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Das
Zeitalter des Barock
Einführung
© Martin Schlu 2005
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Das
Wort "Barock" kann abgeleitet werden einerseits
vom frz. "baroque" = zurückgehend,
andererseits vom portugiesischen "barocco" =
unregelmäßig. Der oder das Barock ist
eine Strömung von Gegenreformation und
Absolutismus. Barock ist so gesehen katholisch,
monarchisch, konservativ und staatstragend.
Barock beginnt in Venedig,
als die "Serenissima" nach der Schlacht von
Lepanto 1561 im Mittelmeer zwar nichts mehr zu
sagen hat, dies aber in der Öffentlichkeit
durch prunkvolle Bau- und
Repräsentationspolitik kaschiert. Die
große Zeit venezianischer Musik und
Malerei lenkt ab vom Verfall des Staates und
unter dem Prunk modert der Verfall vor sich hin
- teilweise bis heute. Gabrieli
und Schütz
setzen in Venedig die Schlußpunkte der
absolutistischen Prächtigkeit - der eine
als Lehrer am Ende der Renaissance, der andere
als frühbarocker Schüler. Als
Schütz mit fast neunzig 1672 stirbt, ist
der Barock in Italien lange etabliert und die
Oper erfunden, in Deutschland ist mit dem
Westfälischen Frieden von 1648 erst seit
kurzem die Renaissance vorbei - wir waren oft
etwas später in der Geschichte
Baugeschichtlich ist der Barock eine strenge
symmetrische Verspieltheit von Schmuck- und
Ornamentgestaltung, die einzelnen Teile sind dem
Ganzen untergeordnet und wo die Funktion
erreicht ist, darf sie verspielt variiert
werden. Typisch für barocke
Schloßanlagen sind symmetrische
Flügel,, Mansarden, halb und
anderthalbgeschossige Geschosse und
Zwischenebenen und streng geplante
Gartenanlagen. Vorbild für alle
Fürsten unterhalb des französischen
Königs wird dessen Schloß Versailles
und der dazugehörige Garten. Neu ist auch
der Städtebau: bedeutende Städte
werden nach diversen Bränden erstmalig neu
geplant und in Teilen neu errichtet: London,
Amsterdam, Kassel, Mannheim, Paris, Nancy und
viele andere. Hier werden die Boulevards
geplant, Prunkstraßen,
überdimensionale Plätze, die nur die
Funktion haben, die Macht des Herrschers bei
Aufmärschen deutlich zu zeigen - in einer
winkligen Altstadt wie Venedig funktioniert dies
einfach nicht mehr.
Die Architektur des Barock spiegelt also die
absolute Macht des Monarchen über seine
Welt. Diese Macht findet sich in den
prachtvollen höfischen Kompositionen
zwischen venetianischer und englischer
Bläsermusik, französischem
Hoforchester, spanischem Hofzeremoniell,
deutscher Üppigkeit und selbst die Malerei
nimmt die Gegensätze auf: Leben und Tod,
Dunkelheit und Licht, das pralle Leben und die
paradiesische Hoffnung. Rubens, Rembrandt, Hals,
Vermeer stehen für die niederländische
Linie, Caravaggio und Canaletto (speziell die
Venedig-Bilder) haben in Italien die Richtung
vorgegeben, Murillo und Velazquez sind die
Vertreter des spanischen Barocks.
Es entstehen Oper und Konzert. Musik bekommt nun
wieder die Rolle der Repräsentation,
nachdem das Kontemplative der Messen und Gebete
seinen Platz gehabt hat. Natürlich
entstehen auch Passionen, Lieder, Messen nach
wie vor, aber Musik dient eben nach außen:
sie soll möglichst wirksam darstellen:
Oratorien werden zu geistlichen Opern,
Instrumentalkompositionen werden zu virtuosen
Parforceritten, an dessen Ende der geneigte
Herrscher wieder seine Macht zeigt, weil er
diesen tollen Musiker in Diensten hat.
Die Rolle der Bevölkerung wird auf die der
Statisterie zurückgedrängt, sie sollen
die Macht ihres Herrschers verherrlichen - oder
schweigen. Das Barock ist die Zeit, in der
Kritik am wenigstens gerne gehört wird und
erst als die französische Revolution diese
Strukturen zerschlagen hat, wacht die
Bevölkerung mit einem Kater auf und ist
bereit für Vorformen der Demokratie. Zwar
sind die Länder mehrheitlich bankrott
gegangen, aber die Erben haben nun ihre barocken
Gebäude und damit eine touristische
Grundlage, mit der sich im 19. Jahrhundert
herrlich wirtschaften läßt. Als
J.S.
Bach am
Ende seines Lebens die "Kunst der Fuge"
unvollständig stehen lassen muß, ist
der Barock endgültig ausgereizt und es ist
allerhöchste Zeit für eine
Gegenbewegung, die wieder auf Wesentliches
reduziert.
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