Hompeage Martin Schlu
Bregenz und die Festspiele
Text und Fotos: Martin Schlu, Stand:11. August  2024

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2024 - 2026 - Innenstadt Bregenz - Auf den Berg -

2020 Rigoletto
Bregenz kannte ich als Grenzstadt zu Österreich und zur Schweiz und später hörte ich immer wieder von den Festspielen, konnte mir aber nichts Richtiges darunter vorstellen und solange ein Haufen Kinder, meine Frau und ich auch jeden Tag in die Schule mußten, liefen die Festspiel eher unter „Na, ja, das gibt es auch!“ Irgendwann war die Schule für uns - außer mir - Geschichte, meine Frau buchte im Januar 2020 den Rigoletto, wir freuten uns darauf - und dann kam Corona.

Die Festspielleitung erstattete allen Käufern ihre Tickets, doch das Bühnenbild blieb stehen und wurde nicht abgebaut, weil man ja die Spielzeit 2021 ja noch spielen konnte, doch wir hatten die Woche Bregenz bereits gebucht. Wir machten dann eben ein paar Tage Bregenz ohne Oper und natürlich gingen wir zum Festspielhaus, sahen den riesigen Kopf der Rigoletto-Figur - übrigens konnte man sie vom benachbarten Lochau und dem Hausberg, dem Pfänder, immer noch gut erkennen - und als die DVD erschien, wurde sie geguckt und ganz begeistert besprach ich mit meinen zehnten Klassen die Hintergründe („mee too“ war damals ganz aktuell) und zeigte, was Philipp Stölz da als Regisseur zustande gebracht hatte. Seitdem bin ich Stölzl-Fan und etwas fünfzig Schülerinnen und Schüler fanden Oper auf einmal gut. Trailer zum Rigoletto

das Bühnenbild bei Tag - während des Corona-Sommers 2020
Das Bühnenbild bei Tag - während des Corona-Sommers 2020. Foto: Susanne Coburger-Schlu, 2020

2022 Madame Butterfly
2022 wurde dann Puccinis „Madame Butterfly“ inszeniert. Da  klappte der Besuch auch noch nicht, weil die Karten schon weg waren, ehe wir  buchen konnten und wir sahen die Oper dann in Bonn - ebenfalls spitzenmäßig. Auch hier war die Bregenzer DVD nötig, wurde im Unterricht eingesetzt und wieder wurden ein paar Dutzend Jugendliche für die Oper angefixt. Dann wurde ich pensioniert.  Bericht
zur Madame Butterfly


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2024 Der Freischütz
2024 sollte Philipp Stölz wieder inszenieren und da war klar, daß wir hinfahren. Mittlerweile waren die beiden Enkelmädchen alt genug, wurden ein bißchen vorbereitet, soweit sie auf Instagram, TikkTok und Duolingo verzichten konnten und außer dem Handy noch ein bißchen Lebenszeit übrig blieb. Vor, während und nach der Aufführung waren wir uns nicht sicher, ob und was bei ihnen hängenbleiben würde, aber es gab zumindest Reaktionen, als ich die Jüngere auf dem Schoß sitzen hatte, weil die Wolfsschluchtszene wirklich gruselig war. Das ist ja der Reiz hier: Die Oper fängt immer in der Dämmerung an und beim Finale kann es zappenduster werden. Immerhn wußte die Mädchen zu erzählen, es sei cool gewesen und ihre Eltern wußten auch Details, die ihnen nur die Enkel erzählt haben konnten. Also alles gut!     Trailer

Die Seebühne 2024 bei der „Freischütz“-Inszenierung von Philipp Stözl
Die Seebühne 2024 bei der „Freischütz“-Inszenierung von Philipp Stözl

Im Übrigen ist der Vorplatz zwar eine steinerne Hitzeinsel, aber es gibt einen schattigen Platz mit einem Brunnen und wenigstens die Kleinen können sich in der Nachmittagshitze zumindest die Füße kühlen - bei über 30° mag man sich auch nicht mehr im Schwimmbad aufhalten, sondern sucht Schatten. Ein schlauer Mensch hat auf dem Vorplatz ein paar Stühle in den Brunnen gestellt und sie werden auch genutzt.

Beneidenswert - in diesem Alter darf man alles.
Beneidenswert - leider waren die anderen Stühle auch schon belegt.


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2026 La Traviata
2026 (jetzt) wird die „Traviata“ gespielt und dieses Mal hat es auch mit den Karten geklappt. Die Wohnung liegt diesmal so, daß man hinlaufen kann und am Vorabend sieht man vom achten Stock die überdimensionale Spiegelscherbe der Inszenierung, abends um neun dringen erste Musikfetzen an den Balkon und beim Finale gegen 23:15 Uhr erstrahlt die Scherbe so hell, daß das gesamte Viertel erleuchtet ist und die Insekten ein neues Ziel bekommen. Dieser Abend (und die anderen auch) war für uns mückenfrei, weil die Viecher den Weg zu uns  nicht mehr gefunden haben.    Bericht nach der Premiere

Finale mit hellem Licht über der Seebühne, im Hintergrund der See
Finale mit hellem Licht über der Seebühne, im Hintergrund der See

Am nächsten Abend findet vor der Vorstellung eine Führung statt, bei der man auch auf die Bühne kommt und sich das Bühnenbild aus der Nähe begucken kann. Zuerst wird aber der Konzertsaal im Festspielhaus gezeigt, in dem das Orchester das Bühnengeschehen begleitet. Auf -zig Kanälen werden die Instrumente abgenommen und so abgemischt, daß man ihre räumliche Position orten kann und wenn ein Sänger llnks steht, erklingt der Ton auch links. Das ist nicht selbstverständlich. Damit man die Musiker* auch sehen kann, werden Bilder aus dem Orchester auf zwei Großbildmonitore übertragen.

Hier arbeitet das Orchester und ist draußen ohne Abstriche zu hören-
Hier arbeitet das Orchester und ist draußen ohne Abstriche zu hören. Monitore zeigen den Dirigenten das Bühnengeschehen


Natürlich ist der überdimensionale Spiegel nicht aus Glas sondern aus Holz und Kunststoffelementen zusammengebaut. Damit es aber wie Glas wirkt, sind alle Kanten hellgrün lackiert und die illusion ist schon recht gut. Später, in der Aufführung ist die Illusion perfekt, denn man sieht wirklich den Spiegel im Augenblick des Aufpralls - passend zum Schicksal der Hauptfigur Violetta, deren Leben zerbricht, bevor es richtig begonnen hat.

Die Spiegel-Elemente von nahem
oben: Die Spiegel-Elemente von nahem

Unten: Der Spiegel kurz vor Beginn der Aufführung
Der Spiegel kurz vor Beginn


Die Inszenierung von Damiano Michieletto ist am stärksten, wenn die Partyszenen im Stile der 1920er Jahre dargestellt werden. Das stimmt einfach und man kann längst nicht alles verfolgen, was auf der Bühne passiert, wenn man gleichzeitig die Untertitel lesen will.Tänzer/innen, Balletteusen, Statisten und Sänger spielen perfekt am und im Wasser und die Spielfreude der Beteiligten sprüht regelrecht Funken. In anderen, stilleren, Szenen wirken Violetta, Alfredo und  Annina oder Alfredos Vater sehr verloren, weil die Bühne so groß ist. Beim Rigolette gibt es vergleichbare Szenen zu zwei oder zu dritt, bei denen die Protagonisten zumindest räumlich enger standen. Hier hätte man Videos einspielen oder von Doubles Szenen spielen lassen können, während die Stars einfach nur singen. Das ist aber die einzige Schwäche. Auf 3Sat wird die Oper am 29. August ausgestrahlt und noch ein Jahr in der Mediathek stehen. Bis dahin ist die DVD erschienen - zum Nachgucken.

2028 soll Richard Wagners „Holländer“ kommen. Man darf gespannt sein.

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Bregenz - Cafés - xxx
Bregenz ist eine schöne Stadt am südöstlchen Ufer des Bodensees, die sich über den Pfänder und den Bregenzer Wald hinzieht. Sie ist die Landeshauptstadt des Kreises Vorarlberg und hat um die 30.000 Einwohner. Je nachdem, wo man sich aufhält, kann man in der Sonne braten oder sich so intelligent hinsetzen, daß man vom Wind aus Richtung See gekühlt wird. Die Rathausstraße ist so ein Ort, wo die Bänke entsprechend aufgestellt sind. In den Cafés geht das sowieso.

Die Rathausstraße geht vom See ab und wird immer durch Wind gekühlt.
Die Rathausstraße geht vom See ab und wird immer durch Wind gekühlt.


Bregenz ist so aufgebau, daß es eigentlich drei Zentren gibt. Das erste Zentrum ist der alte Bahnhof, von dem man schnell in die Innenstadt kommt oder zur Seilbahnstation zum Pfänder und auch mit dem Bus in die Höhenlagen fahren kann. Das zweite Zentum ist rund um das Spielcasiono, die Seebühne und das Seebad. Auf einigen Opernmitschnitten sieht man das Seebad im Hintergrund und wer will, kann von dort aus ausgiebig im Bodensee schwimmen. Ich fand es sehr erfrischend, vor allem, weil dort Platz ist und nicht dauernd irgendwelche Nichtschwimmer im Weg herumzappeln.

In den Bodensee kommt man über das Schwimmbad neben der Seebühne oder das im Nachbarort Lochau
In den Bodensee kommt man über das Schwimmbad neben der Seebühne oder das im Nachbarort Lochau


Das dritte Zentrum ist die Fußgängerzone, die sich vom Milchpilz am Hafen bis etwa zum Ende der Rathausstraße erstreckt und noch ein paar Nebenstraßen umfaßt. Verlaufen kann man sich hier nicht. Wenn man die Orientierung verliert, muß man nur zum See finden.

Typisch für die Festspielzeit ist die Dekoration der Straßen und der Geschäfte. Manchmal ist es sinnfrei, aber es sieht immer gut aus.

Die hängenden Schirme in der Anton-Schneider-Straße gab es 2024 zum Freischütz - warum, weiß ich nicht.
Oben: Die hängenden Schirme in der Anton-Schneider-Straße gab es 2024 zum Freischütz - warum, weiß ich nicht.
Foto: Susanne Coburger-Schlu, 2024

Unten: Festspielwerbung im Kaufhaus, bei den Banken und auch als Transparent über den Straßen
Festspielwerbung im Kaufhaus, bei den Banken und auch als Transparent über den Straßen

Weil Bregenz und die Seebühne so eng miteinander verbunden sind, findet man überall Plakate oder Hinweise auf die Produktionen, sei es beim Kaufhaus oder beim örtliche Juwelier. Denkbar ist auch, daß man für die Aufführung in Lindau übernachtet - von Lindau (Insel) gibt es eine halbstündliche Verbindung zum Bahnhof der Seebühne und dann läuft man nur noch ein paar Minuten bis zur Oper. Unsere Zeitwohnung liegt im achten Stock eines Hauses in Sichtweite der Seebühne und natürlich hat man dann auch Sicht auf den See. Nur trägt die seit Monaten andauernde Trockenheit dazu bei, daß es ständig diesig ist und so bleibt die Ausscht auf die Landschaft hinter dem See immer im unscharfen Dunst.

Blick auf den Bodensee bei diesiger Wetterlage
Oben: Blick auf den Bodensee bei diesiger Wetterlage


Unten:
Der Beitrag des örtlichen Juweliers Huber zur „Traviata“Der Beitrag des örtlichen Juweliers Huber zur „Traviata“

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Cafés

Kolibri - Prosecco

Richtig gutes Eis gibt es beim Kolibri (Kornmarktstraße 2). Man kreuzt auf dem Bestellzettel drei Eissorten an, sucht die Sauce und das Topping aus und zahlt € 9,50. Vor zwei Jahren waren es noch neun Euro, da ist die Preiserhöhung mehr als akzeptabel. Alles Andere gibt es auch, aber hierhin kommt man wirklich wegen des Eises. Übrgens war der Teebeutel hier schon besser als woanders, aber im Eiscafé ist man als Teetrinker meistens falsch.

Zwei Eisbecher vom Kolibri
Zwei Eisbecher vom Kolibri

Prosecco
An heißen Tagen ist das Prosecco allererste Wahl, weil es an der Kreuzung von Rathausstraße und Leutbühel liegt (Rathausstraße 1, am Brunnen). Der Wind kam vom See, der Platz lag im Schatten und das Bier  (0,5) kostete € 5,20. Man verkauft hier „Mohrenbräu“ , der Bierdeckel ist schwarz und auf der Rückseite stand: „Trinken wir noch eines oder gefalle ich Dir schon?“ In Deutschland wäre das Bier rassistisch, der Bierdeckel dikriminierend und im Glas wäre vermutlich Kölsch oder sonst eine Plörre. Die entsprechende Brauerei gibt es aber schon seit Jahrhunderten und über das politisch-gesellschaftliche Klima bei uns, den „Piefkes“, wird in Österreich sehr amüsiert gelacht.

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Pfänder und Eichenberg
Der Pfänder ist der Hausberg Bregenz', den man auf drei Arten erreichen kann. Die einfachste Variante ist die Selbahn, in der Nähe des Bahnhof am Hafen. Zu Fuß sind es dann etwa 800 Meter bis zur Station. Wer mit dem Auto kommt, findet früh (vor zehn Uhr) auch noch einen  Parkplatz nahe der Station - wer später kommt, muß ins Parkhaus. In der Hochsaison wartet man maximal eine Viertelstunde, bis eine von zwei Großraumgondeln kommt. Die meisten fahren mit der Gondel rauf und laufen die paar Kilometer runter. Wanderer machen es umgekeht. Sie laufen den Pfänderweg hinauf und nehmen die Gondel zurück. Wer sich auskennt, findet auch die Pfänderstraße in Lochau, doch die ist abenteuerlich zu fahren und erfordert für den Rückweg eine gute Motorbremse, denn wenn man ständig das Bremspedal drücken muß, riecht es irgendwann und noch später bremst es nicht mehr.

Wenn man oben ist, gibt es für die Kinder einen Spielplatz, für Hungrige ein Gasthaus mit kleinen Gerichten und jede Menge Läden, die von Gummibärchen, falschen Dirndln und dem üblichen Allerweltskitsch wirklich alles verkaufen. Man kann sich aber auch nur so hinsetzen und gucken und für ungefähr einen Zwanni kriegt man zwei belegte Brezeln und zwei Getränke. Hinzu kommt ungefähr ein Zwanni für die Fahrt. Der Ausblick ist frei.

Ausblick vom Pfänder auf den Bodensee
Blick vom Pfänder auf den Bodensee. Links
- hinter den Bäumen - läge Bregenz, in der Mitte sieht man die Rheinmündung, rechts liegt die Insel Lindau.

Eichenberg

Wer sich noch besser auskennt, radelt oder fährt mit dem Bus oder dem Auto auf den Eichenberg. Da gibt es nur wenige Häuser, doch ein einziges Hotel/Restaurant mit dem bezeichnenden Totel „Schönblick“ und einer Speisekarte, die zwar keinen  Stern hat, aber recht positive Besprechungen im „Gaultier“ .Entsprechend kommt man kaum unter € 50,00 weg, aber das ist es wert. Zum Pfänder ist es die bessere Alterative. Wer das Geld nicht ausgeben mag, findet vor dem Hotel eine Bank mit atemberaubendem Ausblick für lau.

Blick vom Eichenberg auf den Bodensee. Rechts liegt die Insel Lindau.
Blick vom Eichenberg auf den Bodensee. Rechts liegt die Insel Lindau.

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