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Musicals
(N)Irgendwo in Deutschland Nr. 27 (Gesa
und Opi Jupp)
Gesa ist dick verbunden und sitzt auf
einem Stuhl in Lorbachs Küche
Opi Jupp
Die Polizei hat mir berichtet, wie es passiert ist, Gesa. Deine
Mutter ist ja gefahren und du hast hinten gesessen. Wie es genau
geschehen ist, haben sie nicht mehr 'rausgekriegt. Nur, daß
das Auto ohne Bremsspuren von der Straße abgekommen ist und
gegen den Baum fuhr.
Gesa
Mama hat sich mit Großmutter gestritten, weil die die ganze
Zeit der Meinung war, Corinna sei in dem AIDS-Lager gut aufgehoben.
Sie fand es toll, daß es da sogar eine Theatergruppe gab.
Und ich erinnere mich noch, daß sie sehr laut gestritten haben,
dann gab es einen Knall, ich habe Mama schreien hören und mehr
weiß ich auch nicht.
Opi Jupp
Sie war wohl sofort tot, die alte Gerschner ist erst im Krankenhaus
gestorben. Dich haben sie herausgeschweißt und in die Klinik
geflogen.Weißt du, daß du mit dem Knochenbruch noch
ein Riesenglück gehabt hast?
Gesa
Erzähl mir nichts über Riesenglück. Letztes Jahr
Weihnachten waren wir noch alle da. Überleg doch mal, Papa
in Prag, Mama tot, Mulu verhaftet und irgendwo eingesperrt, Rike
im Lager für Down-Kinder. Und Ulf hat noch gar nicht kapiert,
was hier abgeht. Mir wird schlecht. Mir wird einfach schlecht. Kannst
du mir sagen, für was ich überlebt habe?
Opi Jupp
Nein, Gesa, das kann ich nicht. Aber ich habe immer einen Glauben
gehabt und der hat mir die letzten zwei Wochen sehr geholfen. Übrigens
auch deinem Vater, als ich ihn in Prag angerufen habe. Erst hat
er aufgelegt und eine Stunde später wieder angerufen. Da hat
er das Schlimmste hinter sich gehabt.
Stille
Opi Jupp
Weißt du, ich denke immer, da ist ein Sinn hinter, daß
du überlebt hast, daß du übrig geblieben bist. Ich
weiß noch nicht,was der Sinn ist, aber ich denke, mein Gott
hat noch etwas vor mit dir.
Stille
Opi Jupp
Ich weiß nicht was es sein kann, das mußt du wohl selber
herausfinden, aber ich glaube nicht, daß alles umsonst ist.
Dafür habe ich zuviel erlebt und gesehen.
Gesa
Und was soll ich tun?
Opi Jupp
Du machst jetzt die Schule fertig und siehst zu, daß du schnell
ins Ausland kommst und da studierst. Ich bleibe hier, ich lerne
keine Fremdsprache mehr. Aber du bist jung genug. Außerdem
muß ich hierbleiben, wenn sie Rike irgendwann wieder nach
Hause schicken sollten. Allerdings denke ich eher, wir müssen
sie schnell aus dem Lager in Kiel herauskriegen.
Gesa
Denkst du wirklich, daß sie sie umbringen würden.
Opi Jupp
Ja. Zweifellos. Unter Hitler lief das genauso ab. Kontaktverbot,
Besuchsverbot, und irgendwann kam ein Brief ... ist gestern
an Lungenentzündung gestorben"
Stille
Zeitungsverkäufer:
(aus dem Publikum) Extraausgabe! Attentat
auf den Kanzler verhindert! Drei Verdächtige in Haft! Großer
Bericht! Extrablatt!
Opi Jupp läuft vor die Bühne, kommt mit
einer Zeitung zurück
Opi Jupp
Das ist doch mal eine gute Nachricht. Immerhin hat man es versucht.
Gesa
Meinst du so etwas?
Opi Jupp
Es ist wichtig, daß man irgendwo anfängt. Es kann noch
immer viel schlimmer werden. Laß mich mal lesen. (liest kurz,
blickt auf)
Schade, daß ich schon so alt bin. Zwanzig Jahre jünger
und ich wäre dabei. Es waren drei Schüler aus der Oberstufe,
so alt wie du.
Gesa
Ich kann das nicht.
Opi Jupp
Du kannst es vielleicht noch nicht. Aber du hast nichts mehr, was
du verlieren kannst.
Gesa
Und Mulu?
Opi Jupp
Du kannst nur warten, daß ein Brief kommt, in dem uns ihr
Tod mitgeteilt wird, oder sie schafft die Flucht. Wenn das klappt,
wird sie hier sein. Aus dem Land kommt sie nicht mehr. Ich würde
Ulf momentan aus allem heraushalten. Du weißt nicht, ob er
sich nicht verplappert oder sogar auf der anderen Seite steht.
folgt: 28. Was soll ich tun?"
Informationen unter +49 - 228 - 46 43 58 oder Email
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