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Oberhausener Schloß - Arena - Innenstadt - Centro - Gasometer - Hotel und Gastronomie
Ich komme ja aus dem Ruhrgebiet und habe die ganze Industriezeit der 1960er Jahre hautnah erlebt. Abends konnte man meistens den roten Himmel über den Schmelzöfen in Bochum und Dortmund erleben, Gasometer standen in den meisten Stadtteilen und die Schließung eines Stahlwerkes in Bochum wurde frenetisch hochgejazzt zum „Strukturwandel“, weil man in Laer das Stahlwerk abriß und ein Opel-Werk baute. Die Kumpels von früher wurden „Opelaner“ und einen dort gebauten Zafira habe ich bis vor ein paar Jahren noch gefahren. Mittlerweile ist der Strukturwandel noch einmal passiert, das Bochuner Opel-Werk ist längst geschlossen und abgerissen und die vielen Gasometer werden auch nicht mehr gebraucht, weil es kaum noch Stahlproduktion gibt. Näheres kann man im Krupp-Museum der Villa Hügel begucken. Nicht nur in Bochum und Dortmund mußten sich die Städte neu erfinden, auch die Oberhausener hatten in den letzten fünfzig Jahren dieses Probleme zu lösen, denn obwohl die Region schon vor weit über tausend Jahren besiedelt wurde, boomte die Stadt erst seit der Stahlproduktion zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Über die Emscher und die Ruhr kamen die Rohstoffe in die Stadt und über die Häfen in Oberhausen wurden die Produkte verschifft. Die Stadt hatte 1915 auf einmal über 100.000 Einwohner, obwohl sie nicht besonders groß war und Mitte der 1960er Jahre war die Viertelmillion überschritten und der Höchststand erreicht. Außerhalb der Stahlwerke gab es die Werkswohnungen und rund um das Rathaus der alte Innenstadt waren die Kneipen, die Tante Emma-Läden und die Trinkhallen (spezielles Ruhrgebietsbüdchen mit Pilsken fürn Pappa, Hefte für die Mamma und Süßigkeiten für die Blagen). In den 1920er Jahren kam man auf die Idee, das bei der Kokerei entstandene Gas nicht mehr abzufackeln sondern zu speichern, und so baute man Großbehälter für dieses Gas, die Gasometer. Das Oberhausener Exemplar ist fast hundertzwanzig Meter hoch, fast siebzig Meter im Durchmesser und galt 1927 als technische Meisterleistung. Es war dann auch entsprechend teuer. ![]() Ein typischer Gasometer des Ruhrgebiets nach oben Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt als Industrieziel bombardiert und auch der Gasometer zerstort, doch nach dem Krieg wurde er wieder aufgebaut. Ab den 1980er Jahren wurde er allerdings nicht mehr gebraucht, weil die Kokerei geschlossen wurde, man auf das billigere Erdgas umsteigen konnte und ab 1988 war das Bauwerk zur Industrieruine geworden. Er blieb stehen, weil dies billiger war, doch man wußte nicht so richtig, wohin damit. Oberhausen ging es damals auch nicht gut. Die erste stillgelegte Zeche wurde 1968 noch bundesweit beachtet, die nächsten Stillegungen wurden schon nicht mehr erwähnt und als 1992 die letzte Zeche dichtmachte, hatte Oberhausen eine der höchsten Schuldenquoten Deutschlands - schlimmer noch als Gelsenkirchen heute. weiter Die Rettung kam aus der Kultur. ![]() Schloss Oberhausen - mit der Ludwiggalerie ein kulturelles Highlight. nach oben Die Schokoladenfürsten Peter und Irene Ludwig (u.a. Trumpf-Schokolade) hatten ihr Leben lang die Gewinne aus der Schokoladenherstellung in Kunst investiert und brauchten ab 1980 ein Gebäude, um ihre Schätze zu zeigen. In Köln wurde das Museum Ludwig gebaut, in Oberhausen stand das Schloss des Grafen Westerholt zur Verfügung, das seit der Nachkriegszeit 1947 als städtisches Museum wieder aufgebaut und restauriert worden war und eine mittlere Kunstsammlung der Stadt von etwa 2000 Objekten beherbergte. Die Ludwigs brachten in Oberhausen etwa 700 Exponate ein und seitdem heißt das Schloß „Ludwigsgalerie“. 1990 wurde der neue Anbau fertiggestellt und zweimal im Jahr gibt es Ausstellungen, die man nur sensationell nennen kann. 2013 sah ich das erste Mal eine solche Ausstellung (Bert Sterns Marylin Monroe-Fotos kurz vor ihrem Tod), zu Jahresbeginn 2023 war es die Ausstellung zu Loriots hunderstem Geburtstag („Ach, was!“) und im Sommer 2025 war es Udo Lindenberg, der als Maler umfassend gewürdigt wurde („Kometenhaft panisch...“). ![]() Obenr: Der Schloßflügel mit dem Plakat zur Lindenberg Ausstellung. Ein Klick auf das Plakat führt zur Werbung „Loriot zum Hundersten“ Unten: Udos Denkmal im Schloß ![]() Wenn man nach zwei bis drei Stunden eine Pause braucht, gibt es in die Schlossanlage integriert den „Kaisergarten“, ein Restaurant mit Biergarten. Es ist das gescheiteste Restaurant in der Nähe, das Essen ist gut und man rechnet pro Person € 30,00. nach oben Die Stadt erfand sich weiter. Der Gasometer bekam ab 1993 einen Umbau zur Ausstellungshalle und zum Publikumsmagnet, die alte Innenstadt wurde im Prinzip aufgegeben und durch das Centro ersetzt und in den letzten Jahren kamen noch ein Musical-Theater (Metronom) und etliche benachbarte Hotels dazu, damit die Besucher noch eine Nacht länger blieben. So ist um das Centro ein regelrechtes Industriegebiet entstanden, das täglich von Zigtausenden besucht wird und es gibt entsprechend viele Parkhäuser und lange Wege. Daß die Oberhausener Arena nun „König Pilsener-Arena“ heißt, ist dem Zeitgeist geschuldet und war schon so, als ich 2010 mit meinen pubertierenden Töchtern ein unvergeßliches Konzert von „Tokio Hotel“ dort sah - ca. 16.000 Töchter machten mehr Lärm als die Band und ca. 4.000 Väter dachten wohl mit Grauen an die Rückfahrt. Es hatte damals eine Stunde gedauert, im Dunkeln das richtige Parkhaus zu finden und noch einmal eine Stunde um wieder auf die Autobahn zu kommen. ![]() Ein Teil der Oberhausener Arena hinter dem Centro nach oben Nein, schön ist das alles nicht, aber dem Zweck geschuldet. Die Besucherzahlen des Gasometers sind jedes Jahr sechsstellig, in der Stadt insgesamt sind es nun weit über 20 Mio. Besucher und es wird mit dem Tourismus auch viel Geld verdient, aber man fährt nicht nach Oberhausen um die Stadt zu sehen, weil es eine touristische Innenstadt nicht gibt. Einmal haben meine Frau und ich es versucht und hatten ein Hotel in der Nähe des Rathauses. Leider gab es außer diesen beiden Adressen nur noch einen „Matratzen-Concord“, zwei Dönerbuden und eine Frittenbude. Auf Nachfrage sagte man uns, wer einkaufen wolle, müsse eben ins „Centro“. ![]() Oben: Die „Innenstadt“ in der Helmholtzstraße Unten: Es gibt in Oberhausen auch ein Theater, aber ich war noch nicht drin. ![]() Es gibt in Oberhausen zwar auch ein richtiges Theater, aber der Spielplan hat mich nicht vom Hocker gehauen und mit Köln, Bonn oder Frankfurt kann es nicht mithalten. Dafür gibt es mit dem Metronom (im „Westfield CentrO-Einkaufszentrum“) eine Musical-Spielstätte für den Mainstream und das ist wohl ganz gut ausgelastet - wenn ich da war, war es immer voll. Mit Töchtern und Enkelinnen kann man sich nicht vor dem Centro drücken und so machen wir immer einen Kompromiß, wenn es mal wieder so weit ist. Der Nachwuchs strolcht durch die Läden und wir bleiben im Café. Ab einem gewissen Alter braucht man die Modemarken ja nicht mehr und in welchem Café wir auf die Blagen warten, ist uns wurscht. Dort findet man zumindest ein Klo in der Nähe - im Centro muß man länger laufen (manchmal läuft es dann schon vorher...) ![]() Das Centro (kleiner Ausschnitt) - ein Paradies für die Jüngeren, ein Alptraum für die Älteren. Oberhausen ist heute also eine Art Kulturstadt, wenn man den Schwerpunkt auf Unterhaltung und shopping legt. Im Westfield CentrO-Einkaufszentrum liegt alles beisammen: Musicaltheater, Centro, Industriegebiet und Hotels. Im Hotelzimmer des Super 8 zwischen der vierspurigen Osterfelder Straße (B231), der Bahnlinie und dem Brammenring wird es nicht langweilig und wer die Verkehrsgeräusche mag, fühlt sich hier wohl. Dafür ist es preiswert und das Frühstück ist gut. Nur der Weg zum Theater (Luftlinie keine 100 Meter) ist kompliziert, weil es keine Brücke über die Straße gibt und so muß man eben einen guten Kilometer laufen, bis man am Theater ist. Dafür ist ein gutes Restaurant (Xiao) direkt neben dem Hotel und wenn keine Vorstellung im Metronom ist, bekommt man auch ohne Anmeldung einen Tisch und kann essen, soviel man mag - pro Person rechnet man ca. € 30,00. ![]() Ein Teil des Buffets im Xiao. nach oben |
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