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Biographie
Das
häßliche junge
Entlein
Das
Feuerzeug
Die
Nachtigall
Der fliegende Koffer
Literatur |
- Hans Christian
Andersen
Biographie von Martin Schlu, Stand: 7. Mai 2010
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- 1805 - 1806 - 1807 - 1808 - 1809 - 1810 -
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-
- 1805
- Hans Christian Andersen wird am 2.
April
in Odense (Dänemark) geboren. Die Eltern sind ausgesprochen arm: der
Vater Hans Andersen (1782–1816) repariert Schuhe, die Mutter Anne Marie
Andersdatter (ca. 1775–1833) ist Wäscherin. Viel Geld ist nicht da und
darum reicht es auch nicht für eine gute Schulbildung. Mangels Geld für
Spielzeug baut sich der junge Andersen später eine eigene Puppenbühne
und erlernt die Technik des Scherenschnittes. Er liest gerne, wenn er
Bücher bekommen kann und entwickelt als Kind bereits ein starkes
Interesse fürs Theater. - Anfang
- 1819
- Nach dem Tod des Vaters 1816 wird die
finanzielle Situation der Familie schnell chaotisch und Andersen
arbeitet zeitweise für einen Schneider und einen Weber gleichzeitig,
damit die Familie über die Runden kommt. Später arbeitet er noch in
einer Zigarettenfabrik und sobald er vierzehn ist,
unternimmt Andersenr die Reise in die Hauptstadt Kopenhagen um "berühmt" zu
werden, wie er später sagt. Sein Berufswunsch ist damals Schauspieler.
- "Montag
morgen, den 5. September 1819 , erblickte ich zum erstenmal von der
Anhöhe bei Friedrichsberg Kopenhagen. Dort stieg ich ab und mit meinem
kleinen Bündel ging ich durch den Schloßgarten, die lange Allee und die
Vorstadt zur Stadt hinein....Mit kaum 10 Talern in der Tasche kehrte
ich in einem der kleinen Gasthäuser ein. Meine erste Wanderung war nach
dem Theater; ich ging mehrere Male um dasselbe herum, blickte die
Mauern hinauf und betrachtete es fast als eine Heimat"
<In
Wirklichkeit war es der 6. September, doch Andersen paßt ab und zu
seine Biographie etwas an. Immerhin hat er jahrelang den 5. September
als seinen zweiten Geburtstag gefeiert. Quelle: "Märchen meines Lebens", 33f, 223)
- Andersen bekommt sogar eine Stelle am
Königlichen Theater in Kopenhagen, zunächst ist er Laufbursche, später
versuchsweise auch als Chorsänger, doch sein Talent
reicht für mehr nicht. Lediglich seine Gedichte sind ganz nett und ab
und zu kann er sogar eines verkaufen. Jonas Collin, der damalige
Direktor des Königlichen Theaters Kopenhagen (Kongelige Teater),
nimmt den etwas sonderbaren jungen Andersen in sein Haus auf und versorgt ihn. Der
ist von seinem Lebensziel zwar noch weit entfernt, doch er schreibt
soviel er
kann - immer mit der Idee im Hinterkopf, ein Theaterschriftsteller zu
werden und diese Stücke später als Theaterstücke umzuschreiben.
- In
dieser Zeit wächst die Freundschaft zu dem Sohn von Jonas Collin,
Edvard, die ein Leben lang hält und nur getrübt wird, als dieser
heiratet - offenbar wurde da eine homoerotische Beziehung beendet, die
in diesen Jahren begonnen hat. Die Freundschaft zu dessen jüngerer
Schwester Louise scheint dagegen rein platonisch gewesen zu sein. - Anfang
- 1822
- Als
Andersen mit siebzehn Jahren als Chorsänger nicht mehr zu
gebrauchen ist, weil er endlich in den Stimmbruch gekommen ist fällt
eine Lebensentscheidung, denn er fällt mit zwei Bühnenstücken sehr positiv auf. Eines dieser Stücke heißt "Gjenfærdet ved Palnatokes Grav", also etwa "Die Erscheinung an Palnatokes Grab",
eine Geschichte aus der dänischen mittelalterliche Sagenzeit, ein
furchtbares Zeug, das pubertierende Jungen auch damals verschlungen
haben wie meine Generation die grünen Karl-May-Bände...
- Diese Bühnenstücke werden im Juni jedenfalls veröffentlicht, sind der erste schriftstellerische Erfolg für Andersen und für dessen Ersatzvater Collins ist es der Anlaß zur Schulleitung nach
Slagelsen zu gehen und sie zu überzeugen, diesen Jungen am Gymnasium aufzunehmen. Danach geht Collins noch zu König Friedrich VI. und überzeugt ihn, dafür auch zu bezahlen.- Anfang
- 1826
- Nach dem Abschluß der ersten Lateinschule
finanziert der König noch einmal drei Jahre die weitere Ausbildung in Helsingør und
Andersen kann die Universität besuchen. Parallel arbeitet Andersen an
der Vervollkomnung seiner Scherenschntt - eine Begabung, die er schon
als Kind hatte und die er zeitlebens pflegte.
(Näheres lese man bei "http://www.scherenschnitt.org/v_kuenstler/andersen.html")
- Am Ende der Schulzeit entsteht das Gedicht „Das
sterbende Kind“, in der Andersen sich in die Perspektve des Kindes
hineinversetzt - etwas Neues in der Literatur und fortan eins seiner
Stilmittel:
-
Det døende Barn
Moder, jeg er træt, nu vil jeg sove,
Lad mig ved dit Hjerte slumre ind;
Græd dog ei, det maa Du først mig love,
Thi din Taare brænder paa min Kind.
Her er koldt og ude Stormen truer,
Men i Drømme, der er Alt saa smukt,
Og de søde Englebørn jeg skuer,
Naar jeg har det trætte Øie lukt.
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Das sterbende Kind
Mutter, ich bin müde, nun will ich schlafen
laß mich in deinen treuen Armen schlummern,
Doch versprich mir erst nicht mehr zu weinen;
denn deine Tränen brennen auf meiner Wange.
Hier ist es kalt und draußen wehen Stürme
Aber im Traum ist alles so schön
ich habe dort Engelkinder gesehen, aber nur, wenn mein Auge geschlossen war.
|
Moder, seer Du Englen ved min Side?
Hører Du den deilige Musik?
See, han har to Vinger smukke hvide,
Dem han sikkert af vor Herre fik;
Grønt og Guult og Rødt for Øiet svæver,
Det er Blomster Engelen udstrøer!
Faaer jeg ogsaa Vinger mens jeg lever,
Eller, Moder, faaer jeg naar jeg døer?
|
Mutter, siehst du schon die Engel an meiner Seite?
Hörst du die herrliche Musik?
Guck, die haben so schöne weiße Flügel,
die haben sie von unserm Herrgott. Vor meinen Augens schweben grüne, goldene und rote Blumen, die die Engel streuen
Sag, Mama, bekomme ich im Leben auch Flügel,
oder erst , wenn ich tot bin?
|
Hvorfor trykker saa Du mine Hænder?
Hvorfor lægger Du din Kind til min?
Den er vaad, og dog som Ild den brænder,
Moder, jeg vil altid være din!
Men saa maa Du ikke længer sukke,
Græder Du, saa græder jeg med Dig.
O, jeg er saa træt! - maa Øiet lukke - - Moder - see! nu kysser Englen mig! |
Warum drückst Du meine Hand so fest?
Warum legst du meine Wange an deine?
Sie ist naß, und brennt doch so wie die Flammen,
Mama, bei dir bleibe ich doch mein Leben lang. Aber jetzt sollst du nicht mehr länger weinen,
denn ich muß auch weinen, wenn Du traurig bist.
O wie bin ich müde! - mir fallen jetzt die Augen zu
Mutter, sieh - jetzt küssen mich die Engel.
- Übersetzung: Martin Schlu © 2010
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- 1828
Die satirische Erzählung "Fodreise fra Holmens Kanal Til Østpynten af Amager", etwa "Spaziergang vom Holmen-Kanal bis zum östlichen Punkt von Amager" wird sehr positiv aufgenommen und Andersen steht auf einmal in einer Reihe mit Ernst Theodor Amadeus Hoffmann oder den Gebrüdern Grimm. - Anfang
- 1829
- Nach dem Univeritätsabschluß kann Andersen
seinen Lebenstraum ein weiteres Stück verwirklichen und arbeitet als
freier Schriftsteller.
- Im gleichen Jahr erscheinen die ersten beiden Hefte
der "Märchen für Kinder". Darin enthalten ist das Märchen , "Den lille Idas Blomster" (Die Blumen der kleinen Ida) . Man kann bereits erkenne, daß Andersen sehr viele
eigene Biographie in seine Erzählungen packt:
- Meine armen Blumen sind ganz tot,
sagte die kleine Ida. Die waren gestern so schön, und nun hängen alle
Blätter welk herab, weshalb tun sie das? fragte sie den Studenten, der auf dem Sofa saß, denn sie hatte ihn sehr gern: er konnte die allerschönsten Geschichten erzählen und schnitt so drollige Bilder aus:
Herzen mit kleinen Frauen darin, die tanzten; Blumen und große
Schlösser, an denen Türen geöffnet werden konnten; es war ein lustiger Student.
- Nur mit den
Frauen klappt es nicht. Die Verlobung mit Riborg Voigt, der Schwester eines
Studienfreundes, kommt zwar zustande, wird aber nach
kurzer Zeit gelöst
und Riborgs Abschiedsbrief trägt Andersen sein Leben lang bei sich.
Manche
wollen belegen, daß er schwul gewesen sei - es ändert nichts an seinen
erzählerischen Qualitäten, würde allerdings einige Verhaltensweisen erklären.
- Sobald Andersen Geld hat, investiert er es in Reisen: im Laufe seines Lebens werden es knapp dreißig Auslandsreisen nach Deutschland,
Frankreich und Italien, allerdings auch nach Asien und Afrika und er findet Freunde überall. Hilfreich dabei
ist sein Sprachtalent, denn Andersen spricht Englisch, Niederländsch
und Deutsch bald genauso gut wie seine Muttersprache und
als Däne versteht man Schwedisch
und Norwegisch sowieso. Besonders oft ist Andersen in Dresden bzw. in
einem Vorort (Maxen), wo er Freunde, die Mäzenen Friederike und
Friedrich Anton Serre oft besucht und darüber knittelverst:
Des Herzens Sonnenschein in Sachsen,
er strahlt am schönsten doch in Maxen“.
- <die Märchen sind doch besser....MS> - Anfang
- 1831
Andersen
lernt den Dichter und Naturforscher Adelbert von Chamisso kennen, der
einige seiner Gedichte auf deutsch nachdichtet.
<Von Übersetzungen kann man da sowieso nicht sprechen - höchstens von Übertragungen.>
- 1833
Durch
eine Zuwendung des staatlichen Fonds "Fond ad usos publicos" kann
Andersen eine größere Bildungsreise unternehmen. Sie führt ihn anderthalb Jahre nach
Italien und Deutschland, insbesondere an die Adriaküste, und macht es ihm möglich neue
Idee und Stoffe zu sammeln.
-
"Am
5. September ging ich über den Simplon nach Italien. Gerade an dem
Tage, an dem ich vor 14 Jahren arm und hilflos nach Kopenhagen gekommen
war, sollte ich dieses Land meiner Sehnsucht und meines Dichterglücks
betreten... Alles war Sonnenschein, alles war Frühling. Die Trauben
hingen in langen Gewinden von Baum zu Baum - nie habe ich Italien
später so schön gesehen..."
(<Hier war es der 19. September und Andersen hat wieder etwas geschoben. Quelle: "Märchen meines Lebens", 85f, 223)

Foto: Martin Schlu 2009
- Im Oktober kommt Andersen in Rom
an und bleibt dort ein paar Wochen. Dort erreicht ihn die Nachricht vom
Tod seiner Mutter. Einer derjenigen, die ihn trösten können ist der
Bildhauer Thorwaldsen, den Andersen zwar schon früher kenengelernt hat,
mit dem er sich aber nun eng befreundet. Weitere Ziele in Italien sind
Neapel, Capri (die "Blaue Grotte" ist gerade entdeckt worden und ein
absolutes Muß für die Italien-Touristen), wieder ein paar Wochen in
Rom, von dort aus reist er nach Florenz....
-

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bleibt etwas in Venedig, fährt von da nach
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Wien, wo er ebenfalls etwas bleibt...
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fährt von dort aus nach München und erst 1834
ist Andersen wieder in Dänemark.
(Fotos: Venedig Canal Grande und Wien, Hofburg © Martin Schlu 2008) - Anfang
- 1834
Andersens
finanzielle Situation ist ab der zweiten Hälfte des Jahres nicht mehr
so gut. Er hat zwar eine relativ billige Wohnung am "Nyhavn" ("neuer Hafen", von König Chrstain V. als Stichkanal in die Innenstadt angelegt) im Haus Nr. 20 , die nicht mehr als acht Taler pro Woche kostet und ausgiebig Zeit das Leben der
Huren, Seeleute und Händler auf der anderen Kanalseite zu betrachten, die auf der Seite mit den
ungeraden Hausnummern ihrem Gewerbe nachgehen, doch der Rest des Stipendiums ist bald aufgebraucht.

- Nyhaven vom Andersen Haus (Nr. 20) aus gesehen. Foto © Martin Schlu, 2010
- Zum Vergleich: eine Hose kostet etwa 15 Reichstaler,
eine neue Jacke etwa 40 Taler, eine Schiffsreise von Kopenhagen
nach Fünen etwa 50 Taler. (Jens Andersens Biographie, S. 287 ff)
- Ende November hat Andersen allein bei der Familie
Collin 100 Taler Schlden und bittet um weitere einhundert um sich die
nötigsten Dinge kaufen zu können. Er hat zwar jede Menge Material
gesammelt, muß es aber nun in erfolgreiche Literatur umwandeln und
beginnt darum mit der Niederschrift der ersten Märchen - aus einem dieser Stoffe wird später "Die kleine
Meerjungfrau". Nun arbeitet Andersen über mehrere Jahre (bis 1842) an dieser ersten Märchensammlung. - Anfang
- 1835
- Es entstehen "Lille Claus og store Claus" (Der kleine und der große Klaus) , "Prindsessen paa Ærten" (Die Prinzessin auf der Erbse), "Tommelise" (Däumelinchen) und "Den uartige Dreng" (Der unartige Knabe). Für
eine erste Veröffentlichung einiger Märchen im Mai erhält Andersen 30
Taler, für einen Nachdruck im Dezember noch enmal soviel.
- Außerdem erscheint die Novelle und Reiseerzählung "Der Improvisator“
und wird ein Erfolg - merkwürdigerweise erst in Deutschland und dann, viel später,
später in Dänemark. Die Auflage wird mehrmals nachgedruckt, ist schnell
vergriffen und endlich kommt ein bißchen mehr Geld in die Kasse.
-
"Nur
von einer Seite ist die Insel Capri zugänglich; ringsum steile
senkrechte Felsenmauern, nach Neapel zu senken sie sich
amphitheatralisch mit Weingärten, Orangen- und Olivenhainen. Unten am
Strande liegen einige Fischerhütten und ein Wachthaus. Höher hinauf
blickte zwischen den grünen Gärten das Städtchen Anna Capri hervor;
eine ganz kleine Zugbrücke und ein Tor führen hinein. In Pagani's
[recte: Paganos] Wirtshause, vor dessen Türe eine hohe Palme steht,
hielten wir Rast.
Auf Eseln gedachten wir
nach der Mittagsmahlzeit zu den Ruinen der Villa des Tiberius hinauf zu
reiten; jetzt jedoch erwartete uns das Frühstück, und zwischen diesem
und dem folgenden Mittagsessen wollten sich Francesca und Fabiani
ausruhen, um Kräfte für den bevorstehenden Ausflug zu sammeln. Gennaro
und ich fühlten kein Bedürfnis dazu. Die Insel kam mir nicht größer
vor, als dass wir sie nicht ganz gut in ein paar Stunden umrudern und
uns die hohen Felsentore ansehen könnten, die sich gegen Süden isoliert
aus dem Wasser hervorheben.
Wir nahmen ein Boot und
zwei Ruderer; ein leichter Wind hatte sich erhoben, so dass wir
ungefähr während des halben Weges die Segel gebrauchen konnten. Die See
brach sich an den niedrigen Schären. Zwischen denselben lagen
Fischnetze ausgespannt, so dass wir, um diese nicht zu verletzen,
zunächst ein Stück weiter hinaus in das Meer stechen mussten. Es war
eine köstliche lustige Fahrt in dem kleinen Boote. Bald sahen wir vom
Meere nach dem Himmel zu nur die senkrechten Felsen, die grauen
Steinmassen, hier und da in den Spalten eine Aloe oder eine wilde
Levkoje, aber nicht einmal so viel festen Boden, dass er auch nur für
einen Steinbock genügt hätte. Unten in der Brandung, die wie ein
bläuliches Feuer in die Höhe schlug, wuchsen an den Felsen die
blutroten Seeäpfel, die, feucht vom Wasser, einen doppelten Glanz
hatten. Es schien, als blutete der Felsen bei jedem Wellenschlage."
zit. nach: http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=capri_3
- Vermutlich hat Andersen mit den italienischen Reisebeschreibungen
einfach den Nerv der Zeit getroffen - seit der Goethezeit ist Italien
ein Sehnssuchtsziel. - Anfang
- 1836
Mitte des Jahres ist Andersen schuldenfrei und kann nun monatlich etwas Geld zurücklegen.
- Die Erzählung "Den lille havfrue" (Die kleine Meerjungfrau) wird fertiggestellt und nimmt Bezug auf den Kopenhagener Haven.
<Die Meerjungfrau, Kopenhagens Wahrzeichen, wollte
ich eigentlich am Hafen fotografieren , doch sie wurde Mitte März
2010 als Highlight des dänischen Pavillons zur Expo nach
Schanghai verfrachtet. An der leeren Stelle - blöderweise hatte die
Stadtverwaltung noch nicht mal eine Erklärungstafel aufgestellt - traf
ich dann eine Chinesin aus Schanghai, die auf der Suche nach ihr
war.....MS > - Anfang
- 1837
Die "Eventyr,
fortalte for Børn" (Abenteuer.. für Kinder), erscheinen, darunter "Kejserens nye klæder" (Des Kaisers neue Kleider) und andere berühmte Märchen. Andersen reist nach
Schweden und Norwegen und verarbeitet seine Eindrücke in Gedichten über
Skandinavien. Weitere Märchen werden in späteren Ausgaben aufgenommen,
bis 1842 der erste Teil abgeschlossen wird. - Anfang
- Die Märchen "Den standhaftige tinsoldat" (Der standhafte Zinnsoldat) und "De vilde svaner" (Die wilden Schwäne) werden geschrieben.
König Frederik VI. setzt Andersen eine jährliche Zuwendung von 400
Reichstalern aus, so daß die Miete und die Lebenshaltungskosten schon
mal abgedeckt sind. Nun hat Andersen keine Geldsorgen mehr und
kann ganz entspannt schreiben.
- "Es
war als ob von diesem Tage an die Frühlingssonne in meinem Leben
beständiger scheinen sollte; ich empfand ene größerer Sicherheit, denn
schaute ich zurück über die Jahre
meines Lebens, so sah ich klarer, daß eine liebevolle Vorsehung über
mir wachte, daß alles, wie durch höhere Gewalt für mch zum besten
gelenkt wurde..." (zit nach Nielsen, 1995, S. 86) - Anfang
1838
- Die Märchen "Die Galoschend des Glücks" und "Den standhaftige tinsoldat" (Der standhafte Zinnsoldat) werden veröffentlicht - Anfang
- 1839
In diesem Jahr werden "Andersens Märchen" ins
Deutsche übersetzt und bleiben bis heute ein unglaublicher Erfolg. Diese
Kunstmärchen sind ausgefeilte Erzählungen von teilweise ganz eigenen
Stoffen, die Andersen so formuliert, wie er als Kind gerne Märchen
gehört hätte. Vieles in diesen Stoffen ist autobiographisch, auf die
Herkunft in Odensee bezogen oder auf das Leben in Kopenhagen und viele
Szenen , z.b. aus dem "Fyrtøjet" (Feuerzeug) aus diesem Jahr, kann man sich auch heute noch in Kopenhagen
vorstellen.
- Andersen
fährt im Juli nach Fünen und verarbeitet seinen Eindruck im
Gedicht "Jeg er en Skandinav" (Ich bin ein Skandinavier), das der
Komponist Otto Lindblad 1840 vertont und das ein paar Jahre recht
populär ist. Ab diesem Jahr erhält er weiterhin ein etwas höheres
Gehalt - auch der neue dänische
König Christian VIII. weiß, was er an Andersen hat. Dieser benutzt die höhere Zuwendung wieder für eine große Reise und plant schon mal. - Anfang
- 1840
Am 31. Oktober verläßt Andersen
Kopenhagen um seine große Reise anzutreten. Seine erste Station ist
Hamburg, wo er im Hotel "Stadt London" ein Konzert Franz Liszt'
besucht und ihm fällt zweierlei auf: erstens die unglaubliche Aura, die
von Liszts Spiel ausgeht und die entsprechende Wirkung auf dessen
weiblichen Fans:
- ...
Es klang mir wie die Orgeltöne von Deutschlands alten Domen, die
Gletscher flossen von den Alpen, Italien tanzte im Karnevalskostüm und
schlug mit seiner Peitsche, und sein Herz dachte dabei an Cäsar, Horaz
und Raffael. Vesuv und Ätna flammten, die letzte Posaune erschallte von
Griechenlands Bergen, auf denen die alten Götter gestorben; Töne, die
ich nicht kannte, für die ich keine Worte habe, bedeuteten den Orient,
das Land der Phantasie, des Dichters zweites Vaterland.
Als Liszt sein Spiel beendet hatte, regnete es Blumen auf ihn nieder,
reizende junge Mädchen, alte Damen, die auch einmal reizende Mädchen
gewesen waren, warfen ihre Sträuße - er hatte ihnen ja tausend Sträuße
aus Tönen in Herz und Kopf geworfen. Von Hamburg aus wollte Liszt nach
London eilen... wie muß er glücklich sein, der so sein ganzes Leben
reisen kann.
(Quelle: Andersen: Eines Dichters Basar, S. 19)

Hamburger Hafen (Landungsbrücken) am Abend, Foto: Martin Schlu, 2008
- Andersen wird später Liszt näher kennenlernen und auch nach London kommen. - Anfang
- 1841
Im Mai ist Andersen in Istanbul, das damals noch "Konstantinopel" heißt und
sammelt wieder Eindrücke und Ideen für Erzählungen. Eine dieser
Erzählungen ist "Der fliegende Koffer". Einen Teil der Heimreise reist er u.a. über die Donau.
- Das Märchen "Svinedrengen" (Der Schweinehirte) erscheint. - Anfang
- 1842
Die Istanbulreise von 1841 findet ihren
Niederschlag in der Veröffentlichung von "Eines Dichters Basar", das
die Reiseerlebnisse der letzten Jahre verarbeitet und in Kapiteln
zusammenfaßt ("Deutschland", "Italien", "Griechenland", "Der Orient", "Die Donaufahrt" und "Heimreise"). - Anfang
- 1843
Das erste Heft der "Neuen Märchen" erscheint am 11. November und enthält die Märchen "Die Engel", "Nattergalen" (Die Nachtigall) , "Die Brautleute" und die "Geschichte vom häßlichen Entlein" . ""Nattergalen"
ist dabei eine Anspielung auf die "schwedische Nachtigall" Jenny Lind,
in die sich Andersen schon seit längerem verliebt hat. Jenny Lind
andererseits sieht in ihm eher einen großen Bruder, bei dem man sich
auch ausweinen kann. - Anfang
- 1844
Jenny Lind beendet in
einem Brief die Beziehung zu Andersen und nennt ihn einen "Bruder im
Geiste" - nicht eben das, was Andersen von ihr erhofft hatte.
- "Sneedronningen" (Die Schneekönigin) und "Die Glocke" erscheinen. - Anfang
- 1845
"De røde Sko" (Die roten Schuhe) erscheint. - Anfang
- 1847
In Leipzig erscheint die deutsche Übersetzung
"Gesammelte Werke", eine Sammlung mehrerer veröffentlichter Märchen,
die ein sehr großer Erfolg in Deutschland wird. Nun
müssen die Kritiker Andersen endlich ernst nehmen und die Durststrecke
ist vorbei. Der Kritiker Georg Brandes fragt Andersen später, ob er
denn seine Lebensgeschchte aufschreiben würde und dieser erwidert
sinngemäß, das sei längst geschehen und nennt den Titel "Geschichte vom häßlichen Entlein" ("The Ugly Ducking") - ein Hinwesi darauf, wie er sich von der dänischen Kritik behandelt gefühlt haben muß.
- Andersen leistet sich im Juni die Überfahrt
nach England und wird in den englischen Gesellschaften herumgereicht,
wie er es sich nicht hat träumen lassen. Die Countess of Blessington
lädt ihn auf ihre Gesellschaften ein, dort lernt er die englischen
Intellktuellen und Schöngeister kennen und die reichen ihn wieder
weiter. So trifft er in London auch mit Charles Dickens zusammen und
ist von ihm tief beeindruckt.
- In diesem Jahr schreibt er " Historien om en Moder" (Die Geschichte einer Mutter) - Anfang
- 1848
Die
Erzählung "Die beiden Baroninnen“ erscheint - eine literarischen
Verarbeitung der englischen Erlebnisse des Vorjahres. Außerdem wird das
Märchen " Den lille Pige med Svovlstikkerne" (Das klene Mädchen mit den Schwefelhölzern) geschrieben. - Anfang
- 1851
Die Übersetzung einiger Reiseerzählungen erschenen auf Schwedisch.
- 1853
- Die erste Gesamtausgabe "Samlede Skrifter" erscheint in Kopenhagen. - Anfang
- 1857
Charles Dickens wird von Andersen regelrecht heimgesicht, denn er bleibt über fünf Wochen, so daß Dickens' Tochter stöhnt:
- "He was a bony bore, and stayed on and on."
(...hat wahnsinnig gestört und ging einfach nicht..).
- Immerhin gibt es auch hier ein literarisches Ergebnis,
denn Dickens veröffentlicht kurz darauf seinen "David Copperfield" und
die Figur des "Uriah Heep" <nein, nicht die Rockband, die hat sich nur danach benannt>
ist maßgeblich von Andersen mit entwickelt worden. Als er wieder nach
Kopenhagen reist, atmet die Famile auf, Charles Dickens beantwortet
keinen Brief an Andersen mehr und der versteht überhaupt nicht, warum. - Anfang
- 1866
- 1869

Andersen auf einer Photographie aus dem Jahre 1869 auf dem Landsitz "Rolighed" (= "Ruhe")
- 1872
Im Frühling fällt Andersen aus
dem Bett und verletzt sich dabei erheblich. Die Verletzungen verheilen
nie mehr richtig und den Rest seines Lebens hat er körperliche
Beschwerden und ist nur eingeschränkt bewegungsfähig. Die Schmerzen wird er bis zu seinem Tod nicht mehr los.
- 1875
- Andersen stirbt am 4. August auf dem Landsitz "Rolighed"
bei Kopenhagen als berühmter Mann. Kurz vor seinem Tod läßt er einen
Komponisten kommen und beauftragt ihn mit einer Trauermusik, die so
ausgelegt sein soll, daß auch Kinder mit kleinen Schritten dem Sarg
folgen können. Er erwartet zu seiner Beerdigung viele Kinder - offenbar
sieht er sich als Kindergeschichtenschreiber, was er definitiv nicht
ist.
- Bei seiner Beisetzung auf dem Assistens Kirkegård (Friedhof) im
Stadtteil Nørrebro sind Könige und Prominente unter den Trauernden und
wenige Wochen nach der Beisetzung wird Andersen zum dänischen
Nationaldenkmal erklärt. Sein Denkmal in Kopenhagen wird später
zwischen Rathaus und Tivoli aufgestellt, am
"Hans-Christian-Andersen-Boulevard" - Anfang

- Andersen-Denmal von Henry Luckow-Nielsen (1961), ein weiteres wichtiges Denmal steht in New York
Foto © Martin Schlu, 2010
- Was bleibt sind die etwa 165
Märchen, etwa 1000 Gedichte, ungezählte Adaptionen seiner Stoffe als
Ballett, Vertonung oder Verfilmungen und die Tatsache, daß seine
Märchen heute jedes Kind kennt. - Anfang
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