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Lübeck - Keimzelle der Hanse - Lübecker Städtetour
Texte und Fotos: Martin Schlu, 2002, Stand: 21. August 2026 |
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Der Ort Haithabu wird am Zusammenfluß der Trave mit der Schwartau als Handelsplatz von den Slawen gegründet. Über die Trave ist der Ort gut von der Ostsee erreichbar, wird aber mit einer Burg gesichert. Dieser Ort ist das erste Lübeck (Alt-Lübeck) und 1041 wird der Ortsname „Liubice“ erstmalig in der Chronik des Geschichtsschreibers Adam von Bremen erwähnt. 1138 Die Haithabu ist als Handelsplatz nicht mehr tragbar, wurde zu oft überfallen und wird aufgegeben. Innerhalb der Slawen hat es auch Auseinansetsetzungen gegeben, weil keine Sippe sich besonders für den Schutz des Handelplattzes erwärmen konnte und so ist die Sicherheitslage schon seit Jahrzehnten bedenklich geworden. 1143 Die deutschen Kaufleute verlegen ihren Handelsumschlagplatz in die neu gegründete Stadt Lübeck, die auf einer verlassenen Halbinsel (Burku) zwischen Trave und Wakenitz neu angelegt worden ist. Die Siedlung hat außerdem einen geschützten Hafen, der durch die Trave gut zu erreichen ist und ist so sicher angelegt, so daß Heinrich der Löwe 1161 der Stadt freien Handel und rechtliche Sicherheit für alle Kaufleute garantiert, die nach Lübeck kommen.1167 Auszug aus dem Stadtrecht: Wir
bestimmen auch, daß niemand in den Rat komme, der nicht ehelich, von
freier Geburt und niemandes Eigentum sei, auch darf er bei keinem Herrn
irgendein Amt bekleiden. Er soll von gutem Ruf sein, und auch seine
Mutter muß frei und niemandes Eigentum gewesen sein.
Er darf keines Geistlichen Eigentum gewesen sein. Er darf keines Geistlichen oder Pfaffen Sohn sein und soll liegendes Eigentum (=Grundbesitz) innerhalb der Mauern haben, er darf zu seinem Eide nicht gezwungen sein und seine Nahrung nicht mit Handwerk erworben haben. Quelle: W.Lautemann, M.Schlenke (Hg.): Geschichte in Quellen, Bd. 2, S. 733 zit. nach Stadtgeschichte Rostock nach oben Der sichere Handel in Lübeck spricht sich daher herum, Lübeck expandiert und wird schnell die wichtigste Stadt für den Osthandel, aber auch mit Holland und Flandern (heute Belgien) findet reger Waren- und Geldaustausch statt. Gehandelt werden zunächst Heringe und damit verbunden die Tonnen und das Zubehör, das man braucht um sie zu fangen und zu verkaufen: Nebenbei organisiert sich Lübeck das Monopol auf Salz, weil ihm die Lüneburger Salinen unterstehen und mit dem Salz lassen sich die in Massen gefangenen Heringe konservieren, daher auch transportieren und teuer verkaufen. („silbernes Gold“). Übrigens wird Salz eine der wichtigesten Währungen der Welt und in Österreich werden ganze Dynastien damit finanziert (Salzburg). 1160 Lübeck erhält vom Kaiser das Soester Stadtrecht und seine Kaufleute und Segelschiffe werde dadurch den gotländischen Konkurrenten gleichgestellt. Ab sofort herrscht in der Ostsee erst Wettbewerb, später Handelskrieg und noch später muß die Hanse gegründet werden, damit man gegen die Dänen und Schweden bestehen kann. ![]() Der alte Hafen von Lübeck am Ende der Mengstraße nach oben 1188 Im Privilegienbrief vom 19. September gesteht Kaiser Barbarossa Lübeck und seinen Handelspartnern Zollfreiheit zu und garantiert den Kaufleuten Frieden beim Handel. Außerdem wird der Strandrechtparagraph gestrichen, nach dem gestrandete Schiffe der Lübecker in das Eigentum der Anwohner übergehen. Das ist schon fast revolutionär und damit hat Lübeck aus kaufmännischer Sicht ein Alleinstellungsmerkmal. 1200 Um 1200 ist die Burg fertig, die den einzigen Landzugang kontrolliert und die Stadt damit uneinnehmbar macht, um 1230 wird die Stadtmauer mit dem Holstentor im Westen fertiggestellt. Um 1400 ist die Wakenitz aufgestaut und bietet eine für Feinde unüberwindliche weitere Barriere, so daß man auf die Burg verzichten kann und das Gelände besser verwendet. Lübeck ist mit 25.000 Einwohnern eine Großstadt geworden. Der Reichturm wird durch die Anzahl und Höhe der Kirchtürme (sieben!) dokumentiert. Um 1500, evtl. auch früher, ist die Stadt in vier Bereiche (Quartiere) eingeteilt, die sich nach den Schutzheiligen und den Kirchen richten: Maria-Magdalena-Quartier, Jakobi-, Marien und Johannis-Quartier. 1226 Die Lübecker lassen sich von Kaiser Friedrich III. den alten Privilegienbrief Kaiser Barbarossas bestätigen, nachdem sie von einem geschickten Buchmaler (dem Lübecker Domherrn Marold um 1225/26) noch ein paar Privilegien haben einfügen lassen. Weil Friedrich III. die Änderungen aber nicht nachprüfen kann (das kaiserliche Archiv ist ja nicht vollständig), kommt er auch nicht auf die Idee, daß dieser Brief eine ziemlich dreiste Fälschung ist und so haben die Lübecker ein paar Stadtrechte mehr bekommen - u. a. die Selbständigkeit bis in alle Ewigkeit, das Münzrecht und die Blutgerichtsbarkeit (Strafrechtsordnung bis zur Todesstrafe) verleihen
wir ihnen und bestimmen, dass die vorgenannte Stadt Lübeck für alle
Zeiten frei sein soll, nämlich eine unmittelbare Stadt und Ortschaft
des Reiches, die unmittelbar zum Reiche gehören und niemaIs von dieser
unmittelbaren Herrschaft < dem Kaiser> getrennt werden
soll; ..
... dass sie in der Stadt selbst eine Münze unter unserem Bild und Namen schlagen dürfen, welche Zeit unseres Lebens und dem des römischen Königs Heinrichs (VII.), unseres erlauchten und geliebtesten Sohnes, gelten soll; ... Dafür müssen die Lübecker aber jedes Jahr sechzig Mark Silber an den Hof abführen - ca. EUR 40.000.-, eher eine Gebühr der Portokasse als eine wirkliche Belastung. im Original heißt es: ...et ob hoc singulis annis Sexaginta Marchas argenti nostre Curie exhibebunt.... ... und fügen kraft dieser Urkunde mit Nachdruck hinzu, dass durchaus keine Person, sie sei vornehm oder gering, geistlich oder weltlich, die genannten Bürger von Lübeck, unsere Getreuen, in allem Vorgeschriebenen zu hindern oder zu stören mit frevelem Mute sich unterstehe. ![]() Das Barbarossaprivileg (die originale Fälschung) im Besitz der Stadt Lübeck Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Barbarossa-Privileg (gemeinfrei) nach oben Die Anwendung des Münzrechts hat zur Folge, daß die "lübische" Münze internationale Bedeutung bekommt und innerhalb der Hanse eine anerkannte Währung wird (Wendischer Münzverein). Um 1404 hat die lübische Mark den höchsten Silbergehalt (ca. 42 g Feinsilber). Für das damalige Pfund Silber (ca. 450 - 520 Gramm, zwölf Mark) kann man <heute, 2026> etwa EUR 7.200.- ansetzen. Die Mark entsprechend läge bei ca. EUR 600.-, der Schilling bei EUR 50.-, der Pfennig bei ca. EUR 4.-. Im Laufe der Jahrhunderte werden der Silberanteil und der Wert auf unter acht Gramm Silber pro Münze sinken und irgendwann durch den Courant-Taler abgelöst. Viel höher ist die Strafzahlung, die denen angedroht wird, die den Lübeckern ins Gesetz pfuschen würden: da nennt der Vertrag die Summe von „500 Pfund reinen Goldes“ - und das wären auch heute (ca. 2026) beim Kilopreis von ca. 50.000.-, umgerechnet etwa ca. 12,5 Millionen. Bei dieser Summe hätte sich vor knapp achthundert Jahren keine Bank getraut, der Stadt in die Suppe zu spucken. Erst 1914 fliegt der Schwindel auf, als man die Urkunde mit anderen Handschriften aus Barbarossas Schreibstube vergleichen kann und sich keine einzige Übereinstimmung findet. Quellen: Wilfried Hartmann (Hrsg.): Deutsche Geschichte in Quellen und Darstellung, Bd. 1. Stuttgart 1995, S. 399 ff, zit, nach
https://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%BCbecker_Reichsfreiheitsbrief (gültig am 21. August 2026)https://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%BCbische_Mark (gültig am 21. August 2026) http://www.hagen-bobzin.de/hobby/muenzverein_wendisch.html (gültig am 21. August 2026) https://la.wikipedia.org/wiki/Lubeca#Historia (in Latein, gültig am 21. August 2026) nach oben 1230 Lübeck schließt mit Hamburg einen Bund, denn der Seeweg von Osten endet in Lübeck und und am anderen Ende der Landbrücke zwischen Trave und Elbe liegt Hamburg, das den westlichen Handel kontrolliert. In diesem Zusammenschluß liegt der Anfang des Bündnisses, aus dem später die Hanse wird, denn die Kaufmannskarawanen über Land sind ein beliebtes Raubziel und so müssen beide Städte einen Schutz gegen Räuber organisieren. Als Zeichen des wachsenden Wohlstandes beginnt in diesem Jahr auch der Bau eines Rathauses in modernem Stil mit Winddurchlässen in der Dachfassade. Später wird man eine Barockfassade davor setzen. ![]() Das Lübecker Rathaus wird 1230 begonnen und hat eine ähnliche Fassade wie die fast gleich alten Rathäuser in Rostock oder Stralsund 1249 Weil Stralsund dem lübischen Handel zu groß wird, rücken Kriegsschiffe aus und legen die Stadt in Schutt und Asche. Rostock geht haarscharf an diesem Schicksal vorbei, weil Wismar vermitteln kann. Am Ende der Entwicklung gibt es ein Bündnis der Ostseestädte, die als "wendisch" bezeichnet werden. 1255 einigen sich Lübeck und Hamburg auf eine gemeinsame Währung und legen fest, wieviele Pfennige aus einer Mark Silber (1/12 Pfund) zu schlagen sind: 192 Pfennige (s.o.). nach oben 1276 Ein Stadtbrand vernichtet vor allem die alten Holzhäuser mit Strohdächern. Beim Wiederaufbau der Stadt wird erstmals eine Brandmauer für Neubauten vorgeschrieben, Holzhäuser in der Innenstadt werden verboten und die neu angelegten Straßen werden breiter angelegt. Die Kirche St. Jakobi muß neu gebaut werden, wird gotisch angelegt und bekommt ihren Spitzhelm, damit man sie schon von der Ostsee aus sehen kann. ![]() Die Lübecker Jakobikirche an der Nordspitze der Insel (Kreuzung Breite Straße/Engelsgrube nach oben 1280 Der Begriff "Hanse" wird das erste Mal erwähnt, als die wendischen Städte schriftlich ihr Bündnis erneuern. 1329 An der Mündung der Trave in die Ostsee wird der Ort Travemünde gegründet, der bis heute zu Lübeck gehört 1531 Lübeck wird als erste Stadt der Hanse protestantisch, nachdem die Reformation - wenn schon nicht zu verhindern - offiziell geduldet wird. 1629 Im Frieden zu Lübeck wird Dänemark zur militärischen Aufgabe gezwungen und soll katholisch werden. Da der dänische König Christian IV. ja auch Herrscher über Holstein ist, müßte Lübeck eigentlich nun katholisch werden, doch da die Stadt - wie Hamburg - streng neutral ist und sowohl Protestanten als auch Katholiken mit Munition und Schießpulver beliefert, passiert nichts. Die Befestigungsanlage, die seit 1615 im Bau ist, wird auch nicht gebraucht und so geht der Dreißigjährige Krieg fast an Lübeck vorbei. Der Holzschnitte von Matthäus Merian von 1641 zeigt eine Stadt auf dem Höhepunkt ihrer Macht. ![]() Lübeck 1641, Karte von Matthäus Merian: die Katharinenkriche links, eine unbekannte Kirche, die Marienkirche mit den Doppeltürmen in der Mitte, unbekannt Kirche, die Petrikirche und der doppeltürmige Dom. Es sind längst mehr als sieben Türme, es sind auch längst mehr als sieben Kirchen. Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Luebeck-1641-Merian.jpg (gemeinfrei) nach oben 1705 Später, als die Lübecker Kirchen berühmt sind, bekommen sie legendäre Orgeln und Organisten: so z.B. Franz Tunder und Dietrich Buxtehude (1637 - 1707), der fast fünfzig Jahre lang Organist in St. Marien ist und so legendär spielen kann, daß der junge Johann Sebastian Bach 1705 von Thüringen nach Lübeck läuft um den fast siebzigjährigen Buxtehude noch einmal vor auf der Orgel improvisieren zu hören. Anmerkung:
Diese historische Orgel (Totentanz-Orgel) gab es bis zur
Kriegszerstörung 1942, die heutige Orgel ist eine Neuschöpfung, man
kann aber historische Aufnahmen bekommen Walter Krafts in der Lübecker
Stadtbücherei hören und man kann sie auch in der Kirche kaufen (MS).
![]() Die Lübecker St-Marien-Kirche von der Königstraße aus gesehen Jedes Quartier hat eine eigene Miliz und die Einwohner wüßten im Kriegsfalle, wie sie ihren Abschnitt zu verteidigen hätten. Die Stadt wird auch einige hundert Jahre nicht eingenommen, erst Napoleon schafft dies 1806, aber auch nur, weil man die Stadtmauer mittlerweile geschleift hat um Platz für Wohnungen zu bekommen. Nach sieben Jahren Besatzung ist auch dies vorbei und erst die Nazis beenden 1937 den Status der "Freien und Hansestadt Lübeck", als sie der Stadt diesen Status nehmen, den heute nur noch Hamburg und Bremen haben. nach oben https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Hansestadt_Lübeck Literatur zum Einlesen Ein sehr gelungener Einstieg in den Beginn der Hanse ist der historische Roman „Das weiße Gold der Hanse“ von Ruben Laurin. Der Titel hält nicht, was er verspricht, denn es geht nicht um den Salzhandel, sondern eher um die Lebensgeschichte des Lübecker Ratsherren Bertram Morneweg (gest 1286), die Verflechtungen des Handesl und der Stadt und um die Entstehung der Hanse. Es sind gut 600 Seiten spannende und gut recherchierte Stadt- und Hansegeschichte. Bastei/Lübbe TB 17889, ISBN 978-3-404-17889-6, € 11,00 https://de.wikisource.org/wiki/Bertram_Morgenweg |
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