Homepage Martin Schlu Die Museumsinsel - eine Weltkulturerbe
Text und Fotos: Martin Schlu, Stand 11. Januar 2026

                                          
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Pergamon-Museum - Bode-Museum - Alte Nationalgalerie - Deutsches Historische Museum - Berliner Dom


Die Museumsinsel ist ein kulturelles Monstrum, das man auch in ein paar Tagen nicht schafft. Sie entstand ab 1830 in hundertjähriger Bauzeit unter der Planung von einem halben Dutzend Architekten und sollte zuerst die Größe und Überlegenheit der deutschen Kultur und ihrer Herrscher smbolisieren. Wie man heute weiß, gab es da ab 1930 gewisse Abstriche. Doch nach tausend Jahren Nazis gab es in den letzten Jahrzehnten nur zwei negative Schlagzeilen: Die erste war die Schließung des Pergamon-Museums mit der Diskussion um die Rückgabe des gleichnamigen Altars, die zweite der Raub einer drei Zentner schweren Goldmünze durch den Rammo-Clan, was nur bedingt aufgearbeitet wurde, so daß dieser Clan einige Jahre später in Dresden auch noch das Grüne Gewölbe ausrauben konnte. Die jüngsten Einbrüche im Louvre gehen wohl nicht auf das Konto der Rammos, zeigen aber, wie teuer es werden kann, wenn man an der Sicherheit spart.

Das Bode-Museum von der Spree aus.Das Bode-Museum von der Spree aus. Hier sieht man, daß der Komplex wirklich eine Insel ist.

Die ersten Besuche der Musumsinsel machte ich als Schüler/Student in den späten 1970er Jahren und seitdem entstanden etliche Fotos, die heute teilweise dokumentarischen Charakter haben, weil die Objekte in den nächsten Jahrzehnten nicht zu sehen sein werden, wenn die Bauplanung ähnlich schnell sein wird, wie bei dem letzten Berliner Flughafen.

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Pergamon-Museum
Das Pergamon-Museum ist das Herzstück der Museumsinsel, wurde 1901 von Kaiser Wilhelm I. eröffnet und zeigte die Ausstellungstücke, die von deutschen Archäologen gefunden, geborgen/geraubt und ins Reich gebracht worden waren - der griechisch antike Pergamonaltar, das griechisch antike Markttor von Milet, das Ischtar-Tor aus Babylon mit der Prozessionsstraße und die frühmittelalterliche Mschatta-Fassade. Das waren alles große, städtebauliche Prunk-Projekte der Antike und die wollte man als Kulturnation angemessen würdigen. Das hat auch ganz gut funktioniert, vor dem Mauerfall gab es jedes Jahr Zigtausende Besucher aus der DDR und den sozialistischen Bruderländern (die Insel liegt ja in Ost-Berlin), nach dem Mauerfall explodierten die Zahlen, weil nun auch westliche Besucher Zugriff hatten und dies waren später über einer Million pro Jahr. Ich habe noch Amerikaner im Ohr, die rechnen mußten, wie weit zeitlich das Tor von der Gründung der USA lag...

Das Pergamon-Museum 2006 - es warb damals mit dem Ishtar-Tor

Das Pergamon-Museum 2006 - es warb damals mit dem Ishtar-Tor

Zu DDR-Zeiten hatte es in den 1970er Jahren eine Briefmarkenserie gegeben, die den Tiere des Ishtar-Tores zeigte, aber erst in den 1980er Jahren konnte ich das Tor in natura sehen und durch die ehemalige Stadtmauer des ehemaligen Stadttores gehen.
Ab 2006 zeichnete sich ab, daß das Pergamon-Museum geschlossen werden würde und bereits 2013 kam man nicht mehr hinein. Ich vermute, daß ich eher achtzig sein werde, bevor ich das nächste Mal hereinkomme - wenn ich so lange lebe.

Ein kleiner Ausschnitt das Ishtar-Tores ist der Löwe
Ein kleiner Ausschnitt des Ishtar-Tores ist der Löwe (Foto: Susanne Coburger-Schlu, 2006)


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Bode-Museum
Das Bode-Museum hat seinen Namen vom Erbauer des Pergamon-Museums Wilhelm von Bode, der

.... wird fortgesetzt ...


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Alte Nationalgalerie
Die Alte Nationalgalerie wurde ab 1862 vom preußischen König Friedrich Wilhelm IV. als nationales Kulturgut gedacht, in dem der Stolz der preußischen Kultur zu hängen hatte. Der Stararchitekt Friedrich August Stüler schuf dafür einen klassizistischen Tempel, in dem bis heute eine repräsentative und unschätzbar wertvolle Sammlung hängt, deren Bilder so bekannt sind, daß sie als unverkäuflich gelten. Eine der wichtigsten Direktoren war der Kunsthistoriker Hugo von Tschudi, der ab 1896 in Berlin mit  Wilhelm von Bode (ab 1904) die Sammlung der Galerie aufbaute und betreute und dann, 1909, nach München in die Pinakothek wechselte, wo er das Gleiche eine Nummer größer wiederholte.

In der Alten Natonalgalerie hängen nicht nur Schlachtengemälde und Hofszenen des Hofmalers Adolph Menzel, sondern dort stehen und hängen auch klassizistische
Skulpturen von Geistesgrößen und Königsadel, außerdem frühe Impressionisten wie  Gustave Courbet und Maler der Schule von Barbizon (Hochparterre).


Die Alte Nationalgalerie von den Kolonnaden aus gesehen.
Die Alte Nationalgalerie von den Kolonnaden aus gesehen. Im Regen wartet man auf Einlaß

Einen Stock höher gibt es 19. Jahrhundert von der Romantik bis zum Impressionismus. In der Romantik geht es um Carl Spitzweg (Biedermeier-Karikaturen), Arnold Böcklin (Toteninsel und untypische Böcklins) und Anselm Feuerbach und Zeitgenossen. In der französischen Abteilung um die Künstlerkolonie Barbizon sieht man Renoir, Manet, Monet, Degas bis zu Cezanne und die deutschen Impressionisten Liebermann und Lovis Corint. Im Herbst 2025 gab es auch die große Ausstellung zu Corinth und der Scharf-Sammlung, doch nachdem wir eine Stunde im Regen gewartet hatten, haben wir es im Dezember noch einmal versucht und da hat es geklappt.

Im dritten Ausstellungsgeschoss wird es preußisch national, denn hier hängen Werke der Goethezeit und Romantik, Werke von Caspar David Friedrich, Karl Friedrich Schinkel oder Carl Blechen. Deutsche Ikonen werden gezeigt wie das Doppelbildnis der Gebrüder Grimm und ein monumentales Grabmal  des Grafen Alexander von der Mark von 1790, das ursprünglich in der Dorotheenstädtischen Kirche stand und nach deren Zerstörung im zweiten Weltkieg hierhin umzog. Die Grimms haben mir besser gefallen, weil mir von Nationalismus meisten schlecht wird und ich zuviele schwülstige Grabmäler gesehen habe.


Jakob und Wilhelm Grimm als Doppelbildnis von Elisabeth Jerichau-Baumannn
Jakob und Wilhelm Grimm als Doppelbildnis von Elisabeth Jerichau-Baumannn (Ausschnitt aus der ANG)

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Deutsches Historisches Museum
Das Museum liegt gegenüber der Museumsinsel, aber auf dem „Festland“. Ursprünglich war es im Zeughaus, einem Material- und Waffenlager gegenüber dem Stadtschloß untergebracht, aber als in der 1848er Revolution die Revolutionäre sich aus den Waffenkammern bedienten, machte man nach der Niederschlagung der Revolution lieber eine Ruhmeshalle der preußischen Regierung daraus und zeigte militärhistorisch Bedeutsames, was junge Männer für das Militär begeistern konnte.

Nach
dem Sieg über den Erbfeind und der glorreichen Gründung des Deutschen Kaiserreiches 1871 dachte man allerdings erst am Ende des Reichs 1918 über eine andere Nutzung nach. Weil nach dem Versailler Vertrag französische Heiligtümer wie Orden Napoleons oder Trophäen aus den Kriegen an Frankreich zurückgegeben werden sollten, raubten Nationalisten sie aus dem Zeughaus-Museum und verbrannten sie demonstrativ vor dem Reiterstandbild Friedrichs ein paar Meter weiter. Danach war der Ruf als Museum etwas beschädigt und so nutzte das Militär das Gebäude für militärische Gedenkveranstaltungen und das blieb auch für die nächsten tausend Jahre so.

Nach dem Kriegsende 1945 war in Berlin allerdings nicht nur das Zeughaus zerstört und beim sozialistischen Aufbau der Stadt gab es erst einmal andere Prioritäten. Trotzdem gab es 1948 einen sowjetischen Befehl zum Wiederaufbau und man arbeitete auch schneller als fünfzig Jahre später am Flughafen BER, so daß das Gebäude schon 1965 wieder bezugsfertig war. Allerdings lag dies daran, daß man erst 1950 festgestellt hatte, daß die innere Substanz zu schlecht erhalten war und so wurde hinter der Fassade wirklich alles neu erbaut, mit Stahlträgern, Aufzügen und einem Kuppeldach, von dem der ursprüngliche Baumeister Andreas Schlüter nur hätte träumen können.
Die DDR beschloß aber auch, aus dem Bau ein Staatliches Geschichtsmuseum zu machen, das die Ideologie von Marx, Engels und Lenin in die Köpfe der Besucher brennen sollte.

Das fertig restaurierte Museum im Zeughaus um 2006 vom Dach des Berliner Doms aus.
Das fertig restaurierte Museum im Zeughaus um 2006 vom Dach des Berliner Doms aus.


Die sozialistische Ideologie verfing bei der Jugend der 1980er Jahre aber nur bedingt, wie man heute weiß. Zum Tag der Wiedervereinigung, dem 3. Oktober 1990, überschrieb die letzte Regierung der DDR die Immobilie an das wieder entstandene Gesamtdeutschland. Bundesregierung und Land/Stadt Berlin gründeten daraufhin das Deutsche Historische Museum und erbten auch die Bauschäden aus der DDR-Zeit, so daß nach vier Jahren Sanierung das Museum 2003 eröffnet werden konnte. Parallel dazu wurde klar, daß auch das sanierte Msueum zuwenig Platz bot und so wurde daneben der hochmoderne Pei-Bau gesetzt, der solange die Wechselausstellungen präsentiert, bis das Zeughaus wieder eröffnet ist.

Der Neubau des Deutschen Historischen Museums (Pei-Bau) 2007
Oben: Der Neubau des Deutschen Historischen Museums (Pei-Bau) 2007

Unten: Neubau (links) und Altbau (Zeughaus, rechts) des DHM. Der rechte Turm des Doms glänzt im Abendlicht auf dem „Festland“

Neubau (links) und Altbau (Zeughaus, rechts) des DHM

Die aktuelle Ausstellungen „Roads not Taken“ (Dez. 2025-März 2026) zeigt sehr eindrücklich an neun Bespielen, an welchen Stellen die deutsche Geschichte hätte anders laufen können - besser der aich schlechter. Gezeihgt werden die Beispiele der Revolution von 1848, die Kriegsenden 1918 und 1945, bei der Staatsgründung 1949, dem 17. Juni 1953, dem Mauerbau, der Kuba-Krise und natürlich beim 9. November 1989, als die Mauer fiel. Wer in Geschichte nicht so fit ist, bekommt hier eine ziemlich klare Nachhilfe und kann dann vielleicht die gegenwärtigen weltpolitischen Ereignisse besser einschätzen.

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