martinschlu.de Die Stadtteile von Venedig - San Marco
Text und Fotos: Martin Schlu, Stand 16. Februar 2026
                                   
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Die Basilika - Der Campanile - Der Glockenturm - Gondeln - Rialtobrücke

Piazzale San Marco
San Marco ist nicht nur Basilika und Campanile, sondern der gesamte südliche innere Stadtteil zwischen der Promenade am Palazzo Duccale und der Rialtobrücke bis zum Gebiet San Polo. San Marco ist der Stadtteil, den die Tagestouristen gerade noch in zwei Stunden schaffen können, bevor sie zur nächsten Stadt weitermüssen (Europe in five days). Entsprechend teuer ist es, da die Tagestouristen ihren Murano-Schmuck nur an der Piazza kaufen können, das Taubenfutterbild muß gemacht werden und vielleicht schafft man noch den Campanile. Die Warteschlange derer, die einmal durch die Basilika San Marco laufen wollen, war bis 2024 am Mittag etwa 500 m lang, es konnte aber auch schon mal mehr sein. Heute gibt es keine Warteschlange mehr, weil man nur reinkommt, wenn man online ein halbstündiges Zeitfenster gebucht hat (wer die Tickets googlet, landet schon mal bei einem „Serviceangebot“ für € 56,00 bei mehreren privaten Anbietern, wer es über San Marco macht, bezahlt nur € 10,00 und ermäßigt (Kinder und Alte) € 5,00).

Wer den Markusplatz menschenleer sehen will, muß ihn zwischen drei Uhr nachts und morgens  halb sieben besuchen. Die meisten Abbildungen ignorieren die zigtausend Touristen, die jeden Tag über ihn laufen und es gibt die Redewendung, daß man, wenn man jemanden treffen will, sich nur auf die piazza stellen muß, denn jeder kommt da einmal am Tag vorbei. Bei mir stimmt es meistens - fast immer wenn ich in Venedig bin, komme ich  einmal am Tag am Platz vorbei.

Piazza San Marco vom Glockenturm
oben: Der Markusplatz früh am Morgen vom Glockenturm (campanile) aus gesehen.

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Campanile San Marco Piazzale San Marco - Die Basilika Der Glockenturm - Gondeln - Rialtobrücke
Der Augenblick des Einsturzes am 14. Juli 1902
Der Turm (campanile) von San Marco ist fast noch berühmter als die Basilika, weil diese Wegmarke auf so vielen Darstellungen zu finden ist. Fast zur gleichen Zeit wie die Basilika begonnen, hielt das Bauwerk tausend Jahre, obwohl es auf sandigem Grund gebaut wurde und einhundert Meter hoch war.

Ursprünglich war der Turm nur die Wegmarke und eine Beobachtungsstelle zur Überwachung der Lagune. Im 16. Jahrundert wurde die Glockenstube eingebaut und das Dach aufgehübscht.

1902 sollte ein Aufzug eingebaut werden und man entfernte die Eisenanker, die das Gebäude stabilisierten. Das erwies sich als schlimmer Fehler, denn am 12. Juli
wurde ein Riß am Mauerwerk entdeckt und der gesamte Platz gesperrt. Am 14. Juli brach der Turm innerhalb von Sekunden zusammen (crollo).

Es gab keine Verletzten, doch der Engel an der Spitze (Schutzengel für Venedig) landete direkt vor dem Eingang der Basiika und man beschloß noch am Tag des Einsturzes seinen Wiederaufbau (diesmal etwas stabiler).

Links: Der Augenblick des Einsturzes am 14. Juli 1902
Unten: Die Trümmer auf dem Platz

Foto der Einsturztrümmer
Foto der Einsturztrümmer. Quelle: https://www1.wdr.de/stichtag/stichtag-einsturz-campanile-di-san-marco-102.html

Nach zehn Jahren Bauzeit wurde der Turm am 25. April 1912, dem Tag des Stadtpatrons San Marco, wieder eröffnet. Der neue Turm hatte einen nun den geplanten Aufzug bekommen und legte damit den Grundstock für den touristischen Aufschwung zwischen Basilika, Turm und Platz.

Wenn man das erste Mal in San Marco ist, stellt man sich geduldig dort an. Bei Vorbestellung kostet das Ticker am Campanile San Marco € 15,00, Junge und Alte zahlen die Hälfte, Familien und Gruppen bekommen Rabatt. - Insider wissen aber, daß der Turm auf San Giorgio billiger ist, man weniger warten muß und vor allen Dingen hat man den Ausblick auf das Ensemble um die Prokuratien, den Campanile, den Dom und den Palazzo Duccale.

Von links: Prokuratien, Campanile, Kuppen von San Marco, Palazzo Duccale
Von links: Prokuratien, Campanile, Kuppeln von San Marco, Palazzo Duccale

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Basilika San Marco Piazzale San Marco Der Campanile - Der Glockenturm - Gondeln - Rialtobrücke- mehr
Die Basilika San Marco ist sicher eine der berühmtesten Kirchen der Welt. Sie wurde vor fast tausend Jahre gebaut - mit dem Hintergedanken, eine Kombination von Wirtschaftszentrum und Wallfahrtsort zu schaffen. Wirtschaftlich lag Venedig an der Handelsroute von Byzanz (später Konstantinopel, noch später Istanbul) und den Handelsrouten über die Alpen nach Nordeuropa. Als Wallfahrtsort wuchs Venedig, nachdem man 828 die Knochen des Heiligen Markus aus dem muslimischen Alexandria geraubt hatte und - unter Schweinefleisch versteckt - an den gottesfürchtigen Zöllnern vorbeischmuggelte. Damit hatte Venedig einen vorzeigbaren Heiligen und konnte Wallfahrtsstätte werden.

Diese mittelalterliche Kombination von Wallfahrt und Wirtschaft war auch in Köln unschlagbar erfolgreich und an Karneval sind die Besuchermassen bis heute immer sehr ähnlich - man kann kaum noch treten.

Karnevalssontag in Venedig - es ist fast so schön wie Köln
Karnevalssontag in Venedig - es ist fast so schön wie Köln

Das wichtigte  Statussymbol des herrschenden Dogen (eine Art König) war diese Kirche und weil einer der Dogen später die Tochter des Herrschers von Byzanz heiratete, und damit Ostrom und Westrom in einer Familie lagen, hatte der venezianische Doge Zugriff auf die byzantinischen Baumeister und nutzte deren Know-How gerne und lange. Heraus kam eine fünfschiffige Kreuzkuppelbasiika mit byzantinischen Mosaiken und christlicher Aufteilung und Ausstattung. Die Kirche war sozusagen die Strunzkapelle eines der einflußreichsten Herrschers der Welt und die Weihe am 13. Januar 1094 war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft zwischen Asien und Europa.

WDR-Zeitzeichen dazu

Gold, wohin das Auge blickt.
Gold, wohin das Auge blickt.

Das zweite Statussymbol Venedigs war eine exzellente Kirchenmusik, die durch die glatten Wände extrem lange nachhallte. Daß die Kirche San Marco im 16 und 17. Jahrhundert die besten Musiker der Welt beschäftigte und diese Musiker in ganz Europa stilbildend waren, weiß der normale Tourist nicht und ein Blechbläser, Streicher oder Chorsänger auch nur vielleicht. Der Grund dafür sind die vielen Stege und Emporen, die sich durch die gesamte Kirche ziehen und auf die Musiker postiert wurden, die dann aus allen Richtungen, von links und rechts, oben und unten spielten. Die Musik kam dann von allen Seiten und bis zu vier Orgeln ließen musikalisch keine Wünsche offen. Später konzentrierte sich die Musik im Altarraum, weil der Doge Andrea Gritti so fett geworden war, daß er nicht mehr alleine die Stufen heraufkam und da baute man ihm eine großen Stuhl in den Altarraum, der mit seinem Lebendgewicht fertig wurde. Das war der Beginn der Doppelchörigkeit in San Marco und der Doge saß mitten drin.

Einer der vielen begehbaren Stege, die sich durch die ganze Kuppel ziehen.
Einer der vielen begehbaren Stege, die sich durch die ganze Kuppel ziehen.

Giovanni Gabrieli war einer der berühmten Musiker, der bis heute seine Spuren hinterlassen hat. Sein Grab ist in der Kirche San Stefano, einer seiner Schüler war Claudio Monteverdi und anläßlich seines 400jährigen Todestages 2012 hatte ich die Ehre bei einer WDR-Produktion (Zeitzeichen) ein bißchen beitragen  zu können.

Natürlich ist das, was in Venedig heute musikalisch passiert, längst nicht mehr international führend (von den Aufführungen der Oper „La Fenice“ mal abgesehen), doch dies merkt kein Tourist und den Einwohner ist es wahrscheinlich wurscht. Für die, die sich einen Zusammenhang zwischen der absolut außergewöhnlichen Architektur der Kirche und einer (damals) absolut neuen Kompositionstechnik vorstellen können, stehen hier ein paar Links.

WDR-Sendung “Zeitzeichen" vom 12. August 2012
Fachartikel aus meiner Examensarbeit über die Musik an San Marco
Venedig für Anfänger (Gabrieli)

Balilika San Marco bei Hochwasser (aqua alta)
Balilika San Marco bei Hochwasser (aqua alta) - die Plastiküberzieher für die Schuhe kosteten € 10,00 pro Person.

Wir wollten die Kirche wieder einmal besuchen  und erfuhren vor Ort, daß man nicht mehr einfach so reinkommt. Man muß erst online ein Ticket buchen, den QR-Code laden und dann kommt man rein, wenn der Code erkannt wird. Die Preise variieren von € 5,00 (online-Buchung für Junge und Alte) bis € 56,00 , wenn man einen privaten Dienst engagiert.

Als wir wir die Tickets auf dem Handy haben und llmählich zum Dom trödeln, steht der Markusplatz etwa 40 cm unter Wasser. Vor ein paarJahren hätte man in dieser Situation Hochwasserstege aufgebaut, aber die sind nun fort - vermutlich wegen der zigtausend Menschen, die hier feiern. Die Wartezeit bis zun unserem Termin eine gute Stunde spöter schlagen wir in einem teuren Café tot, sehen dann wieder nach dem Wasser und es geht immer noch deultich über die Füße. Wir kauten zähneknrschend bei einem der Händler Plastiküberzieher für je 10,00, ziehen sie an und gehen gelassen zum Eingang San Marco. Da ist das Wasser wieder wieder abgeflossen.

Weil das Ticketsystem mit den QR-Codes davon abhängt, wie stabil das Netz ist, haben wir zehn Minuten Wartezeit verursacht, bis uns der Kontrolleur barmherzig auch so reingelassen hat. Übrigens ist eine Rolle Mülltüten erheblich billiger als auch nur ein Paar dieser Hochwasserverhüterlie. Die paßt auch in eine Fototasche.

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Torre dell'Orologio (Uhrenturm) Piazzale San Marco - Die Basilika - Der CampanileGondeln - Rialtobrücke
Dieser Uhrenturm war bereits 1499 nach drei Jahren Bauzeit fertig und war nötig geworden, damit die Händler alle zur gleichen Zeit ihre Läden öffnen und schließen konnten. Als ich das erste Mal oben war, mußte man die Karten persönlch im Museo Correr abholen und mehr als sechs Leute wurden nicht mitgenommen. Der Aufstieg ist ein bißchen abenteuerlich und eng und man kommt immer wieder an knarzenden Mechaniken vorbei. Oben angekommen stellt man fest, es gibt dort Wohnungen (wahrscheinlich für die Uhrenbetreuer) und bei klarem Wetter kann man bis zu den Dolomiten sehen. Die Uhrenschläger verrichten mechanisch ihre Aufgabe seit über fünfhundert Jahren hoch über der Stadt und über dem Stadtsymbol, dem geflügelten Löwen.

Der Uhrenturm neben der Basilica San Marco
oben: Der Uhrenturm neben der Basilica San Maro

unten: Die Glockenschläger bei der Arbeit
Die Glockenschläger bei der Arbeit

Ein Spezialität der piazza waren die Taubenfutterverkäufer, auch wenn das Füttern seit ein paar Jahren verboten ist. Mutmaßte Manfred Schmidt schon in den 60er Jahren, der Taubenfutterverkäufer würde "abends mit seiner Yacht in seinen Palazzo fahren" (1) , konnte man das bis zum Verbot 2022 eigentlich nur bestätigen. Mir erzählte 2006 ein Gondolieri, sein Bruder habe die andere Gondel der Familie mit der Lizenz für EUR 40.000.- verkauft und sich dafür eine Lizenz zum Taubenfutterverkäufer gesichert. Unwahrscheinlich? Möglich!
(1)
im Kapitel "Venedig" aus: "Mit Frau Meier in die Wüste“,  ISBN-13-978-3499109072

Heute längst verboten, 2006 noch geduldet: Taubenfutter verfüttern
Taubenfutterverkäufer auf der Piazza di San Marco, Das Tütchen enthällt 20 g Maiskörner, damit wird ein Kilopreis von EUR 50.- erzielt. Demzufolge reicht es vielleicht nicht für Yacht und Palazzo, aber für eine solide Existenz.

Coca Cola warb  in den 1960er Jahren mit im Schriftzug ausgestreuten Taubenfutter. Seit 2022 ist das Taubenfüttern aber verboten und die Polizei kassiert ca. € 200.-, wenn man erwischt wird, was nicht alle abhält, es trotzdem zu tun.

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Gondola und Gondolieri Piazzale San Marco - Die Basilika - Der Campanile - Der Glockenturm Rialtobrücke
Am höchsten im Status der venezianischen Tourismusarbeiter stehen die Gondolieri, die ungekrönten Könige der Stadt. Für eine gute dreiviertel Stunde Fahrt und Führung durch die Kanalwelt waren im Sommer (2022) ca. EUR 180.- üblich, manchmal mehr, nur im Winter weniger. Dafür bekommt man Plätze und Häuser zu sehen, die man später niemals wiederfindet, sooft man es auch versucht. Wenn man nicht mit „Gondola, Gondola?" angesprochen werden will, darf man bei einem geringelten Pulli mit Strohhut auf keinen Fall stehenbleiben, oder gar die Gondel anschauen. Hat einen der Gondolieri erst einmal beim Wickel, fährt man auch. Zu zweit ist es gemütlich, mit vier Leuten bezahlbar, ab sechs Mitfahrern kippelig. Es passiert aber nie etwas. Wer sich mehr für die Gondel interessiert, besucht die Gondelwerkstatt an der Zattere oder fragt am St. Moise die  Gondolieri über ihren Beruf aus, wenn sie ihre Tour fertig haben und Pause machen. Es ist eine fast reine Männergesellschaft, doch eine Frau schippert auch über die Kanäle - die Gondoliera.

 Gondelenpdpunkt An San Moise/San Marco

Rialtobrücke (Ponte di rialto) Piazzale San Marco - Die Basilika - Der Campanile - Der Glockenturm - Gondeln
Für die meisten Touristen ist die Rialtobrücke der Inbegriff von Venedig. Tatsächlich war es bis 1854 die einzige Verbindung über den canal grande, die im 12. Jahrhundert zum ersten Mal gebaut werden mußte, weil das Überqueren des Canale mit Booten zu beschwerlich war und zu lange dauerte. Vorher hatte es hölzerne Vogängerbrücken gegebenm die jeweils ein paarJahrzehnte gehalten hatten und nach einem Einsturz 1444 mit vielen Toten wurde beschkossen, eine Brücke aus Stein zu errichten. Man wollte eine hohe Brücke .damit die Prachtgondel des Dogen drunter paßte, und keinen Mittelpfeiler, der den Schiffverkehr behindert hätte. 1501 wurde der Beschluß gefaßt und nach neunzig Jahren, am 20 März 1591 wurde die von Antonio da Ponte geplante Brücke eingeweiht. Dagegen war der Berliner Flughafen BER ein Ausbund an schneller Planung und Durchführung.
 
WDR-Zeitzeichen über die Einweihung der Rialtobrücke

Die Rialtobrücke zu Corona-Zeiten
Die Rialtobrücke zu Corona-Zeiten


Antonio da Ponte hatte auch die Ladenzeile geplant, damit hochgestellte Venezianer schnell anlegen und kaufen konnten. Weil diese Läden auch damals schon nur hochpreisige Geschäfte sein konnten, siedelten sich die Schmuck- und Goldverkäufer an der Brücke an und das ist im Prinzip auch heute so. Ob man in den Kolonaden bei San Marco einkauft oder auf der Rialtobrücke, macht preislich keinen Unterschied. Die Taschendiebe freut es auch.


Jahrhunderte altes Erfolgskonzept: Läden auf der Brücke.
Jahrhunderte altes Erfolgskonzept: Läden auf der Brücke.
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