamtschule Bad Godesberg hat seit 1993 eine Musiktradition. Während bis 1997 eher Musicals einstudiert und aufgeführt wurden, gründeten wir 1998 nach dem Prinzip des Klassenmusizierens eine Orchesterschule - damals als erste Schule in Nordrhein-Westfalen. Wir stellten aber nach einigen Jahren fest, dass das Prinzip des Klassenmusizierens bei uns nicht möglich ist und erarbeiteten daher ein eigenes Konzept, das es ermöglicht, jederzeit einzusteigen (aber auch jederzeit aufzuhören) und damit fahren wir seit 2001 einfach besser.
 
Mittlerweile - die ersten Absolventen dieser Klasse machten 2007 ihr Abitur - sind wir eine Big-Band-Schule geworden. Bis Herbst 2008 wird sich die Orchesterabteilung räumlich noch um ca. 200 qm vergrößern, so dass wir dann auch etwas mehr Platz haben werden - noch sind wir reichlich beengt.
 
Die Außenwirkung dieser musikalischen Arbeit ist überregional bekannt und ich bin oft unterwegs um andere zu beraten, wie so ein Projekt logistisch und finanziell ermöglicht werden kann. Nach zehn Jahren Erfahrung sind wir eine regelrechte Musikschule geworden und die Eltern rennen uns die Türen ein. Zum 1. September 2008 haben wir mit dem befreundeten EMA-Gymnasium und der BAG Musik Rheinland-Süd gemeinsam eine Stelle "Freiwillige Soziales Jahr Kultur" eingerichtet und nach einem Monat kann man schon eine positive Bilanz zeihen, weil die Unterstützung merkbar ist. Im Einzelnen stellt sich der Stand der Arbeit wie folgt dar:
 
 
 
Instrumente - Saxophone - Trompeten - Posaunen - Gitarre - Bass - Synthesizer - Schlagzeug - Seitenanfang
Wir bilden hauptsächlich für folgende Instrumente aus: Saxophon, Trompete, Posaune, Gitarre, Bass, Klavier und Schlagzeug. Wir bieten aber auch Unterricht auf Flöten, Klarinetten, Oboen und andere Instrumenten an, außerdem arbeiten bei uns zur Zeit zwanzig Instrumentallehrer, die in unseren Räumen Unterricht erteilen. Seit 1998 haben wir ca. 140 Instrumente, Verstärker und Geräte für die Tontechnik gekauft und erspielt, wovon der größte Teil (ca. 120) ausgeliehen ist und die Grundlage unseres Etats bildet.
 
Die Blasinstrumente kaufen wir nur neu und lassen sie regelmäßig warten, dadurch bleiben sie lange benutzbar. Wir beginnen in der Saxophongruppe mit einem Alto-Satz (vier bis fünf Altos) und hoffen, daß am Ende der Fünf ein oder zwei Kinder auf Tenor umsteigen, damit der Saxophonsatz komplett ist. Außerdem haben wir ein Baritonsax, das auf einem Ständer stehend gespielt werden kann - keinem Kind ist zuzumuten, so ein großes und schweres Instrument mit sich herumzuschleppen. Wenn wir mehr Geld haben, werden wir mal ein zweites Bariton kaufen. Probleme gibt es immer am Anfang, wenn durch unsachgemäßes Zusammenbauen Klappen und Wellen verbogen werden. Aus diesem Grund geben wir selten neue Instrumente an Anfänger aus. - Instrumente
 
Die Trompeter haben es "leichter", denn sie sind am schnellsten und unproblematischsten mit dem Zusammenpacken fertig. Wir verwendeten bisher am liebsten die "Sella"-Modelle von Kühnl & Hoyer, allerdings hat unser Hausreparateur Gottfried Büchel eine eigene Serie aufgelegt, die besser ist als alles, was es in dieser Preisklasse gibt (unter EUR 500.- ) und wenn wir nachkaufen müssen, werden es wohl Büchels Trompeten sein. Alle Kinder bekommen ein Gigbag, damit sie die Trompete leichter tragen können - die meisten kommen mit Bus und Bahn und da zählt jedes Gramm. - Instrumente
 
Bei Posaunen verwenden wir Kühnl & Hoyer 134 G und Yamaha-Modelle - auch diese Instrumente halten fast ewig, wenn sie gut gepflegt werden. Auch hier bekommen die Kinder ein Gigbag. Die Zugwartung lassen wir erst machen, wenn die Kinder nach einem halben Jahr gelernt haben, ihn wie ein rohes Ei zu behandeln. Sonst wird es zu teuer. - Instrumente
 
Gitarre beginnen wir direkt in der V. Lage (Bb-Dur) und die Gitarristen lernen mit den Bläsern zusammen. Dadurch lernen sie von Anfang an nach Noten zu spielen, was heute keine Selbstverständlichkeit ist. Gitarren kaufen wir gebraucht (mit altem Holz) und vervollständigen sie dann mit guten Pickups oder besserer Hardware - wenn das Holz gut ist, lohnt es sich auch gute Elektronik einzubauen. Bei Strat-Modellen schraubt man sowieso immer herum (wie beim VW-Käfer früher). Akustische Gitarren haben bei uns keine Chance. - Instrumente
 
Beim Bass beginnen wir jetzt auf 5-Saitern ohne Bünde (fretless), denn, wenn man - wie die Gitarristen - in der V. Lage beginnt, stellt sich nicht das Problem des tiefen "F". Auch kurze Arme kommen hier an alle wichtigen Töne und wenn die Kinder von Anfang an nach Gehör spielen, wie es die Posaunisten ja auch lernen, gibt es später weniger Probleme bei der Intonation zwischen temperierter Stimmung (Tasten und Gitarren) und reiner Stimmung (alle Bläser). Auf dem bundlosen Baß kann man problemlos die Stimmungsdifferenzen ausgleichen, wenn man hört, wo man greifen muß. Von Warwick gibt es ein bezahlbares Modell, das recht gut ist. Bässe können wir nur neu kaufen - das, was wir brauchen, wird nicht gebraucht abgegeben. - Instrumente
 
Die Pianisten müssen bereits Klavierunterricht gehabt haben, so daß sie sich auf die Beherrschung von Sampler und MIDI konzentrieren können. Jeder aus dem Rhythmus lernt, sich selber zu verkabeln und auch die Bläser haben ihre Aufgaben bei Auf- und Abbau der Rhythmusgruppe. Eine MIDI-Tastatur ist nicht das Problem, aber analoge Sampler muß man trödeln (Roland, Emu, Kurzweil, Akai). Die Laptop-Lösung der Profis ist nichts für Kinder. - Instrumente
 
Schlagzeuge leihen wir als Übungsset an unsere Schüler aus - normalerweise in der Konfiguration 16" BD, SN, HH, Ridebecken und ein bis zwei Toms, meistens mit Paiste-Becken. Zum Üben reicht es und die Kinderzimmer werden nicht so voll. In den Unterrichtsräumen stehen vier komplette Sets in Standardkonfiguration (BD, SN, HH, HT1, HT2, ST, Crash und Ride) und das Konzertset hat einen Beckensatz aus den 70er Jahren (Formula - für Kenner). Die Erfahrunge zeigt, daß es keinen Sinn macht, bei Schlagzeugen etwas anderes zu verwenden als eine große Marke, damit wir auch mal austauschen können. Unsere Hausmarke (Tama) können wir problemlos bei eBay vervollständigen oder neu nachbestellen und diese Teile gehen einfach nicht kaputt. Ersatzfelle liegen immer im Schrank und wer Dellen in die Felle haut, muß sie ersetzen. Mittlerweile steigen wir bei den Proben-Sets auf Drumracks um, weil man die schneller umbauen kann. - Instrumente
 
 
 
 
Die Ausbildung - Seitenanfang
 Die Grundausbildung findet über ein eigenes Unterrichtswerk statt, bei dem von Anfang an zusammengespielt wird. Nach den ersten vierzig Übungen sind alle Schüler so weit, daß sie mit den Stücken des Unterstufenorchesters fertigwerden, etwa "König der Löwen", "One Moment in Time" etc. , also Stücken der Schwierigkeitsstufe "eins" (es gibt sechs Abstufungen). Dies Phase dauert ein halbes bis ganzes Jahr.
 
Im Unterstufenorchester werden weitere Stücke in diesem Bereich geprobt und dort wird auch mit den "Essential Jazz Elements" gearbeitet, die in die Improvisation und Jazzphrasierung einführen. Wer das kann, wird auch mit der Sammlung "Best Of Discovery Jazz" fertig, die bei Hal Leonard erschienen ist. Dort sind weitere Pflichtstücke das Arrangement von "I Heard It Through The Grapevine" oder "On Broadway" oder "Mission Impossibel", die bis zur Stufe "zwei" gehen. Auch hier rechnet man ein gutes Jahr, bis man diese Ausgaben kann.
 
Interessant für die Oberstufen-Big-Band "Brassrock" sind die jungen Musiker, die die Stufe "zwei" und "drei" vom Blatt spielen können und sich trauen, über einfache Akkordformen (Bluesschema) frei zu spielen. Die lernen in einem Improvisationskurs, wie eine Septime klingt, was man mit einer #11 anfangen kann und was mit einer 5b und so weiter. Die Arrangements für die Oberstufen-Big-Band gehen bis Stufe fünf und viel davon schreibe ich selbst. Wer da nicht vom Blatt spielen kann, hat keine Chance, die interessanten Konzerte mitzuspielen.
 
Ab Klasse neun und zehn können die fortgeschrittenen Schüler/innen selber Instrumentalunterricht geben. Sie betreuen ein bis drei Fünfer oder Sechser und machen mit ihnen ihre ersten Lehrerfahrungen. Natürlich gibt es auch etwas Taschengeld dafür, doch entscheidender ist, daß sie als Lehrer ausgewählt wurden - dies wird auch auf dem Orchesterzeugnis vermerkt, das sie jedes Halbjahr bekommen und das mit dem Schulzeugnis ausgegeben wird.
 
Es gibt immer wieder Fortgeschrittene, die ab Klasse acht wissen, daß sie später mit Musik mal ihr Geld verdienen wollen. Bislang hat noch keiner aus der Orchesterarbeit Musik studiert, aber wir haben auch noch nicht soviele Absolventen - allerdings unterrichtet heute Marie Enganemben Gesang bei uns, eine Ehemalige, die aus der Musicalpraxis 1993 - 97 an der Schule hervorgegangen ist und heute professionell arbeitet.
 
 
 
Die Noten - Seitenanfang
Wir haben ein Farbsystem eingeführt, nach dem man den Noten bereits ansieht, für welche Stimme sie sind: blau steht für Es-Stimmen (Altos), gelb für die Bb-Stimmen, C-Stimmen sind grün und Posaunen (Baßschlüssel) grau. Dieses Farbsystem findet sich in den Notenmappen, allen Stimmbüchern und auch auf den Notenständern und hat den Vorteil, daß der Aufbau schnell geht, weil man sofort die Ständer und Mappen dorthin stellen kann, wo auch die Musiker stehen und jeder findet seine Noten schneller. Auch im Notenschrank findet sich das System, so daß man mit einem Handgriff z.B. eine Stimme für 2. Alto finden kann. Es kostet zwar Unmengen an Tesaband, macht sich aber schnell bezahlt. Vergessene oder liegengegbliebene Notenblätter landen in einer Sortierkiste, die alle paar Wochen aufgeräumt wird - hier haben schon viele Schüler ihre Sozialdienste abgeleistet.
 
 Das Unterrichtswerk, das wir seit 2003 verwenden, habe ich aus meinen Erfahrungen als Instrumentallehrer entwickelt. Es beginnt in Bb-Dur mit dem Umfang von vier Tönen und steigert sich langsam. Das bedeutet, daß die Kinder viele Übungen und Lieder mit wenigen Tönen spielen, diese dadurch verinnerlichen und von Anfang an Blattspiel praktizieren. Das erleichtert später das Einüben der ersten Stücke. Für jedes Instrument gibt es ein Stimmbuch, in dem Fingersätze, Griffe, Lagen etc. bezeichnet sind und wenn dieses Buch durchgearbeitet wurde, ist man kein Anfänger mehr und kann im Unterstufenorchester mitspielen.
 
Wir haben mehrere Notenschränke (Ausziehregale wie in den Arztpraxen), in denen ein paar tausend Titel stehen: Sammlungen wie "Easy Jazz Paks", gekaufte und geschriebene Einzelnummern, Material für jedes Instrument, allgemein gängige Instrumentalschulen und -etuden und ein weiterer Schrank enthält etwa 400 Titel Blechbläserliteratur aus meiner Zeit als Leiter des "Bonner Blechbläserensembles". Die selbst arrangierten Titel sind auf der Festplatte und können bei Bedarf per W-LAN an den Drucker/Kopierer geschickt werden, denn Noten gehen verloren, werden vergessen oder beschädigt und so bleiben alle Originale im Schrank und es werden nur Kopien ausgegeben.
 
Die Big-Bands haben drei Mappen-Sets: die blauen Mappen enthalten das Gesangsprogramm, die schwarzen Mappen das Instrumentalprogramm und die roten Mappen sind für die leichten Stücke. Da jeder weiß, wo etwas steht, muß ich nicht immer die Mappen holen und wegbringen, sondern nur ab und zu kontrollieren. Die Reihenfolge der Stücke richtet nach den Setlisten, so daß man beim Auftritt die Mappe einfach durchspielt - auch das erzeugt weniger Streß.
 
 
 
Die Probenräume - Seitenanfang 
Der Bandkeller, die alte Hausmeisterwohnung, wurde nun komplett mit Beschlag belegt. In zwei Probenräumen á 30 qm stehen eine komplette Backline für den Rhythmus, jeweils ein Klavier, eine Stereoanlage und genug Pulte für die Proben. Im Vorrraum ist das Büro und dort verbringe ich täglich mehrere Stunden. In zwei Nebenräumen stehen Notenschränke und Regale für die Instrumente, denn viele Schüler lassen von einem Tag zum anderen ihre Instrumente dort, wenn sie hintereinander Proben oder Unterricht haben.
 
Durch die Schalldämmung kann man im ersten Raum mit einer Big-Band arbeiten, doch bei sechzehn Leuten ist Schluß - mehr geht räumlich nicht. Der zweite Raum ist für den Schlagzeugunterricht und die Hard-Rocker. In den Probenräumen stehen kleine 19"-Mixer, doch wenn die Oberstufenband "Brassrock" unterwegs ist, haben wir auch zur Not eine komplette P. A. an Bord. Die Tontechnik dient als Probenanlage oder wird (in Flightcases verpackt) bei den Auftritten benutzt. Wir haben nur noch analoge Technik, weil die einfacher zu reparieren ist, machten aber auch die Erfahrung, daß manche Verstärker ganz eigene Sicherungen haben, die man erst einmal als Ersatzteil auftreiben muß (z.B. Trace-Eliott). Gitarren- und Baßverstärker gibt es dreifach, damit man auch in kleinen Gruppen arbeiten kann. Alle wichtigen Marken sind mindestens eimal vertreten, nur das Marshall-Top fehlt noch und wird irgendwann gekauft, wenn wir Geld übrig haben.
 
Kabel sind in Kisten sortiert (Klinke 6,3, Netzkabel, Boxenkabel), und die XLR-Kabel haben wir auf der Trommel und in einer Kiste - manchmal ist die Kiste schneller. Jeder sollte eigentlich lernen, die Kabel zusammenzulegen und zu verkletten. Dennoch verbringe ich zuviel Zeit damit, Kabel zu entheddern, neu aufzurollen, mit dem Austausch von kaputten Steckern und dem Löten von Anschlüssen. Mittlerweile werden alle Klinkenkabel selbst gemacht (Neutrik und Sommer), denn die handgelöteten Kabel sind einfach besser als die normalen gekauften.
 
Ab dem Herbst 2008 ziehen wir in die alte Bibliothek und bekommen einen kombinierten Musik- und Probenraum, zwei weitere Nebenräume, ein kleines Bad und eine Küche. Dort werden wir auch endlich ein Büro mit Telefon und Internetanschluß haben, die Raumsituation wird sich entspannen und es können mehr Schüler in Freistunden und Mittagspausen üben und Unterricht bekommen. Zwei Klaviere und einen Flügel für diese Räume haben wir schon organisiert. Im Keller bleiben die Hard-Rocker und die Schlagzeuger, die Big-Bands ziehen in die alte Bibliothek.
 
 
Unsere Ensembles - Seitenanfang
 Dieses Jahr haben wir die Oberstufen-Band "Brassrock", die Mittelstufen-Band "xyz-brass", die Unterstufen-Big-Band "Kiddybrass" und die 5er-Big-Band (die hat noch keinen Namen). Außerdem werden wir ein Holzbläserensemble und ein Blechbläserensemble aufbauen und dann gibt es noch ein paar Bands in Eigenregie, die bei uns proben. Marie Enganemben, die 2000 bei uns Abi gemacht hat, bildet gegenwärtig eine Mädchentruppe aus, die mal eine Soul-Besetzung werden soll und mit "Brassrock" auftreten wird.
 
Alle Ensembles zusammen spielen im Jahr etwa fünfzig Auftritte: Konzerte, Begleitmusik, Martinszüge, Karnevalszüge und ab und zu auch eine Messe oder einen Gottesdienst. Für diesen Anlaß liegen "Gotteslob" und "EKG" im Schrank und da ich mal zehn Jahre Kirchenmusiker war, weiß ich auch noch, wie es geht - in beiden Lagern.
 
Alle Auftritte stehen im Internet und sind damit zentral einsehbar (Auftrittsliste). Die Oberstufen-Big-Band hat bereits eine eigene Internetpräsenz, die allerdings mal wieder gepflegt werden muß - irgendwo muß auch ich Abstriche machen (Brassrock-Seite).
 
Herbst 2008, Martin Schlu
 
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