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Venedig 2026
von Martin Schlu (Text und Fotos) ,   Stand: 30. Oktober 2026


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San Giorgio  -  Murano -
 
Anreise, erster und zweiter Tag
Nach der letzten Biennale 2024 und dem Karneval Anfang des Jahres sind wir wieder mit dem Auto über den Brenner gefahren und haben am ersten Tag ein kleines Motel in Oy gehabt, das b
uchstäblich neben der Autobahn lag und uns weitere Gurkerei ersparte. Hinten saßen unsere beiden Enkelinnen (14 und 12), denen wir eingeschärft hatten, nur eine Reisetasche zu packen, denn der Kofferraum faßt nur vier Taschen hochkant. Natürlich wurde es mehr und dieses Mehr mußte mit den Mädchen auf den Rücksitz. Nach etlichen Stunden Handygegucke wären die Mädchen auch bereit gewesen mal aus dem Fenster zu sehen, doch vor den Alpen lag Nebel und am zweiten Tag gab es bis zur italienischen Grenze Regen und so verschliefen die Kinder viele interessante Sachen, die sie hätten sehen können. Bis Südtirol wechselte der Regen in den Nebel und als wir das Alto Adige hinter uns hatten, riß die Sonne auf und ab Verona stiegen die Temperaturen bis auf 27 Grad an. An der Garage am Piazzale Roma (San Marco , GPS 45.437694,12.317244) brauchten wir ein  paar Minuten, bis alles so weit organisiert war, daß wir das Gepäck zum ATCV rollen konnten. Für Mittwoch bis Mittwoch fielen in der Garage € 380,00 an Parkgebühren an.

Für die Vaporetti (Wasserbusse) fallen auch noch mal 4 x 65 = € 260,00 an für vier Sieben-Tages-Tickets. Kinder- oder Schülerermäßigung gibt es schon seit Jahren nicht mehr und frei sind Kinder nur bis zu sechs Jahren - da können wir nicht mehr mit dienen. Am Abreisetag werden dann noch einmal 4 x 9,50 für die Einzelfahrt anfallen. Billig ist Venedig nie gewesen, aber Fliegen hätte bei der Buchung vermutlich mehr gekostet als Sprit, Parken und Motel-Übernachtung zusammen.

Die Wohnung liegt wieder in Dorsoduro, auch wieder am Campo S.(anta) Margarita, aber im dritten Stock. Von der Küche sieht man auf den Campo, vom Wohnzimmer aus auf die Dächer der Nachbarn. Das vertraute Geläut des campanile von San Carmini weckt schon fast heimatliche Gefühle.
Chiesa di Carmini von der Ponte di pugni am Gemüseboot in Dorsoduro
Oben: Chiesa di Carmini von der Ponte di pugni am Gemüseboot in Dorsoduro

Unten: Dächerlandschaft von Dorsoduro
Dächerlandschaft von Dorsoduro

Die erste Abendfahrt mit der Linie 1 durch das dämmrige Venedig wird verschoben. Es reicht gerade noch, mit den Mädchen im Conad um die Ecke einzukaufen und sich am Abend zu entspannen. Morgen gehen wir alles an.

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Dritter Tag - San Giorgio und Canale grande
Weil wir schon die Wochentickets haben, steigen wir am Ca' Rezzonico in die Linie 1 ein und fahren bis San Basilio. Dort hält die Linie 2 und mit der kommen wir nach San Giorgio.

San Giorgio war schon lange immer ein Teil der Biennale und vor und in dem großen Kirchenraum haben wir meistens tolle Sachen gesehen - die letzten überragenden Kunstwerke waren 2022 Ai Weiweis Knochenskulpturen aus braunem Muranoglas oder 2015 Jaume Plensas Gitterkopf. Dieses Jahr ist es Barry X Ball, der unter dem Titel „The Shape Of Time“ fast die ganze Kirche bespielt.  George Kubler, ein amerikanischer Kunsthstoriker, veröffentlichte 1962 unter diesem Titel ein Buch, in dem er das Verhältnis von Geschichte und Kunst beschrieb. Barry X Ball hat nun Figuren der Geschichte und Religion in Glas, Marmor und Metall dargestellt, die hier zu sehen sind. Auf den ersten Blick ist nicht zwar klar, worum es geht, doch wenn man sich einsieht (und den bereitliegenden Kurzführer liest), wird es deutlicher.

Innenraum von San Giorgio mit zwei Figuren von Barry X Ball
Innenraum von San Giorgio mit zwei Figuren von Barry X Ball

Links ist eine Madonna, zu erkennen, rechts ein Gesicht, jedoch ohne genaue Bezeichung. Das Material ist Glas oder Metall und teilweise farbiger Marmor. Um bei den Figuren Details besser zu erkennen, muß man aber ziemlich dicht heran:

Vorn vorne ist es undefinierbar...
...von rechts ist es Papst Johannes Paul II....
Vorn vorne ist es undefinierbar...
...von rechts ist es Papst Johannes Paul II....
Inthronisierter Papst - aber welcher?
Eines der Bildnisse von Giuseppe Panza
Inthronisierter Papst - aber welcher?
Eines der Bildnisse von Giuseppe Panza

Außerdem stehen in den Seitenflügeln größere Skulpturen, wie z.B eine Piéta aus Marmor, die durch den Kontrast von dunkler Kirche und hellem Marmor regelrecht leuchtet. Wer der tote, junge Mann ist, weiß man aber nicht so recht. Bei Jesus wäre die haltende Figur eine Maria - das ist hier nicht der Fall.

Pieta aus weißem Marmor
Piéta aus Marmor

San Giorgio hat aber nicht nur aktuelle Kunst zu bieten, sondern auch zwei legendäre Tintorettos - links und rechts vom Altar. Das rechte Bild zeigt das letzte Abendmahl, das linke Bild das Volk Israel in der Wüste.

Die wurden von Februar 2025 bis April 2026 von Jahrhunderte altem Ruß und Staub befreit, erstrahlen deswegen wie frisch geputzte Fenster und wenn man den Weg zum Campanile geht, findet man an Stelle des Kassenhäuschens einen Monitor, auf dem die Abnahme, die Restaurierung und die Aufhängung der beiden riesigen Bilder dokumentiert ist. Nach dem Film sind wir nochmal zum Altar gegangen udn haben in Echtzeit geguckt, doch man kann die frisch restaurierten Bilder  nicht wirklich gut sehen, geschweige gut fotografieren. Dafür gibt es ja Wikipedia (Links oben).

Wir hätten unseren Enkelinnen gerne noch Venedig vom Campanile gezeigt, doch der wird bis Mitte 2027 saniert. Bis zur Sperrung war der Glockenturm (campanile) von San Giorgio die beste Alternative, weil man von hier einfach den besseren Überblick hat. Ob wir uns an dem online-Wettbewerb mit Schlangestehen an San Marco beteiligen, ist eher unwahrscheinlich - in der Fotosammlung findet sich auch etwas aus der Vergangenheit.
Aussicht vom Campanile San Giorgio 2021 am Ostersonntag
Aussicht vom Campanile San Giorgio 2018 am Ostersonntag - zur Vergrößerung klicke auf das Bild


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Danach nehmen wir die Linie 2, fahren nach San Marco und laufen die übliche Strecke nach San Marco. Die Seufzerbrücke wird gezeigt und ganz kurz erklärt (Jugendliche wissen heute nichts mehr über Casanova, die Bleikammern und das 18. Jahrhundert), am Campanile San Marco ist immer noch eine Schlange, obwohl man ohne QR-Code und online Buchung nicht hereingelassen wird und an der Basilika stehen Sicherheitsleute mit grimmigen Gesichtern - da reinzukommen war früher einfacher. Alle vier Musikcafés lassen ihre Orchester spielen und haben halbwegs volle Tische, dafür ist die Piazza halbwegs leer und ein paar sehr große Jungs nutzen die Fläche und jagen Tauben. An Karneval im Februar konnte man hier nicht mehr treten.

Die Piazza San Marco ohne Menschenauflauf - eine Seltenheit.
Die Piazza San Marco ohne Menschenauflauf - eine Seltenheit.

Wir gehen ins Piccolo Martini, ein bezahlbares und gutes Restaurant, das zwar in der Nähe von Fendi, Gucci und Chanel liegt, aber viel weniger kostet. Die Mädchen bestellen sich, was sie kennen (Spaghetti Bolognese), lassen sich aber auch von uns Fritto Misto geben und finden es lecker. Pro Person € 30,00 mit Getränken ist hier regelrecht preiswert.

Zurück fahren wir mit der Linie 1 und sehen an den üblichen Palazzi Kunstwerke von Dale Chihuly, der gleich drei Gärten bespielt, einmal den Palazzo Balbi Valier,

Dale Chihuly am Palazzo Balbi Valier
Dale Chihuly am Palazzo Balbi Valier,

den Garten am Palazzo Franchetti,

Dale Chihuly am Palazzo Franchetti
Dale Chihuly am Palazzo Franchetti,


... und am Palazzo Querini alla Carità.

Dale Chihuly am Palazzo Franchetti
Dale Chihuly am Palazzo Balbi Valier.

Dann ist es auch gut. Um unseren Enkelinnen nicht zu viel zuzumuten, werden wir nur einen Tag Biennale machen und darum lassen wir die Hallen am Arsenale dieses Jahr liegen. Zu viel moderne Kunst schreckt einfach ab.

Am Abend ziehe ich mit dem Nachwuchs los, kaufe am Piezzale Roma ein und hole die Abendfahrt Richtung Lido nach. Es gibt viel zu gucken und schöne Bilder.

Canal Grande in Höhe Rialto Mercatore (Markthallen, rechts)
Canal Grande in Höhe Rialto Mercatore (Markthallen, rechts)


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Vierter Tag - kein Murano und der Lido
Eigentlich wollen wir nach Murano und laufen eine Viertelstunde bis zum Piazzale Roma, weil dort die Linie 3,  4.1 und 4.2 abfahren. Außer uns wollen dies aber auch viele andere Leute und es hat sich eine Schlange gebildet. Das wäre ja nicht so schlimm, aber die Schlange löst sich nicht auf, weil nebenan eine getrennte Spur für die „Priorita“ existiert, auf der stetig Menschen an den Normalwartenden vorbeiziehen. Ein Boot nach dem anderen fährt ohne uns ab und nach einer Drieviertelstunde im Stehen sind wir vielleicht zehn Meter weiter gekommen. Da brechen wir ab, nehmen die Linie 1 zum Lido und sind um zwölf Uhr wieder etwa da, wo wir vor zwei Stunden gestartet sind. Gegen halb eins sind wir an der Punta Dogana, wo Giudecca-Kanal und Canal Grande aufeinandertreffen und der Himmel zieht sich zu.

Herbsthimmel vor der Giudecca an der Dogana
Herbsthimmel vor der Giudecca an der Dogana

Beim Anlegen auf dem Lido haben sich die Wolken aber wieder verzogen, es ist warm und als wir pizzaessend an der Gran Viale Santa Maria Elisabetta sitzen (die Verbindung zwischen der Linie 1 und dem Strand) liegt es nahe, mit den Mädchen an die Adria zu gehen. Schließlich ist der Strand nur etwa sechshundert Meter entfernt. Weil die Saison vorbei ist, wird man auch keinen Platz mit Liege und Sonnenschirm mieten müssen, sondern kann einfach so an den Strand - wie es in Dänemark oder Holland absolut normal ist. Wir ziehen los und am Strand gibt es einen Schwimmer und sonst nur Spaziergänger. Die Mädchen sammeln ihre Muscheln.

Muscheln sammeln am Strand des Lido
Muscheln sammeln am Strand des Lido

Schnell sind die ersten  Stücke gefunden und als alle Jackentaschen mit Miesmuscheln, Seeschnecken, Krebsschalen und Sand gefüllt sind, gibt es noch einen kurzen Café-Stop. An der Bar Maleti di Maleti schlagen vier Getränke mit € 13,00 zu Buche - nicht nur für Venedig ist das wirklich billig.
Gran V. le S. Maria Elisabetta 45-47, Lido 30125 Venezia

Danach steigen wir wieder in die Linie 1 und fahren zurück. Am Abend werden die Jacken der Mädchen entsandet,  gewaschen und trocknen über Nacht.
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Fünfter Tag - Salute, Dogana, Zaterre und zurück 
Am Morgen hält uns die Jüngste einen verwaschenen Zettel unter die Nase, den sie eben aus ihrer getrockneten Jacke geholt hat - das Vaporetto-Ticke wurde mitgewaschen und sieht ein bißchen zerfleddert aus. Es funktioniert nicht mehr und so ziehe ich gleich mit ihr zu Fuß los, um es umzutauschen.

So sieht ein Ticket nach einer 30°-Wäsche und 900 Umdrehungen aus
So sieht ein Ticket nach einer 30°-Wäsche und 900 Umdrehungen aus
Leider ist man bei der Verkaufsstelle nicht kulant und meint nur, ich solle doch ein neues Ticket kaufen und da hilft auch keine Diskussion. Mit meiner Frau hatte ich schon abgesprochen, daß wir am Sonntag sowieso nicht Boot fahren, weil hier der Venedig-Marathon stattfinden wird und dann muß man nicht zwischen Dorsoduro und San Marco auf dem Wasser sein. Von der Dogana wurde eine Brücke über den Kanal nach San Marco geschlagen, über die die Läufer traben werden und dann ist der Kanal einen Tag geschlossen. Für die restlichen Tage reicht also ein Drei-Tage-Ticket.

Die Preise sind im Übrigen unverschämt: Einzelfahrt € 9,50, Tagesticket € 25,00,  Drei-Tages-Ticket € 35,00 - kein Vergleich zu München oder Berlin. Andererseits kriegt man kein Taxi mehr unter € 50,00. Also wird heute mehr gelaufen. 

Am späten Nachmittag macht meine Frau Pause, gibt ihr Ticket leihweise an die Jüngste ab und wir fahren zwei Stationen zur Salute - eine der drei wichtigsten Kirchen hier. Über die Restaurierung der Fassade von Jan 2021 bis November 2025 wird erst gar nichts erzählt, aber die Preissteigerungen sind wie in Bonn und Berlin: aus einer Million wurden dreieinhalb.

Die Salute nach ihrer Restaurierung von 2021-2025
Die Salute nach der Restaurierung ihrer Fassade von 2021-2025 - beim Anklicken sieht man den Zustand mit der Werbetafel von 2022

Ich werde auch nur wenige Informationen los, Barock, Beichtstuhl, Kunstschätze, Schwarze Madonna, Wallfahrt - mehr geht konzentrationsmäßig nicht. Dabei ist das Thema der schwarzen Modonnen eigentlich hochaktuell: Hat die europäische Kultur die Heilige Familie geweißt oder wurden die afrikanisch/asiatischen Kulturen von der weißen Religion übernommen? Kulturelle Aneignung, wohin man auch guckt.

Eine von dem halben Dutzend schwarzer Madonnen, die es überhaupt in Italien gibt.
Eine von dem halben Dutzend schwarzer Madonnen, die es überhaupt in Italien gibt.
Nach einer Viertelstunde sind wir wieder draußen. Ich hatte den beiden im Vorfeld schon gesagt, daß wir ein bißchen  laufen werden und das tun wir jetzt auch. Zur Dogana sind es wenige Meter und dort steht der Anfang der Brücke für den Venedig-Marathon am Sonntag.

Morgen werden die Läufer hier den Kanal überqueren.
Morgen werden die Läufer hier den Kanal überqueren.

Die Dämmerung hat eingesetzt, das Licht vergoldet die Häuser und wir laufen die Zattere entlang, biegen ab zu Peggy Guggenheim und kommen durch das Künstlerviertel. Wieder zurück an der Zattere geht es weiter bis San Basilio, über die Scuola Grande di Carmini wieder auf den Campo S. Margarita. Die Mädels sind nun durch, wollen nur nach Hause. Weil sie  einen Schlüssel haben, gehen sie vor und ich kaufe noch ein bißchen ein. Beim Abendessen sind sie fix und fertig, gehen duschen und sind auffallend still - Laufen ist anstrengend!

Das Künstlerviertel am Ria della Fornace in Dorsoduro am Abend.
Das Künstlerviertel am Ria della Fornace in Dorsoduro am Abend.


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Sechster Tag - Ausruhen, Gammeln, Lesen und Schreiben

Ausblick auf einen ruhgen Campo S. Margerita - der Marathon tobt an der Zaterre
Ausblick auf einen ruhgen Campo S. Margerita - der Marathon tobt an der Zaterre


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Siebter Tag - Besuch auf Murano
Murano ist eine Venedig vorgelagerte Insel, auf der seit Jahrhunderten Glas hergestellt wird. Bis zum 17. Jahrhundert war es den Glasbläsern bei Todesstrafe verboten, diese Insel zu verlassen um das Staatsgeheimnis der Glasherstellung nicht weitergeben zu können. Die „Sbirren“, eine Art venezianische Geheimpolizei, versuchten, Abtrünnige zu finden und zu beseitigen. Dabei war ein doppelseitig geschliffeer gläserner Dolch sehr hilfreich, dessen Griff man nach getaner Erdolchung abbrechen konnte, so daß man äußerlich bei den Ofern nur eine kleine Wunde sah. Die innenliegende Klinge war aber rasiermesserscharf und zerschnitt bei jeder Bewegung weitere Organe.

Längst ist das Staatsgeheimnis keines mehr und etliche entflohene Glasbläser machten in Böhmen und im Schwarzwald eigene Betriebe auf. Doch das Murano-Glas hat nach wie vor einen Nimbus des Besonderen und so ist, anders als noch vor einigen Jahren, der Anteil der Billigimporte aus China oder Vietnam deutlich gesunken. Ab etwa € 30,00 gibt es zertifiziertes Murano-Glas zu kaufen und die Mehrzahl an Touristen will das auch.

Erste Etappe nach dem späteren Ausstieg ist der Turm

Man nimmt die Linie 3, 4.1 oder 4.2 und steigt nicht an der ersten Station „Colonna“ aus - das tun die meisten - sondern erst an der Station „Mula“. Von dort kann man ganz entspannt am „Fondamenta dei Vetrai“ gegen die Touristenströmung laufen und trifft die vorher Ausgestiegenen erst relativ spät. Die erste Etappe nach dem späteren Ausstieg ist der Campo Santo Stefano, vor dessen Turm (rechts im Bild) ein passables Restaurant ist, wo wir schon häufiger preiswert gegessen haben. Auf beiden Seiten des Kanals reiht sich ein Lädchen nach dem anderen, bei dem man für relativ kleines Geld schon echte Stücke finden kann (alles unter zehn Euro ist aus China).


Wofür - um alles in der Welt - soll man bloß sein Taschengeld ausgeben?

Die schiere Masse an käuflichen Möglichkeiten schlägt aber schnell in Überforderung um, wenn man sein Taschengeld auf den Kopf hauen will, sich aber nicht entscheiden kann. Gläserne Spinnen (will die Mama nicht), Mäuse, Katzen oder Möpse (sind die süß) wären für die Enkelinnen noch bezahlbar gewesen, wurden aber nicht gekauft, weil der nächste Laden ja noch mehr schöne Dinge bereit hielt. Meine Frau und ich fanden auch viele Sachen toll - kamen aber sehr schnell zum Schluß, daß die Wohnung dafür nicht groß genug ist, daß diese Sachen nicht kindersicher sind (zwei Rumschmeißjungen könnten die Preziosen schnell klein kriegen) oder, so schön sie sind, sie müssen ab und zu abgestaubt werden und sind in der Regel nicht spülmaschnenfest. So blieb es beim Gucken und Schönfinden.

Die einzige Brücke auf einem Kilometer Länge mindert die Verkaufschancen um 50%, weil man ja nicht auf beiden Seiten gucken kann

Eine Sache wollten wir den Mädchen auf jeden Fall zeigen und das war der Besuch einer Glasbläserwerkstatt. Gino Mazzucato ist so eine Glasfabrik, bei denen man sehen kann, wie die Stück entstehen und diese Firma  hat da eine sehr interessante Strategie entwickelt. Für € 15,00 p.P. kann eine Gruppe dem Glasbläser bei der Arbeit zusehen, wie er Masse aus dem Ofen holt, sie aufbläst, schneidet, wieder ins Feuer hält, dann verziert und hinterher, wenn sie halbwegs erkaltet sind, ein Stück Zeitungspapier dranhält, das in Sekunden in Flammen steht. Nacheinander sahen wir die Herstellung eines Bechers, einer Kanne, einer Vase und eines springenden Pferdes. Der Vergleich mit älteren Fotos zeigt, daß dieser Glasbläser dies schon seit einigen Jahren macht und dies auf einem hohen künstlerischen Niveau, damals habe ich aber eher die Schritte gezeigt. - Vergleich zu 2022



Der eigentliche Trick besteht darin, was nach der Show kommt. Dann wird man ins Separée im ersten Stock gebeten und kann - natürlich ganz unverbindlich - die besseren Stücke besichtigen. Wir haben mal 1999 in Tunesien in der Altstadt Ähnlichs erlebt, als ganz zufällig der Cousin des Reiseführers ankam, uns zum Tee einlud und ganz zufällig seltene (und teure) Teppiche päsentierte, die er uns wahrscheinlich auch nach Deutschland geschickt hätte. Damals wir heute haben wir aber sehr höflich abgelehnt. Für ein Glasobjekt von mehreren tausend Euro braucht man ja auch Platz, eine Vitrine oder einen Sockel und möglichst keine Kinder oder Hunde.

Hinter der Glasfabrik liegt in einer traumhaften Lage ein Restaurant - ähnlich wie die Terasse nobili an der Zaterre, doch hier kleiner, überschaubarer und ebenfalls sehr gut.

Hinter Gino Mazzucato liegt ein tolles Restautant in bester Lage am Kanal.
Hinter Gino Mazzucato liegt ein tolles Restautant in bester Lage am Kanal.

In diesem Restaurant trinkt man natürlich aus den farbigen Murano-Gläsern, die etwa doppelt so viel kosten wie ein Menü. Ich hatte im Laden vorher eine Kanne mit sieben Gläsern für den stolzen Preis von € 620,00 gesehen - aber schön war sie schon. Ich würde mich aber ärgern, wenn eines der Kinder das Glas zerschmeißt und darum kriegen unsere Enkel nur Gläser von Aldi. Auch deswegen haben wir bei Mazzucato keine Gläser gekauft, aber bestimmt zwei oder drei verfressen.

Restaurant La Fornace, Fundamenta Manin 1, Venezia-Murano

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Letzter Tag
Mit der älteren Enkelin mache ich am letzten Nachmittag nochmal einen größeren Spaziergang. Der abgeschlagene Schwertfischkopf am Fischmarkt schreckt sie zwar etwas ab, doch sie wird schnell abgelenkt, weil wieder Party auf dem Platz ist. Die letzten Tage haben wir ständig Examensfeiern gesehen, denn die Uni „Ca' Foscara“ ist nicht weit entfernt, es ist die Woche vor Semesterbeginn und die letzten Prüfungen haben stattgefunden. Täglich/Stündlich sieht man fröhliche junge Frauen und Männer mit der typischen Kopfbedeckung der Examinierten und je nach Tageszeit können sie noch laufen oder werden gestützt. Das Glas Spritz oder Weißwein ist aber immer dabei. Die junge Frau fühlte sich jedenfalls geehrt, als ich sie fragte, ob sie sich fotografieren ließ - Herzlichen Glückwunsch an sie unbekannterweise.

Examensfeier auf dem Camp S. Margerita - sie hat bestanden!
Examensfeier auf dem Camp S. Margerita - sie hat bestanden!

Wir gehen Richtung Accademia, laufen über die Brücke und schauen noch einmal Richtung Dogana und  Salute. Auf der andere Seite gehen wir links, Richtung Rialto-Brücke, weil die Enkelin einmal drüberlaufen wollte. Unterwegs biege ich einmal falsch ab, wir stehen vor einem Kanal und müssen zurücklaufen. Auch nach zwanzig Jahren Venedig passiert mir das noch ab und zu, aber so lernt man stille Gegenden kennen und wenn einem ein paar Minuten keiner entgegen kommt, hat das wohl seinen Grund. Sackgassen werden jedenfalls nicht als solche gekennzeichnet und den Venezianern passiert das anscheinend nicht.

Hinterhof in einer stillen Sackgasse in San Polo
Hinterhof in einer stillen Sackgasse in San Polo

Wir kommen jedenfalls an der Rialto-Brücke heraus, laufen im Mittelgang durch die Ladenzeilen. Es gibt noch ein paar Schmuckhändler, aber die meisten Läden haben billiges Murano-Glas, Venedig T-Shirts ode häßliche gläserne Gondeln. Aber es gibt auch die oben erwähnten Glasbecher von Murano, die hier bei ca. sechzig Euro liegen - das ist für diese Verkaufslage regelrecht billig. Abwärts kommen die Geschäfte mit Ledertaschen, Küchenmessern, Postkarten und am Ende der Straße liegen regelrechte Normalläden für Geschirr, Töpfe und Staubsauger. Es gibt sogar eine Wäscherei.

Wenn man erst einmal über die Brücke gekomemn ist, ist man wahrscheinlich vor Taschendieben sicher
Wenn man erst einmal über die Brücke gekomemn ist, ist man wahrscheinlich vor Taschendieben sicher


Nach zwei Stunden Lauferei kommen wir an eine Haltestelle und fahren zurück in die Wohnung am Campo S. Margarita.


Am nächsten Morgen wird gepackt, um neun Uhr verlassen wir unser Zeitwohnung und können um halb elf mit dem Auto starten. Das Navi führt uns aber nicht über die Autobahn, sondern schickt uns aus irgendeinem Grund nach Cortina in den Dolomiten und über die Pässe.

Dort, in ca. 2.200 Meter Höhe, entsteht das letzte Bild über der Baumgrenze und im Schnee:

Auf der Paßhöhe am Passao Valparola in 2.200 Metern Höhe
Auf der Paßhöhe am Passo Valparola in 2.200 Metern Höhe

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