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Kulturgeschichte - 19. Jahrhundert


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Theodor Fontane (1819 - 1898)
Journalist und Kritiker 1862 - 1870
erstellt von Martin Schlu 2007

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Januar: Erste Pläne zu dem historischen Roman "Vor dem Sturm".
 
 
 
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Im Februar wird der Sohn Friedrich geboren.
Im Auftrag des Decker'schen Verlags reist Fontane zu den Schauplätzen des Deutsch-Dänischen Krieges nach Schleswig-Holstein und Dänemark und schildert seine Eindrücke in den Büchern "Der Schleswig-Holsteinische Krieg im Jahre 1864" (erschienen 1865). Dabei entstehen auch einige Gedichte, die heute nur noch peinlich wirken, z.B. die Lobeshymne auf das preußische Heer und dessen Sieg bei den Düppeler Schanzen - ein Gedicht, das seinen Weg in die Schulbücher nach 1918 nicht mehr gefunden hat und nur deswegen hier steht, um klarzumachen, daß preußische Gebrauchslyrik auch zu den Aufgaben Fontanes gehörte. Es gibt noch viele andere peinliche Werke zu entdecken (diverse Kaiserhymnen, Fertigstellung des Kölner Dom u.a.)
 

Der Tag von Düppel

Still!
Vom achtzehnten April
Ein Lied ich singen will.
Vom achtzehnten - alle Wetter ja,
Das gab mal wieder ein Gloria!
Ein »achtzehnter« war es, voll und ganz,
Wie bei Fehrbellin und Belle-Alliance,
April oder Juni ist all einerlei,
Ein Sieg fällt immer in Monat Mai.


Um vier Uhr morgens der Donner begann!
In den Gräben standen sechstausend Mann,
Und über sie hin sechs Stunden lang
Nahmen die Kugeln ihren Gang.
Da war es zehn Uhr. Nun alles still,
Durch die Reihen ging es: »Wie Gott will!«
Und vorgebeugt zu Sturm und Stoß
Brach das preußische Wetter los.

 

Sechs Kolonnen. Ist das ein Tritt!
Der Sturmmarsch flügelt ihren Schritt;
Der Sturmmarsch, - ja tief in den Trancheen
Dreihundert Spielleut' im Schlamme stehn.
Eine Kugel schlägt ein, der Schlamm spritzt um,
Alle dreihundert werden stumm -
»Vorwärts!« donnert der Dirigent,
Kapellmeister Piefke vom Leibregiment.

Und »vorwärts« spielt die Musika,
Und »vorwärts« klingt der Preußen Hurra;
Sie fliegen über die Ebene hin,
Wer sich besänne, hätt's nicht Gewinn;
Sie springen, sie klettern, ihr Schritt wird Lauf -
Feldwebel Probst, er ist hinauf!

Er steht, der erst' auf dem Schanzenrück,
Eine Kugel bricht ihm den Arm in Stück:
Er nimmt die Fahn' in die linke Hand
Und stößt sie fest in Kies und Sand.
Da trifft's ihn zum zweiten; er wankt, er fällt:
»Leb wohl, o Braut! leb wohl, o Welt!«

 

Rache! - Sie haben sich festgesetzt,
Der Däne wehrt sich bis zuletzt.
Das macht, hier ficht ein junger Leu,
Herr Leutnant Anker von Schanze zwei.
Da donnert's: »Ergib dich, tapfres Blut,
Ich heiße Schneider, und damit gut!« -
Der preußische Schneider, meiner Treu,
Brach den dänischen Anker entzwei.

 

Und weiter, - die Schanze hinein, hinaus
Weht der Sturm mit Saus und Braus,
Die Stürmer von andern Schanzen her
Schließen sich an, immer mehr, immer mehr,
Sie fallen tot, sie fallen wund, -
Ein Häuflein steht am Alsen-Sund.
Palisaden starren die Stürmenden an,
Sie stutzen; wer ist der rechte Mann?

Da springt von achten einer vor:
»Ich heiße Klinke, ich öffne das Tor!« -
Und er reißt von der Schulter den Pulversack,
Schwamm drauf, als wär's eine Pfeif' Tabak.
Ein Blitz, ein Krach - der Weg ist frei -
Gott seiner Seele gnädig sei!
Solchen Klinken für und für
Öffnet Gott selber die Himmelstür.

Sieg donnert's. Weinend die Sieger stehn.
Da steigt es herauf aus dem Schlamm der Trancheen,
Dreihundert sind es, dreihundert Mann,
Wer anders als Piefke führet sie an?
Sie spielen und blasen, das ist eine Lust,
Mit jubeln die nächsten aus voller Brust,
Und das ganze Heer, es stimmt mit ein,
Und darüber Lerchen und Sonnenschein.

Von Schanze eins bis Schanze sechs
Ist alles deine, Wilhelmus Rex;
Von Schanze eins bis Schanze zehn,
König Wilhelm, deine Banner wehn.
Grüß euch, ihr Schanzen am Alsener Sund,
Ihr machtet das Herz uns wieder gesund! -
Und durch die Lande, drauß und daheim,
Fliegt wieder hin ein süßer Reim:


»Die Preußen sind die alten noch,
Du Tag von Düppel lebe hoch!«

 
 
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Fontane reist an den Rhein und in die Schweiz. Mit seinem Verleger Wilhelm Hertz schließt Fontane einen Vertrag über den Druck von "Vor dem Sturm" ab.
 
 
 
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Fontane reist zu den böhmischen und süddeutschen Kriegsschauplätzen des Deutschen Krieges und beginnt danach mit der Niederschrift von "Der deutsche Krieg von 1866" (erschienen 1871). Außerdem schildert seine Eindrücke in "Reisebriefe vom Kriegsschauplatz" im Deckerschen "Fremdenblatt". Auf Auszüge sei hier verzichtet.
 
 
 
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Im Oktober stirbt Fontanes Vaters in Schiffmühle bei Freienwalde. (Meine Gräber)
 
 
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Im Dezember stirbt auch Fontanes Mutter in Neuruppin. (Meine Gräber)
 
 
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Wegen politischer Differenzen kündigt Fontane seine Stelle der "Kreuz-Zeitung" und arbeitet ab dem 17. August als freiberuflicher Theaterkritiker der liberalen "Vossischen Zeitung" (bis 1889/90). Dort nimmt er nach einem guten Monat seinen Urlaub, weil er mit dem Sohn George dabei sein möchte, wenn in Paris die deutschen Truppen in die Stadt einziehen. Es ist natürlich leichtsinnig als Deutscher im französischen Kriegsgebiet unterwegs zu sein und es dauert auch nicht lange, bis im Oktober er von französischen "fractireurs" (einer Art Widerstandskämpfer) in Domremy als vermeintlicher Spion verhaftet und gefangengesetzt wird. Erst später, kurz bevor er zum Tode verurteilt werden soll, greift der preußischen Ministerpräsident und Kanzlers des Norddeutschen Bundes, Otto von Bismarck, ein und droht damit
 
..." daß wir im Weigerungsfalle eine gewisse Anzahl von Personen in ähnlicher Lebensstellung in verschiedenen Stellen Frankreichs verhaften und nach Deutschland schicken und ihnen dieselbe Behandlung zuteilwerden lassen, die dem Dr. Fontane in Frankreich beschieden ist."
(zit. nach Heinz Ohff: Theodor Fontane, S. 243)
 
Das wirkt. Bereits im Dezember kann Fontane wieder nach Berlin zurückkehren und hat sein Leben lang Probleme, diese gefährliche Situation richtig einzuschätzen. Seine Erlebnisse schildert er 1871 er in dem Bericht "Kriegsgefangen. Erlebtes 1870". Ein Dankschreiben an Bismarck hat er nie verfaßt.
 
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