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Potsdam, die Landeshauptstadt
Text und Fotos: Martin Schlu, 2006 bis heute, Stand: 25. August 2026

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Eine Erkundung Potsdams  braucht mindestens eine Woche, weil es hier soviel zu sehen gibt, daß man mit zwei bis drei Tagen nicht sehr weit kommt. Allein für die Schlösser der Hohenzollern sind drei Tage das Minimum (Schloß Sanssouci, Neues Palais, Park mit Teepavillon, Mühle), ein Tag geht für das Filmmuseum drauf, ein Tag für Landtag, Nikolaikirche, Altes Rathaus und das Holländische Viertel. Einen weiteren Tag kann man für das Museum Barberini (neben dem Alten Rathaus) ansetzen und dann hat man noch keinen Kilometer die Havel gesehen. Für alle diese Ziele gibt es eigentlich nur ein Hotel, das gegenüber dem Potsdamer Landtag, doch das geht wegen der Finanzen eher nicht mit einem Stall voller Kinder.

Der Vorteil dieses Hotels ist die absolut zentrale Lage, die Nähe zum Bahnhof, den Anlegestegen der Potsdamer Schiffahrt und die Nähe zu de Sehenswürdigkeiten. Das Frühstücksbufett ist umwerfend und einen Parkplatz kann man auch kriegen, wenn man mit dem Auto gekommen ist und man noch außerhalb etwas sehen will (z.B., die Seen, Werder an der Havel, Schloß Caputh, Schloß Grunewald etc.). Im Übrigen gibt es in Potsdam Massen von Fahrradfahrern* - mehr als in Bonn - ob so viele wie in Münster, weiß ich nicht.

(* = männlich, weiblich, divers und alles andere...)

Aussicht vom Hotel im achten Stockwerk: Landtag, Nikolaikirche, Altes Rathaus, Weg zum Holländischen Viertel
Aussicht vom Hotel im achten Stockwerk: Landtag, Nikolaikirche dahinter, Altes Rathaus (Spitze rechts), Weg zum Holländischen Viertel links.

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Man merkt schon, daß die Preußen diese Stadt in den märkischen Sand geplant haben. Die Straßen sind ein bißchen breiter, die Kirchen ein bißchen höher und der Palast, in dem heute der brandenburgische Landtag sitzt, ist auch nicht gerade klein. Entsprechend groß sind die Vorplätze und wenn man den Turm der weißen Garnisonskirche sieht, dem nun das Kirchenschiff fehlt, kann man sich vorstellen, wie diese alte Militärstadt auf Besucher gewirkt haben muß. Viele Gebäude könnten auch in Paris oder München stehen, wo man nach 1803 alles Beengende und Alte plattgemacht hat, damit Platz für Repräsentation und Aufmärsche geschaffen wurde. Nach dem Mauerfall wurde fast alles um den Alten Markt neu gebaut. Nicht alles, was alt aussieht, ist auch alt, aber es ist zumindest schön aufgehübscht.

Der alte Markt in Potsdam - gut markiert, damit man weiß, wo man ist.
Der alte Markt in Potsdam - gut markiert, damit man weiß, wo man ist.

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Die Lange Brücke über die Havel ist die Verbindung zwischen dem alten Zentrum und der Südstadt , zwischen dem Bahnhof und der Innenstadt und außerdem führt die B1 darüber, so daß hier immer viel Verkehr ist.


Die lange Brücke am Landtag über die Havel verbindet die Brandenburger Vorstadt mit der südlichen Innenstadt
Die „Lange Brücke“ am Landtag über die Havel verbindet die Brandenburger Vorstadt (Landtag, Nikolaikirche, Rathaus)mit der südlichen Innenstadt.

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Das Alte Rathaus ist der vierte Bau eines Rathauses an fast gleicher Stelle. Der erste Bau von 1524 brannte zwölf Jahre später beim großen Stadtbrand 1536 mit ab. Der zweite Bau entstand an der Stelle des ersten Rathauses und hielt immerhin bis 1720. Dann war das Rathaus unmodern geworden (Preußen war auch mittlerweile Königreich) und wurde durch ein Konstrukt ersetzt, in dem die Verwaltung saß, aber auch Händler ihren Geschäften nachgingen (wie z.B. in Stralsund in der Hansezeit). Man baute zwar sechzehn Jahre später an und um, doch das Grundproblem, zuwenig Platz, blieb. 1713 machte der damalige König (Friedrich I., der Soldatenkönig) zwar Potsdam zur Garnisonsstadt, legte aber keinen Wert auf eine gescheite Verwaltung und steckte das Geld lieber in das MIlitär. So brauchte es eine Generation, bis der Sohn, Friedrich II. 1740 endlich König wurde und alles anders machte als sein Vater. Nachdem dessen Lieblingsarchitekt das Holländische Viertel zur Zufriedenheit des Alten Fritz' fertiggestellt hatte, ließ Friedrich von 1753-1755 neu bauen. Nun war halbwegs Platz für die Verwaltung, auch wenn man nicht so groß bauen konnte, wie Friedrich gewollt hätte, weil der Nachbar partout sein Grundstück nicht verkaufen wollte. Später konnte man in eine andere Richtung erweitern und Zwischengeschosse einziehen.

Die Atlasfigur, die die Welt auf ihren Schultern trägt, war kurz nach der Fertigstellung vom Dach gestürzt , weil sie - aus Blei - viel zu schwer war. Die neue Figur war nicht mehr massiv, sondern aus Kupferblech gefertigt, wurde vergoldet und steht - ganz neu - heute wieder da wie früher.

Dieses vierte Rathaus diente bis zum Ersten Weltkrieg der Stadtverwaltung als Dienstsitz, als Gefängnis und als Sitz der Sparkasse. Schnell wurden die Räume wieder zu klein und man bezog zusätzlich den nebenan gelegenen Palazzo Barberini, ein Haus im italienischen Stil. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden Räume im Stadtschloß frei, weil der Kaiser ja nach Holland umgezogen war. Die Verwaltung zog dorthin und hatte genug Platz, die Sparkasse blieb im Rathaus.

Nachdem es am 14. April 1945 einen  Luftangriff gegeben hatte, war das Rathaus zwar beschädigt, aber noch reparabel. Die Rote Armee zerstörte jedoch bis zum 30. April fast das gesamte Viertel. Ein Wiederaufbau des feudalistischen Schlosses war nicht im Sinne der DDR, doch 1960 wurde das Rathaus immerhin so instand gesetzt, daß man es als „Kulturhaus“ für die Arbeiter und Bauern benutzen konnte.

Erst lange nach der Wiedervereinigung ging es mit der Restaurierung weiter. 2010 beschloß der Stadtrat, aus dem Rathaus ein Museum zu machen, am 15. Dezember wurde der (fast neue) Atlas wieder auf dem Dach montiert und seit 2013 ist das Alte Rathaus ein Museum.

Das Alte Rathaus in Potsdam - fünfhundert Jahre Geschichte und fünf Neubauten.
Das Alte Rathaus in Potsdam - fünfhundert Jahre Geschichte und fünf Neubauten

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