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- Übersicht Venedig - Basisartikel - Orientierung - Stadtteile
- San Giorgio - Murano -
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Anreise, erster und zweiter Tag Nach
der letzten Biennale 2024 und dem Karneval Anfang des Jahres sind wir
wieder mit dem Auto über den Brenner gefahren und haben am ersten Tag
ein kleines Motel in Oy gehabt, das buchstäblich
neben der Autobahn lag und uns weitere Gurkerei ersparte. Hinten saßen
unsere beiden Enkelinnen (14 und 12), denen wir eingeschärft hatten,
nur eine Reisetasche zu packen, denn der Kofferraum faßt nur vier
Taschen hochkant. Natürlich wurde es mehr und dieses Mehr mußte mit den
Mädchen auf den Rücksitz. Nach etlichen Stunden Handygegucke wären die
Mädchen auch bereit gewesen mal aus dem Fenster zu sehen, doch vor den
Alpen lag Nebel und am zweiten Tag gab es bis zur italienischen Grenze
Regen und so verschliefen die Kinder viele interessante Sachen, die sie
hätten sehen können. Bis Südtirol
wechselte der Regen in den Nebel und als wir das Alto Adige hinter uns
hatten, riß die Sonne auf und ab Verona stiegen die Temperaturen bis
auf 27 Grad an. An der Garage am
Piazzale Roma (San Marco , GPS
45.437694,12.317244) brauchten wir ein paar Minuten, bis alles so
weit organisiert war, daß wir das Gepäck zum ATCV rollen konnten. Für
Mittwoch bis Mittwoch fielen in der Garage € 380,00 an Parkgebühren an.
- Für die Vaporetti
(Wasserbusse) fallen auch noch mal 4 x 65 = € 260,00 an für vier
Sieben-Tages-Tickets. Kinder- oder Schülerermäßigung gibt es schon seit
Jahren nicht mehr und frei sind Kinder nur bis zu sechs Jahren - da
können wir nicht mehr mit dienen. Am
Abreisetag werden dann noch einmal 4 x 9,50 für die Einzelfahrt
anfallen. Billig ist Venedig nie gewesen, aber Fliegen hätte bei der
Buchung
vermutlich mehr gekostet als Sprit, Parken und Motel-Übernachtung
zusammen.
- Die
Wohnung liegt wieder in Dorsoduro, auch wieder am Campo S.(anta)
Margarita, aber im dritten Stock. Von der Küche sieht man auf den Campo, vom Wohnzimmer aus auf die Dächer der Nachbarn. Das vertraute
Geläut des campanile
von San Carmini weckt schon fast heimatliche Gefühle.
 Oben: Chiesa di Carmini von der Ponte di pugni am Gemüseboot in Dorsoduro
- Unten: Dächerlandschaft von Dorsoduro

- Die erste Abendfahrt
mit der Linie 1 durch das dämmrige Venedig wird verschoben. Es reicht
gerade noch, mit den Mädchen im Conad um die Ecke einzukaufen und sich
am Abend zu entspannen. Morgen gehen wir alles an.
- nach oben
-
Dritter Tag - San Giorgio und Canale grande
- Weil wir schon die Wochentickets haben, steigen wir am Ca' Rezzonico
in die Linie 1 ein und fahren bis San Basilio. Dort hält die Linie 2 und mit der
kommen wir nach San Giorgio.
- San Giorgio war schon lange immer ein Teil der Biennale und vor und in dem
großen Kirchenraum haben wir meistens tolle Sachen gesehen - die letzten überragenden Kunstwerke waren 2022 Ai Weiweis Knochenskulpturen aus braunem Muranoglas oder 2015 Jaume Plensas Gitterkopf. Dieses Jahr ist es Barry X Ball, der unter dem Titel „The Shape Of Time“ fast die ganze Kirche bespielt. George Kubler, ein amerikanischer Kunsthstoriker, veröffentlichte 1962 unter diesem Titel ein Buch, in dem er das Verhältnis von Geschichte und Kunst beschrieb.
Barry X Ball hat nun Figuren der Geschichte und Religion in Glas,
Marmor und Metall dargestellt, die hier zu sehen sind. Auf den ersten
Blick ist nicht zwar klar, worum es geht, doch wenn man sich einsieht
(und den bereitliegenden Kurzführer liest), wird es deutlicher.

Innenraum von San Giorgio mit zwei Figuren von Barry X Ball
- Links ist eine Madonna, zu erkennen, rechts ein Gesicht,
jedoch ohne genaue Bezeichung. Das Material ist Glas oder Metall und
teilweise farbiger Marmor. Um bei den Figuren Details besser zu
erkennen, muß man aber ziemlich dicht heran:

|  | Vorn vorne ist es undefinierbar...
| ...von rechts ist es Papst Johannes Paul II.... | 
| 
| Inthronisierter Papst - aber welcher?
| Eines der Bildnisse von Giuseppe Panza
|
- Außerdem stehen in den
Seitenflügeln größere Skulpturen, wie z.B eine Piéta aus Marmor, die
durch den Kontrast von dunkler Kirche und hellem Marmor regelrecht
leuchtet. Wer der tote, junge Mann ist, weiß man aber nicht so recht.
Bei Jesus wäre die haltende Figur eine Maria - das ist hier nicht der
Fall.

Piéta aus Marmor
San Giorgio hat aber nicht nur aktuelle Kunst
zu bieten, sondern auch zwei legendäre Tintorettos - links und rechts
vom Altar. Das rechte Bild zeigt das letzte Abendmahl, das linke Bild das Volk Israel in der Wüste.
- Die wurden von Februar 2025 bis April 2026 von
Jahrhunderte altem Ruß und Staub befreit, erstrahlen deswegen wie
frisch geputzte Fenster und wenn man den Weg zum Campanile geht, findet
man an Stelle des Kassenhäuschens einen Monitor, auf dem die Abnahme,
die Restaurierung und die Aufhängung der beiden riesigen Bilder
dokumentiert ist. Nach dem Film sind wir nochmal zum Altar gegangen udn
haben in Echtzeit geguckt, doch man kann die frisch restaurierten
Bilder nicht wirklich gut sehen, geschweige gut fotografieren.
Dafür gibt es ja Wikipedia (Links oben).
- Wir hätten unseren Enkelinnen gerne noch Venedig vom
Campanile gezeigt, doch der wird bis Mitte 2027 saniert. Bis zur
Sperrung war der Glockenturm (campanile) von San Giorgio die beste
Alternative, weil man von hier einfach den besseren Überblick hat. Ob
wir uns an dem online-Wettbewerb mit Schlangestehen an San Marco
beteiligen, ist eher unwahrscheinlich - in der Fotosammlung findet sich
auch etwas aus der Vergangenheit.

Aussicht vom Campanile San Giorgio 2018 am Ostersonntag - zur Vergrößerung klicke auf das Bild
nach oben
- Danach nehmen wir die Linie 2, fahren nach San Marco und laufen
die übliche Strecke nach San Marco. Die Seufzerbrücke wird gezeigt und
ganz kurz erklärt (Jugendliche wissen heute nichts mehr über Casanova,
die Bleikammern und das 18. Jahrhundert), am Campanile San Marco ist
immer noch eine Schlange, obwohl man ohne QR-Code und online Buchung
nicht hereingelassen wird und an der Basilika stehen Sicherheitsleute
mit grimmigen Gesichtern - da reinzukommen war früher einfacher. Alle
vier Musikcafés lassen ihre Orchester spielen und haben halbwegs volle
Tische, dafür ist die Piazza halbwegs leer und ein paar sehr
große Jungs nutzen die Fläche und jagen Tauben. An Karneval im Februar
konnte man hier nicht mehr treten.

Die Piazza San Marco ohne Menschenauflauf - eine Seltenheit.
- Wir gehen ins Piccolo Martini,
ein bezahlbares und gutes Restaurant, das zwar in der Nähe von Fendi,
Gucci und Chanel liegt, aber viel weniger kostet. Die Mädchen bestellen
sich, was sie kennen (Spaghetti Bolognese), lassen sich aber auch von
uns Fritto Misto geben und finden es lecker. Pro Person € 30,00 mit Getränken ist hier regelrecht preiswert.
- Zurück fahren wir mit der Linie 1 und sehen an den üblichen Palazzi Kunstwerke von Dale Chihuly, der gleich drei Gärten bespielt, einmal den Palazzo Balbi Valier,

Dale Chihuly am Palazzo Balbi Valier,
den Garten am Palazzo Franchetti,

Dale Chihuly am Palazzo Franchetti,
... und am Palazzo Querini alla Carità.
-

Dale Chihuly am Palazzo Balbi Valier.
- Dann ist es auch gut. Um unseren Enkelinnen nicht zu viel zuzumuten,
werden wir nur einen Tag Biennale machen und darum lassen wir die
Hallen am Arsenale dieses Jahr liegen. Zu viel moderne Kunst schreckt
einfach ab.
- Am Abend ziehe ich mit dem Nachwuchs los, kaufe am
Piezzale Roma ein und hole die Abendfahrt Richtung Lido nach. Es gibt
viel zu gucken und schöne Bilder.

Canal Grande in Höhe Rialto Mercatore (Markthallen, rechts)
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- Vierter Tag - kein Murano und der Lido
- Eigentlich wollen wir
nach Murano und laufen eine Viertelstunde bis zum Piazzale Roma, weil
dort die Linie 3, 4.1 und 4.2 abfahren. Außer uns wollen dies
aber auch viele andere Leute und es hat sich eine Schlange gebildet.
Das wäre ja nicht so schlimm, aber die Schlange löst sich nicht auf,
weil nebenan eine getrennte Spur für die „Priorita“ existiert, auf der stetig Menschen an den Normalwartenden vorbeiziehen. Ein Boot nach
dem anderen fährt ohne uns ab und nach einer Drieviertelstunde im
Stehen sind wir vielleicht zehn Meter weiter gekommen. Da brechen wir
ab, nehmen die Linie 1 zum Lido und sind um zwölf Uhr wieder etwa da,
wo wir vor zwei Stunden gestartet sind. Gegen halb eins sind wir an der
Punta Dogana, wo Giudecca-Kanal und Canal Grande aufeinandertreffen und
der Himmel zieht sich zu.

- Herbsthimmel vor der Giudecca an der Dogana
Beim
Anlegen auf dem Lido haben sich die Wolken aber wieder verzogen, es ist
warm und als wir pizzaessend an der Gran Viale Santa Maria Elisabetta
sitzen (die Verbindung zwischen der Linie 1 und dem Strand) liegt es
nahe, mit den Mädchen an die Adria zu gehen. Schließlich ist der Strand
nur etwa sechshundert Meter entfernt. Weil die Saison vorbei ist, wird
man auch keinen Platz mit Liege und Sonnenschirm mieten müssen, sondern
kann einfach so an den Strand - wie es in Dänemark oder Holland absolut
normal ist. Wir ziehen los und am Strand gibt es einen Schwimmer und
sonst nur Spaziergänger. Die Mädchen sammeln ihre Muscheln.

- Muscheln sammeln am Strand des Lido
- Schnell sind die
ersten Stücke gefunden und als alle Jackentaschen mit
Miesmuscheln, Seeschnecken, Krebsschalen und Sand gefüllt sind, gibt es
noch einen kurzen Café-Stop. An der Bar Maleti di Maleti schlagen vier Getränke mit € 13,00 zu Buche - nicht nur für Venedig ist das wirklich billig.
Gran V. le S. Maria Elisabetta 45-47, Lido 30125 Venezia
- Danach steigen wir wieder in die Linie 1 und fahren zurück. Am Abend werden die Jacken der Mädchen entsandet, gewaschen und trocknen über Nacht.
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- Fünfter Tag - Salute, Dogana, Zaterre und zurück
- Am Morgen hält uns die Jüngste
einen verwaschenen Zettel unter die Nase, den sie eben aus ihrer
getrockneten Jacke geholt hat - das Vaporetto-Ticke wurde mitgewaschen
und sieht ein bißchen zerfleddert aus. Es funktioniert nicht mehr und
so ziehe ich gleich mit ihr zu Fuß los, um es umzutauschen.

So sieht ein Ticket nach einer 30°-Wäsche und 900 Umdrehungen aus
- Leider ist man bei der
Verkaufsstelle nicht kulant und meint nur, ich solle doch ein neues
Ticket kaufen und da hilft auch keine Diskussion. Mit meiner Frau hatte
ich schon abgesprochen, daß wir am Sonntag sowieso nicht Boot fahren,
weil hier der Venedig-Marathon stattfinden wird und dann muß man nicht
zwischen Dorsoduro und San Marco auf dem Wasser sein. Von der Dogana
wurde eine Brücke über den Kanal nach San Marco
geschlagen, über die die Läufer traben werden und dann ist der Kanal
einen Tag geschlossen. Für die restlichen Tage reicht also ein
Drei-Tage-Ticket.
- Die Preise sind im Übrigen
unverschämt: Einzelfahrt € 9,50, Tagesticket € 25,00,
Drei-Tages-Ticket € 35,00 - kein Vergleich zu München oder Berlin.
Andererseits kriegt man kein Taxi mehr unter € 50,00. Also wird heute
mehr gelaufen.
- Am späten Nachmittag macht meine Frau Pause, gibt ihr Ticket leihweise an die Jüngste ab und wir fahren zwei Stationen zur Salute -
eine der drei wichtigsten Kirchen hier. Über die Restaurierung
der Fassade von Jan 2021 bis November 2025 wird erst gar nichts
erzählt, aber die Preissteigerungen sind wie in Bonn und Berlin: aus
einer Million wurden dreieinhalb.

Die Salute nach der Restaurierung ihrer Fassade von 2021-2025 - beim Anklicken sieht man den Zustand mit der Werbetafel von 2022
- Ich
werde auch nur wenige
Informationen los, Barock, Beichtstuhl, Kunstschätze, Schwarze Madonna,
Wallfahrt - mehr geht konzentrationsmäßig nicht. Dabei ist das Thema
der schwarzen Modonnen eigentlich hochaktuell: Hat die europäische
Kultur die Heilige Familie geweißt oder wurden die
afrikanisch/asiatischen Kulturen von der weißen Religion übernommen?
Kulturelle Aneignung, wohin man auch guckt.

Eine von dem halben Dutzend schwarzer Madonnen, die es überhaupt in Italien gibt.
- Nach einer
Viertelstunde sind wir wieder draußen. Ich hatte den beiden im Vorfeld
schon gesagt, daß wir ein bißchen laufen werden und das tun wir
jetzt auch. Zur Dogana sind es wenige Meter und dort steht der Anfang
der Brücke für den Venedig-Marathon am Sonntag.

Morgen werden die Läufer hier den Kanal überqueren.
- Die
Dämmerung hat eingesetzt,
das Licht vergoldet die Häuser und wir laufen die Zattere entlang,
biegen ab zu Peggy Guggenheim und kommen durch das Künstlerviertel.
Wieder zurück an der Zattere geht es weiter bis San Basilio, über die
Scuola Grande di Carmini wieder auf den Campo S. Margarita. Die Mädels
sind nun durch, wollen nur nach Hause. Weil sie einen Schlüssel
haben, gehen sie vor und ich kaufe noch ein bißchen ein. Beim
Abendessen sind sie fix und fertig, gehen duschen und sind auffallend
still -
Laufen ist anstrengend!

Das Künstlerviertel am Ria della Fornace in Dorsoduro am Abend.
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- Sechster Tag - Ausruhen, Gammeln, Lesen und Schreiben

Ausblick auf einen ruhgen Campo S. Margerita - der Marathon tobt an der Zaterre
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- Siebter Tag - Besuch auf Murano
Murano
ist eine Venedig vorgelagerte Insel, auf der seit Jahrhunderten Glas
hergestellt wird. Bis zum 17. Jahrhundert war es den Glasbläsern bei
Todesstrafe verboten, diese Insel zu verlassen um das Staatsgeheimnis
der Glasherstellung nicht weitergeben zu können. Die „Sbirren“,
eine Art venezianische Geheimpolizei, versuchten, Abtrünnige zu finden
und zu beseitigen. Dabei war ein doppelseitig geschliffeer gläserner
Dolch sehr hilfreich, dessen Griff man nach getaner Erdolchung
abbrechen konnte, so daß man äußerlich bei den Ofern nur eine kleine
Wunde sah. Die innenliegende Klinge war aber rasiermesserscharf und
zerschnitt bei jeder Bewegung weitere Organe.
- Längst ist das Staatsgeheimnis
keines mehr und etliche entflohene Glasbläser machten in Böhmen und im
Schwarzwald eigene Betriebe auf. Doch das Murano-Glas hat nach wie vor
einen Nimbus des Besonderen und so ist, anders als noch vor einigen
Jahren, der Anteil der Billigimporte aus China oder Vietnam deutlich
gesunken. Ab etwa € 30,00 gibt es zertifiziertes Murano-Glas zu kaufen
und die Mehrzahl an Touristen will das auch.

Man nimmt die Linie 3, 4.1 oder 4.2 und steigt nicht an der ersten Station „Colonna“ aus - das tun die meisten - sondern erst an der Station „Mula“. Von dort kann man ganz entspannt am „Fondamenta dei Vetrai“
gegen die Touristenströmung laufen und trifft die vorher Ausgestiegenen
erst relativ spät. Die erste Etappe nach dem späteren Ausstieg ist der Campo Santo Stefano,
vor dessen Turm (rechts im Bild) ein passables Restaurant ist, wo wir
schon häufiger preiswert gegessen haben. Auf beiden Seiten des Kanals
reiht sich ein Lädchen nach dem anderen, bei dem man für relativ kleines
Geld schon echte Stücke finden kann (alles unter zehn Euro ist aus
China).

- Wofür - um alles in der Welt - soll man bloß sein Taschengeld ausgeben?
Die schiere Masse an käuflichen Möglichkeiten schlägt
aber schnell in Überforderung um, wenn man sein Taschengeld auf den
Kopf hauen will, sich aber nicht entscheiden kann. Gläserne Spinnen (will die Mama nicht), Mäuse, Katzen oder Möpse (sind die süß)
wären für die Enkelinnen noch bezahlbar gewesen, wurden aber nicht
gekauft, weil der nächste Laden ja noch mehr schöne Dinge bereit hielt.
Meine Frau und ich fanden auch viele Sachen toll - kamen aber sehr
schnell zum Schluß, daß die Wohnung dafür nicht groß genug ist, daß
diese Sachen nicht kindersicher sind (zwei Rumschmeißjungen könnten die
Preziosen schnell klein kriegen) oder, so schön sie sind, sie müssen ab
und zu abgestaubt werden und sind in der Regel nicht spülmaschnenfest.
So blieb es beim Gucken und Schönfinden.

- Die einzige Brücke auf einem Kilometer Länge mindert die Verkaufschancen um 50%, weil man ja nicht auf beiden Seiten gucken kann
Eine Sache wollten wir den Mädchen auf jeden Fall zeigen und das war der Besuch einer Glasbläserwerkstatt. Gino Mazzucato ist so eine Glasfabrik, bei denen man sehen kann, wie die Stück entstehen und diese Firma
hat da eine sehr interessante Strategie entwickelt. Für € 15,00 p.P.
kann eine Gruppe dem Glasbläser bei der Arbeit zusehen, wie er Masse
aus dem Ofen holt, sie aufbläst, schneidet, wieder ins Feuer hält, dann
verziert und hinterher, wenn sie halbwegs erkaltet sind, ein Stück Zeitungspapier
dranhält, das in Sekunden in Flammen steht. Nacheinander sahen wir die
Herstellung eines Bechers, einer Kanne, einer Vase und eines
springenden Pferdes. Der Vergleich mit älteren Fotos zeigt, daß dieser
Glasbläser dies schon seit einigen Jahren macht und dies auf einem
hohen künstlerischen Niveau, damals habe ich aber eher die Schritte gezeigt. - Vergleich zu 2022

- Der eigentliche Trick besteht
darin, was nach der Show kommt. Dann wird man ins Separée im ersten
Stock gebeten und kann - natürlich ganz unverbindlich - die besseren
Stücke besichtigen. Wir haben mal 1999 in Tunesien in der Altstadt
Ähnlichs erlebt, als ganz zufällig der Cousin des Reiseführers ankam,
uns zum Tee einlud und ganz zufällig seltene (und teure) Teppiche
päsentierte, die er uns wahrscheinlich auch nach Deutschland geschickt
hätte. Damals wir heute haben wir aber sehr höflich abgelehnt. Für ein Glasobjekt von mehreren tausend Euro braucht man ja auch
Platz, eine Vitrine oder einen Sockel und möglichst keine Kinder oder
Hunde.
- Hinter der Glasfabrik liegt in einer traumhaften Lage ein Restaurant - ähnlich wie die Terasse nobili an der Zaterre, doch hier kleiner, überschaubarer und ebenfalls sehr gut.

Hinter Gino Mazzucato liegt ein tolles Restautant in bester Lage am Kanal.
In diesem Restaurant trinkt man natürlich aus den farbigen
Murano-Gläsern, die etwa doppelt so viel kosten wie ein Menü. Ich hatte
im Laden vorher eine Kanne mit sieben Gläsern für den stolzen Preis von
€ 620,00 gesehen - aber schön war sie schon. Ich würde mich aber
ärgern, wenn eines der Kinder das Glas zerschmeißt und darum kriegen
unsere Enkel nur Gläser von Aldi. Auch deswegen haben wir bei Mazzucato
keine Gläser gekauft, aber bestimmt zwei oder drei verfressen.
Restaurant La Fornace, Fundamenta Manin 1, Venezia-Murano
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- Letzter Tag
Mit der älteren Enkelin mache ich am letzten Nachmittag
nochmal einen größeren Spaziergang. Der abgeschlagene Schwertfischkopf
am Fischmarkt schreckt sie zwar etwas ab, doch sie wird schnell
abgelenkt, weil wieder Party auf dem Platz ist. Die letzten Tage haben
wir ständig Examensfeiern gesehen, denn die Uni „Ca' Foscara“
ist nicht weit entfernt, es ist die Woche vor Semesterbeginn und die
letzten Prüfungen haben stattgefunden. Täglich/Stündlich sieht man
fröhliche junge Frauen und Männer mit der typischen Kopfbedeckung der
Examinierten und je nach Tageszeit können sie noch laufen oder werden
gestützt. Das Glas Spritz oder Weißwein ist aber immer dabei. Die junge
Frau fühlte sich jedenfalls geehrt, als ich sie fragte, ob sie sich
fotografieren ließ - Herzlichen Glückwunsch an sie unbekannterweise.

Examensfeier auf dem Camp S. Margerita - sie hat bestanden!
Wir gehen Richtung Accademia, laufen über die
Brücke und schauen noch einmal Richtung Dogana und Salute. Auf
der andere Seite gehen wir links, Richtung Rialto-Brücke, weil die
Enkelin einmal drüberlaufen wollte. Unterwegs biege ich einmal falsch
ab, wir stehen vor einem Kanal und müssen zurücklaufen. Auch nach
zwanzig Jahren Venedig passiert mir das noch ab und zu, aber so lernt
man stille Gegenden kennen und wenn einem ein paar Minuten keiner
entgegen kommt, hat das wohl seinen Grund. Sackgassen werden jedenfalls
nicht als solche gekennzeichnet und den Venezianern passiert das anscheinend
nicht.
 - Hinterhof in einer stillen Sackgasse in San Polo
Wir kommen jedenfalls an der Rialto-Brücke heraus, laufen im Mittelgang
durch die Ladenzeilen. Es gibt noch ein paar Schmuckhändler, aber die
meisten Läden haben billiges Murano-Glas, Venedig T-Shirts ode häßliche
gläserne Gondeln. Aber es gibt auch die oben erwähnten Glasbecher von
Murano, die hier bei ca. sechzig Euro liegen - das ist für diese
Verkaufslage regelrecht billig. Abwärts kommen die Geschäfte mit
Ledertaschen, Küchenmessern, Postkarten und am Ende der Straße liegen
regelrechte Normalläden für Geschirr, Töpfe und Staubsauger. Es gibt sogar eine Wäscherei.

Wenn man erst einmal über die Brücke gekomemn ist, ist man wahrscheinlich vor Taschendieben sicher
Nach zwei Stunden Lauferei kommen wir an eine Haltestelle und fahren zurück in die Wohnung am Campo S. Margarita.
- Am nächsten Morgen wird gepackt, um neun Uhr verlassen wir unser
Zeitwohnung und können um halb elf mit dem Auto starten. Das Navi führt
uns aber nicht über die Autobahn, sondern schickt uns aus irgendeinem
Grund nach Cortina in den Dolomiten und über die Pässe.
- Dort, in ca. 2.200 Meter Höhe, entsteht das letzte Bild über der Baumgrenze und im Schnee:

Auf der Paßhöhe am Passo Valparola in 2.200 Metern Höhe
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