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Ribbeck im Havelland
Txte und Fotos: Martin Schlu ab 2006, Stand: 26. August 2026

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Thedor Fontane:
Herr auf Ribbeck

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
ein Birnbaum in seinem Garten stand
und kam die goldene Herbsteszeit
und die Birnen leuchteten weit und breit,
da stopfte, wenn's Mittag vom Turme scholl,
der von Ribbeck sich beide Taschen voll,
und kam in Pantinen ein Junge daher,
so rief er: "Junge, wiste 'ne Beer?"
Und kam ein Mädel, so rief er: "Lütt Dirn,
kumm man rüwer, ick hebb ne Birn."

So ging es viel Jahre, bis lobesam
der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.
Er fühlte sein Ende. 's war Herbsteszeit,
wieder lachten die Birnen weit und breit
da sagte von Ribbeck: "Ich scheide nun ab.
Legt mir eine Birne mit ins Grab."
Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,
trugen von Ribbeck sie hinaus,
alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht
sangen "Jesus, meine Zuversicht",
und die Kinder klagten, das Herze schwer:
"He is dod nu. Wer giwt uns nu ne Beer?"





So klagten die Kinder. Das war nicht recht -
ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht ;
der neue freilich, der knausert und spart,
hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.
Aber der alte, vorausahnend schon
und voll Mißtraun gegen den eigenen Sohn,
der wußte genau, was damals er tat,
als um eine Birn ins Grab er bat,
und im dritten Jahr aus dem stillen Haus
ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

Und die Jahre gehn wohl auf und ab,
längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,
und in der goldenen Herbsteszeit
leuchtet's wieder weit und breit.
Und kommt ein Jung' übern Kirchhof her,
so flüstert's im Baume: "Wiste 'ne Beer?"
Und kommt ein Mädel, so flüstert's: »Lütt Dirn,
kumm man röwer, ich gew di ne Birn."


So spendet Segen noch immer die Hand
des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.
Ribbecks Birne

Ribbeck
An Ribbeck kommt man im Havelland einfach nicht vorbei und so sollte man - wenn schon Brandenburg, dann auch richtig -  möglichst eine Landstraße fahren (die hier nach hugenottischer Tradition noch „Chausseé“ heißt) und das Navi mal ausschalten. Die Landstraßen führen durch Orte wie Ketzin, Etzin, Tremmen, Groß-Benitz und so weiter und so braucht man für die knapp 50 km von Werder nach Ribbeck auch gut zwei Stunden - trotz freier Landstraßen. Nach einer Stunde hat man gute Fahrt über die B5 und diese Straße führt einen direkt nach Ribbeck zum berühmten Doppeldachhaus, das in seiner jetzigen Form ein anderes ist als das, was Fontane auf seinen „Wanderungen...“ gesehen hat.

Bis 1943 war dieses Haus von Nachfahren der Ribbecks bewohnt (daher auch der Familienfriedhof hinter der Kirche), nach dem Krieg war es zu DDR-Zeiten ein Altenheim, nach der Wende wurde das Altenheim „freigezogen“ (was immer das heißt) und unter der Treuhand gab es keinen Ribbeck mehr, der es hätte weiterführen wollen oder können. So hat es der Landkreis Havelland ab 2005 saniert und irgendwie vermarktet. Ab 2010 war es ein Hotel und heute (2026) ist dort eine ständige Fontane-Ausstellung mit Besichtigungsmöglichkeit, Standesamt und einem Restaurant.

Aber es gibt noch Spuren der von Ribbecks. In der Kirche hängt eine Gedenktafel des Hans Georg Carl Friedrich Ernst von Ribbeck, der 1882 im Alter von 83 Jahren starb und Fontanes Vorlage für das 1889 entstandene Gedicht sein könnte, weil die Widmung der Gedenktafel vom Enkel und Nachfolger auf Gut Ribbeck ist. Blöderweise hatte der alte Ribbeck aber keine Kinder, so daß das Verhältnis zwischen dem alten Ribbeck des Gedichts und dem literarischen Sohn Fontanes unklar bleiben muß.

Hinter der Kirche liegt ihr Familienfriedhof mit etlichen beschrifteten Grabsteinen, teilweise verwittert, aber noch lesbar. Danach wurde der letzte Ribbeck (geb. 1880) im Mai 1944 von der Gestapo verhaftet und starb im Februar 1945 im KZ Sachsenhausen. Gut Ribbeck wurde daraufhin von den Nazis enteignet und die noch bestehende Familie vertrieben.

In der Ev. Kirche von Ribbeck wird noch ein Stück des legendären Birnbaums gezeigt, den Fontane beschrieben hat (mittlerweile wächst hinter der Kirche der vierte oder fünfte Birnbaum), man kann alles Mögliche kaufen, was irgendwie mit Ribbeck oder Birne oder beiden zu tun hat und die Kommerzialisierung macht recht gute Fortschritte. Nur ein Foto von Helmut Kohl konnte man 2006 nicht kaufen - das hatte mich etwas enttäuscht.

Die Ev. Kirche in Ribbeck mit dem Birnbaum 5.0
Hinter der Kirche der vierte oder fünfte Birnbaum seit Fontenes Gedicht

Dennoch war die Kirchengemeinde sehr rührig: man konnte für kleines Geld Kaffee und Kuchen bekommen, die Küsterin wußte alles Mögliche über Fontane und die Familie Ribbeck und wir verbrachten mit der Familie zwei sehr nette Stunden im Ort.  

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