Hompeage Martin Schlu
Die Provence - weit mehr als Lavendel
Text und  Fotos:  Martin Schlu,   
Stand: 3. Juni  2026

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Aix-en-Provence

Arles

Avignon

Grasse

Haut-Provence


Nîmes

Nizza




an die Côte d' Azur


in die Camargue


Ferienwohnung - Verkehrsmittel -  Ausflüge - Beobachtungen - Literatur

Die Provence verdankt ihren Namen den Römern, die das Gebiet des südöstlichen Galliens einfach als „Provinz“ bezeichneten. Wer mit Asterix vertraut ist, weiß, daß die Römer nie die absolute Kontrolle über die „provincia“ hatten, auch wenn das berühmte gallische Dorf in Aremorica lag (Bretage, etwa bei Rennes). Die Côte d' Azur und die Camargue sind Bestandteile der Provence.


Das Tal vor der Parfumstadt Grasse
Das Tal vor der Parfumstadt Grasse

Nun ist die Provence ein größerer Teil Frankreichs und umfaßt das Rhône-Gebiet von den Alpen im Norden (Haut Provence), über Arles und Avignon im Westen, die Gebiete bis zur italienischen Grenze im Osten (Menton) bis zur Mündung der Rhône im Süden (Carmague). Eigentlich ist die Provence  die gesamte Region Südfrankreich, aber eine genaue Grenze findet man nicht und wenn man Franzosen fragt, definieren sie sich nicht als Provenziale, sondern als Einwohner Marseilles, oder Nizzas oder sonstwas. Zu Hause sagt ja auch keiner, er käme aus NRW.
Aus Gründen der Praktikabilität - und weil ich sowieso subjektiv schreibe - liste ich nach besuchten Orten auf. Alles andere wäre Quatsch.

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Ferienwohnung

Eine Ferienwohnung besorgt man sich im Schnittpunkt der Ziele, die man sich begucken will. Unsere lag in der Nähe von Aix-en-Provence (Célony), nahe der Straße nach Avignon, und war vermutlich ein umgebauter Stall. Positiv waren die Klappläden, die die schlimmste Sonne abwehrten, ein solides Stahltor mit Funkauslöser, ein modernes Bad mit einer modernen Küche, eine vorhandene Waschmaschine und eine schöne Terasse. Negativ fielen die fehlenden Mückengitter auf und ein Kühlschrank, in den man keine Weinflasche senkrecht stellen konnte weil er zu klein war. Die Klimaanlage brauchte man bei 26° nachts, doch im Juli und August wird es hier am Nachmittag sogar über 40°  heiß.

Die Ferienwohnung in Celony
Die Ferienwohnung in Célony (150 Chemin des plaines, 13090 Aix-en-Provence)

Von hier aus war man schnell auf der Autobahn und den Nationalstraßen und hätte locker nach Aix-en-Provence oder Avignon fahren können (wenn wir uns nicht bei Temperaturen über 30° einen Aufenthalt in den noch heißeren Städten verkniffen hätten). In gut zwei Stunden waren wir auch an den schönen Zielen der Haut Provence, das Vasarely-Museum in Aix wurde besucht (es war klimatisert) und das Cézanne-Atelier war leider dauerhaft geschlossen.

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Verkehrsmittel
Generell ist es schwierig, hier von A nach B zu kommen und das hat mehrere Gründe:

Es gibt ein Bussystem, das im Prinzip jedes Dorf erreicht, aber das dauert, wenn die Busse nur fünfmal am Tag dort abfahren. Innerhalb der größeren Städte (ab 50.000 Einwohner) fahren die Busse natürlich öfter, doch die Geheimnisse der Abfahrtszeiten sind nur etwas für Einheimische. Eine Bus-App ist nicht selbstverständlich.

Zugverbindungen gibt es zwischen  den größeren Städten, doch die Kombination zwischen Zug und Bus ist nur etwas, wenn man mehrere Stunden unterwegs sein kann, weil es einfach dauert. Im Normalfall ist man eben nicht mit dem TGV zwischen Paris, Lyon und Marseille unterwegs sondern zu den Sehenswürdigkeiten der Provence und die liegen einfach nicht an Bahnhöfen.

Das Fahrrad ist auch keine Alternative. Radwege zwischen den Orten gibt es meistens nicht und die Distanzen betragen auch schon mal fünfzig Kilometer ohne Rastmöglichkeit (wie von Les Sts.-Maries-de-la-Mer zur Salin de Giraud). Die Temperaturen auf den Landstraßen und in den Dörfern lagen jetzt (Mai 2026) zwischen 30° und 35°. Da ist schon mit den Wasserflaschen das Gepäcklimit erreicht und wenn es nur ums Strampeln geht, ist der Heimtrainer unter der Klimaanlage die bessere Wahl. Natürlich wird hier trotzdem Fahrrad gefahren und wir haben auch auf -zig Kilometern langen Strecke ohne Dörfer viele Radfahrer gesehen, durchtrainierte junge  Männer mit dicken Waden, doch die waren keine Touristen. Vielleicht übten sie für die Tour.

Platanen- und Zypressenallee auf der D7n bei Mallemort
Platanen- und Zypressenallee auf der D7n bei Mallemort - ohne Radwege


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Das Verkehrsmittel der Wahl ist das Auto, sei es für Einkäufe oder Besichtigungen. Dabei haben wir festgestellt, daß es an den einstelligen Landstraßen im Gegensatz zu den Autobahnen keine Rasthöfe gibt. Dafür sind sie meist schnurgerade, verlaufen oft unter schattigen Alleen, doch halten kann man hier nicht, weil man dann unzweifelhaft im Weg steht. Manchmal gibt es Einmündungen, an denen man halten und fotografieren könnte, doch an den schönsten Motiven kann man nur vorbeifahren.

Ab den zweistelligen Landstraßen gibt es die Ortsdurchfahrten, bei denen man höllisch aufpassen muß, auch wenn man langsam fährt. Alle paar Meter gibt es Fußgängerüberwege, die unregelmäßig eine schlecht markierte Aufpflasterung (Bodenschwelle) haben und mal mit, mal ohne Vorwarnung angezeigt werden (dänisch: „Bump“, holländisch „Drempel“). Sie haben eine Höhe zwischen zehn und fünfzig Zentimetern mit verschiedenen Neigungswinkeln und wenn die Stoßdämpfer ein häßliches Geräusch von sich geben, war man trotz
Schrittgeschwindigkeit zu schnell. Da man sie erst wenige Meter vorher erkennt, führt es zu einem ständigen Abbremsen und Gas geben. Ob so ein Übergang eine Fußgängerampel hat, sieht man erst unmittelbar vorher: Hat er keine, muß man Fußgänger vorlassen. Gibt es eine Ampel, müssen Fußgänger warten, doch das tun sie meistens nicht. Man hat so oder so die Arschkarte. Daß die Verkehrsführung oft chaotisch ist und angezeigte Richtungspfeile falsch oder zumindest irreführend sind, verkompliziert das Fahren zusätzlich. Spaß macht das Fahren hier nicht und es ist nichts für Neulinge.

Eine gut ausgeschilderte Bodenschwelle in Cadenet  - die meisten Schwellen sind schlechter zu erkennen
Eine gut ausgeschilderte Bodenschwelle in Cadenet  - die meisten Schwellen sind schlechter zu erkennen


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Ausflüge
Bei Exkursionen ist es dringend geboten, vorher das Ziel festzulegen, damit man nicht in einer einspurigen (2,5 Meter breiten) Sackgasse landet, die auf dem Acker endet. Nicht alles, was nach Sehenswürdigkeit aussieht, ist auch eine. so bedeutet z.B. der Hinweis auf ein „Château“ nicht, daß man ein Schloß besichtigen kann. Meistens ist es ein Hotel oder eine Weinkellerei, von denen es hier soviele gibt wie im Gebiet um Bordeaux. Der Wein wächst dann quadratkilometerweise auf den Feldern, braun (Boden), grün (Wein),  gelb (Ginster) und blau (Himmel) sind dann die vorherrschenden Farben.

Ein Weinfeld mit Ginsterbüschen im Hintergund
Ein Weinfeld mit Ginsterbüschen im Hintergund

Innenstädte sind nicht immer so prickelnd, schlicht, weil die meisten zu klein sind. Nach Aix-en-Provence sind wir zwar oft gefahren, aber nur zum Einkaufen (Aldi, Lidl, Intermarché, U). Wenn der Einkauf dann noch zwei Stunden dauerte, weil die Straßen dicht waren und jede/r raubtierartig die nächste freie Kreuzung blockierte, konnten wir uns ausrechnen, was in den Parkhäusern um die Innenstadt los war. Die Stärke dieser Landschaft liegt wohl nicht in den Innenstädten, wobei es Ausnahmen gibt (Arles oder Nîimes).

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Beobachtungen
Bei allen Ausflügen (und wir sind ca. 2.000 km durch die Provence gefahren) gab es die gleichen Beobachtungen.

Die Sonne knallt hier ganz ordentlich und ohne Schatten hält man es nicht aus. Die meisten Häuser haben auch Klimaanlagen, doch Solarzellen sieht man hier nicht. In Mecklenburg gibt es regelrechte Solarfelder, unter deren Kollektoren Schafe grasen - hier habe ich ein einziges Dach mit Solarzellen gesehen. Konsequenterweise wackeln die Stromnetze, wenn abends gekocht wird und die Klimaanlagen laufen.

Umweltschutz wird eher klein geschrieben. An den Straßen stehen ab und zu grüne und schwarze Mülltonnen, in die der Müll der umliegenden Häuser irgendwie entsorgt wird. Weil der Weg zu den Tonnen oft einige hundert Meter beträgt, packt man ihn ins Auto, weil man ja sowieso irgendwann an einer Tonne vorbeikommt. Manchmal gibt es Glascontainer, alle paar Tage sahen wir einen einsamen Papiercontainer irgendwo am Feld. Plastikflaschen werden nicht bepfandet, also fliegen sie überall herum. Wenn ich eine Flasche zusammengepreßt habe, damit sie weniger Platz im Müll braucht, wurde ich verständnislos angesehen.

In den kleinen Städten gibt es nur wenige Läden, meistens die Boulangerie (Bäckerei), das „Hotel de police municipale“ (kein Polizeihotel, sondern die Wache), ein paar Cafés, ein Restaurant (eher Schnellfreß als Menü) und dann ist auch gut. Jedes Dorf hat aber eine zentrale Boulebahn, die frühmorgens und abends genutzt wird. In den großen Städten muß man erst durch den chaotischen Verkehr, dann, in der meist autofreien Innenstadt, ist es schön und man kann es ein paar Stunden aushalten.

Große Supermärkte wie die „Intermarché“ liegen außerhalb, ebenso alle Betriebe, wie Baumärkte,  Autohändler etc. Wenn man Glück hat, gibt es Parkplätze im Schatten. Der Intermarché in
Mallemort hatte sogar Solarzellen auf dem Dach.

Eine Seltenheit: Überdachte, schattige Parkplätze mit Solarpaneelen in Mallemort
Eine Seltenheit: Überdachte, schattige Parkplätze mit Solarpaneelen in Mallemort


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Literatur
Reiseführer über die Provence haben mittlerweile alle ähnliche Inhalte: Lila Lavendelfelder, Cafés mit schöner Beleuchtung in den Innenstädten, schöne Gläser mit Rotwein auf weiß gedeckten Tischen, umgeben von glücklichen Touristen, die in die Kamera lächeln. Deswegen habe ich keine Reiseführer aufgeführt - ich empfinde es wie gedrucktes Instagram.

Zum Einlesen gibt es aber eine Krimi-Reihe von Sophie Bonnet, die sich in bisher elf Bänden mit dem eigenbrötlerischen Kommissar Pierre Durand und der begnadeten Köchin Charlotte beschäftigen - erst wird gemordet, dann wird genial ermittelt und zwischendurch fulminant gegessen. Einige provenzialische Rezepte finden sich immer im Anhang der Bände.

Provenzalische Verwicklungen Band 1. Blanvalet 2015 ISBN 978-3-7341-0162-5
Provenzalische Geheimnisse Band 2. Blanvalet 2016 ISBN 978-3-7341-0297-4
Provenzalische Intrige Band 3. Blanvalet 2017 ISBN 978-3-7341-0454-1
Provenzalisches Feuer Band 4. Blanvalet 2017 ISBN 978-3-7645-0613-1
Provenzalische Schuld Band 5. Blanvalet 2018 ISBN 978-3-7645-0644-5
Provenzalischer Rosenkrieg Band 6. Blanvalet 2019 ISBN 978-3-7645-0693-3
Provenzalischer Stolz Band 7. Blanvalet 2020 ISBN 978-3-7645-0721-3
Provenzalischer Sturm Band 8. Blanvalet 2021 ISBN 978-3-7645-0758-9
Provenzalische Täuschung Band 9. Blanvalet 2023 ISBN 978-3-7645-0792-3
Provenzalische Flut Band 10. Blanvalet 2024 ISBN 978-3-7645-0849-4
Provenzalisches Licht Band 11. Blanvalet 2025 ISBN 978-3-7645-0888-3


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