Hompeage Martin Schlu
Camargue -  zwischen Meer und Land
Text und  Fotos:  Martin Schlu,    Stand: 2. Juni  2026

zurück nach Frankreich

Les Saintes-Maries-
de-la-Mer


Arles

Aigues-Mortes

Saline

Le Grau-du-Roi




Die Camargue ist im Prinzip das Mündungsdelta der Rhône zwischen ihren beiden Hauptarmen  Petite Rhône und der Grand Rhône. Je nach Auslegung besteht sie aus dem Rhônedelta (nämlich nur das Gebiet im Dreick Arles, westlichster und östlichster  Arm der Rhône) oder sie umfaßt noch weitere Gebiete der Provence über die Rhônearme hinaus, dann wäre das Rhônedelte eben Bestandteil der Camargue. Sicher ist, daß die Linie von Arles mit den Armen der Rhône bis zu Les Saintes-Maries-de-la-Mer auf jeden Fall zur Camargue gehört.

Die Landschaft ist eine Mischung aus sumpfigem Schwemmland, Sandböden, feuchten Wiesen und trockenen Äckern - je nachdem, wie weit das Wasser der Rhône entfernt ist. Die Natur bestimmt das Gebiet und sie bestimmt die Landwirtschaft (Rinderzucht, Pferdezucht, Wein-, Gemüse- und Reisanbau). Die paar Städte, die es gibt, fallen nicht ins Gewicht, eine Küstenstraße wie an der Côte d' Azur gibt es nicht.
Im Land der schwarzen Stiere
Als Kind in den 1960ern war mein Lieblingsbuch „Im Land der schwarzen Stiere“ der Tierbuch-Autorin Marcelle Vérité und ich stellte mir vor, auf dem beschriebenen  Hof mitten in der Camargue zu leben, schwarze Stiere ohne Weidezaun zu halten, die weißen Pferde aus dem Wasser zu fangen, zu reiten und zu verkaufen. Ich fand das damals alles ganz toll, denn ich wohnte  in Bochum, hatte ständig die Nase voll von Kohlenstaub und erinnere mich an frisch gewaschene weiße Wäsche, die nach ein paar Stunden trocken war, aber einen Grauschleier hatte. Da bot diese Erzählung eine gute Möglichkeit zum Träumen. Später erfuhr ich, daß die Wildpferde ein Mitbringsel der Sarazenen waren, die sie bei ihrem Rückzug aus der Camargue dort ließen, noch später,  daß die Camargue ein Bestandteil des Festlandes war, den sich das Meer bis heute zurück holt und noch viel später durfte man das Z-Wort nicht mehr verwenden, obwohl diese Gruppe bis heute in der Camargue eine zentrale Rolle spielt. (s. Snts.-Marie-de-la Mer).

Die Sprache der 1960er Jahre war eben anders und fast sechzig Jahre später kann ich mir nicht vorstellen, daß zehnjährige Kinder heute solche Geschichten lesen oder gar verstehen  können. Da hilft die ganz KI nichts und ich glaube, daß in näherer Zukunft kaum ein Kind noch liest, sondern bestenfalls ein paar Minuten Geschichten per Tonie, Handy oder aus Amazonien schafft.

Marcelle Vérité: „Im Land der schwarzen Stiere“ , dt. Übersetzung von Rolf Ulrici, Franz-Schneider-Verlag, München 1961, nur noch antiquarisch zu bekommen. Es lohnt sich!

Schwarze Stiere gibt es in der Camargue genug - meistens aber auf einer Weide.
Schwarze Stiere gibt es in der Camargue genug - meistens aber auf einer Weide


Einige Jahrzehnte später erinnerte sich meine Frau, wie sie mit ihrem damalige Freund um 1973 per Interrail nach Les Saintes-Maries-de-la-Mer fuhr, am Strand zeltete und überhaupt unberührte Natur erfahren konnte und mußte, weil das Geld knapp war. Rosa Flamingos, weiße Pferde und schwarze Stiere gab es an jeder Ecke. Also hatte sie vor etlichen Monaten eine Unterkunft gebucht und nach den Autobahnen bis Marseille fuhren wir -zig Kilometer über die Landstraßen, immer auf den früheren Sehnsuchtsort zu.

Da standen sie auf einmal neben der Straße, nur durch das Wasser getrennt: weiße Pferde aus der Camargue:

Weiße Pferde gibt es hier häufig
Weiße Pferde gibt es hier häufig - meistens stehen sie hinter einem unauffälligen Elektrozaun. (Foto: Susanne Coburger-Schlu)

Les Saintes-Maries-de-la-Mer ist jedenfalls der Ort, um den sich hier alles dreht und fünfzig Jahre später hat sich hier auch viel verändert. Egal, wo die Wohnung liegt - man muß hier sehr viel fahren, wenn man etwas sehen will. Viele Details sieht man im Vorbeifahren oder Vorbeigehen, die zu etwas passen, von dem man schon gehört hat. Wir hatten eine Willkommensflasche Sandwein, Wein, der auf den Sandböden angebaut wird, aber die dazugehörigen Pflanzen haben wir erst Tage später gesehen und konnten sie dann einordnen:

Sandwein an der Straße D 507 nach Aigues-Mortes
Sandwein an der Straße D 507 nach Aigues-Mortes. Der Wein wächst auf dem Sandboden.


Rosa Flamingos haben wir am letzten Tag gesehen. Die Ferienwohnung liegt neben dem Vogelpark, der von -zigtausenden Vögeln bewohnt und besucht wird, so daß wir uns immer gewundert haben, warum wir am Wasser so wenige Mücken hatten. Am diesem Tag wollten wir nicht mehr irgendwohin fahren und liefen eine Stunde durch den Park um Vögel zu beobachten und zu fotografieren. Weil das Gelände so weitläufig ist, fallen ein paar Hundert Besucher nicht mehr auf, denn sie verteilen sich auf sechzig Hektar, also etwa siebzig Fußballfelder und weil der Park in der Wildnis der Camargue angelegt wurde, sieht eine Gruppe Flamingos aus wie in freier Wildbahn. Anders als im Zoo können sie auch fliegen, kommen aber wieder zurück. Hier gibt es ja immer zu fressen.

Eine Gruppe Flamingos im flachen Wasser
Eine Gruppe Flamingos im flachen Wasser



Parc ornithologique, (an der D570, Route d'Arles, Pont de Gau)
13460 Saintes-Maries-de-la-Mer,  Eintritt: € 8,50

Fewo: Logis Hôtel le Nid Pont de Gau
(an der D570, Route d'Arles), 13460 Saintes-Maries-de-la-Mer,
nicht billig, aber gut und ein guter Ausgagspunkt für die gesamte Camargue



weiter nach Saintes-Maries-de-la-Mer  
- nach oben