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Essen in Venedig
 
Stand: 13. Februar 2026

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Lebensmittel - Gute Restaurants - Venezianische Spezialitäten
Italienische Lebensmittel sind anders. Brotfanatiker fühlen sich wie in Holland oder England, weil es nur labberiges Weißbrot gibt (Ausnahme ist das focaccia, ein Weißbrot mit eingebackenen Oliven oder Tomaten). Gemüsefreunde schwärmen von diesen kleinen, süßen Tomaten, überall zu bekommenden Artischocken und den stacheligen Gewürzgurken. Käsefreunde kennen einen speziellen venezianischen Gorgonzola mit Mascarpone, den fast jeder Supermarkt hat, manchmal sogar ein deutscher Discounter.

Forcaccio pomodore mit Gorgonzola con Mascarpone

Wer selbst kochen kann, wird im coop an der Piazzale Roma (P.le Roma) fündig oder beim Gemüseboot hinter dem Campo San Barnaba. Dort kriegt man alles, was wächst, und das Boot wird auch ständig neu beliefert. Es ist sogar besser sortiert als der Markt an der Rialtobrücke (mercato). Auf dem Boot kriegt man aber nur Pflanzliches. Fleisch haben die Supermärkte, Fisch gibt es auf dem Fischmarkt in Dorsoduro (im Sommer auch auf dem Markt an der Rialtobrücke) und Brot gibt es außer in den Supermärkten auch in vielen Bäckeren, Mischbrot und Graubrot allerdings nicht.

Das Gemüseboot in Dorsoduro hat alles, was man braucht - und noch mehr.


Essen in Venedig kann toll sein, doch meistens wird aus den Versprechungen, die man beim Einkaufen sieht, ganz schnell Makulatur. Wohnt man hier nicht auf Dauer, hat man eben nicht die Gerätschaften, die man für gutes Kochen braucht, denn in den Ferienwohnungen hat man, wenn überhaupt, nur zwei oder drei kleine Pfannen. Die sind meistens schrottreif abgeranzt, haben Unmengen an Kratzern und taugen bestenfalls für ein Spiegelei oder angebratenes Hähnchenklein. Wer da den hoffnungsvollen Vorstellungen auf dem Fischmarkt nachgibt, wird sich später ärgern, weil der Gasherd anders funktioniert als man das vom Strom kennt und die Pfanne irgendein Billigding aus dem Supermarkt ist, die sich eben nicht gleichmäßig erwärmt. Frustriert kratzt man dann den verkohlten Fisch aus der Billigpfanne und denkt sich, daß das im Restaurant eben nicht passiert wäre. Eben!
 Fischmarkt in Dorsoduro
Wunderbare Versprechungen geben die Fischmärkte

Egal, ob man den Fisch auf dem Campo Santa Margerita (Dorsoduro) oder in den Markthallen gegenüber der Rialtobrücke gesehen hat - man läßt ihn besser liegen. Es sei denn, man hat sich die nötigen Utensilien ins Auto gepackt (und muß sie natürlich vom Parkhaus in die Fewo tragen). Natürlich kriegt man hier nicht nur Tintenfisch, Dorade oder Schwertfisch, die vor ein paar Stunden noch geschwommen sind, aber das Material alleine reicht ja nicht aus, sondern man braucht das Know-How und das passende Gerät. Also geht man am besten essen oder kocht so, daß man nicht mehr als zwei Töpfe und eine kleine Pfanne braucht. In manchen Fewos ist nämlich noch nicht mal Salz und Öl.

Diesen Schwertfisch sahen wir in Dorsoduro
Diesen Schwertfisch sahen wir auf in Dorsoduro nur, weil unsere Wohnung bei den Räumen der Fischhändler lag und er morgens noch nicht verkauft war.

In zwanzig Jahren Venedig-Besuchen haben sich ein paar Restaurants und Gerichte als sensationell gut erwiesen und es gibt auch in San Marco Restaurants, die normale Preise haben. Beim Preisvergleich haben wir übrigens festgestellt, daß die Lebensmittelpreise bei Obst, Gemüse, Brot und Fleisch oft über den Preisen zu Hause lagen.

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Zu empfehlen sind folgende Restaurants/Trattorie:


Gute Restaurants  - Lebensmittel - Venezianische Spezialitäten
Essen gehen ist teuer. In Italien sowieso, in Venedig noch mehr. Üblich sind ca. EUR 2,00 bis 3,00.- pro Person nur fürs Gedeck (coperto ), 12% Zuschlag für Service (servicio) und im Prinzip EUR ab € 30,00.- pro Person (Mittelklasse). Man zahlt bereits die Gedeckgebühr, sobald man sich hinsetzt. Also macht man Pause am besten nur im Café und ißt etwas auf die Hand. Die obligatorischen Pizze sind heute (feb, 2026) nicht mehr so teuer wie früher und in vielen Trattorie zu bekommen (ab ca. € 15,00 eine billige Pizza und ein Getränk). 

Es gibt in Venedig als Alternative mittlerweile Kebab- und Dönerbuden (gerade im Univiertel zwischen Accademia und Dorsoduro) und das Fleisch dafür kommt aus Deutschland und unterliegt hiesigen Kontrollen. Sollte man nach 21:00 Uhr eintreffen, ist das oft die einzige Möglichkeit, denn ab zehn Uhr ist alles dicht. Die Insider gehen tagsüber zur Trattoria Rosticceria (bei Rialto aussteigen und am Goldoni-Denkmal rechts rein) und kriegen dort für fünf Euro oder mehr etwas auf die Hand. Die Alternative sind Supermärkte und das "panne" aus der Bäckerei (s. "Einkaufen").

Wenn man sich aber auf venezianische Küche einläßt, kann man für etwa EUR 20.- mit einem Getränk gut essen. Günstig sind auch die vielen Osteria oder Trattoria. Am besten sollte man da essen, wo nur italienisch gesprochen wird, da hat man auch die normalen Preise. Mc Donalds und Burger King gibt es  natürlich auch (Cannaregio, Einkaufsmeile), aber unter € 15,00 schafft man dies selten und McDoof ist keine Alternative zu richtiger Küche. An der Zattere gibt es aber viele Restaurants, in denen auch Studenten und Einheimische essen - wo nur italienisch gesprochen wird, ist es meistens billiger.

Gute traditionelle amerikanische Küche
Typisch italienische Küche der venezianischen Jugend (Feb 2009)


Ristorante terrazza Dei Nobili
Die Terazza Dei Nobile ist etwas teurer. Die beste Zeit ist im Sommer abends, weil die Sonne dann Richtung Giudecca steht, im Frühjahr und Herbst kommt man eher mittags, weil man dann in der Sonne sitzt. Die Speisekarte liegt im mittleren Preissegment (€ 30,00 p/P), venezianische Spezialitäten stehen genauso darauf, wie Standards. Bei der Platzwahl sollte man aber darauf achten, ob die Flut kommt oder geht - sonst kriegt man vielleicht nasse Füße.
Dorsoduro 924 (Haltestelle Zattere, Terasse am Ufer)

Ristorante terrazza Dei Nobili,  Dorsoduro 924
Ristorante terrazza Dei Nobili,  Dorsoduro 924, kurz nach dem Höchststand der Flut

Piccolo Martini
Das Piccolo Martini ist eine Kreuzung aus Bar und Restaurant. Tee und Kaffee (welcher auch immer) liegen bei je € 5,00. In der Bar findet man meistens ein freies Plätzchen, im Restaurant bis zwölf auch. Wer später essen will, muß reservieren. Das Tagesgericht lag bei € 20,00, Spezialitäten kosten manchmal mehr. Mittlerweile ist es für uns so etwas wie ein Stammrestaurant und die Kellner erkennen uns wieder. Das Piccolo Martini ist sehr gut und nicht überteuert. 

San Marco 1501 (Frezzaria, abgehend von der Salizzada San Moisé, schräg gegenüber von San Moisé, am Fendi-Geschäft abbiegen, dann 20 m links)

Piccolo Martini, San Marco 1501
Piccolo Martini, San Marco 1501 gegen zwölf Uhr - später wird es voll

Trattoria Rosticceria Gislon

Calle de la Bissa San Marco 5424 Campo San Bartolomeo, 30124 Venezia Italia

(Haltestelle Rialto, dann zum Campo Bartolomeo, vor dem Goldoni-Denkmal rechts in die Calle de a Bissa)

Die Trattorio Rosticceria hat meine Frau das erste Mal in den 1960er Jahren besucht, als sie noch ein Kind war und viele Jahre später unsere Kinder und mich dorthin abgeschleppt. Der Laden selbst ist fast hundert Jahre alt und war immer im Familienbesitz.
Die Rosticceria bietet schon lange die Spezialität „Fritto misto con polenta“  und andere preiswerte Gerichte an, so daß in der Mittagszeit die Angestellte und Arbeiter aus der Umgebung kommen um hier zu essen. Die normalen Touristen finden die Rosticeria zwar nicht, aber die Stammkunden lesen hier ihre Zeitung, trinken einen Espresso nach dem anderen und bei aller Wuseligkeit von Kellnern und Angestellten ist es hier ziemlich gemütlich (wenn sich Zeit nimmt). Der Laden hat keine Webseite, aber die braucht er auch nicht, weil es soviel Gutes in den einschlägigen Foren gibt. Die Rosticceria ist halt nicht leicht zu finden.

Trattoria Rosticceria Gislon

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Venezianische Spezialitäten - Lebensmittel - Gute Restaurants

Fritto misto
Im Wesentlichen schmeißt man kleine Sardinen, Tintenfischringe, Muschen, Krabben oder Garnelen und Fischstücke in eine Panade, frittert sie ein paar Minuten und serviert sie mit heißer Polenta (aufgekochter, getrockneter und dann angebratener Gries). Die Rosticceria verkauft ihn für ca. 10,00, auf der Zattere liegt er bei ca. 20,00, im Piccolo Martini kostete er €  24,00. Mit dem Preis steigt aber auch die Menge und mehr als eine Portion schafft man in San Marco nicht.


Fritto Misto an der Zaterre ( 18,00)
Oben: Fritto Misto mit Polenta an der Zaterre


Unten: Fritto Misto mit scharfer Tomatesauce im Piccolo Martini

Unten: Fritto Misto im Piccolino  (25,00)


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Spaghetti vongole
Die nächste venezianische Spezialität sind Spaghetti vongole, wobei de vongole kleine Muscheln sind. Die vongole sind nicht zu verwechseln mit den cozze, den normalen Miesmuscheln, was sich für Deutschen zwar merkwürdig anhört, geschmacklich aber ausgesprochen gut ist. In Italien bekommt man üblicherweise bei Spaghetti nur eine Gabel, weil alle davon ausgehen, daß man die Nudeln auf dem Teller rollt. Wer einen Löffel braucht, ist unten durch und Amerikaner, die in der linken Hand die Nudeln  auf die Gabel genommen haben und mit dem Messer versuchen, sie um die Gabel zu wickeln, erzielen einen Lacherfolg und merken nicht, daß sie der Grund für die Heiterkeit sind. Der Trick besteht darin, die vongole nur mit der Gabel zu essen, aber man darf auch die Finger dazu nehmen. Die normalen Muscheln kosteten hier in Venedig fast das Doppelte dessen, was wir im deutschen Supermarkt dafür ausgeben, deswegen haben wir uns die cozze zum Kochen hier verkniffen und sind lieber essen gegangen.

Spaghetti vongole
Spaghetti vongole
im Piccolo Martini


Seppie alla veneziane  (Tintenfisch auf venezianische Art)
Üblicherweise kriegt man Tintenfisch (pulpo) in Deutschland in diesen komischen panierten Ringen, die der Koch aus dem Tiefkühlfach holt und in die Friteuse schmeißt. Unvergeßlich ist mir ein Kellner, der mal fragte, ob er sie noch mal in die Mikrowelle tun sollte...

Es geht aber auch anders. Der frische Tintenfisch wird in seiner Tinte gekocht und mit Polenta serviert. Es sieht  für uns etwas merkwürdig aus, schmeckt aber hervorragend. Die Amerikaner am Nachbartisch konnten den Blick nicht vom Teller meiner Frau lassen, während sie versuchten, ihre Spaghetti kleckerfrei zu essen (s.o.). Da habe ich mir überlegt, Freunde zum Spaghettiessen einzuaden, wenn sie dafür ein weißes T-Shirt anziehen.


Seppia
Seppie alla veneziane im Piccolo Martini


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Spaghetti al nero di seppie alla veneziane  (Spaghetti auf venezianische Art)
Die Spaghetti werden mit dem geschnittenem Tintenfisch in seiner Tinte gekocht. Wenn man weiß, daß die Tintenfischtinte früher auch zum Schreiben verwendet wurde, ist man froh über die Spiegelfunktion des Handys, weil man dann sehen kann, wie verferkelt es um den Mund aussieht. Bis die schwarzen Sauße unter den Fingernägeln verschwunden ist, dauert es einen Tag - aber es lohnt sich, weil es unglaublich gut ist. Feuchttücher für Mund und Finger sollte man dabei haben.

Spaghetti al nero di seppie
Spaghetti seppie alla veneziane im Piccolo Martini

Fegato alla veneziane (Leber auf venezianische Art)
Die Kalbsleber wird in Mehl gewälzt und angebraten. Nach wenigen Minuten wird sie aus der Pfanne genommen, solange sie biegsam ist und im Ofen warm gehalten (ca. 50°), während im Öl der Pfanne Zwiebeln und Lauch angebraten werden. Für die Süße gehört eigentlich eine frische Feige hinein, aber Alfons Schubeck empfiehlt zwei dünne Scheiben Marzipan - das ist leichter zu bekommen (Video dazu).

Der umgerührte Sud wird mit Weißwein oder Prosecco abgelöscht. Man kann danach noch geschnittene Pilze hinzufügen. Danach werden Petersilie, Dill, Minze, Basilikum und vor allen Dingen Salbei dazugegeben, die Leber auf den Teller gelegt und mit der Sauce übergossen. Zum Schluß wird das Ganze mit gerösteten Mandelblättchen bestreut und mit Tagliatelli und einem Glas Wein serviert.

Gegessen bei Ristorante Oniga, Dorsoduro 2852, Campo San Barnaba
(Das Restaurant liegt links, wenn man San Barnaba im Rücken und den Kanal rechts liegen hat)


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