Gedanken zum "Trend"

(Bestandteil des Programmtextes der UA vom 8. Juli 1995)

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Von Martin Schlu
 
Das Logo des Plakats (frei nach Keith Haring) symbolisiert das Grundproblem , mit dem sich die Akteure herumschlagen und mit denen sie „voll im Trend" liegen: Blindheit für offensichtliche Probleme, Sprachlosigkeit, wenn Position zu beziehen ist Taubheit oder Weghören, wenn es ums Zuhören geht.
 
Natürlich geht es im "Trend" nicht um die Frage "Grillen" oder "Disco" - die Art jedoch, wie sich eine Clique mit diesem banalen Problem auseinandersetzt, läßt tief blicken und zeigt auf, daß die heute in unserer Gesellschaft existierenden Probleme immer eine Vorgeschichte haben. Als Beispiel genannt sei das schlechte Gewissen von Stefans Mutter, die sich fehlende Zeit für ihren Sohn mit Geld erkauft und gar nicht merkt, wie gerissen Stefan ihr das Geld aus dem Portemonnaie zieht, weil er seine Komplexe über Designerklamotten kompensiert. Ein anderes Beispiel das Besitzdenken von Charly, der seine Freundin Melanie als Eigentum betrachtet, die zu funktionieren hat, wie er es gerne möchte. Ein anderes Beispiel ist Sandys Langeweile an der Schule, die sie zunächst in die Drogenszene einsteigen und später auf dem Babystrich enden läßt; irgendeine Macke haben alle Figuren und das Interessante ist, wie sie damit umgehen.
 
Aus diesem Grund verzichten wir auch auf ein Happy End: Die Drogenszene und der Babystrich existieren auch nach diesen Aufführungen, auch wenn dieser Tage in der Zeitung zu lesen war (G.A. 30.Juni '95), daß die Zahl der Drogentoten in Frankfurt auf die Hälfte gesunken sein soll . Dies behauptet immerhin der Frankfurter Polizeipräsident, er übersieht aber dabei offenbar die Tatsche, daß Heroin aus der Mode kommt und man heute auf Designerdrogen umsteigt, weil die billiger und "besser" sind. Das Konsumverhalten unserer Schüler wird weiter schlimmer werden und der Markenkrieg und die Intoleranz fangen heute schon in der Grundschule an. Solange unsere Kinder erfahren, daß sie sich Selbstbestätigung leichter über das Geld ihrer Eltern holen können - wie z.B. teure Jeans, Markenturnschuhe etc. - als über persönliche Zuwendung, wird man ihnen ihre Konsumfixierung nicht verübeln können. Solange Selbstbestätigung nicht über die Mitmenschen kommt, holt man sie sich über irgendeinen Ersatz: Kommerz, Klamotten, Geld, Drogen... was es eben gibt.
 
Darum sind Eltern im Stück nötig: ein Elternhaus, wie das von Kalle und Luise, erzieht einfach in eine Richtung, in der nur Schwarz/Weiß gedacht wird. Stefans Mutter bezahlt ihren Sohn für die Zeit, die sie ihm nicht gibt und macht ihn damit zu einer inhaltsleeren Hülle und eine Person wie die Frau Frey mag ja ganz ehrenwert sein - geliebt wird sie deswegen noch lange nicht.
 
Es gibt allerdings immer eine Chance: wenn Kim ihrer Klassenkameradin zu mehr Selbtbewußtsein rät, tut sie das über ein Gespräch und solange man noch miteinander reden kann, ist nicht alles verloren.
 
Das ist unser Ansatz!
 
(Übrigens wissen die Suchttherapeuten schon seit langem, daß Theaterspielen gelassen macht und das Selbstbewußtsein stärkt)