Hompeage Martin Schlu
Les Saintes-Maries-de-la-Mer
Text und  Fotos:  Martin Schlu   
Stand: 27. Mai  2026 

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Les Saintes-Maries-
de-la-Mer


Arles

Aigues-Mortes

Saline

Le Grau-du-Roi


Les Saintes-Maries-de-la-Mer ist ein Ort, der nach zwei Marien benannt ist (daher auch der französische Plural) Die eine ist Maria Salome, die andere Maria Jacobé (die Mutter des Johannes). Außerdem gibt es noch eine heilige Sara, mit der es eine besondere Bedeutung hat.

Der Ort wurde im 4. Jahrhundert gegründet und bekam 524 ein Kloster geschenkt. Um 860 zogen die Wikinger von hier aus die Rhône entlang bis nach Valencia, neun Jahre später nahmen die Sarazenen den gleichen Weg. Ab etwa 1300 wurde die Kirche zur Wehrkirche umgebau und bekam außer den Schutzmauern auch den Wehrturm, den man heute noch sieht.

Die Skyline der Stadt von der Route d' Arles (D 570) anderthalb Kilometer entfernt
Die Skyline der Stadt von der Route d' Arles (D 570) anderthalb km entfernt


An der Stierkampfarena gibt es Parkplätze (€ 6,00/Tag) und nach dem Blick aufs Meer und die Arena beschließt meine Fau mit der Kirche anzufangen. Sie ist vom Strand aus gut zu sehen und hier steht auch eine Kopie des berühmten van-Gogh-Bildes, der diese Kirche ja gemalt hat. Die Lavendelfelder davor gibt es heute natürlich nicht mehr und einige Häuser kamen auch dazu, aber man kann die Skyline dieser Wehrkirche nachempfinden. Weil sie oben ja einen umlaufenden Wehrgang hat, kann man auch hochklettern und dies nimmt meine Frau zum Anlaß mit ihr anzufangen, denn, so meint sie, voller wird es bestimmt.

Die Kirche heute
Oben: Die Kirche heute

Unten: Die Kirche, wie sie Vivent van Gogh gemalt hat.
Die Kirche, wie sie Vincent van Gogh gemalt hat.


Auf dem Weg zur Kirche gehen wir durch eine leere Innenstadt. Es ist erst halb elf. Einige Männer stehen  am Tresen und frühstücken (Zigarette und Café), die Ladeninhaber putzen noch einmal über die Scheiben, stellen Stühle ordentich hin und es wirkt, als würde der Ort gerade erst wach. Die Straßen sind zwar leer, doch die Touristen werden noch kommen. 

Moirgens um zehn sind noch alle Tische leer - zwei Stunden später wird es eng mit freien Plätzen
Moirgens um zehn sind noch alle Tische leer - zwei Stunden später wird es eng mit freien Plätzen


Die Kirche ist einerseits eine normale katholische Kirche, doch gleichzeitig ist sie mit der Person der schwarzen Madonna (Sara) eine ganz besondere Kirche für die Roma (französisch Gitans). Diese identifizieren sich mit Sara, weil die erstens eine dunke Hautfarbe hatte und zweitens, weil sie eine sozial untergeordnete Dienerin war. Die Krypta steht ganz im Zeichen Saras. An den Wänden hängen Danksagungen und Fotos und an Pfingsten findet die wichtigste von jährlich drei Wallfahrten statt, an denen Roma aus der ganzen Welt hierhin kommen.

Die schwarze Madonna Sara in der Krypta der Kirche
Die schwarze Madonna Sara in der Krypta der Kirche (Foto: Susanne Coburger-Schlu)


Die schwarze Madonna bekommt Festgewänder angezogen und schon Tage vorher stehen Hunderte von Wohnwagen und Wohnmobilen am Ortseingang (unsere Fewo liegt an dieser Straße und man konnte zusehen, wie der Verkehr täglich anwuchs, bis an Pfingsten selber die Staße in den Ort bereits acht Kilometer vorher dicht war).

Die Maria für die Weißen steht in der Hauptkirche, die schwarze Sara muß sich mit der Krypta begnügen. Ist das Rassismus?
Die Maria für die Weißen steht in der Hauptkirche, die schwarze Sara muß sich mit der Krypta begnügen. Ist das Rassismus?

Es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Die meisten Besucher wollen nach unten in die Krypta, die Touristen knipsen dort und die Roma beten und schreiben kleine Zettel, die sie an die Wand kleben: Gebete oder Segenswünsche - es wirkt auf mich ehrlicher als in den großen Kathedalen wie in Köln oder Paris.




Die heilige Sara als Flyer
Als ich aus der Kirche komme, bietet mir eine alte Roma-Frau ein Bildchen mit der heiligen Sara an, will aber Geld dafür. Weil ich die letzten Monate fast alles mit der Karte bezahle, sind nur ein paar Euro im Portemonnaie. Sie will aber mehr und ruft immer nur „ten! ten!“ Die Frau schnappt sich mein Portemonnaie, guckt in die Scheintasche, in das Münzfach (Kupfermünzen) und gibt sich dann mit meinem Angebot zufrieden, denn vermutlich bin ich für sie ein armer Mann. Sie nimmt  meine Hand, zieht die Linien nach und ruft „Long life! Health! Money“ Das ist wohl im Preis inbegriffen.
Auf der Rückseite des Bildchens steht:

Priére à Sainte Sara
Sara, toi la sainte patronne
des voyageurs et de gitans
du minde entier,
tu as vécu en ce lieu
des Saintes Maries de la Mer.
Tu es venue d' un lointain pays au-
dela des mers.
J' aime venir te retrouver ici
te dire tout ce j' ai dans le cœur,
te confier mes peines et mes joies.
Je te prie pour
les membres de ma famille
et tous mes amis.
Sara, veille sür moi
24 mai, fête de Saint Sara.

Soviel Französisch kann ich doch, daß aus diesem Gebet klar wird, wie wichtig die Familienstrukturen der gitans sind (Wieso darf man vom Anti-Ziganismus spreche, aber das Wort „Zigeuner“ nicht benutzen?). Die cigans / gitans / gens du voyage  waren schon immer Reisende ohne festen Wohnsitz und das Einzige, was ihnen Struktur gab, waren ihre Familienbindungen und ihre Freunde. Am Bonn-Beueler Friedhof stehen prächtige Roma- und Sinti-Gräber der ehemaligen Bulibascha (Familienchefs) und jedes Jahr gibt es Wallfahrten dorthin, nicht nur hier in Les Saintes-Maries-de-la-Mer. Hierhin kommen meistens die französischen und spanischen Roma.

Vor dem örtlichen Supermarkt stehen weißgekleidete Herren mit weißem Hut und üppigem Goldschmuck und geben Frauen in bunter, traditioneller Kleidung Anweisungen. Später kommen diese Frauen mit vollen Einkaufstaschen wieder heraus, schleppen sie zum Ortsausgang (wo das Roma-Lager ist) und die weißgekleideten Herren gehen langsam vorweg. Meine Frau hätte mir was erzählt!

Im Laufe der nächsten Tage wird das Feld mit den Wohnwagen voller und als wir einkaufen wollen, kriegen wir nur mit Glück einen Parkplatz. Am Pfingstsonntag wird in der Stadt keine freie Fläche mehr gewesen sein, weil der Verkehr schon beim  parc ornithologique zusammenbricht. Nur Motorradfahrer kamen noch durch.


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