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- Allergien und Unverträglichkeiten
Stand: 2003/Revision im 4. November 2011
von Martin Schlu
- 2. Begrifflichkeit - 3. Diagnostik - 4. Umweltallergien - 5. Lebensmittelallergien

- 1. Vorwort
- Meine Frau und ich lernten vor über zwanzig Jahren mit unseren allergischen Kindern Begriffe wie "Pseudoallergie" und "Kreuzallergie" kennen und
erfuhren, wie sich Allergien ständig veränderten. Nun sind die Kinder längst erwachsen und meine Frau und ich ziemlich fit in
allen Dingen, die allergische
Reaktionen und Nahrungsunverträglichkeiten betreffen und können jüngeren Eltern vielleicht ein paar
Erfahrungen weitergeben.
- Kinder aus allergisch vorbelasteten Familien sind
eher gefährdet, empfindlich auf Nahrungsmittel zu reagieren. Bei
gestillten Kindern vermindert sich die Allergiehäufigkeit um etwa die
Hälfte gegenüber Kindern, die mit Kuhmilch ernährt werden. Säuglinge,
die nicht mit allergiepräventiver Muttermilch ernährt werden können
und eine Kuhmilchallergie haben, reagieren oftmals auch auf weitere
Nahrungsmitteleiweiße allergisch. Deshalb ist es notwendig,
hypoallergene Babynahrung oder sogar Spezialnahrung zu verwenden, die
das Immunsystem des Säuglings nicht weiter belasten. Weiter zur Laktose-Intolereanz.
- Wenn Ihr Kind auf bestimmte Lebensmittel
allergisch reagiert, gibt es nur eins: Sie müssen frisch kochen und
dürfen nur
das
verwenden, von dem Sie wissen, was drin ist und wo es her kommt. Das
heißt: keine
Fertiggerichte, keine Billigcremes aus dem Supermarkt, keine normalen
Restaurants, sofern Sie nicht wissen, wie und womit gekocht wird. Den
wenigsten Köchen und Inhabern sind die Zusammenhänge zwischen Inhaltsstoffen
und Reaktionen klar und oft wissen sie nicht die Inhaltsstoffe der Produkte, die sie verkaufen. Ein
Trost: die meisten Allergien wachsen sich aus, die Pickelphase dauert
ein paar Jahre länger, aber mit etwa 25 Jahren ist das Schlimmste
vorbei. Testen Sie die Qualität eines Restaurants, fragen Sie bei der
Bestellung, wie mit dem Problem umgegangen wird und Sie merken, ob das
Restaurant gut ist. Nun zum Thema:
- 2. Begrifflichkeit - Allergie - Pseudoallergie/Unverträglichkeit - Kreuzallergie - Anfang
- 2.1
Eine Allergie ist eine Überrraktionen des Immunsystems auf Stoffe im Körper, die das Immunsystem als vermeintlich feindlichen Eindringling
bekämpft. Dadurch kommt es zu einer Reaktion wie der Rötung der Haut,
Exzeme in Hautfaltenregionen, Schwellungen und Fieber, bis zur Übelkeit
mit Erbrechen oder einem allergischen Schock, bei dem es
lebensgefährlich werden kann. Klassische Allergien sind Umweltallergien
(z.B. gegen Metalle, wie bei Nickelallergie bei Jeansknöpfen oder
Körperschmuck) oder die Klassiker wie Katzen-, Hausstaub- oder
Wollallergie. Außerdem gibt es Allergien gegen Nahrungsmittel
(z. B. gegen Nüsse, Hühnereiweiß oder Ascorbinsäure). Eine Allergie
läßt sich heute relativ sicher in einem Bluttest nachweisen. Sie ist aber nicht gottgewollt und ewig, sondern sie verändert sich. Nach zehn Jahren war
z.B. die Hühnereiweißallergie bei zwei unserer Kinder verschwunden, denn der Körper hatte sie
in den Jahren der Diät einfach vergessen. - Begrifflichkeit
- 2.2
Eine Pseudoallergie oder Unverträglichkeit ist eine Überrraktionen,
ohne daß man sie eindeutig nachweisen kann, sie zeigt zwar die
allergischen
Reaktion, ist aber nur schwer oder gar nicht nachzuweisen. Die
Unveträglichkeit ist aber oft an eine andere - dann nachweisbare -
Allergie gekoppelt. Eine
typische Reaktion bei Unverträglichkeiten ist Übelkeit oder Ausschlag,
unmittelbar, nachdem der Körper mit diesem Stoff in Berührung gekommen
ist. Die
häufigste Unverträglichkeit bei Nahrungsmitteln ist z.B. die Laktose-Unverträglichkeit
oder Kuhmilchallergie, bei der dem Körper das Enzym Laktase fehlt, es dann im Dünndarm zu
häßlichen Krämpfen kommt und der Durchfall fuchtbar stinkt.
- Eine weitere gängige Unverträglichkeit ist die gegen Gluten,
das in allen gängigen Halmgetreiden enthalten ist (Weizen, Gerste,
Roggen, Hafer) - da muß man auf Dinkel, Reis oder Mais umsteigen, kann
die normalen Bäcker erst einmal vergessen und kauft sein Brot in der
Drogerie oder dem Reformhaus, die schon ihre Gluten freie Ecke
eingerichtet haben. Unverträglichkeiten haben viele Menschen auch gegen die Stoffe, die in
neugekaufter Kleidung enthalten sind, Färberückstände, Impregnierungen, Mottengifte etc. - ein Grund, jedes neu gekaufte Stück
erst einmal zu waschen. Dies sollte man grundsätzlich tun, egal, ob es sich um die eigene Kleidung oder um neue Kinderkleidung
handelt. Denn zum einen kann sich neugekaufte Kleidung unbequem
anfühlen und zum anderen kann gerade auch die empfindliche Kinderhaut
auf diese Stoffe allergisch reagieren. Darum sollte man sich und seinen Kindern immer den Gefallen tun, jede neue Kleidung zu waschen.
- Übrigens kann man Intoleranzen auch später erwerben: bei drei Familienmitgliedern ist in den letzten Jahren eine
Laktose-Intoleranz hinzugekommen, bei einem Mädchen zusätzlich noch eine Gluten-Intoleranz - warum, ist vollkommen unklar. - Begrifflichkeit
- 2.3
Kreuzallergien sind Mischformen zweier Allergien, die sich sich zu einer neuen Variante kombinieren,
z.B. eine Allergie mit einer Pseudoallergie. Bei uns in der Familie gab
es z.B. die
bekannte Allergie gegen Gräserpollen, doch sie war kombiniert mit einer
zeitweisen Apfelallergie, die mal vorhanden war und mal nicht. Gräserpollen gehen oft einher mit einer
Weizen-/Gluten-Unverträglichkeit, die sich meistens mit starken
Ausschlägen und Übelkeit bemerkbar macht. - Eine
Birkenpollenallergie wiederum korreliert relativ häufig mit einer
Erdbeerallergie, doch die ist nicht nachzuweisen. Man kann aber getrost
davin ausgehen, daß eine bekannte Allergie noch mit ein paar Unverträglichkeiten einhergeht - hier muß man ganz einfach
ausprobieren, was geht und was nicht.
- Erfahrene Hautärzte haben die
meisten Kreuzallergien drauf. - Begrifflichkeit
3. Diagnostik und Kompetenz - Anzeichen - Bluttest - Prick-Test - Desensibilierung? - Anfang 3.1 Anzeichen
Es dauert nicht lange, bis man merkt, daß mit dem Kind etwas nicht in
Ordnung ist. Ausschläge, die nicht abheilen, Durchfall und/oder
Übelkeit nach einem bestimmten Lebensmittel - das sind die Zeichen, die
man eigentlich nicht übersehen kann. Wir hatten Glück - unsere
Kinder hatten bereits bei der Geburt starke Ekzeme und wurden als erste
Stufe "hypoallergen" ernährt, d.h., sie bekamen als erste
Fläschenmahlzeit eine reizarme Milchnahrung (auf der Packung muß stehen
"hypoallergen). Im Laufe der nächsten Monate wurde ein Lebensmittel
nach dem anderen zugefüttert: Apfel, Banane, verschiedene Gemüse -
jedemal, wenn der Ausschlag schlimmer wurde, wurde das entsprechende
Lebensmittel zunächst wieder abgesetzt. Hatte sich die Haut gebessert,
wurde es wieder gegeben, trat dann ein Ausschlag auf, hatten wir ein
weiteres Lebensmittel gefunden, auf das die Kinder reagierten. Bis unsere
Kinder vier waren, hatten wir durch "try und error" folgende Stoffe
identifiziert: Hühnereiweiß, rohe Zwiebeln, bestimmte Südfrüchte mit
hohem Ascorbingehalt (Orangen, Kiwi, Ananas, merkwürdigerweise nicht
Zitrone), rohe Paprika, Geschmacksverstärker, einige Lebensmittel-Farbstoffe und
Stabilisatoren.
- 3.2 Bluttest - zur Diagnostik
Eine Allergie ist eindeutig nur im Bluttest
nachzuweisen, den die private Kasse zwar zahlt, aber nicht die
gesetzliche Kasse - da reicht das Geld nur für einen Atemlufttest oder
den Prick-Test,
der aber nicht soviel bringt und eher rausgeschmissenes Geld
ist. Man sollte Druck auf die gesetzlichen Kassen ausüben, in der
Diagnostik nicht zu sparen, denn eine unbehandelte Allergie wird
irgendwann zu einem chronischen Asthma, das für die Kassen viel teurer
ist.
- 3.3 Prick-Test - zur Diagnostik
- Diverse
Hautärzte machten einen sogenannten
"Prick-test", bei dem etwa dreißig Substanzen auf dem Rücken
aufgetragen bzw. eingeritzt werden. Dieser Test ist bei Kindern ab etwa
sechs Jahren möglich und engt das Feld ein, auf dem man suchen muß.
Diverse Fachärzte wiesen uns auf die Uniklinik Köln hin. Diese
entpuppte sich aber als ein große Katastrophe: wie im Vorgespräch
abgesprochen wurde vier Wochen lang ein Ernährungstagebuch geführt, in
das ungefähr jedes Gummibärchen eingetragen wurde. Der Tag der
Untersuchung wurde festgelegt, ein Spezalist für Nahrungsmittelallegien
wollte sich mit uns befassen und als der Tag da war, waren unsere
Unterlagen in Köln verlorengegangen (sie sind nie wieder aufgetaucht),
der zugesagte Spezialist war seit zwei Woche in Urlaub und eine
Arzthelferin wollte wieder mal mit dem Pricktest anfangen - meine Frau
und ich guckten uns an, packten unserer Kinder, fuhren wieder nach
Bonn zurück und machten mit "Try and error" weiter. Übrigens gibt es
eine ganze Reihe von Unveträglichkeiten, die man einfach nicht sauber
(medizinisc und damit rechtlich verbindlich) austesten kann. Die
wichtigsten sind die Laktose-Intoleranz und die Gluten-Unverträglichkeit. Da freuen sich die Krankenkassen, daß sie nicht dafür bezahlen müssen.
- 3.4 Desensibilierung - ja oder nein? - zur Diagnostik
- Mittlerweile gibt es eine ganze Menge von Hautärzten, die auch Allergologen sind. Da gibt es zwei Glaubenslinien:
- a)
man neigt zur Desensibilierung und hofft, daß dadurch die Allergie
verschwindet (das ist im Prinzip nur was für Privatkassen und
unglaublich teuer - manchmal hilft es aber auch);
- b) man
geht davon aus, daß sich Allergien irgendwann verändern und lindert nur
(das ist billiger für die Kassen) - manchmal verändert sich aber auch
nichts.
- Wir
hatten einen sehr guten Kinderarzt (Dr. Boos, Bonn-Beuel), der gerade auf
dem Gebiet der Allergologie erfahren war, doch mittlerweile in
den Ruhestand gegangen ist. Bei schlimmen Allergieschüben hatten wir auf sein Anraten ein
Arsenal an Hausmitteln (Joghurt mit Olivenöl, Teeröl,) allen möglichen
Salben und Cremes, bei harten Fällen griffen wir zu Cortisonpräparate
und Antihistaminen (die Flasche Tavegil war immer im Kühlschrank). Dr. Boos war gegenüber der Desensibilierung eher skeptisch (ich bin es auch),
eben, weil sich die Allergien sowieso verändern. Meine Frau hat dagegen
eine Behandlung durchgezogen und ist nach fünf Jahren gegen
Frühblüher und Gräserpollen nicht mehr so allergisch, die mittlere
Tochter versucht nun dadurch ihre Gluten-Unverträglichkeit in den Griff
zu bekommen - wir werden sehen... - zur Diagnostik
4. Umweltallergien - Anfang
Sehr häufig kommen vor: Gräserpollen, Frühblüher
wie z.B. Birkenpollen, Haselnuß oder Salbei.
2002 hatten wir in Bonn eine 200fach höhere Belastung bei Gräserpollen
als sonst, so daß
auch Leute allergisch geworden sind, die sonst nichts damit am Hut
haben. Wenn man im Frühling oder Sommer oft in die Natur muß, ist eine
Desensibilierung vernünftig, ansonsten bleibt man an manchen Tagen
daheim und wirft eine Telfas nach der anderen ein, damit man überhaupt
noch Luft bekommt. Bei den Umweltallegien ist das Risiko relativ hoch,
daß aus der allergisch bedingten Kurzatmigkeit irgendwann ein
chronisches Asthma wird und dann ist die Lebensqualität dahin. Das ist
der Fall, wo Cortison wirklich nötig ist. Freunde von uns gehen zur
Zeit der Birkenpollen-Zeit nicht vor die Tür und wenn man in dieser
Zeit die Fenster und Fensterbänke ständig abwischen muß, weil sie
dauernd gelb sind, kann man sich auch vorstellen, warum.
- Bei Hausstauballegie läßt man am besten den
Boden fliesen oder glatt belegen und wischt so oft es geht, denn anders kriegt man das Problem nicht in den Griff. Besonders bei Fußbodenheizung im Winter fliegt der Hausstaub überall herum. Teppichboden bindet zwar den
Staub für einige Zeit, aber dann sollte man den Teppichboden alle zwei bis drei Jahre wechseln und das
macht kein Mensch.
- Weitere Allergieauslöser sind Katzen und Vögel, Tabak und
Rauchpartikel, Wolle, Nickel
(Jeansknöpfe)
- es gibt da viele Möglichkeiten. Hier hilft nur Ausprobieren, woran es
liegen könnte - der Prick-Test ist nur etwas fürs allerste Mal.
Übrigens hatten wir vierzehn Jahre lang zwei Katzen und bei den
Jüngsten wurde die Gesundheit stabiler, es gab später nicht mehr
soviele Anfälle und die Augen tränten auch nicht mehr so oft -
vielleicht eine Art Abhärtung. Allgemein gilt, daß Haustiere das Immunsystem stärken.
- 5. Lebensmittelallergien - Anfang
- Hier sind einige Lebensmittel aufgeführt, die man vermeiden kann, wenn man ungefähr
weiß, was mit dem Kind los ist. Ich habe nach den Bereichen
aufgeschlüsselt, die am meisten Ärger machen.
-
- Hühnereiweiß - Südfrüchte - Fertiggerichte - Nüsse - Weizen/Gluten - Milchprodukte
5.1 Hühnereiweiß - zurück
Hühnereiweiß ist in den meisten Kuchen und
Backwaren enthalten,
weil es beim Backen selten ohne Eier geht. Es findet sich aber auch in
den meisten deutschen Nudeln (es gab mal die Marke "7Hühnchen" - warum
wohl?) , ist auch in Sekt enthalten,
in den meisten Billigweinen und den meisten Billigcremes zur
Körperpflege. Fast alle Fertigsaucen (z.B.
Grillsaucen) und alle Speisen, die in Fertigsaucen verkauft
werden (z.B. Heringstopf)
enthalten Eiweiß, ebenso
Majonaise und viele Wurstwaren. Weil Hühnereiweiß nicht
kennzeichnungspflichtig war, wurde es oft verschwiegen, und dann wußten wir nicht, was die allergische
Reaktion auslöste. Gerade
bei diesem Stoff machten wir die Erfahrung, daß es kaum Lebensmittel
gibt, in denen es nicht enthalten war, selbst in Wein, Schokoriegeln
oder Hamburgern. Dies hat sich seit etwa 1998 etwas gebessert, weil
Hühnereiweiß heute mehrheitlich durch Johannisbrotkernmehl, Guakernmehl
und Soja ersetzt wird und die sind kennzeichnungspflichtig - wenn diese
Stoffe auf der Verpackung stehen, kann man die Lebensmittel kaufen. Was man essen/benutzen kann: - zurück
Nudeln und Nudelgerichte aus Hartweizengrieß,
wie sie
außerhalb Deutschlands üblicherweise hergestellt werden, (Zitat einer
Ökotrophologin eines großen Bonner Krankenhauses: "Fragen Sie mal, ob
Sie das in einer Apotheke bekommen.." ) Das braucht man aber nicht, die
Nudeln vom Aldi tun es auch. Natürlich gehen Kartoffeln, Reis, Mais,
doch die meisten Kinder stehen auf Nudeln. Wir haben gute Erfahrungen
mit Wachteleiern gemacht - diese Eier wurden gut vertragen, aber wir
haben es nie geschafft an Gänseeier zu kommen, die wären auch gegangen.
- Brot, Weißbrot und Hefeteilchen enthalten kein Ei, wenn sie nicht glasiert sind, ebenso Quark-Öl-Teig oder selbstgemachter Bisquitteig (der geht auch ohne Ei).
Kuchen mit Soja funktioniert nur mit Mineralwasser und
schmeckt dann immer noch nicht gut - wir haben es öfter
beim Kindergeburtstag ausprobiert und sind dann bei Quark-Ol-Teig geblieben, der geht immer.
- Auch wenn Sie für die Vorratshaltung Tiefkühlbackwaren
benötigen und einkaufen, stehen auf der Verpackung die Inhaltsstoffe.
So können Sie sich informieren, ob Kuchen oder auch Brot Hühnereiweiß
enthalten oder sonstige Stoffe, auf die Ihr Kind allergisch reagiert.
Frieren Sie selbst Gebäck und Brot ein, sollten Sie da ebenfalls
vermerken, ob die Lebensmittel unverträgliche Zusätze enthalten, auf
die Ihr Kind verzichten muss.
-
Was bei
Hühnereiweßallergie auch immer geht, ist natürlich Gemüse und Fisch.
Bei Restaurants sollte man aber immer darauf achten, was in die Saucen
getan wird, denn eine Sauce Hollandaise geht z.B. nicht ohne Ei und oft
nimmt man auch Eiweiß um die Sauce zu binden oder Eigelb, um sie schön
gelb zu machen. Im Zweifelsfall muß man nachfragen.
5.2 Südfrüchte - zurück
Orangen, Ananas, Kiwi, auch Erdbeeren und Rhabarber
Hier verzichtet man auf Limonaden wie Fanta, Sprite, Trinkpäckchen
und fast alle Säfte, außer, es ist nur Apfel und Wasser enthalten. Tabu
sind außerdem alle rote Fruchtsaucen, doch Mandarinen gehen. Auch hier
muß man auf Fertigsaucen verzichten, die süß-sauer schmecken und viele Eissorten.
- Quark und Joghurt neutralisieren zwar die Fruchtsäure, doch dann darf
man keine Laktose-Intoleranz haben. Zucker verschärft die Allergien in
der Regel, daher sind Honig oder Ahornsirup zum Süßen besser geeignet.
Zu vermeiden sind außerdem Gewürzsalze, alle Fertiggerichte, alle
Tütensuppen, die meisten Halbfertiggerichte, alles, was irgendeinen
Geschmacksverstärker und einen Zusatzstoff der E-Bezeichnung enthält,
denn dann ist in der Regel auch Ascorbinsäure enthalten, oft der Bestandteil, warum man auf die Südfrüchte allergisch reagiert.
- 5.3 Fertiggerichte - zurück
- Man
wundert sich manchmal, wenn man in die Mensen,
Schulküchen und die normalen Restaurants kommt: Da steht der Eimer mit
dem Fertig-Kartoffelbrei, aus dem die Kroketten gemacht werden, man
kocht mit Milchpulver, Zusatzstoffen, Stabilisatoren, gibt Farbstoffe
an das Fleisch, den Fisch und die Nachspeise und selbst einfache
Salatsaucen dürfen in Großbetrieben
nicht mehr frisch gekocht werden, damit man Salmonellen-Infektionen
vermeidet. Unsere KInder haben in keiner Schulmensa mehr gegessen, auch
nicht im Hauwirtschaftsunterricht, weil dort mit Suppenpulver
(Knorr-fix) gewürzt wurde und nach jahrelangen Erkenntnissen einer
Tochter in diversen Restaurants und Großküchen wissen wir, wo wir nie
essen würden. Ich kenne in Bonn und Umgebung sechs
Restaurants, in die wir mit der Familie essen gehen können, weil dort
frisch gekocht wird und die Kellner auf Nachfrage auch wissen, was
heute drin
ist ("Maredo", weil man da alles einzeln bestellen kann, das "Opera"
gegenüber der Oper, "Primosten" gegenüber Puppenkönig,
"Dionysos" in Sankt Augustin-Mülldorf, zwei Chinesen mit Bufett in
Troisdorf-Mondorf und Bergheim und das Hotel Horchem in Monschau). Nach
unserer Pensionierung machen wir wahrscheinlich mal ein Restaurant auf,
in dem Allergiker essen können - bisher gibt es sowas nämlich noch
nicht.
- Lösung:
- Frisch kochen und Fertiggerichte boykottieren!
-
- 5.4 Laktose-Intoleranz (Milchprodukte) - zurück
- Problem: Lösung
- Bei einer
Laktose-Unverträglichkeit muß man einfach
alles vermeiden, was Laktose/Milcheiweiß enthält und das ist eine ganze
Menge: Schokolade, Joghurt, Salatsauce auf Sahnebasis, in Butter angebratener
Fisch, Brot, Würstchen, Burger, Riegel und Kekse - alles, wo Milch,
Butter, Sahne oder Joghurt in irgendeiner Form vorkam. Mittlerweile ist sogar in fast jeder Wurst Laktose
enthalten (sie klebt das Fleisch besser zusammen). Fast alle Brotsorten
enthalten Laktose und fallen aus (Laktosezusatz sorgt für die lecker
aussehende brauen Kruste), fast alle Gewürze enthalten es, denn der
Zusatz von Laktose sorgt dafür, daß die Gewürze
nicht so schnell klumpen und es ist momentan einfacher, die paar
Lebensmittel zu nennen, in denen momentan (Nov. 2011) unter 0,1 %
Laktose entahalten sind - das ist der in meiner Familie ausgeteste
Grenzwert, ab dem die Reaktion eintritt. Ich
bin dann ganz froh, daß wir nicht auch noch koscher kochen müssen (traditionell
jüdische Trennung von Milch- und Fleischprodukten) - denn das geht heute nur
noch mit größten Schwierigkeiten. Zum Glück haben wir in Bonn-Oberkassel die " Karawane" und der
Chef Schonauer kann koscher kochen. Ich hatte mal ein israelisches
Jugendorchester zu verpflegen und das haben die gut und bezahlbar
hingekriegt.
- Beim Essengehen mit Laktose-Intoleranz geht deutsche Küche also gar nicht mehr, denn fast überall gibt es Probleme, weil
zuviel in Butter angebraten wird (Fisch, Kartoffeln, Gemüse) und Milch
oder Sahne in allen Varianten zur Verfeinerung dazukommen. Das
merkt man spätestens eine
halbe Stunde später und es ist zu schade um das Essen - denn gemeinerweise schmeckt es ja.
Wir haben für die Folgen de Menüs den Begriff "Klo knutschen" geprägt...
- Lösungen:
- Milch:
- Natürlich geht Milch aus Schaf- oder Ziegenproduktion,
die ist aber nicht so leicht zu bekommen. In Bonn zahlt man für den
Liter Ziegenmilch zwischen 1,80 und 3,90.- je nach Laden. Schafsyoghurt
gibt es bei „Momo“. Wenn man nicht ganz so empfindlich ist, geht auch
die "die minus L-Reihe" aus Ravensburg, die
mittlerweile viel Supermärkte führen (Rewe, Edeka). Lidl hat ein
bißchen Ziegenkäse, Aldi nur zwei Sorten, die sind noch nicht so weit. Heute ist es mit einer Laktose-Unvertraglichkeit zwar wesentlich leichter - es gibt Milchprodukte,
denen Laktase zugesetzt ist ( und man kann
mittlerweile auch das fehlende Enzym in Tablettenform kaufen und
darf dann auch mal Sahnetorte schlemmen, wenn man vorher drei bis vier
Tabletten einwirft - aber das ist keine Dauerlösung, denn die Laktasetabletten mildern
nur die Folgen.
- Käse:
- Was immer geht, ist Ziegenkäse (gibt es als Schnitt- und
Frischkäse) und originaler Feta (Schafskäse),
aber nur, wenn er nicht
doch aus Kuhmilch hergestellt wird - dann ist es "Feta-Art".
- Sushi geht auch, wird auf Dauer aber arg teuer, aber Fisch enthält natürlich keine Laktose.
- Salat und Gewürze
- Im Zweifelsfall macht man den
Salat sowieso
selber an: Olivenöl, Balsamico, Salz und Pfeffer - das
reicht. Wer empfindlicher ist, besorgt sich am besten über das Internet
laktosefreie Gewürze und geht nirgendwo essen, wo er nicht ungewürzt
essen kann.
- Wurstwaren: Hier gibt es von der Rügenwalder Mühle diverse Streichwurstsorten, die frei von Laktose und Gluten sind und die vertragen werden. Oft geht Salami, wenn sie original italienisch, spanisch oder französisch ist, weil sie ohne Laktose auskommt, ebenso geht Putenbrust und Hähnchenfleisch
- von normaler Kochwurst (Mortadella etc.) läßt man besser die Finger,
denn weil
nur wenige Hersteller angeben, daß ihre Wurst Laktose enthält, kann man
im Umkehrschluß davon ausgehen, daß die meisten Wurstwaren nicht
verträglich sind. Aldi hat drei Wurstsorten, in denen keine Laktose ist
(Schinken-Lyoner, Puten-Mortadella, kleine Streichmettwurst - aus!) -
wir haben es ausprobiert.
- Brot: Es gibt gegenwärtig ganz wenige Brotsorten, die wir kaufen können: rein italienisches Ciabatta enthält keine Laktose, türkische Brotfladen enthalten sie nicht und die ALDI-Vollkornbrothälften
ebenfalls nicht (von denen wir immer welche mitnehmen, wenn wir essen
gehen wollen). Außerdem kann man in der Drogeriekette dm viele Produkte
aus Schär-Mehl kaufen, die sind oft gluten- und laktosefrei, aber nicht immer. Hingucken! Gehen Sie bitte davon aus, daß Sie unterwegs nichts essen können!
- Essen gehen:
- Wenn sie trotzdem unterwegs essen gehen müssen, fragen Sie die
Verkäufer nach der Liste mit den Inhaltsstoffen - die Brötchenkette
"Subway" hat sie z. B. immer griffbereit liegen und kann ganz unproblematisch
damit umgehen. Im Zweifelsfall läßt man sich sein mitgebrachtes Brot
belegen - das geht! In Deutschland findet zur Zeit offensichtlich ein
Umdenken statt und immer mehr Betriebe nehmen die Probleme zumindest zur Kenntnis.
- Italienische und griechische Küche geht gut,
wenn wirklich traditionell gekocht wird, denn diese Küche kommt ohne Laktose
aus. In Spanien
und Frankreich haben wir in den letzten zwei Jahren die leidvolle
Erfahrung gemacht, daß dem Ziegenkäse trotzdem Kuhmilch zugesetzt wird,
dann kann man den auch nicht essen (“avec ferment de lait“ bzw. “capra con ferment laktif“). In
Polen kann man deswegen mit einer Laktose-Intoleranz nicht Urlaub
machen, weil Ziegen und Schafe dort als das Allerletzte empfunden
werden und auch mit muttersprachlicher Hilfe sind wir da nicht fündig
geworden. Die Niederlande und Belgien haben sich mit dem Problem wohl noch nicht beschäftigt, da findet man bislang überhaupt keine Hinweise.
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