Martin Schlu
Brühl -  Kurfürsten, Königin und Kunst
Text und Fotos: Martin Schlu,  Stand 23. April 2026

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Schloß Augustusburg - Schloß Falkenlust - Königin Victoria -  Der Schloßgarten - Max Ernst

Vorgeschichte
Der Kölner Kurfürst war in der Domstadt zwar Erzbischof, doch in Bonn mußte er seit dem Mittelalter leben, weil einer seiner Vorgänger in einem Erbstreit zwischen dem Kölner Erzbischof und dem Herzog zu Berg mit den Düsseldorfern und Bayern gemeinsame Sache gemacht hatte. In der Schlacht von Worringen 1288 war der revolutionäre Plan allerdings schiefgegangen, die Kölner hatten ihren Erzbischof aus der Stadt geworfen und seitdem lebten die Kölner Kurfürsten in Bonn auf der Godesburg und nach deren Eroberung und Sprengung durch die Bayern (1583) zogen sie an den Bonner Markt (1567), noch später ließen sie sich das gelbe Schloß bauen (1707), das nocheinmal  später (1818) Universität wurde.
Bis heute sind sich Köln und Düsseldorf nicht sonderlich sympathisch. Das beginnt im Glaubenskrieg zwischen Kölsch und Alt und hört beim Unterschied zwischen Alaaf und Helau noch lange nicht auf.

Das Wohnschloß der Kölner Kurfürsten ab 1705 - heute ist es die Bonner Universität
Das Wohnschloß der Kölner Kurfürsten ab 1705 - heute ist es die Bonner Universität


Gewohnt haben die Kölner Kurfürsten bis 1794  in der heutigen Bonner Universität, aber Clemens August schwebte seit seiner Inthronisation ein Sommersitz vor, mit kühlen Gärten und kühlen Räumen, denn Bonn war auch damals schon im Sommer ziemlich heiß. Zwischen Köln und Bonn gab es genug Platz und so ließ sich Clemens August ab 1725 durch den Baumeister Johann Conrad Schlaun zwischen die beiden Städte seinen Sommersitz bauen. Brühl entstand dabei eher nebenbei - als Siedlung um den Bauplatz des kurfürstlichen Schlosses, mit den Nebengebäuden und Schloß Falkenlust, denn Clemens August hatte genug Geld und dachte groß.

Der Kurfürst hätte gerne das Bonner Schloß mit dem Brühler Schloß Augustusburg getauscht, doch leider starb er er schon 1761 und die Vollendung des neuen Schlosses 1768 hat er nicht mehr erlebt. Beim Näherkommen an die gewaltige Fassade kann man noch heute erspüren, wie klein die Bittsteller sich vor der Macht des Kurfürsten fühlen sollten. Dies blieb aber nicht lange so. Knapp eine Generation später stand Napoleon 1794 im Rheinland und die Kurfürsten waren Geschichte.


Eindrucksvoll und Macht einflößend ist die Fassade des Schlosses
Eindrucksvoll und Macht einflößend erscheint die Fassade des Schlosses noch heute

Der Besuch Queen Victorias 1845
Die Brühler Schloßanlage (Schloß Augustusburg, Schloß Falkenlust und der Schloßpark mit dem Schloßgarten) bilden eine Einheit, die man heute nur deswegen nicht mehr wie früher erleben kann, weil anläßlich des geplanten Deutschlandbesuch Queen Victorias eine Bahnlinie mit Bahnhof gebaut wurde, die durch den ehemaligen Garten führt. Weil in jener Woche, Mitte August 1845,  in Köln der Besuch des Domes auf dem Programm stand, in Brühl ein Hofkonzert mit Hunderten Musikern gehört werden sollte, in Bonn das Beethovenfest begründet wurde und weitere Programmpunkte in Koblenz und Mainz anstanden, plante und baute man die bis heute so bestehende Bahnverbindung.
Bis heute können Reisende zwischen Köln und Bonn von ihrem Sitz aus einen Blick auf das Schloß erherrschen, wenn sie auf der richtigen - rechten - Seite sitzen. Seit 1984 ist die Schloßanlage auch Welterbe - die Bahnlinie mußte man dabei als historisch gegeben akzeptieren.

Über den königlichen Besuch in Preußen berichteten englische, belgische und deutsche Zeitungen haarklein und daß zwischendurch handfeste Politik zwischen der englischen Queen und dem preußischen König (Friedrich-Wilhelm IV.) gemacht wurde, ist auch klar. Immerhin blieb die Queen über eine Woche in Preußen (davon zwei Tage in Brühl) und nahm am 12. August an der Enthüllungs des Beethovendenkmals auf dem Bonner Münsterplatz teil.
Die Enthüllung des Denkmals sorgte allerdings für Irritation, weil die Ehrengäste (Victoria, Friedrich-Wilhelm IV. , Franz Liszt, Hektor Berliòz) sie vom Balkon der Post aus sahen und damit Beethovens Rückseite. Der preußische König - von Victoria auf Beethovens Rückseite angesprochen - antwortete auf ihre Frage sinngemäß, Beethoven sei schon zu Lebzeiten „ein ungehobelter Kerl““ gewesen.

Victoria schrieb am Abend in ihr Tagebuch:

Wir gin­gen auf den Bal­kon, um der Ent­hül­lung von Beet­ho­vens Sta­tue zu­zu­se­hen, zu des­sen Eh­ren vie­le gro­ße Fest­lich­kei­ten statt­fan­den. Un­glück­li­cher­wei­se be­ka­men wir, als die Sta­tue un­be­deckt war, nur ei­ne Rü­cken-An­sicht zu se­hen.  zur Quelle

Die Enthüllung des Denkmals sorgte für Irritation
Die Enthüllung des Denkmals sorgte für Irritation


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Schloß Augustusburg
Schloß Augustusburg wurde als Sommerschloß geplant, Schloß Falkenlust als Sitz der kurfürstlichen Falknerei - eines der größten Statussymbole der damaligen Zeit. Trotzdem sind die Schlösser ein Machtzentrum. Das beginnt schon mit der Vorfahrt des Adels, denn natürlich sollte man mit der Kutsche - wie in der Wiener Hofburg - durch das Hauptportal in den Innenhof fahren können. Dort wäre man im Treppenhaus wegen der dunklen Farbgebung eher im Dunkeln angekommen, wäre nach dem Aussteigen über die Treppenstufen vom Dunklen ins Licht auf den vergoldeten Kurfürsten zu gelaufen und der echte Kurfürst hätte vermutlich oben gewartet. So ist es zwar nicht gekommen, weil Clemens August die Fertigstellung des Schlosses nicht mehr erlebt hat, aber Balthasar Neumann hatte genaue Vorgaben gehabt, wie das Treppenhaus wirken sollte. Die Krönung ist dann der vom italinischen Maler Carlo Carlone geschaffene Himmel, der den Kurfürsten damit zum Bindeglied zwischen Welt (Treppe) und Himmel (Fresco) gemacht hätte.

Das von Baltahsar Neumann geschaffene Treppenhaus von unten

Oben: Das von Baltahsar Neumann geschaffene Treppenhaus von unten


Unten: Nach oben steigt man ins Licht empor und noch weiter oben sieht man sozusagen Gott.

Nach oben steigt man ins Licht empor und noch weiter oben sieht man sozusagen Gott.

Der Himmel wurde von Carlo Carlone direkt auf den feuchten Putz gemalt (fresco = frisch). Korrekturen waren nicht möglich und das gesamte Fresco wurde in weniger als vier Wochen geschaffen. Carlone hatte dabei die Fähigkeit so realistisch zu malen, daß man nicht sofort zwischen dreidimensionalem Stuck und zweidimensionaler Malerei unterscheiden kann und vor allen Dingen hat man die Illusion einer Kuppel, obwohl die Decke flach ist und es eben kein Gewölbe gibt. Illusion ist hier alles.

Lange kann man sich den Himmel nicht in natura anschauen - das macht der nacken nicht mit.
Lange kann man sich den Himmel nicht in natura anschauen - das macht der Nacken nicht mit.

Sehr durchdacht ist die Folge von Durchgangszimmern. Ein Vorzimmer geht ins nächste über und bis man als Bittsteller/in endlich nach stundenlangem Warten sein Anliegen vorbringen konnte, war man bereits mürbe gekocht und vermutlich haben sich viele Anliegen in dieser Zeit erledigt. Als moderner Mensch geht man zwar davon aus, daß man mit anderen auf Augenhöhe redet, doch zu feudalen Barockzeiten war man abhängig von der Gnade Gottes und der des Kurfürsten. Wer das nacherleben will, kann bis heute auf dem Bonner Kreuzberg die Heilige Stiege emporkriechen: pro Stufe ein Vaterunser, auf dem Ab
satz einen Rosenkranz - da lernt man Demut und kann sich so fühlen wir die Bittsteller vor dreihundert Jahren. Der Architekt dieser Heiligen Stiege war der gleiche wie der Architekt des Brühler Treppenhauses: Balthasar Neumann.

Die Durchgangszimmer im Schloß - irgendwann ist man im Allerheiligsten.
Die Durchgangszimmer im Schloß - irgendwann ist man im Allerheiligsten. In den meisten Barockschlössern ist dies ähnlich.

Eine Spezialität des Barocks waren die Fixierung auf den Herrscher in allen Bereichen, sei es die Ehre, beim königlichen Ankleiden zuschauen zu dürfen oder die Ehre, dem König/Kurfürsten beim Essen zusehen zu dürfen. Sowohl in Bonn wie in Brühl gab es Speisesäle mit Empore, von denen ausgesuchte Günstlinge beim Speisen zusehen durften. Eine spezielle Marotte hatte Clemens August in seinem Porzellan. Von seinem 1741 gekauften Meißner Porzellan sind noch etwa zweihundert Teile erhalten, auf denen naturgetreu gemalte Käfer und Insekten scheinbar auf den Tellern herumkrabbeln - ähnlich den aufgemalten Fliegen auf manchen Urinalen, die die Herren zum Zielpinkeln verleiten sollen.

Teller aus dem Kurfürstlichen Meißner Porzellan.
Teller aus dem Kurfürstlichen Meißner Porzellan.


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Ein weiteres Statussymbol war der Sommersalon, ein komplett mit Delfter Kacheln verkleideter großer Raum, der durch die schiere Masse an kaltem Material (Fayence, Keramik) immer ein paar Grad kälter war als die anderen Räume. Vorhänge hielten die Sonne draußen, ein an der Wand angebrachter Brunnen sorgte für weitere Abkühlung und an heißen Tagen dürfte dieser Raum einer der angenehmten Plätze im Schloß gewesen sein. Daß das Porzellan im gleichen Farbton gehalten war, versteht sich von selbst.

Der Sommersalon ist ganz mit Delfter Fliesen vertäfelt und spürbar kühler als die anderen Räume.
Der Sommersalon ist ganz mit Delfter Fliesen vertäfelt und spürbar kühler als die anderen Räume.



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Ein Schmuckstück außerhalb des Hauses war und ist der Schloßgarten, der eng an das große Vorbild Versailles angelegt war. Ähnlich wie beim Bonner Wohnschloß (heutiges Unigebäude) dehnte sich der Garten kilometerweit aus. In Bonn ging er ca. 4 km südlich bis zur heutigen Südbrücke, in Brühl südöstlich etwa bis zur A 553 und auf jeden Fall viel weiter als bis Schoß Falkenlust. Auch heute ist er so weitläufig, daß man ein paar Stunden laufen kann und eine freie Bank im Schatten findet sich auch immer. Teiche und Wasserstellen waren schon immer ein Blickfang und eine kühle Oase und deren Spiegelungen ergeben uch heute noch schöne Motive.

Schloß Augustusburg von der Gartenseite
oben: Schloß Augustusburg von der Gartenseite

unten: Der Garten ist heute noch groß, früher war er riesig
Der Garten ist heute noch groß, früher war er riesig


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Schloß Falkenlust war der Sitz des Falkners und der heimliche Rückzugsort des Kurfürsten. Ziemlich sicher diente es auch als Treffpunkt erotischer Momente und so hatte der privateste Teil der Schloßanlage auch im doppelten Sinne mit Vögeln zu tun. Zu besichtigen ist dieses Schlößchen regelmäßig - ich habe es aber noch nicht geschafft ins Innere zu kommen. Von Scloß Ausgustusburg läuft man ca. eine knappe halbe Stunde - mit der Kutsche oder zu Pferd ging es natürlich schneller. Dieses Schlößchen war 1737 fertig und Clemens August hat es definitv regelmäßig genutzt - inclusive der zugehörigen Kapelle.

Schloß Falkenlust hatte im dopplten Sinn mit Vögeln zu tun.
Schloß Falkenlust hatte im dopplten Sinn mit Vögeln zu tun

wird fortgesetzt...


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