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Lindau war bereits am
Ende des Mittelalters ziemlich reich, weil die Stadt einerseits an
der Nord-Süd-Route nach Italien lag, andererseits an der Ostg-West Route nach Salzburg. Sowohl im Fernhandel als auch
im Salzhandel wurde sehr gut verdient und die Stadt wuchs und ihr Vermögen auch Die Insellage im Bodensee war
ein wichtiger Sicherheitsaspekt, man konnte die Stadt nachts regelrecht abschließen und auch heute noch gibt es nur zwei
Zugänge zum Land, der eine, im Nordwesten, über die Seebrücke für
Fußgänger und Radfahrer, der andere, im Nordosten, für die Bahn und alle anderen.
Das erste Mal in Lindau waren wir 2010 mit zwei Töchtern von Meersburg aus. Um den See gab es auch damals nur diese eine Straße über Friedrichshafen (B 33 und andere Nummern) und die Anreise dauerte damals fast zwei Stunden, weil wir in jedem Dorf im Stau standen. Vor der Insel gab es ein wüstes Feld, wo man umsonst parken durfte und von dort war es noch ca. ein Kilometer in die eigentliche Inselstadt. Bei der Rückkehr am späten Nachmittag war das Auto gut aufgeheizt und die Rückfahrt war nicht besonders prickelnd, obwohl wir schon eine Klimaanlage hatten. Im Juli 2020 war ich wieder mit meiner Frau in Lindau, weil wir in der alten Post die Ausstellung Paula (Modersohn-Becker) und Otto (Modersohn) ansehen wollten. Uns hatte die Stadt sehr gut gefallen. Das letzte Mal waren wir mit unseren Enkelinnen 2024 hier, wohnten in Bregenz und von da aus ist man in einer guten Viertelstunde hier, wenn man mit dem Auto kommt. Wenn es keinen Stau gibt und man früh genug ankommt, findet man hinter der Inselbrücke im Nordosten rechts das Parkhaus. ![]() Lindau ist eine - fast autofreie Insel, also stellt man sein Gefährt im Parkhaus ab nach oben Anreise Lindau ist eine - fast autofreie Insel, also stellt man sein Gefährt für € 2,00/Std. im Parkhaus hinter dem Parktheater (Zwanzigerstraße) ab und läuft. Wenn man in der Hochsaison (Juli/August) aber erst um 12:00 Uhr aufschlägt, ist das Parkhaus schon voll und dann fährt man am besten wieder zurück, parkt das Auto in der Nähe des Bahnhofs Lindau-Reutin und nimmt den Zug zum Inselbahnhof. Dort kommt man am anderen Ende der Insel an (Nordwesten). Die zweite Alternative ist der Besuch an einem anderen Tag zwei Stunden früher. ![]() Der Inselbahnhof - zu den Schiffen sind es ein paar Minuten nach links, in die Altstadt auch Der Normaltourist kommt aber mit dem Auto, geht zu Fuß über die Inselbrücke und das Erste, was er beim Passieren der alten Stadtmauer von der Altstadt sieht, ist die Schmiedgasse, ein Viertel, bei dem man nicht weiß, ob die mittelalterlichen/barocken Häuser „modernisiert“ wurden, ober ob es Nachbauten im alten Stil sind - Neobarock oder sowas. Ob man nun rechts geht oder links, ist egal - rechts (Schmiedgasse) gelangt man zum Markt mit der Stephanskirche, links (Fleischergasse) hat man die kürzere Verbindung zum Hafen. ![]() Die Altstadt beginnt in der Schmiedgasse nach oben Cavazzen Nach einigen Touri-Läden kommt man zur St. Stephanus-Kirche (die ist evangelisch), passiert den Neptunbrunnen und dort, am Markt, steht das - angeblich - schönste Barock-Haus am Bodensee, der Cavazzen. Zur Cavazzen-Homepage ![]() Der Cavazzen steht auf mittelalterlichen Mauern und wurde im Barock neu gebaut. Dieses Haus stand schon im Mittelalter, gehörte einer reichen Kaufmannsfamilie und wurde bei großen Stadtbrand 1728 so schwer beschädigt, daß es unbenutzbar wurde. Eine andere Kaufmannsfamile (Seutter von Loretzen) kaufte es und ließ es ab 1729 im Prinzip neu aufbauen. Zweihundert Jahre später stiftete der damalige Besitzer das Haus der Stadt mit der Auflage, dort ein Museum einzurichten. Das ist bis heute so. Die letzte grundlegende Sanierung ist gerade abgeschlossen und in den letzten Jahren konnte man das Haus nicht besichtigen. Man hat in dieser Sanierung aber Erhebliches geleistet und das Haus ist jetzt wohl in einem besseren Zustand als früher. Im Erdgeschoß und im ersten Stock gibt es eine ständige Ausstellung des Lindauer Heimatmuseums vom Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert und im zweiten Stock ist reichlich Platz für Sonderausstellungen. Die Räume des Heimatmuseums umfassen eine Reihe toller Exponante und beschreiben die Entwicklung der Stadt bis in die Gegenwart. Es gibt ein paar Highlights: Der Dachboden mit den alten Balken (und neuen Stützlösungen) bietet einen schönen Blick auf Markt und Kirche, ![]() Ausblick vom Dachstuhl des Cavazzen auf den Marktplatz, vorne der Neptun-Brunnen, dahiner St. Stephan. der Film über die Stadtgeschichte ist grandios (auch in englisch) und im Heimatmuseum hängen im Barock gemalte genaueste Darstellungen der Stadt in einer unglaublichen Akribie. Die gegenwärtige Picasso-Ausstellung (Picasso Handmade) fand ich allerdings nicht so doll, weil unter den Werken, tief unten, eine Nummer stand, die man nachschlagen mußte, um den Titel herauszubekommen. Ich bin aber eher ein Fan von lesbaren Beschriftungen und Platz dafür hätte es genug gegeben. Der Audioguide ist auch nicht mein Ding, weil ich schneller lesen kann als die meisten brauchen, um einen klaren Satz zu sprechen. Hier hätte ich eine altmodische Präsentation besser gefunden. C'est la vie! Grandios sind die Werke Picassos, bei denen er nur eine Linie zieht und man sofort erkennt, was es ist. Hier standen Keramikvasen, in deren Terracotta-Überzug Picasso die Silhouette einer Frau geritzt hat - eine Linie und alles ist perfekt. Kleinzeug von Picasso gab es auch, ein Dackel und eine Eule in einem Zug gezeichnet. Die wurden als Magnete gekauft. Vermißt habe ich nur Picassos Stier ( Fahrradsattel als Kopf, umgedrehter Lenker als Hörner) - besser kann man Sehen nicht erklären. ![]() Der Cavazzen ist nicht nur ein Heimatmuseum Lindaus, sondern zeigt im Erdgeschoß ein bißchen italienisches Restaurant-Flair. Nach zwei Ausstellungen brauchten wir eine Pause und gingen im Erdgeschoß in das Café im italienischen Stil. Es gibt kleine Gerichte, es war ruhig und als es wärmer wurde, zog sich ein Sonnensegel über den Innenhof, der Wind blies lau und man spürte die 34° Grad draußen nicht mehr so. Haus zum Cavazzen, Marktplatz 5, 88131 Lindau, Telefon: +49 8382 918810, E-Mail: museum@lindau.de nach oben Maximilianstraße Wenn man den Cavazzen links liegen läßt und die Cramergasse entlang geht, macht die Straße einen Knick und man ist in der touristische Freßmeile, der Maximilianstraße. Je nach Sonnenstand sucht man sich dort einen Platz im Schatten und wo man sich hinsetzt, ist eigentlich egal. Wir haben in den Cafés keinen Unterschied gemerkt und überall gab es diese alten Häuser irgendwo zwischen Renaissance und Barock. Nur die „Nordsee“ fiel ein bißchen aus dem Rahmen, aber sie bieten „Bodensee-Felchen“ an. Ich vermute allerdings, daß diese Fische nicht den Bodensee gesehen haben, sondern eher eine Fischzucht außerhalb der Stadt. So viele Felchen, wie hier angeboten werden, können nicht alle aus dem See kommen. Das ist wahrscheinlich so wie bei den Nordatlantik-Lachsen aus dem Käfig.. ![]() Die Maximilianstraße in Liindau ist das Herzstück der Fußgängerzone - ein Café steht neben dem anderen. nach oben Rathaus Das Rathaus ist der absolute Hingucker und wahrscheinlich das meistfotografierte Haus hier. Es wurde ab 1422 gebaut und zeigte einfach die Finanzmacht der Stadt. Kaiser Maximilian I. nutzte diesen Bau und berief 1496 einen Reichstag nach Lindau in den Ratssaal. Der beschloß zwar nicht Wichtiges, aber Lindau konnte seine Macht zeigen. Achtzig Jahre später (1576) wurde der Renaissance-Treppengiebel gebaut, ab 1617 gab es neue Glocken und im 19. Jahrhundert kamen die Malereien auf das Rathaus. Sie sind nicht wirklich historisch alt, sondern im Stil der bayrischen Lüftelmalerei und zeigen Details der Lindauer Geschichte. Von der Maximilianstraße aus ist das Rathaus bis zum Nachmittag nicht gut zu fotografieren (Gegenlicht), die Rückseite leuchtet dafür regelrecht. Wer nch mehr klassische Lüftelmalerei sehen will, muß nach Oberammergau oder nach Mittenwald. Wer die Rückseite sehen will, klickt hier. ![]() Zwischen Maximilianstraße und Reichplatz steht das Rathaus nach oben Kunstforum Hundertwasser Das Kunstforum am Inselbahnhof war früher die Post - nicht zu verwechseln mit der Alten Post, die ganz woanders liegt und längst ein Hotel ist. Nachdem die Post dort ausgezogen war, wurde es zum Kunstmuseum Lindau und in viele n Räumen konnte man Objekte zeigen. 2020 sahen wir hier die Ausstellung Paula und Otto (Ehepaar Modersohn-Becker), 2024 gab es Christo und Jean-Claude. Seit 2025 heißt das Gebäude „Hunderwasser-Forum“ und thematisiert bis Januar 2029 die Werke Friedensreich Hunderwassers. ![]() Ich kenne das Gebäude noch als Post - das ist aber schon ein paar Jahre her. Wer nichts über Hundertwasser weiß, wird hier sehr viel erfahren. Wer ihn schon kennt, für den ist die Ausstellung eine Offenbarung, weil ausgiebig über seine Drucktechnik informiert wird und ganz unterschiedliche Objekte zu sehen sind. Er mag ein recht verschwurbelter Zeitgenosse gewesen sein, aber sein Werke sind unfaßbar schön. Für kleines Geld kann man Postkarten und Drucke kaufen, für größeres Geld geht man am besten zum Galeristen und wer unbedingt ein Hundertwasser-Haus sehen will, muß nach Darmstadt oder nach Wien. Wie bei den Drucken gibt es keine gerade Linie und bei den Häusern sind keine zwei Fenster gleich.
Kunstforum Hunderwasser, Maximilianstraße 52, 88131 Lindau (Bodensee), Tel. +49 8382 27 47 47 850 nach oben Hafen ...wird noch fortgesetzt ![]() Der Mangturm steht direkt am Hafen ...wird noch fortgesetzt nach oben ![]() Der Hafen in Lindau hat den markanten Einfahrtsturm, den man auch schon von Bregenz aus sieht. Der Löwe beißt seit 1806. nach oben |
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