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- Geschichte - Fontane - Schloß - Fähre
Schloß Caputh am Templiner See hatte mal eine große Vergangenheit - noch
älter als das bestehende Gebäude, das im Mittelalter von der Familie von Rochow als
Rittersitz Caputh gekauft wurde. Die Rochows wiederum entstammten einem
frühmittelalterlichen Adresgeschlecht aus Burgund, das bereits unter
Karl dem Großen adelig wurde. Die hatten entsprechend Geld und Macht,
als sie sich im 12. Jahrhundert in der Altmark und am Schwielowsee
niederließen.
- Die brandenburgische Prinzessin Katharina (eine Nichte des Kurfürsten Joachim II.) kaufte 1594 die
Ortschaft zwischen Schwielowsee und Templiner See als Sommersitz / Ferienhaus und ließ am Templiner See ein Landhaus
errichten, in dem sie den Sommer verbrachte, bis sie 1602 starb. Ihr
Sohn (der spätere Kurfürst Johann Sigismund) nutzte das Gebäude bis zum Ausbruch des Dreißgjährigen Krieges. Glücklicherweise spielte dieser Krieg in Brandenburg erst spät eine Rolle und als 1640 Friedrich Wilhelm von Brandenburg
Kurfürst wurde (der große Kurfürst) war schon abzusehen, daß in ein
paar Jahren das Kriegsende kommen mußte. Trotzdem überstand das Gebäude
den Krieg nicht. Kurfürst Friedrich Wilhelm schenkte das Gebiet mit der
Ruine seinem Quartiermeister Philip de Chiese und der war reich genug, es ab 1652 als
Barockschloß wieder aufzubauen: neun Fensterachsen breit, zwei
Fensterachsen hoch, so wie man ein kleines Barockschloß eben anlegte.

- Das Tor von Schloß Caputh ist in der fünften Fensterachse - eben symmetrisch. Nur die Bäume stören die Sichtachse.
- Philipp
de Chiese war ziemlich geschäftstüchtig und tauschte 1671 beim großen
Kurfürsten das Schloß Caputh gegen ein mittelgroßes Rittergut in
Ostpreußen ein. Beide waren zufrieden - de Chiese bekam für das Schloß
2600 Hektar (26 qkm) besten Acker an der Memel und der Kurfürst hatte ein
Sommerhaus in der Nähe von Berlin.
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- Theodor Fontane
- Theodor
Fontane schrieb knapp zweihundert Jahre später (1869) in einem Zeitungsartikel über
den Ort Folgendes:
Caputh ist eines der größten Dörfer der Mark <Brandenburg>, eines der längsten gewiß;
es mißt wohl eine halbe Meile. ... <Es> besaß keinen Acker, und
die große Wasserfläche, Havel samt Schwielow, die ihm vor der Tür lag,
wurde von den Potsdamer ..Fischern...eifersüchtig gehütet und
ausgenutzt. So stand es schlimm um die Caputher; Ackerbau und Fischerei
waren ihnen gleichmäßig verschlossen. Aber die Not macht
erfinderisch,...Die Männer wurden Schiffer, die Frauen verlegten sich
auf Gartenbau.

Vom Ufer des Schwielowsee konnte man vor zweihundert Jahren offenbar bis nach Potsdam sehen - heute geht das nicht mehr
-
Die Nachbarschaft Potsdams, vor allem das rapide Wachstum Berlins waren
dieser Umwandlung ...günstig... Überall an Havel und Schwielow hin
entstanden Ziegeleien, und die Millionen Steine, die jahraus, jahrein
am Ufer dieser Seen und Buchten gebrannt wurden, erforderten alsbald
Hunderte von Kähnen, um sie auf den Berliner Markt zu schaffen. .... Es
entstand eine völlige Kahnflotte, und mehr als sechzig Schiffe, alle
auf den Werften des Dorfes gebaut, befahren in diesem Augenblicke den
Schwielow, die Havel, die Spree. Das gewöhnliche Ziel, wie schon
angedeutet, ist die Hauptstadt. Aber ein Bruchteil geht auch
havelabwärts in die Elbe und unterhält einen Verkehr mit Hamburg.
Caputh - das Chicago des Schwielow-Sees - ist
aber nicht bloß die große Handelsempore dieser Gegenden, nicht bloß
End- und Ausgangspunkt der zauche-havelländischen Ziegeldistrikte,
nein, es ist auch Stationspunkt, an dem der ganze Havelverkehr vorüber
muß. Der Umweg durch den Schwielow ist unvermeidlich; es gibt vorläufig
nur diese eine fahrbare Straße.
...Am lebendigsten aber ist es auf der Caputher Reede, wenn irgendein
großer Festtag einfällt und alte gute Sitte die Weiterfahrt verbietet.
Das ist zumal um Pfingsten. Dann drängt alles hier zusammen; zu beiden
Seiten des »Gemündes« liegen 100 Schiffe oder mehr, die Wimpel
flattern, und hoch oben vom Mast, ein entzückender Anblick, grüßen
hundert Maienbüsche weit in die Ferne.
...
Unter Gesprächen, deren Inhalt ich in vorstehendem zusammenzufassen
gesucht habe, hatten wir das Dorf nach Norden hin passiert und hielten
jetzt an einer Havelstelle, von wo aus wir über einen parkartigen,
grüngemusterten Garten hinweg auf das Herrenhaus sehen konnten, einen
Hochparterrebau, mit Souterrain und zweiarmiger Freitreppe.

Schloß Caputh von der Seeseite - die zweiarmge Freitreppe ist gut zu erkennen, ebenso das Hochparterre.
-
Dies Herrenhaus führt den Namen »Schloß«, und trotz bescheidener
Dimensionen immer noch mit einem gewissen Recht, wenigstens seiner
inneren Einrichtung nach. ...
Schloß Caputh ...<zerfiel> im Dreißigjährigen Kriege ... oder
wurde zerstört, und erst von 1662 an erstand hier ein neues Leben. In
diesem Jahre ging Caputh, Dorf wie Schloß, in den Besitz des Großen
Kurfürsten über und verblieb ... 150 Jahre lang bei der Krone. ...
aus: Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Dritter
Teil: Das Havelland, Kap 71, gedruckt erstmalig in der „Neuen
Preußischen Kreuz-Zeitung“ 1870, zit. nach https://projekt-gutenberg.org
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- Schloß Caputh
- Das
Innere des Schlosses ist größtenteils nicht mehr original. Es gibt ein
paar Portraits der beiden Friederiche und von Dorothea, es gibt ein
paar Möbel, aber es ist nicht so wie in Sanssouci oder im Neuen Palais.
Im Tiefparterre ist der Sommerspeisesaal zu sehen - ein mit Delfter
Kacheln vollständig verkleideten Raum, der durch die Kachelung immer
ein paar Grad kühler ist als die anderen Räume. Durch die kleineren
Fenster ist er recht dunkel und die Lampen blenden so, daß man nicht
fotografieren kann. Fotos von Kachelwänden finden sich aber auch im
Internet. In Schloß Augustusburg (bei Köln) hatte man noch genug Möbel
und Geschirr um diesen Raum auszustatten - hier sind es nur die
Kacheln. Den - nicht vorhandenen - Brunnen in der Wandnische muß man
sich
auch vorstellen.
- Im
Schlafgemach des Kurfürsten gibt es ein paar Bilder, zwei
Kerzenleuchter, einen Stuhl und eine rosafarbene Wand mit Goldschmuck.
Mit allen Erklärungen ist man in einer halben Stunde durch. Ein
Cafe gibt es nicht.
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Fähre Caputh-Geltow
Der Lichtblick ist die Weiterfahrt mit einer kleinen Fähre (Seilfähre)
über die Havel nach Geltow, Richtung Werder. Die Fähre ist
ausgeschildert, der Weg dahin führt durch das Dorf. Das Schild
„Handbremse anziehen!“ am Fährgitter sorgt zwar erst für eine gewisse
Erheiterung, aber beim Anlegemanöver wird alles klar: Ganz ohne Rums
geht es nicht. Viel Spaß für kleines Geld.
- Fähre Caputh-Geltow, Auto mit Mensch: € 2,00, jede weitere Person: € 0,50.

Das Foto auf dem Schlagbaum verdeutlicht, warum man die Handberemse besser anziehen sollte.
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