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© Martin Schlu Stand: 2. September 2003 |
Lernbehinderungen durch Verhaltensdefizite
ADHD (Attention Deficit Hyperaktivity Disorder)
Stichworte: "Zappelphilipp", "Aufmerksamkeitssyndrom",
"Hyperaktivität" ...
Gemeint ist eine fünf bis zehn Prozent große Schar "anstrengender"
Kinder, über die es meist mehr Beschwerden gibt als bei den anderen.
Die Diagnostik ist hier mittlerweile etwas weiter: hat man bis vor
zehn Jahren angenommen, daß auschließlich Erziehungsfehler
(also Schuld der Eltern) zu solchen Kindern führen, weiß
man heute, daß bei diesen Kindern eine Art chemische Übersteuerung
stattfindet - ähnlich der durch die elektrische Überaktivität
des Frontallappens ausgelösten Epilepsie.
Im näheren Bekanntenkreis war erst vor vier Wochen wieder ein
typischer Fall: das Kind galt als "lernbehindert", weil
das Mädchen unfähig war zur Ruhe zu kommen. Die Diagnostik
ergab das klassische ADHD-Syndrom. Das Kind wurde versuchsweise mit
einem Medikament für den Vormittag gedämpft (Ritalin), schlagartig
wurde die Handschrift ruhiger, das Konzentrationsvermögen stieg
stark an, die Leistungen wurden besser und das Sonderschulaufnahmeverfahren
war erst mal vom Tisch. Zur Zeit sucht der Psychologe noch nach dem
optimalen medikamentösen Einstellungswert, dies bewegt sich im
Zehntel-Milligramm-Bereich.
Ritalin ist gegenwärtig (2002) umstritten, weil es zu oft verschrieben
wurde (Problem der Diagnostik) und andere Ansätze gehen von einem
Verhaltenstraining aus. Dabei setzt man den Kindern Belohnungen (Tokens)
in Aussicht, wenn sie kleinschrittig Erfolge in der Selbstkontrolle
erzielen. Die Diskussion ist noch längst nicht eindeutig.
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