martinschlu.de San Michele, die Friedhofsinsel
Text und Fotos: Martin Schlu, Stand 10. Februar 2026

                                                
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Die Toteninsel San Michele - der Friedhof der Venezianer


San Michele ist die Friedhofsinsel von Venedig. Das hört sich erstmal ziemlich unspektakulär an, doch dahinter steckt viel mehr. Weil es Venedig kaum Erde gibt und selbst der Untergund aus versteinerten Bäumen besteht, konnte man in der Stadt nur wenige Gräber anlegen. Weil man eben nicht tief genug graben konnte, gab es häufig Verwesungsgerüche und ein Gesundheitsrisiko waren die so begrabenen Leichen sowieso.

Als Napoleon Venedig erobert hatte, verfügte er, draußen in der Lagune auf einer Insel einen zentralen Friedhof für die Stadt anzulegen. Zunächst nahm man die Insel San Christoforo, doch die wurde schnell zu klein. Man schüttet den Kanal zur Nachbarinsel San Michele zu, vereinigte beide Inseln und  zog eine große Mauer um das Areal. Damit ist die Insel schon von weitem zu erkennen.
Die Särge brachte man mit dem Boot bis oben an die Haupttreppe und dann zu den Gräbern.

Oben:Das alte Portal von San Michele
Oben: Das alte Portal von San Michele, Ansicht vom Wasser aus. Die meisten Bäuem stammen aus der Napoleonischen Zeit.
Unten: Ansicht vom Friedhof aus. Hier kamen die Särge früher an, bevor der Seitenangang gebaut wurde.

Die Friedhofsinsel San Michele

Die Insel ist sehr planmäßig angelegt - auch das ist Napoleon zu verdanken. Die etwa dreißig Gräberfelder sind systematisch sortiert: Mausoleen, Urnenwände, Sargfelder, französische, deutsche und englische Abteilungen, Kindergräber und Friedwiesen. Am Friedhofseingang kann man einen Lageplan ausleihen um bestimmte Gräber zu finden.

Bis heute wurden viele Menschen auf San Michele bestattet, doch irgendwann wurde auch dort der Platz knapp. Seitdem gibt es zwei Möglichkeiten für die Bestattung: Entweder werden die Särge verbrannt und die Urnen mit der Asche in Urnenräumen aufbewahrt oder gleich in regelrechte Urnenwände eingemauert. Außerdem wurden die Liegezeiten von ewig auf etwa fünfzig Jahre verkürzt.

Einer von mehreren Urnenräumen
Einer von mehreren Urnenräumen

Wer berühmt oder für Venedig wichtig war, darf bleiben. Zu den berühmten Toten gibt es eine Wegekarte und  berühmte Gräber von Igor und Vera Strawinsky, Esra Pound, Joseph Brodsky, Serge
Diaghilew, Luigi Nono und vielen anderen bleiben natürlich - ob wirklich ewig, wissen wir aber nicht. Die Pflege übernehmen die städtischen Friedhofsgärtner und die Restauratoren. Doch irgendwann sind keine Angehörigen mehr da, die die Grabpflege bezahlen. Dann wartet man eine Zeitlang ab, ob sich jemand meldet und erst dann wird das Grab endgültig aufgelöst.

Erst wenn ein Grab so verfallen ist und es keine Angehörigen mehr gibt, wird es aufgelöst.
Erst wenn ein Grab so verfallen ist und es keine Angehörigen mehr gibt, wird es aufgelöst.

Was dann noch übrig ist, wird ausgegraben und auf einer anderen Toteninseln, weit draußen in der Lagune, entsorgt, die Knochen werden aufeinander geschichtet, der Zugang zur Insel ist
strengstens verboten und in Google Maps ist die Insel ein einziger grüner Fleck, weil die Flora natürlich alles überwuchert. So ähnlich machten die Pariser es auch seit dem 18. Jahrhundert in ihren Katakomben. Da bleiben die Toten vermutlich wirklich ewig.

Das uralte Kloster auf San Michele ist bis heute von Mönchen bewohnt. Diesen Teil kann man natürlich nicht besichtigen, aber man kann in die Kirche. Was man unbedingt mitnehmen sollte, ist ein gutes Mückenmittel, denn die kleinen, blutrünstigen Viecher haben hier alles was sie brauchen: Feuchtigkeit, Wärme und Schatten. Wir haben mit den heimische Mückenmitteln bessere Erfahrungen gemacht als mit den italienischen - vielleicht haben sich die Mücken schon an die italienischen Düfte gewöhnt.

Wenn man von Fundamentum nuove nach Murano oder weiter fährt, zeigen die Engel in der Lagune den Weg. Die Haltestelle heißt „cimitero“.

Die Engel kennen den Weg.
Oben: Die Engel kennen den Weg.
Unten: Die Protagonisten des „Ballette russes“ (Feuervogel, Petrouschka, Sacre): Igor Strawinsky und Sergei Diaghilev fast nebenenander.
Unten: Das Grab von Sergei Diaghilew
das Grab von Sergei Dhiagilew

Auf Diaghilews Grab legen Tänzer bis heute Ballettschuhe ab. Oft sind sie signiert und wir haben Schuhe einer russischen Tänzerin gesehen und auch Schuhe der Hamburger John Neumeier-Company waren dabei. Die Hamburger hatten ein Gastspiel in der Fenice und da wurde naürlich Diaghilew geehrt. Strawinski liegt mit seiner Frau ein paar Meter weiter, Luigi Nono fand ich erst nach längerem Suchen. Man sollte bei jedem Venedig-Besuch einmal über den Friedhof laufen - es gibt immer etwas zu sehen.

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