Martin Schlu
Brühl - Vom Kurfürsten zum Phantasialand
Text und Fotos: Martin Schlu,  Stand 12. April 2026

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zum Kurfürsten


Brühl entstand um den Bauplatz des kurfürstlichen Schlosses, mit den Nebengebäuden und Schloß Falkenlust, das der Kölner Kurfürst Clemens August sich ab 1725 durch den Baumeister Johann Conrad Schlaun zwischen die beiden Städte bauen ließ, die ihm wichtig waren. In der Domstadt Köln war er zwar Erzbischof, doch in Bonn mußte er leben, seit einer seiner Vorgänger in einem Erbstreit zwischen dem Kölner Erzbischof und dem Herzog zu Berg mit den Düsseldorfern und Bayern gemeinsame Sache gemacht hatte. In der Schlacht von Worringen 1288 war der revolutionäre Plan schiefgegangen, die Kölner warfen ihren Erzbischof aus der Stadt und seitdem lebten die Kölner Kurfürsten in Bonn auf der Godesburg und nach deren Eroberung und Sprengung durch die Bayern (1583) zogen sie an den Bonner Markt (1567und noch später ließen sie sich das gelbe Schloß bauen (1707), das noch später (1818) Universität wurde.

Bis heute sind sich Köln und Düsseldorf nicht sonderlich sympathisch. Das beginnt im Glaubenskrieg zwischen Kölsch und Alt und hört beim Unterschied zwischen Alaaf und Helau noch lange nicht auf. Der Kurfürst hätte gerne das Bonner Schloß mit dem Brühler Schloß Augustusburg getauscht, doch leider starb er er schon 1761 und die Vollendung des neuen Schlosses 1768 hat er nicht mehr erlebt. Beim Näherkommen an die gewaltige Fassade kann man noch heute erspüren, wie klein die Bittsteller sich vor der Macht des Kurfürsten fühlen sollten. Dies blieb aber nicht lange so. Knapp eine Generation später stand Napoleon 1794 im Rheinland und die Kurfürsten waren Geschichte.


Eindrucksvoll und Macht einflößend ist die Fassade des Schlosses
Eindrucksvoll und Macht einflößend erscheint die Fassade des Schlosses noch heute

Schloß Augustusburg ist als größere Schloßanlage angelegt. Die Gebäude (Schloß Augustusburg, Schloß Falkenlust und der Schloßpark mit dem Schloßgarten) bilden eine Einheit, die man heute nur deswegen nicht mehr wie früher erleben kann, weil seit dem Deutschlandbesuch Queen Victorias eine Bahnlinie mit Bahnhof gebaut wurde, die bis heute durch den ehemaligen Garten führt. Weil in Köln der Besuch des Domes auf dem Programm stand, in Brühl ein Hofkonzert gehört werden sollte, in Bonn das Beethovenfest war und weitere Programmpunket in Koblen und Mainz anstanden, plante und baute man die bis heute gültige Verbindung. Reisende zwischen Köln und Bonn können auch heute noch von ihrem Sitz aus einen Blick auf das Schloß erherrschen. Seit 1984 ist die Schloßanlage auch Welterbe - die Bahnlinie hat man dabei offensichtlich als historisch gegeben akzeptiert.

Schloß Augustusburg wurde als Sommerschloß geplant, Schloß Falkenlust als Sitz der kurfürstlichen Falknerei - eines der größten Statussymbole der damaligen Zeit. Trotzdem sind die Schlösser ein Machtzentrum. Das beginnt schon mit der Vorfahrt des Adels, denn natürlich sollte man mit der Kutsche - wie in der Wiener Hofburg - durch das Hauptportal in den Innenhof fahren können. Dort wäre man im Treppenhaus wegen der dunklen Farbgebung eher im Dunkeln angekommen, wäre nach dem Aussteigen über die Treppenstufen vom Dunklen ins Licht auf den vergoldeten Kurfürsten zu gelaufen und der echte Kurfürst hätte vermutlich oben gewartet. So ist es zwar nicht gekommen, weil Clemens August die Fertigstellung des Schlosses nicht mehr erlebt hat, aber Balthasar Neumann hatte genaue Vorgaben gehabt, wie das Treppenhaus wirken sollte. Die Krönung ist dann der vom italinischen Maler Carlo Carlone geschaffene Himmel, der den Kurfürsten damit zum Bindeglied zwischen Welt (Treppe) und Himmel (Fresco) gemacht hätte.

Das von Baltahsar Neumann geschaffene Treppenhaus von unten

Oben: Das von Baltahsar Neumann geschaffene Treppenhaus von unten


Unten: Nach oben steigt man ins Licht empor und noch weiter oben sieht man sozusagen Gott.

Nach oben steigt man ins Licht empor und noch weiter oben sieht man sozusagen Gott.

Der Himmel wurde von Carlo Carlone direkt auf den feuchten Putz gemalt (fresco = frisch). Korrekturen waren nicht möglich und das gesamte Fresco wurde in weniger als vier Wochen geschaffen. Carlone hatte dabei die Fähigkeit so realistisch zu malen, daß man nicht sofort zwischen dreidimensionalem Stuck und zweidimensionaler Malerei unterscheiden kann und vor allen Dingen hat man die Illusion einer Kuppel, obwohl die Decke flach ist und es eben kein Gewölbe gibt. Illusion ist hier alles.

Lange kann man sich den Himmel nicht in natura anschauen - das macht der nacken nicht mit.
Lange kann man sich den Himmel nicht in natura anschauen - das macht der Nacken nicht mit.

Fortsezung folgt....