Hompeage Martin Schlu
Château de Lourmarin
Text und  Fotos:  Martin Schlu   
Stand: 30. Mai  2026 

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Aix-en-provence


Château de Lourmarin


Das Château de Lourmarin liegt zwischen Avignon und  Aix-en Provence, zwanzig Kilometer nördlich im Gebirge des Luberon und ist über die D 943 bei Cadenet gut zu erreichen. Seit dem 12. Jahrhundert gab es dort eine Burg, die die Familie Foulques d' Agoult im 15. Jahrhundert zur Festung erweitern ließ. Die d'Agoults waren seit dem 10. Jahrhundert sehr einflußreich und eine spätere Nachfahrin war Marie d' Agoult, die 1837 mit dem Klaviervirtuosen Franz Liszt die Tochter Cosima bekam, die später den Komponisten Richard Wagner heiratete - Zusammenhänge, die man öfter in Adelsfamilien findet.



Dem Bau der Festung vorangegangen war eine Abwanderung der Dorfbevölkerung in die tiefer gelegene Ebene, weil sich die Landwirtschaft dort leichter betreiben ließ. In die freigewordenen Häuser der Ortschaft ließ der Burgherr ab 1470 Waldenser ansiedeln, eine frühe Vorform von Protestanten, die aus Norditalien vertrieben worden waren und in einer Art Klostergemeinschaft ohne persönliche Besitz lebten. Der verlassene Ort wurde wieder aufgebaut und instandgesetzt, Sumpfgebiete wurden trockengelegt und die Berghänge bewirtschaftet.

D
as Dorf blühte wieder auf.

Das Dprf Lourmarin von der Schloßterasse aus gesehen.
Das Dprf Lourmarin von der Schloßterasse aus gesehen.


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Um 1500
verkauften die d' Agoults ihr Anwesen und die neuen Besitzer ließen die Anlage ab 1526 zum ersten Rennaissanceschloß der Provence umbauen. Zwei Geschosse wurden auf die Anlage gebaut und der neue Treppenturm bestand aus 93 Steinplatten, die Stück für Stück auf das Mauerwerk gelegt wurden und eine doppelte Treppenspirale bildete - durchaus etwas Besonderes und ein Grund dafür, daß man die fünfhundert Jahre alten Stufen nicht einfach austauschen kann.

Fünfhundert Jahre alte Steinstufen sind natürlich ausgetreten und werden ab und zu ausgebessert.
Fünfhundert Jahre alte Steinstufen sind natürlich ausgetreten und werden ab und zu ausgebessert.(Foto: Susanne Coburger-Schlu)


Die Schloßanlage behielt den Wehrcharakter, doch es wurden luxuriöse Räume geschaffen, eine Terasse im ersten Stock angelegt und Wege und der Park erneuert. Die Küche wurde so gebaut, daß man einen Ochsen oder zwei Schafe gleichzeitig braten konnte und die Größe der Küche läßt auf eine hohe Personenanzahl schließen, die hier versorgt werden konnte - vergleichbar einer heutigen großen Hotelküche.

Die Größe des Kamins läßt Platz für einen Ochsen am Spieß - oder für zwei Schafe gleichzeitig
Die Größe des Kamins läßt Platz für einen Ochsen am Spieß - oder für zwei Schafe gleichzeitig


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Über den Treppenturm erschlossen sich die Wohn- und Gesellschaftszimmer. Zwei Fenster in den Damen- und Herrenräumen sind auch ein Zeichen für Luxus und weitere Räume boten Platz für eine Bibliothek, Säle zum Musizieren, zum Tanzen und alles, was man als regionaler Herrscher unter dem König so brauchte. Der Fußboden wurde mit kleinen Fliesen belegt, die die Räume kühler machten - Teppiche brauchte man nur im Winter. Auch die Fliesen liegen seit 500 Jahren so wie beim Einbau.

Das „chambre d'Honneur“,  das Damenzimmer
Das „chambre d'Honneur“,  das Damenzimmer


Vom Fenster aus hatte man einen Blick in den Park und auf das Dorf und die Lebensqualität auf dem Schloß dürfte sehr hoch gewesen sein. Das ging auch fast zwanzig Jahre gut.

1546 hatte sich die Reformation in Deutschland etabliert und der französische König ließ Protestanten verfolgen. Zuerst traf es die Waldenser und unter Führung des Präfekten von Aix-en-Provence wurde das Dorf Lourmarin gebrandschatzt. Dabei wurden rund 3.000 waldensische Bewohner getötet und die Überlebenden verließen die Provence, gingen zurück ins Piemont oder wanderten nach Amerika aus. Dort wurden Siedler gebraucht.

Der Ort verfiel, das Schloß wurde verkauft, doch bis zur Revolution 1789 nicht mehr regelmäßig bewohnt.

Ansicht des Schlosses vom Park
Ansicht des Schlosses vom Park

Nach der Revolution traute sich kein Adeliger mehr in einem Schloß zu wohnen. Daher wurde das Anwesen mehrere Male mit Verlust verkauft und verfiel bis nach dem Ersten Weltkrieg. Fotos aus der Kellerausstellung zeigen Ansichten von Ruinen, teilweise ohne Fenster.

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Es war der Lyoner Kosmetikmagnat Robert Laurent-Vibert, der sein Vermögen erst in Reisen bis nach Afrika ausgab und dann das Schloß entdeckte. 1920 beauftragte er den Architekten Henri Pacon mit der Restaurierung des Baus. Dessen Fertigstellung erlebte Laurent-Vibert allerdings nicht mehr, weil, er 1925 bei einem Autounfall umkam. Vorher hatte er allerdings ein Testament verfügt, in dem er sein gesamtes Vermögen in eine Stiftung übertragen hatte, die das Schloß fertigstellen und der Öffentlichkeit zugänglich machen sollte. Bis heute gibt es seitdem regelmäßige Aufenthalte von jungen Malern*, Musikern*, Schriftstellern* und Denkern*, die für ein paar Wochen hier leben und arbeiten können - ähnlich der Villa Medici in Rom. Beim Besuch entdeckten wir Gemälde und Objekte von Künstlern*, die man für Beträge zwischen € 500,00 und € 5.000,00 kaufen konnte. Anmerkung

Link zu den Veranstaltungen








Châteu des Lourmarin, 2 Avenue Laurent Vibert, 84160 Lourmarin,
Eintritt € 8,00, ermäßigt € 3,50, Kinder unter sechs frei


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Anmerkung
Ein * meint die politisch korrekte Bezeichnung und stört nicht den Lesefluß.