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Annette von
Droste-Hülshoff
1844 - 1848 Letzte
Jahre
unter Mitarbeit von (Anna
Eckel) Klasse 10d /
2001, revidiert Mai 2007 © Martin
Schlu
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-
- 1844
- Nach der Übersendung des
Manuskriptes an Levin Schücking erscheint der zweite
Gedichtband von Annette im Cotta-Verlag. Von dem Honorar
des Gedichtbandes kauft sie im November ihr
"Fürstenhäuschen" , eine kleine Wohnung
oberhalb der Meersburg in einem Weinberg. Dieses
"Fürstenhäuschen" bereitet Annette besondere
Freude und so schreibt sie ihren Freunden voller
Begeisterung von ihren Plänen der Einrichtung des
Hauses. Leider kann sie in ihren letzten Lebensjahren
wegen ihrer Krankheit die Planung nicht abschließen
(es sollen noch ein paar Umbauten geschehen) und es kommt
nicht zum Einzug in ihr neues "Schneckenhäuschen",
da sie vorher stirbt - immerhin ist bei ihrem Tod das
Häuschen fast fertig.
-
- Dennoch arbeitet sie
regelmäßig weiter. Levin Schücking und
Emmanuel Geibel planen einen weiteren Gedichtband,
für den Annette zehn bis zwölf Gedichte
beisteuern soll. Als das Ehepaar Schücking Annette
auf der Meersburg besucht, entstehen die Gedichte
"Grüße" und "Im Grase":
-
-

- Waldstück bei Schloß
Hülshoff (Perspektive aus dem "Grase"),
Foto: Martin Schlu © Sept. 2006
-
- Im
Grase
(1844)
-
- Süße Ruh,
süßer Taumel im Gras.
- Von des Krautes Arome
umhaucht,
- Tiefe Flut, tief, tief trunkne
Flut,
- Wenn die Wolk am Azure
verraucht,
- Wenn aufs müde schimmernde
Haupt
- Süßes Lachen gaukelt
herab,
- Liebe Stimme säuselt und
träuft
- Wie die Linden
blüht
- Wie die Lindenblüt auf ein
Grab.
-
- Wenn im Busen die Toten
dann,
- Jede Leiche sich streckt und
regt,
- Leise, leise den Odem
zieht.
- Die geschlossene Wimper
bewegt
- Tote Lieb, tote Lust, tote
Zeit,
- All die Schätze im Schutt
verwühlt,
- Sich berühren mit
schüchternem Klang
- Gleich dem Glöckchen, vom
Winde umspielt
-
- Stunden, flüchtiger ihr als
der Kuß
- Eines Strahls auf den trauernden
See
- Als des ziehenden Vogels
Lied,
- Das mir nieder perlt aus der
Höh'.
- Als des schillernden Käfers
Blitz,
- Wenn den Sonnenpfad er
durcheilt,
- Als der heiße Druck einer
Hand
- Die zum letzten Male
verweilt.
-
- Dennoch, Himmel, immer mir
nur
- Dieses eine mir: für das
Lied
- Jedes freien Vogels im
Blau
- Eine Seele, die mit ihm
zieht,
- Nur für jeden kärglichen
Strahl
- Meinen farbig schillernden
Saum.
- Jeder warmen Hand meinen
Druck,
- Und für jedes Glück
meinen Traum.
-
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-
-
- Annette fühlt sich krank und
möchte nur noch in Ruhe gelassen werden. Sie reist
von der Meersburg wieder ins Rüschhaus zurück,
weiß aber nicht, daß es der letzte Aufenthalt
in ihrer westfälische Heimat ist und beginnt dort
die Kriminalgeschichte "Joseph".
-
-
- 1845
- Seitenanfang
-
- Die Heimkehr nach Westfalen bringt
keine Besserung und die Gesundheit verschlechtert sich
weiter. Möglich ist dies durch die psychische
Belastung, die zwischen Annette und Levin Schücking
eintritt. Sie spielt für ihn nicht mehr die Rolle
wie vorher, denn er hat sie zwar bei Verlagsdingen
beraten, möchte aber nun seine kaufmännischen
Fähigkeiten für seine eigene Karriere nutzen.
Auf sein Drängen entstehen noch die "Abbenburger
Gedichte" (die Annette in Abbenburg geschrieben hat), die
"Westphälischen Schilderungen" erscheinen in den
"Historisch-politischen Blättern für das
katholische Deutschland", doch dann erscheint nichts
mehr. Die Familie drängt darauf, daß Annette
mit ihrer Schreiberei nicht ihr gesellschaftliches
Ansehen stört und Annette - nun wieder folgsame
Tochter - fügt sich. Das Schreiben hat man ihr zum
Glück nicht verboten.
-
- Aus dieser Zeit stammen die Gedichte
"Das Bild", "Das erste Gedicht" und "Durchwachte
Nacht":
-
-
Durchwachte
Nacht
(1845)
-
- Wie sank die Sonne glüh und
schwer,
- Und aus versengter Welle
dann
- Wie wirbelte der Nebel
Heer
- Die sternenlose Nacht heran!
-
- Ich höre ferne Schritte gehn
-
- Die Uhr schlägt
Zehn.
-
- Noch ist nicht alles Leben
eingenickt,
- Der Schlafgemächer letzte
Türen knarren;
- Vorsichtig in der Rinne Bauch
gedrückt,
- Schlüpft noch der Iltis an
des Giebels Sparren,
- Die schlummertrunkne Färse
murrend nickt,
- Und fern im Stalle dröhnt des
Rosses Scharren,
- Sein müdes Schnauben, bis,
vom Mohn getränkt,
- Sich schlaff die regungslose
Flanke senkt.
-
- Betäubend gleitet
Fliederhauch
- Durch meines Fensters offnen
Spalt,
- Und an der Scheibe grauem
Rauch
- Der Zweige wimmelnd Neigen
wallt.
- Matt bin ich, matt wie die Natur!
-
- Elf schlägt die
Uhr.
-
- O wunderliches Schlummerwachen,
bist
- Der zartren Nerve Fluch du oder
Segen? -
- 's ist eine Nacht, vom Taue wach
geküßt,
- Das Dunkel fühl' ich
kühl wie feinen Regen
- An meine Wangen gleiten, das
Gerüst
- Des Vorhangs scheint sich
schaukelnd zu bewegen,
- Und dort das Wappen an der Decke
Gips
- Schwimmt sachte mit dem
Schlängeln des Polyps.
-
- Wie mir das Blut im Hirne
zuckt!
- Am Söller geht Geknister
um,
- Im Pulte raschelt es und
rückt,
- Als drehe sich der Schlüssel
um.
- Und - horch! der Seiger hat
gewacht!
- 's ist Mitternacht.
-
- War das ein Geisterlaut? So
schwach und leicht
- Wie kaum berührten Glases
schwirrend Klingen,
- Und wieder wie verhaltnes Weinen
steigt
- Ein langer Klageton aus den
Syringen,
- Gedämpfter, süßer
nun, wie tränenfeucht
- Und selig kämpft
verschämter Liebe Ringen; -
- O Nachtigall, das ist kein wacher
Sang,
- Ist nur im Traum gelöster
Seele Drang.
-
- Da kollerts nieder vom
Gestein!
- Des Turmes morsche Trümmer
fällt,
- Das Käuzlein knackt und
hustet drein;
- Ein jäher Windesodem
schwellt
- Gezweig und Kronenschmuck des
Hains; -
- Die Uhr schlägt
Eins.
-
- Und drunten das Gewölke
rollt und klimmt;
- Gleich einer Lampe aus dem
Hünenmale
- Hervor des Mondes Silbergondel
schwimmt,
- Verzitternd auf der Gasse blauem
Stahle;
- An jedem Fliederblatt ein
Fünkchen glimmt,
- Und hell gezeichnet von dem
blassen Strahle
- Legt auf mein Lager sich des
Fensters Bild,
- Vom schwanken Laubgewimmel
überhüllt.
-
- Jetzt möcht' ich schlafen,
schlafen gleich,
- Entschlafen unterm
Mondeshauch,
- Umspielt vom flüsternden
Gezweig,
- Im Blute Funken, Funk' im
Strauch
- Und mir im Ohre Melodei;
-
- Die Uhr schlägt
Zwei.
-
- Und immer heller wird der
süße Klang,
- Das liebe Lachen; es beginnt zu
ziehen
- Gleich Bildern von Daguerre die
Deck' entlang,
- Die aufwärts steigen mit des
Pfeiles Fliehen;
- Mir ist, als seh ich lichter
Locken Hang,
- Gleich Feuerwürmern seh' ich
Augen glühen,
- Dann werden feucht sie, werden
blau und lind,
- Und mir zu Füßen sitzt
ein schönes Kind.
-
- Es sieht empor, so fromm
gespannt,
- Die Seele strömend aus dem
Blick;
- Nun hebt es gaukelnd seine
Hand,
- Nun zieht es lachend sie
zurück;
- Und - horch! des Hahnes erster
Schrei! -
- Die Uhr schlägt
Drei.
-
- Wie bin ich aufgeschreckt, - o
süßes Bild,
- Du bist dahin, zerflossen mit dem
Dunkel!
- Die unerfreulich graue
Dämmrung quillt,
- Verloschen ist des Flieders
Taugefunkel,
- Verrostet steht des Mondes
Silberschild,
- Im Walde gleitet ängstliches
Gemunkel,
- Und meine Schwalbe an des Frieses
Saum
- Zirpt leise, leise auf im schweren
Traum.
-
- Der Tauben Schwärme kreisen
scheu,
- Wie trunken in des Hofes
Rund,
- Und wieder gellt des Hahnes
Schrei,
- Auf seiner Streue rückt der
Hund,
- Und langsam knarrt des Stalles
Tür -
- Die Uhr schlägt
Vier.
-
- Da flammt's im Osten auf, - o
Morgenglut!
- Sie steigt, sie steigt, und mit
dem ersten Strahle
- Strömt Wald und Heide vor
Gesangesflut,
- Das Leben quillt aus
schäumendem Pokale,
- Es klirrt die Sense, flattert
Falkenbrut,
- Im nahen Forste schmettern
Jagdsignale,
- Und wie ein Gletscher sinkt der
Träume Land
- Zerrinnend in des Horizontes
Brand.
-
-
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-
- 1846
1847 -
Seitenanfang
-
- Annette ist gesundheitlich stark
angegriffen und wird immer schwächer. Parallel dazu
kommt es zum endgültigen Bruch mit Levin
Schücking, als dessen Roman "Die
Ritterbürtigen" erscheint und sie ihn zu lesen
bekommt. Sie muß aber wegen ihrer
schwächlichen Gesundheit den mütterlichen Sitz
Rüschhaus verlassen und
bricht im September 1846 fiebernd und krank noch einmal
von Münster nach Meersburg auf. In Bonn macht sie
noch einmal vierzehn Tage Pause, bevor sie
weiterfährt. Auf der Meersburg geht es ihr besser
und sie kann wieder Besuch empfangen. Trotzdem schreibt
Annette 1847 ihr Testament. Ab und zu gibt es Phasen der
Besserung, aber sie weiß, daß es zu Ende
geht.
-
- 1848
- Seitenanfang
-
- Annette stirbt am 24. Mai 1848 im
äußeren Gartenturm der Meersburg. Ihr Grab
steht auf dem Meersburger Friedhof ; es ist ein
einfacher, efeuumrankter Stein, auf dem die Worte "Ehre
dem Herren" stehen.
-
-
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- Seitenanfang
-
-
- Literatur:
- Görner, Lutz: Lutz Görner spricht
und singt Annette von Droste-Hülshoff, Ed. Lutz
Görner, 3-8025-4048-4
- Maurer, Doris: Annette von
Droste-Hülshoff - Biographie, Turm-Verlag,
Meersburg, 1999/3
- Ditz, Monika/Maurer, Doris: Annette von
Droste-Hülshoff und ihre Freundinnen, Turm-Verlag,
Meersburg 2006
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- Links:
- http://droste-huelshoff-zeitleiste.blogspot.com
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