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Kulturgeschichte - Barock


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Johann Sebastian Bach 1685 - 1750
Das Michaeliskloster in Lüneburg 1700 - 1702
erstellt von © Martin Schlu - September 2002 (letzte Änderung: . 6. jJnuar 2009))

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1700
Das Michaeliskloster ist seit 1555 lutherisch und seit diesem Zeitpunkt hat es auch einen Kantor, der für eine höhere Qualität der Kirchenmusik sorgt. Seit 1656 ist aus dem Kloster eine Ritterakademie geworden, die sich die Musikpflege auf die Fahne geschrieben hat, seit 1672 gibt es einen Schulchor, den "chorus symphoniacus" mit Freiplätzen für Hochbegabte, den sogenannten "Benefiziaten" . Außerdem gibt es noch den "Mettenchor", einen Chor aus ärmeren Kindern, die sich durch das Singen bei den Gottediensten, den Hochzeiten und den Beerdigungen etwas Geld verdienen können. Mittlerweile ist das Michaeliskloster eine Stiftung geworden, eine Eliteschule für Hochbegabte und Fleißige. Zum Lehrplan gehören nicht nur alte Sprachen, sondern auch Rhetorik, Logik, Philosophie und praktische Lyrik.
 
Zunächste beginnt Bach als einfacher Mettensänger mit zwölf Groschen Wochenlohn, bleibt dies aber nicht lange. nach kurzer Zeit hat ihn der Stimmbruch eingeholt und weil er nicht mehr singen kann, wird er als Streicher eingesetzt und lernt unglaublich viel Literatur kennen, denn die Musikbibliothek umfaßt ca. 1100 Handschriften von 175 Komponisten, eine wahre Fundgrube für Bach. Wahrscheinlich dort hört Bach erstmals den italienischen Stil (Palestrina, Frescobaldi, Monteverdi, die beiden Gabrielis) lernt die Niederländer kennen(Willaert, Josquin), die deutsche Reformationsliteratur (Johann Walter, Caspar Othmayr, Johann Eccard, Heinrich Schütz u.a.) und spielt die Zeitgenossen (Buxtehude). Man versucht außerdem, den französischen Stil zu leben:
 
Bach lernt dort aber nicht nur niederländische, venezianische, französische und deutsche Musik, sondern bekommt auch den kulturellen Hintergrund mit, lernt die französische und italienische Sprache kennen, außerdem die höfischen Sitten, den Gebrauch der korrekten Kleidung und all dies ermöglicht ihm später problemlos die Auseinandersetzung mit den adligen Dienstherren. Erste Erfahrungen macht er anläßlich einer Dienstreise mit dem Celler Hof, der 1705 nach dem Tod des Herzogs erlischt.
 
Zu den Lehrern in Lüneburg zählt u. a. Johann Jakob Loewe, der während seiner Ausbildung noch bei Heinrich Schütz studiert hat und drei Jahre später (1703) stirbt und Georg Böhm, der in Lüneburg ein regelrechter Orgelstar ist, ebenfalls an der Ohrdrufer Schule war und der immer wieder Kontakt mit irgendwelchen Musikern der Familie Bach hatte. Böhm wiederum war Schüler von Johann Adam Reincken (1637 - 1722), der als steinalter Organist seit 1663 an der Hamburger Katharinenkirche arbeitet .
 
Lüneburg wird für Bach auch Ausbildungsstätte im Orgelbau: er freundet sich mit einem Orgelbauer an und gewinnt dabei die Kenntnisse, die ihn später zu einem der besten Sachverständigen im Orgelbau machen werden. Da in den Sommermonaten nicht viel zu tun ist, hat Johann Sebastian dann Zeit, Ausflüge nach Celle und Hamburg zu unternehmen.
 
1701 - Seitenanfang
Johann Sebastian besucht illegal, weil er keinen Urlaub bekommen würde, Johann Adam Reincken im 45 km entfernten Hamburg und ist von dessen Improvisationen über den Choral "An Wasserflüssen Babylon" zutiefts beeindruckt - so etwas möchte er auch lernen und Reincken zeigt ihm, wie es geht. Außerdem gibt es in Hamburg regelmäßige Konzerte und Reinhard Keiser ist ein gefeierter Opernkomponist.
 
1702 - Seitenanfang
Mit noch nicht achtzehn Jahren ist Bachs Ausbildung beendet und er könnte in Sangerhausen, Eisenach und Arnstadt eine Organistenstelle antreten, jedoch drückt der Herzog von Sachsen-Weißenfels gegen die Gemeinde einen Musiker aus der Hofkapelle durch und in Eisenach hat ein Verwandter, Johann Bernhard Bach (1676-1749) die älteren Rechte.
 
In Arnstadt ist beim großen Stadtbrandt 1581 die Kirche abgebrannt, stand bis 1676 als Ruine in der Stadt und wurde als "Neue Kirche" wieder aufgebaut. Erst jetzt ist auch das Geld für sie eine neue zweimanualige Orgel mit 23 Registern und Pedal da (Wender) und das Instrument muß noch abgenommen werden. Bach erhält die Zusage eingestellt zu werden, wenn er die Orgel auch abnehmen kann.
 
1703 - Seitenanfang
Bis zur Fertigstellung der Arnstädter Orgel arbeitet Bach von März bis September beim Herzog Johann Ernst von Weimar als "Geiger und Laquai", wie die Besoldungsliste von 1703 ausweist. Aus diesem Grunde wird er bei einer Besichtigung der neuen Orgel auch schon als "fürstlich-sächsischer Hoforganist" tituliert. Als er im Juli " die newe probiern und zum ersten mahl schlagen" darf bekommt er acht Gulden und dreizehn Groschehn - eine weit übertarifliche Bezahlung und etwa ein Viertel des Gesamtverdienstes am Weimarer Hof (27 Gulden, acht Groschen). Außerdem vertritt Bach auch den Hoforganisten, knüpft Kontakte und bildet sich im Orgelbau fort. In diese Zeit fällt die erste größere Orgelkomposition, "Praeludium und Fuge C-Dur" BWV 531, die einerseits im Stile Pachelbels ist (des Lehrers des älteren Bruders Christoph), andererseits ist das ausgedehnte Pedalsolo eine Speziualität der norddeutschen Orgelschule, was sich Bach in der Lüneburger Zeit angeeignet haben könnte.
 
Einspielung "Praeludium und Fuge C-Dur" BWV 531 am besten voon Ton Koopman, (Reihe Bach 2000, in : "Das Alte Werk", Teldec 8573-81130-2, Aufnahme an der Garrels-Orgel in der Grote Kerk Maasluis/NL 1995
 
  
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