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Schloß Caputh
Texte und Fotos: Martin Schu ab 2007, Stand: 4. September 2026

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Geschichte - Fontane - Schloß - Fähre
Schloß Caputh am Templiner See hatte mal eine große Vergangenheit - noch älter als das bestehende Gebäude, das im Mittelalter von der Familie von Rochow als
Rittersitz Caputh gekauft wurde. Die Rochows wiederum entstammten einem frühmittelalterlichen Adresgeschlecht aus Burgund, das bereits unter Karl dem Großen adelig wurde. Die hatten entsprechend Geld und Macht, als sie sich im 12. Jahrhundert in der Altmark und am Schwielowsee niederließen.

Die brandenburgische Prinzessin Katharina (eine Nichte des Kurfürsten Joachim II.) kaufte 1594 die Ortschaft zwischen Schwielowsee und Templiner See als Sommersitz / Ferienhaus und ließ am Templiner See ein Landhaus errichten, in dem sie den Sommer verbrachte, bis sie 1602 starb. Ihr Sohn (der spätere Kurfürst Johann Sigismund) nutzte das Gebäude bis zum Ausbruch des Dreißgjährigen Krieges. Glücklicherweise spielte dieser Krieg in Brandenburg erst spät eine Rolle und als 1640 Friedrich Wilhelm von Brandenburg Kurfürst wurde (der große Kurfürst) war schon abzusehen, daß in ein paar Jahren das Kriegsende kommen mußte. Trotzdem überstand das Gebäude den Krieg nicht. Kurfürst Friedrich Wilhelm schenkte das Gebiet mit der Ruine seinem Quartiermeister Philip de Chiese und der war reich genug, es ab 1652 als Barockschloß wieder aufzubauen: neun Fensterachsen breit, zwei Fensterachsen hoch, so wie man ein kleines Barockschloß eben anlegte.

Das Tor von Schloß Caputh ist in der fünften Fensterachse - eben symmetrisch
Das Tor von Schloß Caputh ist in der fünften Fensterachse - eben symmetrisch. Nur die Bäume stören die Sichtachse.

Philipp de Chiese war ziemlich geschäftstüchtig und tauschte 1671 beim großen Kurfürsten das Schloß Caputh gegen ein mittelgroßes Rittergut in Ostpreußen ein. Beide waren zufrieden - de Chiese bekam für das Schloß 2600 Hektar (26 qkm) besten Acker an der Memel und der Kurfürst hatte ein Sommerhaus in der Nähe von Berlin. 


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Theodor Fontane
Theodor Fontane schrieb knapp zweihundert Jahre später (1869) in einem Zeitungsartikel über den Ort Folgendes:

Caputh ist eines der größten Dörfer der Mark <Brandenburg>, eines der längsten gewiß; es mißt wohl eine halbe Meile. ... <Es> besaß keinen Acker, und die große Wasserfläche, Havel samt Schwielow, die ihm vor der Tür lag, wurde von den Potsdamer ..Fischern...eifersüchtig gehütet und ausgenutzt. So stand es schlimm um die Caputher; Ackerbau und Fischerei waren ihnen gleichmäßig verschlossen. Aber die Not macht erfinderisch,...Die Männer wurden Schiffer, die Frauen verlegten sich auf Gartenbau.
Vom Ufer des Schwielowsee konnte man vor zweihundert Jahren offenbar bis nach Potsdam sehen - heute geht das nicht mehr
Vom Ufer des Schwielowsee konnte man vor zweihundert Jahren offenbar bis nach Potsdam sehen - heute geht das nicht mehr

Die Nachbarschaft Potsdams, vor allem das rapide Wachstum Berlins waren dieser Umwandlung ...günstig... Überall an Havel und Schwielow hin entstanden Ziegeleien, und die Millionen Steine, die jahraus, jahrein am Ufer dieser Seen und Buchten gebrannt wurden, erforderten alsbald Hunderte von Kähnen, um sie auf den Berliner Markt zu schaffen. .... Es entstand eine völlige Kahnflotte, und mehr als sechzig Schiffe, alle auf den Werften des Dorfes gebaut, befahren in diesem Augenblicke den Schwielow, die Havel, die Spree. Das gewöhnliche Ziel, wie schon angedeutet, ist die Hauptstadt. Aber ein Bruchteil geht auch havelabwärts in die Elbe und unterhält einen Verkehr mit Hamburg.

Caputh  -  das Chicago des Schwielow-Sees  -  ist aber nicht bloß die große Handelsempore dieser Gegenden, nicht bloß End- und Ausgangspunkt der zauche-havelländischen Ziegeldistrikte, nein, es ist auch Stationspunkt, an dem der ganze Havelverkehr vorüber muß. Der Umweg durch den Schwielow ist unvermeidlich; es gibt vorläufig nur diese eine fahrbare Straße.

...Am lebendigsten aber ist es auf der Caputher Reede, wenn irgendein großer Festtag einfällt und alte gute Sitte die Weiterfahrt verbietet. Das ist zumal um Pfingsten. Dann drängt alles hier zusammen; zu beiden Seiten des »Gemündes« liegen 100 Schiffe oder mehr, die Wimpel flattern, und hoch oben vom Mast, ein entzückender Anblick, grüßen hundert Maienbüsche weit in die Ferne.
...
Unter Gesprächen, deren Inhalt ich in vorstehendem zusammenzufassen gesucht habe, hatten wir das Dorf nach Norden hin passiert und hielten jetzt an einer Havelstelle, von wo aus wir über einen parkartigen, grüngemusterten Garten hinweg auf das Herrenhaus sehen konnten, einen Hochparterrebau, mit Souterrain und zweiarmiger Freitreppe.

Schloß Caputh von der Seeseite
Schloß Caputh von der Seeseite - die zweiarmge Freitreppe ist gut zu erkennen, ebenso das Hochparterre.

Dies Herrenhaus führt den Namen »Schloß«, und trotz bescheidener Dimensionen immer noch mit einem gewissen Recht, wenigstens seiner inneren Einrichtung nach. ...

Schloß Caputh ...<zerfiel> im Dreißigjährigen Kriege ... oder wurde zerstört, und erst von 1662 an erstand hier ein neues Leben. In diesem Jahre ging Caputh, Dorf wie Schloß, in den Besitz des Großen Kurfürsten über und verblieb ... 150 Jahre lang bei der Krone. ...

aus: Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Dritter Teil: Das Havelland, Kap 71, gedruckt erstmalig  in der „Neuen Preußischen Kreuz-Zeitung“ 1870, zit. nach https://projekt-gutenberg.org

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Schloß Caputh
Das Innere des Schlosses ist größtenteils nicht mehr original. Es gibt ein paar Portraits der beiden Friederiche und von Dorothea, es gibt ein paar Möbel, aber es ist nicht so wie in Sanssouci oder im Neuen Palais. Im Tiefparterre ist der Sommerspeisesaal zu sehen - ein mit Delfter Kacheln vollständig verkleideten Raum, der durch die Kachelung immer ein paar Grad kühler ist als die anderen Räume. Durch die kleineren Fenster ist er recht dunkel und die Lampen blenden so, daß man nicht fotografieren kann. Fotos von Kachelwänden finden sich aber auch im Internet. In Schloß Augustusburg (bei Köln) hatte man noch genug Möbel und Geschirr um diesen Raum auszustatten - hier sind es nur die Kacheln. Den - nicht vorhandenen - Brunnen in der Wandnische muß man sich auch vorstellen.

Im Schlafgemach des Kurfürsten gibt es ein paar Bilder, zwei Kerzenleuchter, einen Stuhl und eine rosafarbene Wand mit Goldschmuck. Mit allen Erklärungen ist man in einer halben Stunde  durch. Ein Cafe gibt es nicht.

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Fähre Caputh-Geltow
Der Lichtblick ist die Weiterfahrt mit einer kleinen Fähre (Seilfähre) über die Havel nach Geltow, Richtung Werder. Die Fähre ist ausgeschildert, der Weg dahin führt durch das Dorf. Das Schild „Handbremse anziehen!“ am Fährgitter sorgt zwar erst für eine gewisse Erheiterung, aber beim Anlegemanöver wird alles klar: Ganz ohne Rums geht es nicht. Viel Spaß für kleines Geld.

Fähre Caputh-Geltow, Auto mit Mensch: € 2,00, jede weitere Person: € 0,50.

Das Bild verdeutlicht, warum man die Handberemse besser anziehen sollte.
Das Foto auf dem Schlagbaum verdeutlicht, warum man die Handberemse besser anziehen sollte.

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