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Valensole - Lavendelfelder - Riez - Puimoisson - Moustiers-Sainte-Marie - Verdonschlucht / Gorges du Verdon - Sisteron
Begriffsklärung Die Haute Provence meint den höher gelegenen Teil der Provence, der aus den Ausläufern der Alpen besteht und an die Seealpen (Alpes-Maritimes) grenzt. Zur Provence fällt das Land stark ab, der höchste Berg ist der „Barre des Ecrins“ mit 4102 Metern Höhe. Von Aix-en-Provence aus wollen wir ins Hochplateau von Valensole fahren und, wenn noch Zeit ist, zu der Schlucht, die der Fluß Verdon in Millionen Jahren in den Kalkfelsen gegraben hat. https://www.provence-netz.de/165/Gebirge-Berge-Bergipfel.html Valensole Das Plateau Valensole ist eine Hochebene zwischen 290 und 651 Metern Höhe mit etwa 800 qkm Ausdehnung. Die Anreise von Aix-en-Provence ist mit anderthalb Stunden angegeben und führt zunächst über die A 51 bis zur Ausfahrt 18 ( Valensole/ Manosque) Dort wechseln wir auf die D 907 / D35 und wühlen uns über Landstraßen, die durch blühende Mohnfelder führen... ![]() Blühende Mohnfelder bei Valensole ...einzelne uralte Bäume an den Feldrändern... ![]() Ein freistehender Pinie am Feldrand und endlich kommen die Lavendelfelder in Sichtweite, allerdings mit einem kleinen Schönheitstfehler: Wir sind zu früh. Der Lavendel aus diese Halbhochlage (immerhin 500 Meter) blüht erst viel später als unser Lavendel im rheinischen Garten. Lila wird es hier erst im Juli, wenn die Temperaturen an der 40°-Grenze knabbern und wir wollten ja eben nicht im Hochsommer hierhin, weil uns schon Mitte Mai dreißig Grad recht heiß erscheinen. ![]() Noch zwei Monate warten, dann wird es hier lila. Ein Fotograf hatte wohl eine rote Bildidee, das Modell steckt in einem roten Kleid und muß im roten Mohnfeld die Fotosession über sich ergehen lassen. Im Juli hätte man sie wohl in ein lavendelfarbenes Kleid gesteckt. ![]() Mohnfeld mit Modell und Fotograf bei der Arbeit Das Einzige, was um diese Zeit (Mai) hier lila blüht, ist eine Salbeipflanze, Muscatella, die ätherische Öle liefert, aus denen man Grundstoffe der Parfumherstellung gewinnt. Die antiseptische Wirkung macht aus ihm auch ein Heilkraut und die Bauern pflanzen ihn zweijährig an, damit sich der Boden wieder erholen kann. ![]() Muskateller-Salbei auf einem Acker bei Valensole nach oben Riez Hinter Valensole geht es über die D8 höher und die Straße wird kurviger. Zypressen lösen die Pinien nun als Straßenbäume ab und die ersten Serpentinen führen nach oben. Das Navi wird übergenau, definiert jede Spitzkehre als Kreisel und sagt uns vor jeder Links- oder Rechtskurve, daß wir links oder rechts abbiegen müssen. Wir schalten es stumm und verpassen natürlich prompt den Übergang auf die D 952, eine von zwei Paßstraßen, die uns zur Vendor-Schlucht bringen soll. Stattdessen fahren wir einen längeren, aber schönen Umweg über die D 953 und kommen an einem verschlafenen Dorf heraus - Puimoisson. ![]() Zypressen dienen als Straßenbäume - manchmal gibt es sie auch als Allee.Nur Schatten spenden sie nicht. nach oben Puimoisson Puimoisson ist ein kleines Dorf. Die D953 verändert sich zur D 8 und wird trotz der größeren Bedeutung schmaler, führt an wenigen Häusern und drei Geschäften vorbei und das eigentliche Dorf sehe ich erst, als wir durch sind. Wir hätte es aber auch nur zu Fuß erreichen können. Die Kombination gelbes Getreidefeld und gelbe, große Ginsterbüsche begleiten uns die nächsten zwanzig Kilometer. ![]() Puimoisson - ein kleines Dorf in der Nähe von Valensole nach oben Moustiers-Sainte-Marie Wieder auf der D 952 erreichen wir nach zahlreichen Serpentinen das Dorf Moustiers-Sainte-Marie. Auch hier gibt es vor dem Dorf Parkplätze, daß man möglichst nicht in den Ortskern hineinfährt, denn die Häuser kleben regelrecht an den Felsen und die überragen sie sicher noch um 100 Metern. Ein Felsabsturz wie im schweizerischen Blatten vor einem Jahr ist hier recht unwahrscheinlich, weil die Felssubstanz härter ist und ohne klebendes Eis auskommt, aber ich würde hier nicht wohnen wollen. Bei knapp sechshundert Einwohnern bliebe man mindestens eine Generation lang der deutsche Außenseiter und ein Einkauf im nächsten Supermarkt wäre eine halbe Tagestour. Trotzdem gilt dieser Ort als eines der schönsten Dörfer Frankreichs. ![]() Hinter den Bäumen versteckt kleben die Häuser regelrecht an dem Felsen. nach oben Verdonschlucht / Gorges du Verdon Der Fluß Verdon hat in Jahrmillionen eine etwa 700 Meter tiefe Schlucht gegraben, über zwanzig Kilometer lang, die in Castellane beginnt und mit der Mündung in den Stausee Lac de Sainte-Croix endet. Mit elf km Länge und einer Größe von ca. 22 qkm ist dieser See mehr als ein Drittel größer als der bayrische Forggensee bei Füssen, der als größter Stausee Deutschlands gilt (15,2 qkm) . Die Gemeinde La Palud-sur-Verdon ist Ausgangspunkt der Ringstraße D 952, die auf der Paßhöhe 1.033 Meter Höhe erreicht und die Klippen der Verdonschlucht miteinander verbindet. Wenige Meter tiefer kann man bis zu 700 Meter hinab auf der Fluß Verdon schauen, doch erst am Belvedere de Trescaire bas (über die D23, Route des Cretes erreichbar) kann man senkrecht hinunterschauen - vom Fluß selbst sieht man da allerdings nicht mehr viel. ![]() Der Verdon aus etwa siebenhundert Meter Höhe - für Details klicke man auf das Bild ![]() Der Verdon ein paar Hundert Meter weiter Aussichtsplattformen führen einige Meter abwärts, so daß man den Fluß besser sehen kann, doch infrastrukturell gibt es oben am Aussichtpunkt nichts. Die nächste Möglichkeit für Essen, Trinken, Klo ist das Restaurant Le Styx am Hôtel Le Provence. Die hatten sogar noch freie Plätze unter Sonnenschirmen, doch am Belvedere de Trescaire bas weiß man das noch nicht - erst wenn man ein paar Minuten weiter gefahren ist, findet man den Ort. ![]() Oben: Die Aussichtsplattformen sind nicht unbedingt jedermanns Sache - schwindelfrei sollte man sein. Unten: Die Felswände wirken auf dem Bild klein, doch in natura sind sie riesig. ![]() Auf dem Rückweg kommen wir wieder am Stausee Lac de Sainte-Croix vorbei, von dem wir jetzt gesehen haben, wie der Verdon in ihn hineinfließt. Zurück geht es über die D 957 und die D 952 nach Valensole und dann auf die Autobahn in die Fewo. ![]() Der Stausee Lac de Sainte-Croix von der Straße D 957 im Nordosten nach oben Sisteron Sisteron sollte man an einem anderen Tag machen als die Verdonschlucht, weil es ein gutes Stück weiter westlich liegt und es von der Schlucht über die Pässe eine elende Fahrerei wäre. Von Aix-en-Povenve fährt man auf die A 51, die ab dem Château de Vauclaire nach Osten abbiegt und den Rest des Weges durch das Flußtal führt, das die Durance gegraben hat (Val de Durance). Die Stadt liegt am Zusammenfluß von Bouche und Durance und hatte damit über die Rhône eine Verbindung zum Mittelmeer, die durch den wechselnden Wasserstand aber nur zu bestimmten Zeiten möglich war. Bei der Hinfahrt sieht man schon ein paar Kilometer vorher die Zitadelle, die an diesem Standort in 550 Meter Höhe bereits in römischer Zeit angelegt wurde, um den Landweg von Italien zum Rhônedelta und nach Spanien zu kontrolieren (via dormitia). Im 11. Jahrhundert war die Festung bereits eine Burg. 1483 wurde die Provence französisch, denn weil die regierende Familie von Forcalquier und von Provence keine Erben hatte, fiel das Gebiet an Ludwig IX., den französischen König. Sisteron hatte zu diesem Zeitpunkt seit 1348 außer der Pest noch fünf andere Epidemien überstanden und nur noch ein Drittel der früheren Einwohner, doch die Verkehrslage blieb wichtig, weil man hier mit wenigen Leuten den Zugang kontrollieren konnte - immerhin gab es seit dem 13. Jahrhundert hier die einzige Brücke über die Durance. ![]() Aussicht auf die Pont Routier sur le Buech, die Durance und die alte Stadtmauer Sisterones. nach oben Als die Stadt zwischen 1562 und 1594 den Hugenotten als Zuflucht diente, wurde sie zweimal belagert, konnte aber verteidigt werden und wurde um die Zitadelle erweitert. Zu Zeiten Ludwig XIV. wurde die Anlage als französische Festung modernisiert und diente noch bis 1920 als Zwangsunterkunft für deutsche Kriegsgefangene. Danach wurde sie vom Militär an die Stadt zurückgegeben und wandelte sich seither zur Touristen(hoch)burg. Durch die Untertunnelung des Berges konnte man den Verkehrsfluß verbessern und die Stadt an die Nationalstraße und die Autobahn anschließen. ![]() Der Teil der Zitadelle, den man von unten sehen kann Vom Ort selber ist die Zitadelle nur mangelhaft zu sehen, weil unterhalb der Festung längst alles zugebaut ist. Wer hinauf will, hat die Wahl von gut einem Kilometer steiler Wege und Treppenstufen, der dämlichen Bimmelbahn oder dem Taxi. Das wiederum darf bis zum Eingang fahren. Den besten Blick auf die Festung hat man von der Autobahn auf der anderen Seite - leider darf man nicht anhalten. Das untere Foto entstand deshakb in Teamarbeit, ich fuhr, meine Frau machte eine Serie vom Beifahrersitz und ich habe dann ein bißchen ausgeschnitten. ![]() Die Festung von der anderen Seite der Durance (Foto: Susanne Coburger-Schlu) Der Ort selber muß erlaufen werden, doch es gibt genug Parkplätze. Oberhalb der Kathedrale fanden wir einen Platz, der für drei Stunden vier Euro kostete und uns gegenüber Köln oder Hamburg als Wohltat erschien. Gegenüber lagen drei Restaurants. Wir entschieden uns für das Mittlere und hatten für €30,00 pP eine gute Mahlzeit mit Eisbecher. ![]() Oben: Die Innenstadt von Sisteron muß erlaufen werden, mit dem Auto hat man keine Chance (Foto: Susanne Coburger.Schlu) Unten: Salade César - überall zu bekommen und immer etwas anders ![]() Le Grand Salon, Sisteron, 212 Avenue Paul Aréne Bei der Rückfahrt wurden wir über die D 4085 von der rechten Seite der Durance über die alte Steinbrücke auf die linke Seite geleitet und hatten vorher eine wunderbaren Ausblick auf den Hausberg der Stadt, den Rocher de la Baume. ![]() Aussicht auf den Rocher de la Baume nach oben zurück in die Provence |
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