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Gymnasium - Schinkeldenmal - Probleme
- Nach
Neuruppin fährt man wegen Theodor Fontane und Karl-Friedrich Schinkel.
Fontanes Eltern hatten in Neuruppin die Löwen-Apotheke und Theodor ging
dort aufs Gymnasium, bis der Vater im heute polnischen Swinemünde eine
andere Apotheke übernahm, weil er wegen Spielschulden die eigene
Apotheke verkaufen mußte. Auch wenn Fontane seiner Karriere
dann in Berlin begann, ließen ihm die Neuruppiner das Denkmal errichten
und außer der Apotheke und dem Gymnasium gibt es noch etliche Spuren
aus Fontanes Zeit der „Kinderjahre“, wie er später Kindheit und Jugend
literarisch beschrieben hat:
- An
einem der letzten Märztage des Jahres 1819 hielt eine Halbchaise vor
der Löwen-Apotheke in Neu-Ruppin, und ein junges Paar, von dessen
gemeinschaftlichem Vermögen die Apotheke kurz vorher gekauft worden
war, entstieg dem Wagen und wurde von dem Hauspersonal empfangen. Der
Herr - man heiratete damals (unmittelbar nach dem Kriege) sehr früh -
war erst dreiundzwanzig, die Dame einundzwanzig Jahre alt. Es waren
meine Eltern. ....
 - Da sitzt er da, als wolle er gleich wieder anfangen zu fabulieren - eine Fähigkeit, die mehr und mehr Menschen verlorengeht,
- Fontanes Denkmal von Max Wiese am Fontane-Platz/Seestraße
- ...
Ostern 1819 hatte mein Vater die Neu-Ruppiner Löwen-Apotheke in seinen
Besitz gebracht. Ostern 1826, nachdem noch drei von meinen vier
Geschwistern an eben dieser Stelle geboren waren, gab er diesen Besitz
wieder auf. Dieser frühe Wiederverkauf des erst wenige Jahre zuvor
unter den günstigsten Bedingungen, man konnte sagen »für ein
Butterbrot«, erstandenen Geschäfts wurde später, wenn das Gespräch
darauf kam, immer als verhängnisvoll für meinen Vater und die ganze
Familie bezeichnet. Aber mit Unrecht. Das »Verhängnisvolle«, das sich
viele Jahre danach – glücklicherweise auch da noch in erträglicher
Form, denn mein Papa war eigentlich ein Glückskind – einstellte, lag
nicht in dem Einzelakte dieses Verkaufs, sondern in dem Charakter
meines Vaters, der immer mehr ausgab, als er einnahm, und von dieser
Gewohnheit, auch wenn er in Ruppin geblieben wäre, nicht abgelassen
haben würde. Das hat er mir, als er alt und ich nicht mehr jung war,
mit der ihm eigenen Offenheit viele, viele Male zugestanden. »Ich war
noch ein halber Junge, als ich mich verheiratete«, so hieß es dann
wohl, »und aus meiner zu frühen Selbständigkeit erklärt sich alles.« Ob
er darin recht hatte, mag dahingestellt sein. Er war überhaupt eine
ganz ungeschäftliche Natur, nahm ihm vorschwebende Glücksfälle für
Tatsachen und überließ sich, ohne seiner auch in besten Zeiten doch
immer nur bescheidenen Mittel zu gedenken, der Pflege »nobler
Passionen«. Er begann mit Pferd und Wagen, ging aber bald zur
Spielpassion über und verspielte, während der sieben Jahre von 1819 bis
26, ein kleines Vermögen.
Theodor Fontane: Meine Kinderjahre, 1. Kapitel
zit. nach http://gutenberg.spiegel.de/buch/meine-kinderjahre-4447/3 am 28. Juli 2016
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- Gymnasium
Nun
hatte Fontane insofern Glück, weil die Schule in Swinemünde den Eltern
des achtjährigen Theodors so schlecht erschien, daß die Mutter ihn, als
er fünfzehn war, dort abmeldete, wieder nach Neuruppin verfrachtete
und dort ein Jahr aufs Gymnasium steckte.

- Das
Neuruppiner Gymnasium gibt es noch heute, aber nicht mehr in diesem
Gebäude. 1982 machte die DDR-Regierung daraus ein Kulturzentrum.
Danach erschien es ihr
angebracht, ihn nach Berlin auf eine Gewerbeschule zu schicken und
ebenfalls Apotheker werden zu lassen. Zwischendurch hatte sich Theodor
in Emilie Rouanet-Kummer verliebt, ein damals zehnjähriges
Nachbarskind, die er später heiratete, als er nicht mehr als Apotheker
arbeiten mußte. Die Neuruppiner haben es da natürlich schwer, ihren
berühmtesten Sohn zu vermarkten, weil der ja nun nicht als Neuruppiner Apotheker
berühmt wurde, sondern als Berliner Schriftsteller.
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- Schinkeldenkmal
- Es
bleibt noch das Denkmal für Karl Friedrich Schinkel auf dem Kirchplatz, dort, wo das alte Pfarrhaus, Schinkels
Elternhaus stand, denn der Vater war Pfarrer hier. 1853 wurde das Denkmal zu Ehren des mittlerweile europaweit
bekannten Architekten dort aufgestellt. Nun hatte der seit seinem 13.
Lebensjahr seinen Lebensmittelpunkt auch nicht mehr in Neuruppin,
sondern war nach mit der Mutter nach Berlin gezogen und machte später dort Karriere, als er
der Königin Luise ihr Schlafzimmer im Neuen Palais plante. Schnell
wurde Schinkel preußischer Oberbaurat, der für alle wichtigen Bauten
zwischen Berlin und Königsberg zuständig war, sozusagen der persönlicher
Architekt des Hauses Hohenzollen und besonders des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III.
- Das Schinkeldenkmalliegt
nur ein paar Schrtte vom ehemaligen Gymnasium entfernt, am Kirchplatz.
Wie Fontanes Denkmal ist es von Max Wiese geschaffen. Es wurde in der
Vergangneheit auch versetzt, steht aber nun
wieder am historischen Platz und wurde 2003 saniert. Im nächsten Jahr
soll der Platz in „Schinkel-Platz“ umbennnt werden. Entlang der
Karl-Mar-Straße kann man alle Stationen besichtigen: zwei Denkmäler,
die Löwen-Apotheke und Fontanes/Schinkels Schule.

Das Schinkeldenkmal
liegt nur ein paar Schrtte vom ehemaligen Gymnasium entfernt
- Mit Schunkel verehren die Neuruppiner
jemanden, der erst berühmt wurde, als er die Stadt verließ. Fontane schreibt über ihn:
- Er
hat seine Biographie nicht geschrieben, und wiewohl seine mittlerweile
herausgegebenen »Briefe und Tagebücher« ein Material von seltener
Reichhaltigkeit für das spätere Leben Schinkels bieten, so schweigen
sie doch über seine Kinderjahre. Ich habe an seinem Geburtsorte
nachgeforscht. Es lebten noch Personen, die ihn als Kind gekannt
hatten, und ich gebe in nachstehendem, was ich über ihn erfuhr. Sein
Vater war Superintendent in Ruppin und starb infolge der Anstrengungen,
die er während des großen Feuers, das im Jahre 1787 die ganze Stadt
verzehrte, durchzumachen hatte. Auch die Superintendentenwohnung ward
in Asche gelegt, so daß von dem Hause, darin Schinkel geboren wurde,
nichts mehr existiert. Es stand ungefähr an derselben Stelle, wo sich
die jetzige Superintendentenwohnung befindet, aber etwas vorgelegen,
auf dem jetzigen Kirchplatz, nicht an demselben. Die Mutter Schinkels
(eine geborne Rose und der berühmten gleichnamigen Gelehrtenfamilie,
der die Chemiker und Mineralogen Valentin, Heinrich und Gustav Rose
zugehörten, nahe verwandt) zog nach dem Hinscheiden ihres Mannes in das
sogenannte Predigerwitwenhaus, das, damals vom Feuer verschont
geblieben, sich bis diesen Tag unversehrt erhalten hat. In diesem
Hause, mit dem alten Birnbaum im Hof und einem dahinter gelegenen
altmodischen Garten, hat Schinkel seine Knabenzeit vom sechsten bis
vierzehnten Jahre zugebracht.
Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg - Kapitel 18
zit. nach http://gutenberg.spiegel.de/buch/wanderungen-durch-die-mark-brandenburg-4452/18 am 6. August 2016
- Zum Trost:
Bonn hat das gleiche Problem mit Beethoven - auch der machte erst
Karriere, als er nach Wien zog, denn in Bonn durfte er seinen
Orgellehrer nur bei der Frühmesse für den Kurfürsten vertreten. Ob
Schinkel, Fontane oder Beethoven: Städte bekommen immer dann Probleme,
wenn es keine Perspektive gibt und die Jugend die Stadt verläßt. Häuser
wie das unten abgebildete fand man um 2006 als Zeichen einer fehlenden Zukunftsperspektive
noch häufiger, doch
mittlerweile sind sie glücklicherweise die Ausnahme geworden.
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- Probleme
- Trotzdem
merkt man, daß in
Brandenburg die Städte Potsdam und Cottbus den meisten Rahm abschöpfen
und die
Kleinstädte bekommen Probleme eine Struktur zu entwickeln, weil die
Jugend vom Land weg in den Speckgürtel rund um Berlin drängt und nur
die Alten auf dem Dorf und in der Kleinstadt bleiben. Wenn die
wegsterben, verfallen die Dörfer und es gab bereits 2006
Überlegungen, solche Dörfer aufzugeben. Bislang ist das in Neuruppin aber kein Thema.

- Links zu Neuruppin:
https://www.martinschlu.de/kulturgeschichte/neunzehntes/vormaerz/fontane/1819.htm
http://www.karl-friedrich-schinkel.de/ - http://www.neuruppin.de/kultur-tourismus/kultur/karl-friedrich-schinkel/denkmal.html
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