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- Eine
Erkundung Potsdams braucht mindestens eine Woche, weil es hier
soviel zu sehen gibt, daß man mit zwei bis drei Tagen nicht sehr weit
kommt. Allein für die Schlösser der Hohenzollern sind drei Tage das
Minimum (Schloß Sanssouci, Neues Palais, Park mit Teepavillon, Mühle),
ein Tag geht für das Filmmuseum drauf, ein Tag für Landtag,
Nikolaikirche, Altes Rathaus und das Holländische Viertel. Einen
weiteren Tag kann man für das Museum Barberini (neben dem Alten
Rathaus) ansetzen und dann hat man noch keinen Kilometer die Havel
gesehen. Für alle diese Ziele gibt es eigentlich nur ein Hotel, das
gegenüber dem Potsdamer Landtag, doch das geht wegen der Finanzen eher
nicht mit einem Stall voller Kinder.
- Der
Vorteil dieses Hotels ist die absolut zentrale Lage, die Nähe zum
Bahnhof, den Anlegestegen der Potsdamer Schiffahrt und die Nähe zu de
Sehenswürdigkeiten. Das Frühstücksbufett ist umwerfend und einen
Parkplatz kann man auch kriegen, wenn man mit dem Auto gekommen ist und
man noch außerhalb etwas sehen will
(z.B., die Seen, Werder an der Havel, Schloß Caputh, Schloß Grunewald
etc.). Im Übrigen gibt es in Potsdam Massen von Fahrradfahrern* - mehr
als in Bonn - ob so viele wie in Münster, weiß ich nicht.
- (* = männlich, weiblich, divers und alles andere...)
-
 - Aussicht
vom Hotel im achten Stockwerk: Landtag, Nikolaikirche dahinter, Altes
Rathaus (Spitze rechts), Weg zum Holländischen Viertel links.
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- Man
merkt schon, daß die Preußen diese Stadt in den märkischen Sand geplant
haben. Die Straßen sind ein bißchen breiter, die Kirchen ein bißchen
höher und der Palast, in dem heute der brandenburgische Landtag sitzt,
ist auch nicht gerade klein. Entsprechend groß sind die Vorplätze und
wenn man den Turm der weißen Garnisonskirche sieht, dem nun das
Kirchenschiff fehlt, kann man sich vorstellen, wie diese alte
Militärstadt auf Besucher gewirkt haben muß. Viele Gebäude könnten auch
in Paris oder München stehen, wo man nach 1803 alles Beengende und Alte
plattgemacht hat, damit Platz für Repräsentation und Aufmärsche
geschaffen wurde. Nach dem Mauerfall wurde fast alles um den Alten
Markt neu gebaut. Nicht alles, was alt aussieht, ist auch alt, aber es
ist zumindest schön aufgehübscht.
-

- Der alte Markt in Potsdam - gut markiert, damit man weiß, wo man ist.
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- Die Lange
Brücke über die Havel ist die Verbindung zwischen dem alten Zentrum und
der Südstadt , zwischen dem Bahnhof und der Innenstadt und außerdem
führt die B1 darüber, so daß hier immer viel Verkehr ist.

Die „Lange Brücke“ am Landtag über die Havel verbindet die
Brandenburger Vorstadt (Landtag, Nikolaikirche, Rathaus)mit der
südlichen Innenstadt.
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Das Alte Rathaus
ist der vierte Bau eines Rathauses an fast gleicher Stelle. Der erste
Bau von 1524 brannte zwölf Jahre später beim großen Stadtbrand 1536 mit
ab. Der zweite Bau entstand an der Stelle des ersten Rathauses und
hielt immerhin bis 1720. Dann war das Rathaus unmodern geworden
(Preußen war auch mittlerweile Königreich) und wurde durch ein
Konstrukt ersetzt, in dem die Verwaltung saß, aber auch Händler ihren
Geschäften nachgingen (wie z.B. in Stralsund in der Hansezeit). Man
baute zwar sechzehn Jahre später an und um, doch das Grundproblem,
zuwenig Platz, blieb. 1713 machte der damalige König (Friedrich I., der
Soldatenkönig) zwar Potsdam zur Garnisonsstadt, legte aber keinen Wert auf eine gescheite Verwaltung und
steckte das Geld lieber in das MIlitär. So brauchte es eine Generation,
bis der Sohn, Friedrich II.
1740 endlich König wurde und alles anders machte als sein Vater.
Nachdem dessen Lieblingsarchitekt das Holländische Viertel zur
Zufriedenheit des
Alten Fritz' fertiggestellt hatte, ließ Friedrich von 1753-1755 neu
bauen. Nun war halbwegs Platz für die Verwaltung, auch wenn man nicht
so groß bauen konnte, wie Friedrich gewollt hätte, weil der Nachbar
partout sein Grundstück nicht verkaufen wollte. Später konnte man in
eine andere Richtung erweitern und Zwischengeschosse einziehen.
- Die
Atlasfigur, die die Welt auf ihren Schultern
trägt, war kurz nach der Fertigstellung vom Dach gestürzt , weil sie -
aus Blei - viel zu schwer war. Die neue Figur war nicht mehr massiv,
sondern aus Kupferblech gefertigt, wurde vergoldet und steht - ganz neu - heute
wieder da wie früher.
- Dieses vierte
Rathaus diente bis zum Ersten Weltkrieg der Stadtverwaltung als
Dienstsitz, als Gefängnis und als Sitz der Sparkasse. Schnell wurden
die Räume wieder zu klein und man bezog zusätzlich den nebenan
gelegenen Palazzo Barberini, ein Haus im italienischen Stil. Nach dem
Ersten Weltkrieg wurden Räume im Stadtschloß frei, weil der Kaiser ja
nach Holland umgezogen war. Die Verwaltung zog dorthin und hatte genug
Platz, die Sparkasse blieb im Rathaus.
- Nachdem es am
14. April 1945 einen Luftangriff gegeben hatte, war das Rathaus
zwar beschädigt, aber noch reparabel. Die Rote Armee zerstörte jedoch
bis zum 30. April fast das gesamte Viertel. Ein Wiederaufbau des feudalistischen Schlosses war nicht im Sinne der DDR, doch 1960 wurde das
Rathaus immerhin so instand gesetzt, daß man es als „Kulturhaus“ für die
Arbeiter und Bauern benutzen konnte.
- Erst
lange
nach der Wiedervereinigung ging es mit der Restaurierung weiter. 2010
beschloß der Stadtrat, aus dem Rathaus ein Museum zu machen, am 15.
Dezember wurde der (fast neue) Atlas wieder auf dem Dach montiert und
seit 2013 ist das Alte Rathaus ein Museum.

Das Alte Rathaus in Potsdam - fünfhundert Jahre Geschichte und fünf Neubauten
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