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Kulturgeschichte - Mittelalter


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In 1000 Jahren ist alles vorbei:
Die Angst der Menschen war so groß wie nie zuvor: Blutrote Kometen drohten am Himmel, Hungersnöte quälten die Armen, und der Regen fiel wie bei der Sündflut. Manch einer glaubte sogar, Heere von Teufeln in den Wolken erspäht zu haben.Weil sich zu dieser Zeit die Geburt und der Tod unseres Herrn Jesus Christus am Kreuz zum tausendsten Male gejährt hatte,wurden alle diese Erscheinungen als Zeichen für den nahen Untergang der Welt genommen. Überall füllten verstörte Christen die Kirchen, verkauften ihr Hab und Gut, bereuten ihre Sünden.
Aber der Tag mit der magischen Zahl ging vorüber, ohne daß die finsteren Prophezeiungen wahr wurden und die Erde in Trümmer fiel. Was ist also geschehen?
 
"Uns Wissende, die wir lesen und schreiben können, hat das nicht überrascht: Denn wer die Texte der Gelehrten genau studiert hat, der weiß, daß alle diese Unheilsboten nicht auf das Ende der Welt hindeuteten, sondern auf einen großen Entscheidungskampf zwischen den Mächten des Bösen und des Lichts. Nach einem furchtbaren Ringen, so prophezeit etwa Methodios, werde das Gute dann siegen. Und es werde die tausendjährige Herrschaft eines gewaltigen Kaisers beginnen, der dieser Welt Frieden und Wohlergehen bringt.
 
Stehen wir jetzt also am blutigen Anfang dieser Friedenszeit? Ja, sage ich, und noch mal ja. Denn sind die Horden der sarazenischen Ungläubigen, die das Heilige Grab schänden und die gesamte Christenheit bedrohen, nicht die Kräfte der Finsternis? Und ist nicht das Volk Gottes aufgerufen, unter der Führung eines mächtigen Herrschers diese Horden des Bösen zu vernichten und das christliche Friedensreich aufzurichten, das tausend Jahre währt? Erst dann, wenn das Jahr 2000 zu seinem Ende gekommen ist, hat die Menschheit Grund zu zittern. Denn dann, so sagen uns unzweifelhaft die Kirchenlehrer, wird der Antichrist auftreten, dieses schreckliche Tier mit sieben Köpfen und zehn Hörnern, dieser Sohn des Teufels und einer babylonischen Hure. Und viele laue Christen werden seinetwegen vom wahren Glauben abfallen. Doch wehe ihnen! Denn eben in diesem Augenblick, in dem der Antichrist sich des Sieges sicher glaubt, wird beim Schall der Posaunen Jesus aus den Wolken hernieder fahren, seinen Widersacher besiegen und die Gerechten ins himmlische Jerusalem aufnehmen. Die reuelosen Sünder jedoch werden hinab stürzen in die ewige Verdammnis des Höllenfeuers. Dann wird das Ende aller Zeiten wirklich da sein. Doch bis dahin, Brüder im Glauben, laßt uns Gott preisen, neue Kirchen bauen und - der Kaiser voran - die Ungläubigen schlagen, wo auch immer wir sie treffen!
 
Anno Domini 1035
Rudolfus Glaber"
 
Rodulfus Glaber, burgundischer Mönch. schrieb in einer - lückenhaften und unsystematischen Chronik der Jahre
900 -1045 über den Weltuntergang.
Quelle: zit. nach STERN-Millenium Nr. 1/1999