martinschlu.de
Kloster Hirsau - ein Modellprojekt des frühen Mittelalters
Text und Fotos: Martin Schlu    Stand: 27. September 2026


zurück nach Württemberg

Der Schwarzwald

Freudenstadt
Baiersbronn
Kloster Alpirsbach
Kloster Hirsau und Calw


Schwäbische Alb

Vorgeschichte - Neugründung - Wilhelm von Hirsau  - Kreuzgang - Jagdschloß - Niedergang - Klostercafé - Calw


Vorgeschichte

Das Kloster Hirsau war mal das größte und wichtigste Kloster in Deutschland, zwar nicht so alt wie Tholey (seit 750) oder Lorsch (seit 764) , aber deutlich älter als tausend Jahre - aus der Karolinger-Zeit unter Ludwigs dem Frommen (813-840).

Um 830 ließ Graf Erlafried von Calw
in Hirsau (Hirsch-Au) eine Saalkirche errichten und erhielt kurz danach von Bischof Noting von Vercelli, einem Verwandten, die Gebeine des Heiligen Aurelius von Riditio. Aurelius war ein armenischer Bischof des 5. Jahrhundert gewesen, galt als Heiliger für „Kopfkrankheiten“ (wikipedia) und Erlafried wollte ein Kloster errichten. Dafür brauchte er einen prominenten Heiligen, doch die Überreste/Reliquien der zwölf Apostel waren damals schon längst vergeben. Nur die zweite und dritte Reihe der Heiligen konnte man noch auf dem Reliquienmarkt bekommen. Aurelius wurde also gekauft, nach Hirsau transportiert und in der für ihn gebauten Aurelius-Kapelle bestattet. Das zugehörige Kloster war rasch erbaut und etwa um 840 fertig. Mönche fanden sich auch, und dieses Kloster bestand bis etwa 1000, wurde dann aufgelöst und die Bauten verfielen allmählich.


Neugründung
- Wilhelm von Hirsau  - Kreuzgang - Jagdschloß - Niedergang - Klostercafé - Calw
1049 war der frischgebackene Papst Leo IX.
wegen eines Familienbesuchs in der Gegend und besuchte die Klosterreste. Er wußte um Aurelius' Geschichte, ließ die Gebeine des Heiligen suchen und ausgraben. Anschließend befahl er seinem Neffen, dem Grafen Adalbert II. von Calw, über Aurelius' Reliquien eine neue Abtei zu errichten. Dies geschah auch und sowohl die Abtei als auch die die neue Klosterkirche Peter und Paul wurden aus dem roten Buntsandstein der Gegend errichtet und waren nach knapp zehn Jahren Bauzeit fertig. Sie hatte eine Länge von etwa 100 Metern und eine Breite von ca. 30 Metern. Die Grundmauern und Stützpfeiler sind heute noch gut zu erkennen - ähnlich wie in der Marienkirche in Wismar oder dem Greifswalder Dom Eldena.

Adalbert von Calw stattete sowohl die neue Kirche als auch die neue Abtei komplett aus und besorgte aus Sankt Gallen zwölf Benediktinermönche, die den neuen Konvent stellen sollten. 1071 wurde die neue Kirche geweiht.

Die Grundfläche der Kirche mit niedrigen Außenmauern und den Überresten der Tragepfeiler
Die Grundfläche der Kirche mit niedrigen Außenmauern und den Überresten der Tragepfeiler

Wilhelm von Hirsau und Andere - Kreuzgang - Jagdschloß - Niedergang - Klostercafé - Calw
Der 1065 eingesetzte erste Abt der neuen Abtei, Friedrich, wurde von dem Stifter,
Adalbert von Calw, schon 1069 wieder abgesetzt (das ging damals noch) und Adalbert besorgte als Nachfolger Wilhelm von Hirsau (1026-1091), der im Regensburger Kloster St. Emmeram schon Prior gewesen war. Wilhelm war von Kindheit an im Kloster erzogen worden, galt als vielseitig interessiert und begabt (Mathematik, Astronomie und Musik) und galt als Universalgenie. Außerdem war Wilhelm Anhänger der Reformen von Cluny, nach der Geistliches den absoluten Vorrang im Klosterleben hatte und Weltliches davon strikt zu trennen war. Bedeutsam ist, daß Wilhelm die Abteilung der „Laienbrüder“ ins Leben rief, eine Art Teilzeitmönche, die im Dorf übernachteten, aber im Kloster mitarbeiteten. Ohne die Arbei der Laienbrüder wäre der schnelle Ausbau des Klosters nicht möglich geween.

Bereits 1070 (also noch vor der Weihe der Kirche) hatte Wilhelm die  Königsurkunde Heinrichs IV. organisiert, nach der das Kloster nicht mehr Adalbert gehören sollte, sondern sich selbst (beim Kölner Dom ist das auch so). Lediglich Papst und König hatten eine gewisse Weisungsbefugnis. Adalbert erhielt das Recht des Vogtes (Klosterjurist und weltlicher Richter) und verzichtete am 14. September 1075 auf alle Besitzungen, Hirsau betreffend. Er stiftete 1088 noch das Kloster Sindelfingen und starb 1099.


Der Zugang zur Kirche Sankt Peter und Paul vom Kreuzgang aus
Der westliche Zugang zur Kirche Sankt Peter und Paul vom Kreuzgang aus

Der Nachfolger Wilhelms von Hirsau, Gebhard II. von Urach (1091-1105) baute den Konvent aus und begann mit der Arbeit am Glockenturm (Eulenturm) und dem Kreuzgang, der durch ein Portal mit der Kirche verbunden war (s.o.). In Gebhards Zeit fällt eine enge Vernetzung des Hirsauer Klosters mit Papst Paschalis II., außerdem kam Gebhard vom Straßburger Domstift und kannte sich mit höheren klerikalen Fragen gut aus. Nach seiner Abtzeit in Hirsau wurde er 1105 Bischof von Speyer und wollte das bischöfliche Einzugsgebiet um die Kloster Lorsch und Hirsau erweitern. Der Hirsauer Konvent machte das nicht mit und wählte gegen Gebhards Willen Bruno von Beutelsbach,  1105 zum Nachfolger Gebhards. Bruno wiederum war der Bruder des ersten Württemberger Herzogs, Konrad I., und konnte den Hirsauern damit ihre weitere Unabhängigkeit garantieren.

Als Brunos Buder, der Herzog, 1110 starb, verkomplizierte sich die Situation. Gottfried von Calw, Vogt der Hirsauer, stand auf Seiten Königs Heinrich V., der seit 1106 römisch-deutscher König war, nachdem er seinen Vater Heinrich IV. abgesetzt hatte und selbst regierte. Heinrich V.  war bemüht den Einfluß der Kirche zu verringern und das Königtum zu stärken.


Die Bautätigkeit ging trotzdem weiter. Eine bessere Wasserleitung wurde erbaut, der Eulenturm (Glockenturm) wurde 1120 oder 1121 fertiggestellt.


Kreuzgang
- Jagdschloß - Niedergang - Klostercafé - Calw
Der Kreuzgang wurde erst 1485 erbaut und 1494 vollendet. Die Baumeister waren Martin von Urach und Hans Spryß. Angelegt wurde er zwischen der Kirche, dem Kapitelsaal (Schaltzentrale des Klosters), Parlatorium (Besucherraum, in dem gesprochen werden darf), Sommerrefektorium (Speisesaal der Mönche), Küchenbau und Laienrefektorium
(Speisesaal der Laienbrüder). Dementsprechend waren die Dimensionen: Ca. 100 Meter Länge (wie die Kirche) und etwa 66 Meter Breite (2/3 der Kirchenlänge). Erhalten sind nur noch die Außenmauern mit den Maßwerkfenstern, ursprünglich waren es überdachte Gänge mit der Möglichkeit ins Freie zu kommen.

Der ehemalige Kreuzgang
Der ehemalige Kreuzgang


nach oben

Niedergang Niedergang - Klostercafé - Calw
Nachdem fast alles fertig war, gingen die Spenden und Klostereintritte zurück.

nach oben

Das Jagdschloß des Herzogs
- Klostercafé - Calw
Von 1589 bis 1593 ließ sich Ludwig von Württemberg dieses Schloß erbauen, weil....

Ansicht der ehemaligen Klosteranlage und des Jagschlosses
Ansicht der ehemaligen Klosteranlage und des Jagschlosses


nach oben

Fortsetzung ist in Arbeit.....

Das Jagschloß neben dem Kreuzgang
Das Jagschloß neben dem Kreuzgang


nach oben


Klostercafé - Calw
Fortsetzung ist in Arbeit.....

Allein für das Cafe lohnt sich der Besuch
Allein für das Cafe lohnt sich der Besuch

Literatur über Hirsau
Dorothee Brenner: Kloster Hirsau. Michael-Imhoff Verlag, Petersberg 2020, ISBN 978-3-7319-0249-2

nach oben

Calw
Calw ist eine Stadt, die spätestens
1075 aus den Wohnhäusern der Hirsauer Klostervögte hervorging. Die Bewohner nannten sich nach Adalbert von Calw ebenfalls die Grafen von Calw und begründeten eine Herrscherfamilie, die jedoch schon im 12. Jahrhundert ausstarb, weil es nur noch Erbtöchter und keine Söhne  mehr gab. Die Erbtöchter verkauften ihren Besitz im 14. Jahrhundert an den Herzog von Württemberg und der steckte in diese Ortschaft viel Geld für Schulen und Straßen. Kurze Zeit später war Calw mit dem Tuchhandel und der Stoffproduktion reich geworden, noch später wurde die Stadt ein Zentrum der Flößerei des Schwarzwaldholzes und ab 1445 hatte die Stadt eine eigene Lateinschule (den Vorläfer des Gymnasiums). Ihre große Zeit hatte die Stadt im 15. Jahrhundert und den damaligen Reichtum, der sich in den vielen Fachwerkhäuser spiegelte, kann man noch heute erkennen. Zum Schwarzwald

Früherer Reichtum ist heute noch aif dem Calwer Marktplatz zu erlennen.
Früherer Reichtum ist heute noch aif dem Calwer Marktplatz zu erlennen.

Im Haus Markt 6 wurde am  2. Juli 1877 Hermann Hesse geboren. Es ist das Haus mit den vielen Blumenkästen. Das Restaurant hat die Nummer 12, dann zählt man in Zweierschritten herunter. Nicht weit davon, Markt 30, steht das Hermann-Hesse-Museum.

nach oben