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Reformationsablauf
zusammengestellt,
gekürzt und ergänzt durch
Martin Schlu
2000,
Stand:
5. August 2002
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1507
- 1517
- 1518
- 1519
- 1520
1507
- Reformationsbeginn
und beginnender Protestantismus, parallel zur
"Wahl" Karls V. zum Kaiser. Dem katholischen
Messegesang wird das sogenannte "Lutherlied"
gegenübergestellt - man singt jetzt in
Deutsch, damit auch die, die kein Latein
können, zumindst verstehen, was
gesungen/gebetet wird. Deswegen könnte man
dem Papst zwar schon mal auf die Finger klopfen,
wenn der sich eine neue Kirche bauen will, tut
es aber nicht. Schließlich macht die
Familie Fugger
mit dem Papst Halbe/Halbe damit die
Bestechungsschulden des Kardinals von
Brandenburg und die des Kaisers Karl
V.
endlich abgetragen werden können...
Links: Luther
- Medici
- Monteverdi
Luthers Schriften und Bibelübersetzungen
haben zur Verbreitung u. Durchsetzung einer
allgemeine deutschen Hochsprache wesentlich
beigetragen. Seine Sprache ist dabei
geprägt vom Stil der meisten Kanzleien und
der mittelalterlichen Prosaliteratur. Luther
selbst verstand sich als Lehrer der Heiligen
Schrift, nicht als Reformator der Kirche oder
des Staats im Rahmen der damaligen
Gesellschaftsordnung. Im folgenden sei hier
einie Chronologie der reformationsvorgänge
versucht. Die benutzten Quellen stehen am Ende
des Artikels.
-
- Papst
Julius II. ruft den sogenannte Petersablaß
aus, um den 1505 begonnenen Neubau des
Petersdoms in Rom fertigstellen zu können.
Den Vertrieb dieses Ablaß in Deutschland
überträgt Leo X. 1515 dem
Hohenzollernprinzen Albrecht
von
Brandenburg.
Dieser wiederum ist seit 1513 Bischof von
Magdeburg und Administrator des Bistums
Halberstadt und 1515 sogar Erzbischof von Mainz
geworden. Für diese eigentlich unerlaubte
Pfründenhäufung muß er Gelder in
Höhe von 29 000 Gulden an die Kurie in Rom
zahlen. Dazu hat er einen Kredit bei den reichen
Fuggern
in Augsburg aufgenommen. Aus den einzunehmenden
Ablaßgeldern soll die eine Hälfte
nach Rom zum Bau von St. Peter weitergeleitet
werden, die andere Hälfte, über 36 000
Gulden, soll der Kardinal zur Begleichung seiner
Schulden bei den Fuggern behalten dürfen.
Albrecht läßt für seine
Unterkommissare eine Instruktion erarbeiten. Auf
deren Grundlage zieht der berüchtigte
Dominikaner Johann
Tetzel
durch die magdeburgischen und brandenburgischen
Städte und Dörfer nördlich von
Wittenberg und verkauft marktschreierisch die
Ablaßbriefe. Bald heißt es, man
könne bei Tetzel auch Ablaß für
die Sünden schon Verstorbener erlangen und
Tetzel könne sogar, wäre dies
möglich, die schwere Sünde der
Vergewaltigung der Gottesmutter Maria durch
Ablaß vergeben.
-
- 1517
-
Seitenanfang
- Schon
früher hat sich Luther gegen den
Ablaßmißbrauch geäußert.
Vor allem in seinen Predigten hat er wiederholt
eingeschärft, daß man Gottes Ehre
Abbruch tue, wenn man Ablässe ohne
wahrhafte innere Reue und Buße erwirbt. Am
31. Oktober 1517 wendet sich Luther in Briefen
an seine kirchlichen Vorgesetzten, den Bischof
Hieronymus Schulze von Brandenburg und den
Erzbischof Albrecht von Magdeburg.
Möglicherweise schrieb er auch noch anderen
Bischöfen. Erhalten ist nur der Brief an
Albrecht. Diesem Brief an Kardinal Albrecht nun
legt Luther 95
Thesen
bei, die er offenbar am 31. 10. 1517 zum
Zweck einer Diskussion mit Gelehrten in
Wittenberg anschlagen läßt und auch
dem Mainzer Erzbischof und dem Bischof von
Brandenburg mit der Aufforderung zu einer
schriftlichen Gegenäußerung
zuschickt.
Jedoch gibt es weder in Wittenberg noch an
anderer Stelle eine öffentliche Disputation
über die Thesen. Es passierte zunächst
überhaupt nichts. Reaktionen sowohl in
Wittenberg und seitens seiner Freunde, an die
Luther die Thesen verschickt hatte, als auch von
den Bischöfen blieben zunächst
aus.
Außer an die Bischöfe hat Luther die
Thesen nur an ganz wenige vertraute Freunde
gesandt. Damit jedoch löst er eine
Kettenreaktion aus. In Abschriften gelangen die
Thesen unter anderem nach Nürnberg, Leipzig
und Basel, wo sie noch im Dezember 1517 gedruckt
werden. Von diesem Zeitpunkt an gilt, was Luther
später selbst in die Worte faßte, die
Thesen
-
- "liefen
schier in 14 Tagen durch ganz
Deutschland".
-
- Die Reaktionen
der Bischöfe sind zunächst ganz
unterschiedlich. Der Merseburger Bischof ist
weitgehend von Herzog Georg von Sachsen
abhängig. Dieser wiederum ist als
Verfechter einer weitreichenden Kirchenreform
anfänglich sehr mit Luthers Auftreten gegen
den Ablaß einverstanden. Der Brandenburger
Bischof Schulze hält sich bedeckt, rät
aber davon ab, die Angelegenheit weiter zu
verfolgen.
-
- Erzbischof
Albrecht von Brandenburg

bittet zunächst die Mainzer
Universität um ein Gutachten, informiert
sofort den Papst und fordert die Magdeburger
Räte auf, Luther die weitere Behinderung
der Ablaßprediger zu verbieten.
Das Mainzer Gutachten vom 17. Dezember empfiehlt
dagegen nur die Prüfung der Angelegenheit
durch die römische Kurie.
-
- 1518
-
Seitenanfang
- Am 20.
Januar 1518 disputiert Luther an der
Universität Frankfurt/Oder über eine
Thesenreihe zum Ablaß. Als Buchführer
mit Drucken dieser Thesen in Wittenberg
auftauchen, nehmen ihnen Studenten alle 800
Exemplare ab und verbrennen sie in
demonstrativer Weise
-
- Papst Leo X.
weist am 3. Februar 1518 lediglich den
Ordensgeneral der Augustiner - Eremiten,
Tauplitz, darauf hin, auf Luther
mäßigend einzuwirken. Der sich
persönlich getroffen fühlende Tetzel
soll in seinem Zorn Todesdrohungen gegen ihn
ausgestoßen haben, reagiert aber
zunächst auch auf der akademischen
Ebene.
Im März 1518 wird Luther von Johann Eck,
bis dahin ein Sympathisant des Wittenberger
Mönchs, erstmals als "Böhme und
Häretiker" bezeichnet. Daran
anknüpfend veröffentlicht Tetzel Ende
April/Anfang Mai 1518 eine Schrift, in der er
Luther als in der Tradition Witcliffs und Hus'
stehenden Ketzer darstellt. Luthers gedruckte
Antworten auf diese Vorwürfe werden nun
auch polemisch. In diesem Konflikt sind schon im
Ansatz alle späteren Streitpunkte, wie das
Vermögen des freien Willens, die
Sakramente, die Vergebungsgewalt des Papstes und
die priesterliche Vollmacht angelegt. Es deutet
sich ein grundsätzlicher
Autoritätskonflikt an, obwohl Luther immer
noch die Hoffnung hegte, der Papst werde ihn
verteidigen.
-
- Noch vor einer
geplanten umfassenden Erläuterung seiner
Thesen erscheinen im April 1518 eine in der
zweiten Märzhälfte gehaltene Predigt
im Druck. Unter dem Titel "Ein Sermon von
Ablaß und Gnade" legt Luther in knapper
und verständlicher Form und, was ganz
besonders wichtig war, in deutscher Sprache,
seine nunmehr unzweifelhaft eigene Auffassung
zur Ablaßproblematik dar. Diese Schrift
wird zum ersten großen literarischen
Erfolg Luthers.Der Erzbischof von Mainz und die
Dominikaner klagen in Rom und bereiteten einen
Ketzer-Prozeß gegen Luther
vor.
-
- Im Sommer 1518
jedoch wird in Rom offiziell der
Ketzerprozeß gegen ihn eröffnet. Eine
Station auf diesem Wege ist das "väterliche
Verhör" Luthers durch Kardinal Cajetan
anläßlich des Augustinerkonvents im
Oktober 1518 in Augsburg, nachdem Kurfürst
Friedrich die Auslieferung des rebellischen
Mönchs nach Rom abgelehnt hatte. Luther
spricht später selbst vom schwersten Gang
seines Lebens, hat er doch das Schicksal des Jan
Hus, d.h. den Scheiterhaufen, vor Augen. Aber er
ist nicht bereit zum Widerruf.
-
- 1519
-
Seitenanfang
- Auf der
Leipziger
Disputation
im Juli 1519 zwischen Johann Eck u. A. Karlstadt
lehnt Luther die Irrtumslosigkeit der
allgemeinen Konzilien ab und gerät damit in
offene Kritik zum Papsttum. Aus der
Rechtfertigungsverkündigung ergibt sich
aber notwendig diese Kritik am Papsttum, das
sich nach Luthers Auffassung über den
klaren Wortlaut der Schrift
hinwegsetzt.
-
- Allein bis 1520
erscheinen insgesamt 20 Drucke, in Wittenberg,
Leipzig, Nürnberg, Augsburg und Breslau.
Hier wird in plastischer Weise die besondere
Rolle der neuen Technik des Buchdrucks für
die Verbreitung neuer Ideen
deutlich.
-
- Nun begannen
die Ereignisse sich immer schneller zu
entwickeln. Die Unfähigkeit der Kurie, das
berechtigte religiöse Anliegen Luthers auch
nur wahrzunehmen, führt statt zum
Gespräch zur Repression. Je stärker
diese wird, um so mehr wird Luther förmlich
gezwungen, seine Auffassungen zu konkretisieren
und zu verteidigen.
-
- 1520
-
Seitenanfang
- Die
Bulle "Exsurge Domine" vom 15. 6. 1520 fordert
Luthers Unterwerfung gegenüber dem Papst.
Luther antwortet mit der Veröffentlichung
seiner drei großen Programmschriften "An
den christlichen Adel deutscher Nation von des
christlichen Standes Besserung" (August 1520),
"Von der babylonischen Gefangenschaft der
Kirche" (Oktober 1520) und "Von der Freiheit
eines Christenmenschen" (November 1520), durch
die er den größten Teil des deutschen
Volkes für sich gewinnt.
-
- Der drohenden
Verhaftung entzieht er sich durch die Flucht aus
Augsburg in der Nacht vom 20. Zum 21.
Oktober.
- Die
päpstliche Bulle seiner Verurteilung
verbrennte er am 10. 12. 1520 öffentlich
und zieht damit das Volk auf seine Seite,
allerdings um den Preis, daß er für
die Kurfürsten nicht mehr tragbar ist und
fallengelassen wird Lediglich Friedrich der
Weise hilft ihm später (1521),
läßt ihn augenscheinlich
überfallen und dann als "Junker Jörg"
auf der Wartburg verstecken.
-
- 1521
-
Seitenanfang
- Am 3. 1.
1521 wird Luther von Papst Leo X. daher
exkommuniziert. Auf dem Reichstag zu Worms im
April 1521 lehnt Luther den Widerruf und die
stumme Unterwerfung unter ein allgemeines Konzil
ab. Kaiser Karl V. verhängt darauf
über Luther die Reichsacht, glaubt aber,
daß der Fall Luther damit erledigt sei -
ein für ihn verhängnisvoller Irrtum,
weil Deutschland die nächsten Jahrzehnte
nicht mehr zur Ruhe kommen wird. Kurfürst
Friedrich der Weise von Sachsen läßt
Luther nach einem Scheinüberfall auf die
Wartburg bringen, wo Luther Zeit zum Schreiben
hat und die Übersetzung des Neuen
Testaments entsteht, die 1522 im Druck erscheint
und 1534 durch die Übersetzung des Alten
Testaments ergänzt wird. Während
seines Wartburgaufenthalts haben sich vielerorts
lutherische Gemeinden gebildet. Seine Schrift
gegen die Mönchsgelübde bewegt
zahlreiche Mönche und Nonnen, die
Klöster zu verlassen, unter ihnen auch
Katharina Bora, die er später heiraten
wird.
- benutzte
Quellen: Thiel, Rudolf: Martin Luther.
Ketzer von Gottes Gnaden. Berlin 1933/Wien
1986
KDG Wittenberg http://www.wittenberg.de
Bertelsmann Universallexikon, Bertelsmann
Electronic Publishing, München,
1994
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